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Die neue Welt · 1936-02-25 · Heft 540 (25.2.1936) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 540 (25.2.1936)
Date
1936-02-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seit« 2 DIE NEUE WELT Nr. 640 v<aö 25. Februar 193? ......-•............•...... .....r ■ — RUNDSCHAU Herr Waudiope ist m'dit bli§<«« Vor zwei Wochen kam es im Büro des Oberkommissärs von Palästina zu einer stürmischen Szene. Der Präsident der Zionistischen Organisation, Prof. Weidmann, legte Protest gegen die letzten antizionisUachen Aktionen der Palästina-Regierung ein! Legislative Council, d. h. Parlament mit arabischer Majorität. Drosselung der jüdischen Einwanderung. Gesetz gegen den Verkauf von Boden an Juden. Als Herr Wauchope die Einwendungen Professor Weizmanns kurz abwies, geriet dieser in höchste Erregung und warf dem Oberkommissär vor, daß seine Politik auf den Ruin des jüdischen Aufbauwerkes geichtet sei, und schloß mit der Ankündigung, daß er nunmehr die Zionistische Organisation und den Völkerbund zum Kampfe gegen diese Poiitik arrufen werde. Nun veröffentlicht die palästinensische Tageszeitung ,,Hajarden" den ihr zugekommenen Text eines Briefes, den Sir Wauchope an Professor Weizmann gerichtet hat. Er beginnt so: „Mein lieber Dr. Weizmann! Ich verstehe sehr gut die Gefühle der Erbitterung und der Erregung, von denen Sie anläßlich unseres letzten Zusammentreffens beherrscht waren. Es ist kein Wunder, daß Sie, der Sie die ganze Last jüdischen Leides in der Welt auf Ihre» Schultern tragen, eines Leides, für das Ich persönlich starkes Mitgefühl empfinde, in solche Erregung gerieten; ich kann Ihnen versichern, daß ich Ihnen dies nicht übelnehme..." Weiter schreibt Herr Wauchope, daß es bei der Errichtung des Parlaments, bei der Einschränkung der Einwanderung, beim Bodengesetz bleibt, und schließt: ,,... Ich hoffe, daß wir auch weiterhin gute Freunde bleiben werden. Ihr ergebener A. G. Wauchope." Das jüdische Volk hört mit Schrecken von den Gesetzen, welche ihm den Weg zur einzigen Zuflucht versperren. Präsident Weizmann, der immer eine Politik der Nachgiebigkeit gegenüber der antizionistische Palästina- Regierung verfolgte, sieht den Zusammenbruch dieser Politik und gerät in Verzweiflung» Alles schwarz in schwarz. Nur ein Lichtblick! Herr Wauchope ist nicht bös und „nimmt nicht übel". — Welch ein Glück in großer Not... Was gellt in Ueigarn vor? Aus Budapest wird uns berichtet: Die jüdische Bevölkerung ist besorgt und erregt, weil jetzt alle Privatangestellten einen Fragebogen des Ministeriums erhalten haben, in welchem sie über ihre Konfession Auskunft geben müssen. Die Judenschaft, welche bereits von den Hochschulen und aus fast allen Aemtern verdrängt wurde, glaubt, daß man sie nunmehr auch aus den privaten Betrieben entfernen will. Eine Debatte im Parlament hat nun bewiesen, wie berechtigt die Sorge ist. Der liberale Abgeordnete Dr. Rudolf Rupert, ein Nichtjude, der oft für die Rechte der Juden eintritt, reichte eine diesbezügliche Interpellation an den Ministerpräsidenten ein. Er erinnerte daran, daß-Ministerpräsident Gömbös anläßlich der Regierungsübernahme die Versicherung abgab, er habe seinen seinerzeitigen antisemitischen j Standpunkt einer Revision unterzogen. Die Vorgänge I an den Universitäten und die vorweihnacht- | liehe Plakathetze gegen die jüdischen Kaufleute seien dazu angetan gewesen,. den guten Ruf Ungarns zu schädigen. Nun komme diese Fragebogenaffäre. Er bittet um beruhigende Aufklärungen, daß es sich hier nicht um Zwecke eines neuen Numerus clausus handle. Ministerpräsident Gömbös erklärte in seiner Antwort: „Es gibt bei uns eine Reihe von Industrieunternehmungen (Anm. d. Red.: Gemeint sind jüdische Firmen), in denen sehr viele Juden beschäftigt sind. Der Anteil der jüdischen Arbeitskräfte