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Die neue Welt · 1936-02-28 · Heft 541 (28.2.1936) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 541 (28.2.1936)
Date
1936-02-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE WELT Nr. 541 vom 28. Februar 1936_ 48 STUNDEN I ARBEIT | in welchem Beruf immer, das ist eine ganze § Woche einseitiger Betätigung. Diese einseitige | Betätigung führt 2u erhöhter Ermüdung der bei | ier Arbeit besonders beanspruchten Körper- 1 Partien, aber auch zur Erschlaffung der minder 1 beanspruchten. Sport und Natur sind der ge- I botene Ausgleich, aber auch der Gebrauch von i DIANA-Franzbränntwein mit Menthol, tägliche | Massage mit Diana erfrischt, regt den Blutkreis- tauf an, erhöht die Spannkraft. Ebenso wertvoll 1 zur Mund- und Haarpflege. j I ..Verlangen Sie ausdrücklich „DIANA".. Weisen | Sj= Sic minderwertige Nachahmungen zurück. |p stecken- und andere für'Ihre'Lumpereien vefantwortlich zu .machen. Die Wiener Juden wurden ob dieser wenn auch tUfrchsichtigen Fälschung von Unruhe ergriffen. War doch die Möglichkeit einer Reaktion auf die gemeinen Streuzettel nicht ausgeschlossen! Das Präsidium der Kultusgeifteinde wendete sich daher durch ihren Amtsdirektor an die Wiener Presse mit der Bitte^ folgende Erklärung abzudrucken: „Das Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde Wien wurde darauf aufmerksam gemacht, daß in mehreren Bezirken Wiens weiße Zettel, auf welchen mit blauem Aufdruck ein Davidstern und die Aufforderung „Juden, kauft nur bei Glaubensgenossen!" angebracht sind, auf den Straßen verstreut werden. Das Präsidium der Kultusgemeinde stellt fest, daß die Verbreitung dieser Zettel nicht von jüdischer Seite ausgeht. Es ist vielmehr zu vermuten/ daß es sich um eine Provokation von antisemitischer Seite handelt, weshalb das Präsidium die Anzeige bei der Staatspolizei erstattet hat, um auf diese Weise die Urheber dieser Provokation festzustellen." Die Wiener Zeitungen veröffentlichten die ihnen zugekommene Erklärung, die keines Kommentars bedarf, bis-auf die „Reichspost",' welche sie zum Anlaß einer verdächtigenden Glosse nahm. „Da hledurch zugegeben ist", schreibt die „Reichspost", „daß auch das Präsidium der Kultusgemeinde die ZettelvCrstreuer nicht, kennt; und sie erst durch die Polizei ausfindig zu machen wünscht, dünkt es voreilig, wenn das Präsidium in seiner er- ' wähnten Aussendung auch noch .feststellt', daß die Verbreitung der Zettel .nicht von jüdischer Seite ausgeht', sondern daß .vielmehr zu vermuten ist, --, daß es Sich, tun eine Provokation von antisemitischer 5 Seite handelt.' Wer aufs bloße Vermuten angewiesen ~ ist und von den Erhebungen der Polizei Aufhellung des Falles erhofft, ist natürlich außerstande, Irgend etwas festzustellen." Mit diesem-- Kommentar stellt diex'ii^elchspost" ihrer Denkkraft kein günstiges Zeugnis aus. Die AusseVdtmg der- KultusgemeUfde: stellt, ja bloß'.:fest» wer die Täter n i'c'h t's]ein'. können, und überlaßt der'kompetenten Stelle, d. i. der. Staatspolizei, die weiteren Erhebungen. Eine:, solche .Art des Verdrehens von Tatsachen wird .von der „Reichspöst" gewöhnlich als Ausfluß einer Mentalität bezeichnet, die im nordöstlichen Teil des alten Habsburgerreiches, also zwischen Krakau und Czemowitz, beheimatet