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Die neue Welt · 1936-03-06 · Heft 543 (6.3.1936) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 543 (6.3.1936)
Date
1936-03-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis 20 Groschen Freitag, den 6* Mäiz 1936 Titl. Universitätsbibliothek v*b«*< Verleger veraende* £dle par rediteur« DIE NEUE kblT REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich 551oty 1.50« vierteljahrig Zloty 4.60: Tschechoslowakei monatlich Ka 6.—, vierteljährig Kc 15.~; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel« jährig Dinar 40.—; Bnm&nien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, \ vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien. monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14^-5 Schwell! und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u, Vervialtung: IX, Universitätsstr, 8,7eL A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Die erste Judendebatte r , Im belgischen Parlament fand zum erstenmal seit dem Bestehen eine Judendebatte statt. Der katholische Abgeordnete Dr. Delwaide übte Kritik daran, daß Ende Jänner Dr. Henri Buch als erster Jude zum Rechter ernannt wurde. Der junge Richter sei erat vor kurzem naturalisiert worden und deshalb „mit f lämiseher K.u-1 tur und Seele nicht genügend verbünde n".. ■Tatsäcwj^tfprde Dr. Buch in Antwerpen geboren und erzogen. Mit Rücksicht auf seine besondere'Befähigung wurden ältere. Anwärterbei seiner Ernennung übergangen. ' . Der liberale Abgeordnete Marcel Henri Jas par'. erklärte im Namen seiner liberalen Kollegen, daß diese Interpellation von -einer merkwürdigen Geistesverfassung zeuge. Wir können es nicht'zulassen, "sagte der Abgeordnete; daß Beigier erster und zweiter- Klasse geschaffen werden. Der . ehemalige Minister Carton de Wiart meinte, .es. sei. nicht zu leugnen,' daß diese Ernennung in' juridischen Kreisen starke' Erregung hervorgerufen habe. Der gegenwärtige Justizminister Souda/n replizierte darauf:J„In antisemitischen Kreisen, meinen Sie!" Abg. Jaspar rief: „Wir sind nicht gewillt, in Belgien eine 'RassenpoIitik einzuführen, wir' halten dfes'.für un christlich." . ".'; Es sprachen noch der frühere demokratisch-katholische "■, Wirtschaftsminister Hyman und der . frühere Minister und jetzige Bürgermeister von Antwerpen C/ Huy.smans, der fragte, ob dies die einzige Ernennung unter solchen Umständen in letzter Zeit gewesen sei. Außenminister Paul Hymans erklärte,, er könne die Namen 'einter' Reihe jun-ger'Katholiken nennen, die unter den gleichen Umständen wie Dr. Henri Buch ernannt worden seien. Die Warschauer Universität geschlossen! . . Aus Warschau: . An der Warschauer Universität mußte heute der gesamte Studienbetrleb durch; die akademischen Behörden wiederum bis auf weiteres eingestellt werden, da die studentischen Anhänger ■ der; nationaldemokratischen Oppositionspartei iHdenf eind.Uehe Ausschreitungen hervorriefen, wobei - mehrere Hörsäle und Amtsräume demoliert .wurden. Rektor und Senat erklärton, daß sie derartige Störungen des akademischen Lebens auf keinen Fall dulden würden. In demselben Sinne hat sich auch der polnische Unterrichtsminister geäußert. Der Rogatsdicwer Oaon gestorben Der Rogatschower Gaon Josef Rosen, früher Rabbiner' in Durnsk, zuletzt in Riga, Verfasser des Kommentars zum Rambam „Zofnas Paneach", starb Mittwochs dein 4. d. M., in einem Wiener Sanatorium. Zwei gute Lehren Für die Männer, welche im englischen Oberhaus sitzen, besteht keine Nötigung, zum Fenster heraus und einer Wählerschaft zu Gefallen zu sprechen. Sie sind für Lebenszeit bestellt und von niemandes Gnaden abhängig. Die Lords können sich den vielen anderen Parlamentariern versagten Luxus einer eigenen Meinung unter allen Umständen und deren ruhige, unbekümmerte Vertretung leisten. Nicht zuletzt darum kommt es im Oberhause selten zu hitzigen Auseinandersetzungen und geschlossenen Kundgebungen. Es ist daher bemerkenswert, daß es in der Vorwoche im englischen Oberhaus zu einem einheitlichen Angriff auf die Regierung kam und mehr als ein halbes Dutzend Lords der unterschiedlichsten politischen Einstellung — Konservative, Arbeiterparteiler und Liberale — in schärfster Weise gegen die Regierung Stellung nahmen. Nicht ein einziger Redner trat der Regierung an die Seite. Und noch bemerkenswerter wird der Vorfall dadurch, daß er sich um die jüdische und zionistische Frage abspielte. ©allenftciriöllöim^cn 6caca«e totrtfänt burdj , teflelmnftioen ©enuft Don '; freblaner Die Debatte bezog sieb auf den Plan der englischen Regierung,..in. Pa^otma..