Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 542 (3.3.1936)
- Date
- 1936-03-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite * DIE NEUE WELT Nr. 642 vom 3. Mar« 1636 Frauengruppe der Neu-Zionistischen Organisation Saatstn«, den 7. März 1936, 9 Uhr abends, Im Festsaal des Hotel de France, I, ichottenrinß 3 Pltrimtfttt Eine Nacht am Strand von Tel «Aviv Jan i Mitternachtskabarett / Tatiz / Sommer- oder StrandÄleldung Karten im Sekretariat, I, Biberstraße 17, Tei. R-2d-C04. Kunstwerk»««*, Vi, Mariahllferstr. 101. Tel. B-25-0-10, Sporthaus Laiar, IX, Kollngasse Weltpolitik der Woche Seiner Presse kann der kontinentale Leser schwerlich entnehmen, was in Japan vorgeht, es sei denn, daß er mit der ostasiatischen — politischen und kulturellen — Materie vertraut ist, soweit sie einem Europäer zugänglich wird. Wir sind also auf Vermutungen und Kombinationen angewiesen. Dem äußeren Schein nach handelte es sich um die Revolte eines Armeeteiles, der die zivile Regierung vernichten und an ihre Stelle eine nationalistische Militärdiktatur setzen wollte, um das Tempo der Eroberung chinesischer Gebiete zu beschleunigen. Nach den Meldungen ist der Konflikt liquidiert, aber die zwischen den extremen Nationalisten und den liberal-konservativen Regierungskreisen bestehende Spannung läßt weitere Explosionen zu. Die Westmächte sind stark genug, ihre Interessen im Fernen Osten zu schützen, soweit diese durch die japanischen Vorgänge gefährdet werden könnten. Amerikas Flotte steht raumgreifend im Pazifik, und die englische Aufrüstung gilt zweifellos auch den Aufgaben des britischen Imperiums außerhalb Europas. Gefördert werden die Rüstungspläne durch die Tatsache, daß Deutschland überall, wo seine Raubabsichten auf Widerstand stoßen, durch seine Propaganda Unruhe stiftet und Friedensbestrehungen zu unterminieren versucht. Es fehlt nicht an Stimmen, die den japanischen Putsch auf hitleristische. Initiative zurückführen — weiß man doch, daß beispielsweise in Syrien und in Marokko nationalsozialistische Agenten ' mit Geld und Agitationsschriften operieren. Seit der Ratifizierung des sowjetrussich-fran- 2Ösischen Paktes durch die Pariser Kammer ist für Deutschland die letzte große Chance, Frankreich isoliert zu halten, verlorengegangen. Die Machthaber des Dritten Reiches, denen eine „Annäherung" an England und Frankreich nicht gelungen ist, versuchen ihr Manöver mit Italien und Ungarn, ein Manöver allerdings, das überaus durchsichtig ist und seitens der beiden letztgenannten 'Staaten *zur Verbesserung ihrer Lage gegenüber den einzelnen Mächtegruppen ausgenützt wird. Insbesondere versucht Italien, durch ein betontes Abseitsstehen und durch Kokettieren nach der nationalsozialistischen Seite Vorteile zu erlangen, die es durch die abessinischen Erfolge allein nicht erringen könnte. Die Kristallisation der einzelnen Machttendenzen ist immer noch im Werden. Man kann durchaus nicht sagen, wie im Falle großer kriegerischer Entscheidungen die Mächtegruppierungen aussehen. Das trifft vornehmlich auf Polen und Italien zu. Polen hat bisher nicht viel Verständnis für seine außenpolitischen Notwendigkeiten gezeigt, während Italien seine Willensfreiheit erst nach Beendigung des abessinischen. Feldzugs wiedergewinnen wird. Prophezeiungen sind also nicht am Platz. Aber wenn Logik und Volkspsychologie noch einen Wert haben, dann kann man ohne Gefahr, von der Zukunft widerlegt zu werden, behaupten, daß im Augenblick der Entscheidung nicht Verträge, sondern Interessen ausschläggehend sein werden. Gehen Verträge und Interessen konform, desto besser. Im Weltkrieg war das nicht überall der Fall, daher die zahlreichen Ueberraschungen ... Zum zweitenmal auf dem Weg hakenkreuzlerischer Erpressungsmanöver