sei. . Im übrigen hat die „Reichspost" selbst — während der trüben Tage der aggressivsten Hakenkreuzpropaganda in Oesterreich — die Fälscherkünste der nationalsozialistischen Desperados zur Genüge kennen gelernt und auch heute noch Gelegenheit, die Manöver im Dritten Reich, wo von einem Zusammengehen der Katholiken mit den Kommunisten gefaselt und das erforderliche Tatsachenmaterial in Flugschriften und „Flugzetteln" „beigestellt" wird, zu beobachten und zu brandmarken. Wenn man also in Kenntnis der Hakenkreuzfäll schungen, die hier als Agitationsmittel gegen Regierung und Kirche verwendet werden, diesmal eine jüdische Feststellung als voreilige Vermutung hinstellt und zwk sehen den Zeilen eine Verdächtigung ausspricht, so unterstützt man damit nur jene — vornehmlich hakenkreuzlerischen — Elemente, die schon genug Unglück über Oesterreich gebracht haben und weiterhin im, Trüben fischen wollen. o. r. Zum Tode Moses Weiners Mit Moses W.e i n e r, dessen Tod wir in unserer letzten Ausgabe meldeten, ist ein bewährter zionistischer Arbeiter der alten Garde dahingegangen. Zu einer Zeit, da sich der politische Zionismus in seinen Anfängen befand, stellte sich Moses Weiner in die kämpfenden Reihen und war jahrelang agitatorisch und organisatorisch tätig. Wer den Weg des Wiener Zionismus mitgemacht hat oder kennen lernt, kann an den Leistungen dieses ausgezelcht neten Mannes nicht vorübergehen. In Sereth im Jahre 1865 geboren und fürs Militär: beamtentum bestimmt, .kam Moses Werner vor Kriege, ausbruch nach Wien und nahm sofort an allen zionistir sehen Werbeaktionen teil. Insbesondere im IX. Bezirk, wo er die letzten Jahrzehnte seines Lebens verbrachte, war Moses Weiner der Hauptfaktor des zionistisch-organisatorischen Lebens. Vor zwei Jahren übersiedelte M. Weiner mit Frau und Tochter nach Palästina,, kam vor kurzem nach Wien zurück, wo ihn plötzlich der Tod ereilte. Um ihn trauert seine Frau Rebekka, seine Söhne Dr. Jakob und Dr. Siegfried Weiner, seine Töchter Luzie und Blanka, sowie der Schwiegersohn Ing. Leopold Adler und Unkel. Den Hinterbliebenen wendet sich die Teilnahme aller ftaterrelcbiechen Zioniatea zu* Von der Wiener Judengemeinde Budget 1936 — Nach dem Atistritt der TJnionisten Am 25. und 28. Februar wurde in öffentlicher Vorstandssitzung vor einem großen Auditorium der Voranschlag für das Jahr 19R6 ausführlich behandelt und einstimmig genehmigt. Das Budget, welches Gesamtausgaben Im Betrage von S 6,228.730.— vorsiebt, gliedert sich wie folgt: Kultus........ . S 1,021.240.— Schulwesen...... . „ 588.920.— Friedhof ..,,...«„ 024.690.— Fürsorgewesen ....... 2,649.940.— Matrikenwesen......„ 56.900.— Gemeindeverwaltung...... 456.030.— Steueramt . . . .»•..„-. 262.420.— Gebäudeverwaltung . , , . „ 148.590.— Reservekonto......., 120.000.— Gegenüber dem Voranschlage pro 1935 sind die präliminierten Ausgaben um S 225.070.— größer. Nachdem die Gesamteinnahmen mit S 6.027.970.— errechnet wurden, ergibt sich ein Defizit von rund S 200.000.—, welches .zum Teil aus nicht in Anspruch genommenen Reserven des vergangenen Jahres gedeckt werden soll. Ueberdies rechnet die Finänzverwaltung mit höheren S t euereingängen, als sie im Voranschlag vorgesehen, sind. Entgegen den tatsächlichen Steuereingängen des .Tahres .1935 im Betrage von S 2,404.168.