^ ejn . .P. a r.l a m e n t einzurichten, das, nach dem derzeitigen Stande der Bevölkerung, eine arabische Majorität haben muß. Alle Redner sprachen aus, daß diese Absicht darauf hinzielt, die J;uden zur ewigen Minorität in Palästina zu machen. Alle erklärten, daß dies einen Bruch des vom Völkerbund und dem englischen Volk den Juden geleisteten feierlichen Versprechens bedeutet. Alle stellten fest, daß diese Treulosigkeit um so schändlicher und gefährlicher ist, als sie gerade im Augenblick der größten Not des jüdischen Volkes in der ganzen Welt und in der Zeit der intensivsten und erfolgreichsten Arbeit des jüdischen Volkes in Palästina in die Erscheinung tritt. * Für gewöhnlich kann man an üblen Erfahrungen lernen. Hier liegt eine gute Erfahrung vor, welche ungemein lehrreich ist. In zweifacher Hinsicht zeigt der Verlauf dieser Palästina-Debatte die schweren Verfehlungen der zionistischen Politik der letzten fünfzehn Jahre auf. JEDEN SONNTAG Sonderreisen mit »Francopol« .«„ Polen l*£ Rückfahrt: 17. und 31. März, 21. April, 5. und 19. Mai. Polnisches Verkehrsbüro „FRANCOPOl", III., Schwär zenbergplatz 7, gegenüber dem Polnischen Konsulate, Tel. U-16-4-90. Reisebüro CERNGROSS, VII., Mariahllferstraße 42, Tel. B-38-2.68. . Diese Politik war dadurch gekennzeichnet, daß sie, um Schwierigkeiten des Tages leichter zu Uberwinden, das Ziel preisgegeben hat oder verheimlichen zu können glaubte. Die Tendenz der Preisgabe kam auf dem Baseler Zionistenkongreß 1931 klar zum Ausdruck, als Präsident Weizmann erklärte: „Ich habe weder Sympathie, noch Verständnis für die Forderung nach einer jüdischen Majorität in Palästina. Eine Mehrheit ist für die Entwicklung einer jüdischen Zivilisation und Kultur nicht erforderlich ... Warum sollenwir eine Forderung stellen, die nur einen provozierend e n Eindruck machen wird ..Das war Preisgabe des Zieles! Dann kam seine» Verheimlichung* Auf dem Luzerner Kongreß 1935 forderten die Judenstaatler das offene Bekenntnis zum Ziel. Die Redner der Majorität aber erklärten, Schweigen sei Gold und man dürfe nicht der Welt die zionistischen Absichten unter die Nase stoßen. Die Debatte im Oberhause hatte bewiesen, daß die nichtjüdische Welt — ob man ihr es sagt oder nicht — die Wahrheit kennt und weiß, daß Zionismus jüdische Majorität und Selbstregierung in Palästina bedeutet, sonst nichts. Die Debatte im Oberhaus hat bewiesen, daß die Nichtjuden die Berechtigung des großen zionistischen Strebens anerkennen und daß offene Aussprache über das zionistische Endziel nicht „provozierend", sondern notwendig ist. Eine gute Lehre für die Leiter der zionistischen Politik. Dann noch etwas. Der gemeinsame Vorstoß aller Parteien gegen die Regierung hat gezeigt, was die zionistische Majorität nie sehen wollte: Englisches Volk und englische Regierung sind nicht eins. Man kann der beste und ergebenste Freund de« englischen Volkes sein und Stellung gegen seine Regierung beziehen, wenn es erforderlich ist. Ja, man muß es oft. tun. Das jüdische Volk genießt große und. werktätige Sympathien des englischen Volkes. Das englische Volk hat dem jüdischen die Balfour- Deklaration gegeben. Dann aber sind englische Regierungen gekommen und eine nach der anderen hat unter dem unseligen Einfluß einer engstirnigen Bürokratie gegen den-Zionismus und solcher Art gegen den GUN NISTRÜMPFE Owunderbar leichte Sorte „Paradruif- Lastex für Empfindliche FACHFIRHfl Bundngen-nlikojasd! WI Taborstr.22 Willen des englischen Volkes gehandelt. Wieder waren es die Judenstaatszionisten, welche von der Zionistischen Organisation den Kampf gegen die Tendenzen dieser englischen Regierungen, in London und Palästina, forderten. Wieder war es die zionistische Majorität, welche die Forderung mit Fehlargumenten bekämpfte. Man darf nicht gegen die große englische Nation kämpfen! Man darf nicht das englische Volk angreifen. . Man hat sich den Unsinn einreden lassen, daß englisches Volk und englische Regierungsbürokratie eins sind, und auf diesen Unsinn ein zionistisch-politisches System gegründet. Nie for» dem, immer ergebenst bitten und nachgeben. Der Schaden, welchen dieses System gestiftet hat, ist kaum abzusehen. Die Debatte im englischen Oberhaus hat bewiesen, daß der Zionismus im englischen Volk auf viele und einflußreiche Helfer zählen kann und diese Freunde den Kampf gegen das antizipnistische Gehaben ihrer Regierung nicht als feindseligen, sondern als notwendigen Akt ansehen. Sie hat bewiesen, wie verfehlt eine Politik ist, die das Schicksal des Zionismus im Vorzimmer der englischen Palästlina-Regierung beschlossen glaubt, statt zum englischen Volke zu gehen und seinen Beistand gegen diese Regierung zu fordern, wenn sie gegen das vom englischen Volke anerkannte zionistische Recht verstößt. Das ist die zweite gute Lehre. r. st □□□DdBEBHHEIOGI Samstag, den 14. Nirz 1936 h ^nnrannmmnrCT Veranstaltet vom Verband der Judensfaafszionisfen in den Festsälen efes HOTEL „CONTINENTAL1 Die schönsten Gruppen und Kostüme werden prämiiert. KARTEN ä S 3»— in allen Sektionen und im Verbandsheim,

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