erlebt man, daß ein kleiner Staat seine Rechte und seine Wünsche gegenüber Deutschland zu wahren weiß. Zuerst war es Oesterreich, das dem hitlerischen Druck nicht nachgab, sondern den Abwehrkampf gegen das mit den Mitteln des Terrors, der Verleumdung, des Mordes arbeitende nationalsozialistische Regime aufnahm und ihn bestand. Erst in späteren Tagen wird man den Heroismus dieses Kampfes voll erfassen. Jetzt hat die Schweiz ein Beispiel dafür gegeben, wie man gegen hitleristische Drohungen vorzugehen hat. Sie hat die Provokationen der deutschen Regierung mit der Auflösung der schweizerischen nationalsozialistischen Organisation und aller hakenkreuzlerischen Sportverbände beantwortet und das Berliner Außenamt gezwungen, die Order bezüglich der Auflösung der Schweizer Vereine in Deutschland zurückzuziehen. Die Haltung der Schweiz läßt die Hoffnung zu, daß der Prozeß gegen David Frankfurter in einer Atmosphäre absoluter Objektivität, Ritterlichkeit und Unbeeinflußbarkeit geführt werden wird— also getreu den edlen Traditionen, die dem schweizerischen Bundesstaat die Sympathien der Kulturwelt erobert und bewahrt haben. ). r. 20 bin 30 Prozent Ersparnis bei Fahrten nach Polen und Czernowitz mit „Francopol", III., "Schwarzenbergplata 7, und „Gerngroß "E yn.r Mariahilferetraße 42, Gegen den Auszug der Aus New York: Auf einem von der Frauen- Abteilung des American Jewlsh Congress gegebenen Lunch, dem 800 bekannte Persönlichkeiten beiwohnten, bekämpften der Präsident des American Jewish Congress Doktor Stephen S. Wise und Dr. Frank Bohn sehr scharf die Pläne für einen Massenauszug der Juden aus Deutschland. Dr. Stephen Wise erklärtet Wir vom American Jewlsh Congress sind in keiner Weise daran interessiert, jüdischen Reichtum zu retten. Wir haben nur das Ziel, die jüdische Ehre zu retten Das neue Museum in TehSkviv Nach mehrjähriger Vorbereitungsarbeit ist die Sammlung von Bildern, Plastiken etc., die bisher in den vom Bürgermeister Dizengoff bereitgestellten Räumen aufgestellt war, vom Erweiterungs- und Neubau des Jüdischen Museums aufgenommen worden. Tcl-Aviv hat nun sein jüdisches, repräsentatives Museum. Die Eröffnung dieses Museums fand vor kurzem statt. Zu den Mitgründern des Museums, das der Jischuw vornehmlich der Initiative Dizengoffs zu verdanken hat, gehörten Ch. N. B i a 1 i k, der in Paris lebende Maler Marc C h aga 11, der Radierer Hermann Struck und der Sammler Mosche Lewin (Antwerpen), der seine aus hervorragenden Werken französischer und belgischer Maler bestehende Sammlung dem Museum vermachte. Ab 1931 setzte eine rege Werbetätigkeit ein, die großen Erfolg hatte, so daß bereits. Ende 1935 eine ansehnliche Anzahl von Werken beisammen war und die Erweiterung des Museums erforderlich machte. Das kleine Häuschen wurde zu einem modernen Museumsbau umgestaltet, das über alle museumstechnischen Einrichtungen verfügt. Das Museum hat einen Bestand von mehr als 350 Gemälden, 75 Plastiken und über 4000 Aquarelle, Handzeichnungen und Graphiken. Vertreten sind u. a.: Jozef und Isaac Israels, Camille und Lucien Pissarro, Max Ldebermann, Lesser Ury, Chagall, Monet, Vlaminck, Utrillo, Derain, Picasso, Marie Laurencin, van Gogh, Ensor, Degas, Antokolski, Jacob Epstein, Lewithan, Gottlieb, Corinth, Slevogt, Menkes, Kisling, Scharff, . Fiori, Sintenis, Lehmbruck, Bazzarro — Künstler von internationaler Bedeutung, die Beweis dafür sind, daß das Museum nur erstrangige Werke sammelt. Den großen jüdischen Künstlern aus aller Welt werden besondere Räume gewidmet werden. Die Leitung des Museums hat Dr. Karl Schwarz, der ehemalige Direktor des Jüdischen Museums Berlin inne, ein verdienstvoller, auch als Kunstschriftsteller und Kunsthistoriker anerkannter Fachmann, dessen Händen der