— sieht der Voranschlag für das Jahr 1936 S 2,300.000.— vor. Trotzdem im Jahre 1935 3748 Zensiten teils infolge wirtschaftlichen Niederganges, teils durch Ableben , im Steuer-? kataster gelöscht werden mußten, ist durch die Heranziehung von 3466 neuen Zensiten die Zahl der Steuerzahler mehr oder weniger auf der gleichen Höhe geblieben und betrüg am Ende des Jahres 1935 49.400. * Bei der Sitzung fehlten die elf ausgetretenen Vorstandsmitglieder der Union. Sie hatten ihre Mandate in der Hoffnung niedergelegt, hiedurch die Arbeit des Vorstandes unmöglich zu machen und Verwirrung in die Gemeinde zu tragen. Der Verlauf der Sitzung hat der jüdischen und nichtjüdischen Oeffentllchkeit, welche durch Alarmgerüchte der Union irritiert werden sollte, bewiesen, daß die Verwaltung der Gemeinde auf der Höhe steht und musterhaft geordnet ist. In sachlicher Beziehung hat das Ausscheiden der Union nicht die geringste Störung des Betriebes bewirkt, keine Lücke in der Gebarung des großen Apparats hinterlassen. Daran ist die Größe der Niederlage zu ermessen, welche der Versuch der Union, die Gemeinde zu erschüttern, erfahren hat. Die Zionisten, welche bisher die Hauptarbeit in der Gemeinde geleistet haben, werden die Verwaltung welter besorgen, zu Nutz und Frommen der Wiener. Judenschaft, welche bei den Neuwahlen im heurigen Jahre entscheiden wird, wem die Führung ihrer Gemeinde gebührt: der Assi-> milation, welche ihre Posten im Stiche gelassen hat, oder den Vertretern des volksbewußten Judentums, des Zionisr mus, welche in der Zeit der schwersten, jüdischen Krise unbeirrt ausharren. leumdung der zionistischen Bestrebungen gipfelt. Keinea der böswilligen Manöver ließ er ünbetrachtet. Die Abrechnung, welche Dr. Ehrlich hielt, war gründlich und erschöpfend. Nach ihm sprachen: Vorsteher Graubart im Namen der Neuen Zionistischen Organisation, welcher insbesondere die Vorbereitung der Jugend für Palästina behandelte und eine vergrößerte und einheitlich organisierte landwirtschaftliche und gewerbliche Ausbildung forderte. Vorsteher Dr. Plaschkes, welcher in ausführlicher Weise das Problem der Umschichtung be» handelte und namens der radikalen Zionisten die schleunig« Anordnung von Neuwahlen urgierte. Vorsteher Dr. Rosenberg, der Vertreter des Misrachi, behandelte die rituellen Einrichtungen der Gemeinde und legte Pläne, für deren weitere Ausgestaltung vor. Vorsteher Dr. Kl ai ber gab eine Ueberslcht über das Schulwesen und) dessen Entwicklung durch die zionistische Majorität. Vor- ■MMMHMMMHMBtaMBHMMMMIMaMaaMVMaMMB^^^^^^^^^^^^ Wir empfehlen nur: Die guten billigen: HEMER Auto-u.Motorradscliulen Wien Q.Neudeggergasseia Tel. E-46-5-72 and (nxersdorf, H.-ö. Steher Dr. Landau, der gewählte Leiter des Fürsorgewesens, entwarf ein Bild von der Größe des auf diesem Gebiete, verwirklichten Programms. Den Abschluß bildeten die Ausführungen des Vizepräsidenten Oberbaurat Stricker. Die Union täuscht der Bevölkerung vor, daß es bei dem Streite zwischen Uhionlsten und Zionisten um die Besetzung der Stelle des Amtsdirektons geht. In Wirklichkeit geht es um die Entscheidung zwischen; Assimilation und Zionismus. Weil die Assimilation jede Hoffnung hat aufgeben müssen, im Wege von Wahlen eine Stellung zu behaupten, will sie die Autonomie und das freie Wahlrecht abgeschafft und die autonome Gemeinde der Gnade eines Regierungskommlssär» preisgegeben ,sehen. Die jüdische Bevölkerung .soll er» kennen, daß es hier nicht um einen vermeidllchen Streit, sondern um die notwendige Entscheidung geht zwischen einem Judentum, das frei und stolz leben will, und einem Judentum, das die Kraft zur Selbstbehauptung» verloren hat. .,-_r,^,.„. Nach dem 'Schlußworte des Finanzreferenten wurde das Budget einstimmig angenommen. Mit dem Dank an Präsidenten' Dr. Friedmann, Amtsdirektör 'Dr. 'Löwenherz, Oberbüchhalter Schäfer •'schloß der Vorsltaend* Dr. Ehrlichste denkwürdige Sitzung; Zum Einweichen — zum Waschen Den' Mittelpunkt der Verhandlungen bildete das mehr als anderthalbstündlge' Budgetfeferat ■ des; Finanzreferenten und Präsidenten Dr. F r i e d m a n n; welches, in der Form unübertrefflich, ein Muster an Klarheit und Sachlichkeit bot. Dr. Friedmann hat es verstanden, eine gewaltige Materie so durchsichtig zu gestalten, daß auch für den Uneingeweihten* kein Punkt unklar blieb. Er hat der Judenschaft Rechenschaft über die Tätigkeit der zionistischen Mehrheit abgelegt, Rechenschaft im wahrsten Sinne des Wortes. Er erwies die Verlogenheit und Niedrigkeit, des Bestrebens der Union, welche sich erkühnt, von Parteiwirtschaft und Korruption zu sprechen und nach einem Reglerungskommissär zu schreien. Der Referent erklärte: „Es -gibt in Oesterreich, das den Zusammenbruch der gewaltigsten Institutionen erleben mußte, keine Körperschaft, die ao fest und geordnet dasteht, wie die Wiener Judengemeinde. Wir wollen Kontrolle und sind überzeugt, daß wir sie glänzend bestehen werden." Stürmischer Beifall begleitete diese stolze Feststellung. In der folgenden Generaldebatte rechnete Vizepräsident Dr. Ehrlich in gründlichster Weise mit der Union ab. Er riß den Herren mit starker Hand die Larve vom Gesicht. Punkt' für Punkt behandelte er ihr Treiben, welches in Denuhznition, Verhetzungsversuchen zwischen einzelnen Teilen der Judenschaft und in niedriger Ver- IKJ Juden und Nichtjuden in Griechenland Aus Saloniki (J. T. A.): Der Erzbischof von Saloniki, Mgr. Ghennadlos,, und der Direktor der Internationalen Messe von Saloniki, Achille Calevras, haben ihre Beteiligung an einem von den Bne Brit veranstalteten Vortragszyklus angekündigt, der der geistigen! Zusammenarbeit zwischen der. jüdischen und griechischen Intelligenz dienen soll. Der Metropolit wird über P h i 1 o n| Rechenmaschinen Fritz Igel, Iii, RadetzkystraBe gebraucht, talt Garantie. bin lg st 7 U-19-4-95 Telephon: von Alexandria und Direktor Calevras über „Die Juden im Wirtschaf tsleben" sprechen. Weiter«! Vorträge in griechischer Sprache wurden von Oberrabbiner Dr. Koretz über „Maimonides und'von dem ehern* Abgeordneten M. Bessantchi über den „Beitrag dö» Juden zu dem geistigen und politischen Leben ihrer Wohnländer" angekündigt. Der Führer der venizellstlschen Partei erklärt, seine Partei sei durchaus befriedigt von der Haltung der Juden; bei den Wahlen und werde wärmstens für die Berück* sichtigung aller jüdischen Wunsche eintreten. Die Sensation des PESS ACH FESTES sind die weltberühmten MAZZ0TH der PESTEß israelitischen KULTUSGEMEINDE Unerreicht an Qualität und Geschmack! 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