wertvolle Besitz mit Recht anvertraut ist. Aus der Tschechoslowakei Haben die Hitler-Leute in Aussig studiert? Die bitierischen Henlein-Leute rühren sich nicht zuletzt in der Judenfrage. Sie erlauben sich schon die schwersten Provokationen. Die unter dem Henlein-Regime stehende nordböhmische Industriestadt Aussig hat Verbot gegen das jüdisch-rituelle Schächten erlassen, obzwar die Regierung wiederholt solche Verbote als der Verfassung zuwiderlaufend bezeichnet hat. Charakteristischer als das Verbot selbst ist aber dessen Begründung durch die Stadtverwaltung1. Auf den an die Landesregierung gerichteten Protest des Aussiger Kultusvorstandes hat der Magistrat an die Regierung folgende Antwort gerichtet: „Die Gemeinde hat dadurch, daß sie das Betäuben der Tiere vor dem Schlachten anordnete, ein Stück Volkserziehungsarbeit geleistet. Das Schlachten unbetäubter Tiere sei für haltlose, moralisch defekte oder in ihrem Sexualleben abnormale Renschen als eine Schule d«s Mordes in seiner bestialischesten Form aufzufassen, In der Nacht am 30. Juni 1934 wurden im Dritten Reich Hunderte von Volks- und Parteigenossen auf eine Art ins Jenseits befördert, die von der Weltpresse als perverse Mordlust defekter Menschen beurteilt wurde. Haben die Akteure dieser denkwürdigen Blutnacht beim jüdischen Schächter in Aussig Vorunterricht genommen? Das ist kaum anzunehmen. Henlein und die Juden Die Prager Rede Henleins, welche den Auftakt zu einer nazistischen Judenhotze in der Tschechoslowakei gegeben hat, wurde im „Deutschen Haus" gehalten. Die zionistische „Medina Iwrit" schreibt dazu: „Tausendfache Schmach aber trifft die inferioren, kriecherischen Ghetto-Figuren unseres Volkes, die allen Fußtritten und Besudelungen zum Trotz in dem Von ihnen erbauten und erhaltenen „Deutschen Hau8" solch Treiben über s^ch einhergehen lassen. Dies ■ wird noch grotesker, wenn man bedenkt, daß die P r a g e r Jüdinnen für d«n Henleln-Hilfsfonds Kc 85.000,— gesammelt haben und daß die getarnten Worte Renleins begleitet wurden von der Musik des Deutschen Theaters, jener Kulturstätte, die aus jüdischem G«>ld geschaffen wurde und erhalten wird. Es gibt keine tragikomischere Rolle als die, welche unsere „deutschen Juden" in Prag spielen Juden aus Deutschland und für die Sicherheit der Juden zu sorgen« , Jeder Versuch zur Verwirklichung eines Planes, der die Herausftthrung von Waren aus Nazi-Deutschland in die Welt und dio Errichtung einer Bank zur Förderung de« detitschen Exports im Gefolge haben könnte, wird unserem schärfsten Widerstand begegnen. Dr. Frank Bohn bezeichnete den Plan einer Heraus» f iihrung von 100.000 Juden aus Deutschland als eine ungeheure Torheit, da heute nirgends eine Möglichkeit zur Atisiedlung einer solchen Menschenmasse besteht. Jüdische Vermögen in Deutschland Zu der vielerörterten Frage der jüdischen Vermögen in Deutschland stellt Max Levy (Berlin) In einer Zuschrift an dio „Jüdische Rundschau" fest: Die Zeitschrift „Der deutsche Volkswart" schätzt die jüdischen Vermögen in Deutschland noch auf 10 bis 12 Milliarden und von anderer Seite werden sie sogar auf 20 Milliarden Reichsmark geschätzt. Diese Schätzungen sind gewaltig übertrieben. Vor dem Kriege ging die Schätzung von Deutschlands Gesamtvermögen auf 370 Milliarden. Der Anteil der Juden war nach ihrer Bevölkerungszahl ungefähr 2/a Prozent. Angenommen, daß damals der Vermögensstand der Juden den Durchschnitt um 100 Prozent überschritt, sich also auf l1/» Prozent der Gesamtsumme stellte, so ergaben sich nur ungefähr 5 Milliarden Mark. Statistisch genaue Trennungen der Vermögen von Deutschlands Bewohnern nach Konfessionen lagen damals nicht vor. Man ist daher, wie heute noch, auf Schätzungen angewiesen. Nun ist bekannt, daß besonders die Juden, mehr, als andere Bevölkerungsteile Träger mobilen Kapitals, unter der vernichtenden Wirkung der Inflation, später d?irch Minderung ihrer Zahl durch Abwanderung sehr gelitten haben. Jetzt lautet die Schätzung von Deutschlands Gesamtvemögen auf 170 Milliarden. Sie schwebt einigermaßen in der Luit, weil der Wert des städtischen Grundbesitzes, der großen teuren und unverkäuflichen; Häuser, nicht genau abzuschätzen ist. Bei der Feststellung des Einheitswertes ist eine Wertminderung für städtische Häuser in gewaltigem Ausmaße eingetreten. Daß heute noch das jüdische Vermögen sich über, den Durchschnitt stelle, wird kaum zutreffen. Beziffert man die gegenwärtige Zahl der Juden in Deutschland mit 3/, Prozent der Gesamtbevölkerung und das Vermögen der letzteren mit 170 MiUiarden, so beträgt die Gesamthöhe der jüdischen Vermögen nicht einmal 1Ü Milliarden aber keine 10, noch weniger die phantastischen 20 Milllardefl Reichsmark. Belgien will keine unpolitischen Flüchtlinge Brüssel, 26. Februar. (Z. T. A,) Der offizielle „Moniteur" veröffentlicht einen Ministerialerlaß, der den Status der Flüchtlinge neu regelt. Es wird ein Unterschied gemacht zwischen „politischen Flüchtlingen" uncl Personen, die aus unpolitischen Motiven nach Belgien! kommen. Innerhalb acht Tagen nach seiner Ankunft in Belgien muß der Flüchtling schriftlich iseine Eigenschaft als politischer Flüchtling beweisen. Er darf sich dabei eines Rechtsanwaltes bedienen. Verband d« Judenstaaf szionisten Judenstaatszionisten. Dienstag, den 8.d.| %9 Uhr abends, I., Werdertorgasse 14, Plenarversammlung. Vortrag Dr. Sal. Wolf. Sektion XIV/XV, XV., Schanzstraße 32, Dienstag, 3. März, %9 Uhr abends, Vortrag: Schlomti Auerbach: Allmenschliches und Nationales in Bialika Werken. Der Mittwoch-Vortrag im Zentralhelm, I.< Werdertorgasse 14, entfällt. Sektion Leopoldstadt, II., Taborstraß«) Nr. 21a. Donnerstag, 5. März, %9 Uhr abends, Vortrag) Dr. Theodor Grubner: Galuth und Erez Israel, Am 8. März findet in Leoben eine große Furim« Veranstaltung statt, zu der Gg. aus verschiedenen Ortei der Umgebung ihren Besuch zugesagt haben, Großmann in Amerika Aus New York wird uns gemeldet:' , Am 21. v. M. traf der Vorsitzende des Exekutiv*» komitees, Herr Meier Großmann, in New York ein« Am Hafen empfingen ihn Vertreter der amerikanischen; Presse, außerdem erschienen zu seiner Begrüßung ein' Empfangskomitee, bestehend aus den Herren Professo» Chaim Czernowitz, Josef Krämer, I. Borotz, Dr. S. Bern'« stein, Jakob D. Haas, Abr. Goldberg, Lewi Lipsky, Julian! Mek, Dr. Margoscheß, Maurice Rothenberg (Vorsitzendel! der Zionistischen Organisation in Amerika), Stephen) Wise und eine ganze Reihe anderer Persönlichkeiten« Herr Großmann hatte gleich eine Beratung mit dem New* Yorker Parteikomitee. Das vorläufige Vortragsprogramnt führt Herrn Großmann durch New York, Montreal, Chlkago, Clevland, Pittsbourg und andere Zentren, Die Vorträge des Herrn Großmann begegnen] großem Interesse. Die Presse bezeichnet ihn als eine füh-< rende Persönlichkeit der zionistischen Opposition, welcher trotz radikaler, oppositioneller Einstellung gegenüber der Politik der heutigen Exekutive ein großer Patriot der zionistischen Organisation und Einheit Ist. Aus Frankreich Aus Paris wird uns gemeldet: Dieser Tage fand die konstituierende Versammlung der neugegründeten Pariser Ortsgruppe der Judenstaatspartei statt. Die Versammlung war gut besucht, bei welcher die Wahl der Funktionäre vorgenommen wurde« Es wurden gewählt: Adv. Franckel, Präsident; Doktor Ginsbourg, Vizepräsident; Worcel, Sekretär? Mme. Franckel, Tre3oriere; Mr. Schreiber, — Die Gruppe beginnt sich gut zu entwickeln. Die Anschrift lautet: Advokat I. Franckel, Paris, 2, Boulevard. Jules Ferrx« x RUNDSCHAU