ist in diesen Betrieben größer, als dem Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung entspricht. Das ist ein unhaltbarer Zustand. Es müssen Maßnahmen ergriffen werden, um diesem Uebelstand zu steuern." Er fügte noch hinzu, daß es nicht notwendig sein werde, gewaltsame Maßnahmen zu ergreifen, sondern daß die Firmen selbst Remedur schaffen werden. Minister Gömbös verlangt also nicht weniger, als daß die jüdischen Chefs ihre jüdischen Beamten und Arbeiter entfernen! Abg. Dr. Rupert erklärte in seiner Replik, er sei seit 15 Jahren bestrebt, christliche Jünglinge bei jüdischen Unternehmungen unterzubringen, was ihm auch in vielen Fällen gelungen ist. Doch sei er neugierig, zu wissen, mit welchem Prozentsatz die Juden z. B. im Obergespan-Korps vertreten sind. Abgeordneter Rupert wollte mit dieser Bemerkung andeuten, daß die Juden nur deshalb verhältnismäßig stärker in der Privatangestelltenschaft vertreten sind, weil sie zur Staatsangestelltenschaft nicht zugelassen werden. Er sagt weiter: Ich muß feststellen, daß der Rassenhaß im Lande wieder sein Haupt erhoben hat. Mit besonderer Betroffenheit muß ich feststellen, daß seit Weihnachten einzelne politische Führer die Häuser mit Plakaten beklebt haben, in denen der Rassenkampf gepredigt wird und der Kampf gegen die sogenannten nichtchristlichen Geschäfte. Wir haben die stillschweigende Duldung dieser Plakate um so mehr bedauert, als dieser Kampf inzwischeen weiter ausgeartet ist. Die Lage ist so, daß man schon jene zu photographieren beginnt, die bei jüdischen Kaufleuten einkaufen, Der neue FluditIfag§komnu§sär Ans London wird berichtet; Generalmajor Sir Neil Malcolm, der soeben vom Völkerbund zürn Oberkommissar für die jüdischen Und anderen Flüchtlinge aus Öeutschland ernannt wurde, gewährte einem Vertreter der Londoner J. T. A. eine Unterredung. Sir Neil bemerkte, daß seiner Auffassung nach das Oberkommissarlat mit der Wirtschafts-und berufsfürsorgerisehen Seite des Flüchtlingsproblems nichts zu tun haben soll. „Ich Werde mich ausschließlich mit den politischen und rechtlichen Fragen befassen, die Personen von dem Zeitpunkt ab, an dem sie Flüchtlinge geworden sind, betreffen. Das heißt, daß ich mit den Inneren politischen Verhältnissen in Deutschland nichts zu tun haben werde. Der Völkerbund befaßt sich nur mit dem politischen und rechtlichen Status von Menschen, nachdem sie Flüchtlinge geworden sind. Er befaßt sich dagegen nicht mit ihrer wirtschaftlichen Lage, um die sich Institutionen zu kümmern haben, die wir als philanthropische oder fürsorgerische bezeichnen können. Es wird eine deutliche Abgrenzung der Arbeitsgebiete stattfinden. Das, was der Völkerbund jetzt tun will, ist weit entfernt von dem, was früher der VBlkcrhundkommissär getan hat." Zum Schluß erklärte Sir Neil, daß die ersten Maßnahmen, die er nunmehr treffen werde, im Zusammenhang stünden mit der zwischenstaatlichen Regierungskonferenz, deren Einberufung zwecks Behandlung der Flüchtlingsfrage der Völkerbundsrat beschlossen hat. * Diese Aeußernngen sind grundsätzlich gutzuheißen. Die Tätigkeit des Vorgängers im Kommissariat, Mac Donald, hat sich tatsächlch darauf beschrankt, hetumzufahren und Geld zu sammeln, erfolglos bei Nickenden und erfolgreich bei Juden, die auch ohne Völkerbund Ihre unglücklichen Brüder unterstutzt hatten. Die Flüchtlinge aber sind gehetztes Wild geblieben, Ohne Pässe und sonstige Auswelspapiere, der Willkür der Polizei aller Länder preisgegeben. Wenn Sir Neil verspricht, in dieser Hinsieht Wandel zu schaffen, so ist das freudiger zu begrüßen, als alle rührseligen Reden für die armen Opfer. Wer die deutsche Judenfrage auf das philanthropische Gebiet verschieben wUl, Schadet der gerechten Sache, auch wenn er besten Willens ist. Sie muß von der pol!tischen Seite her behandelt werden. Sir Neil muß die deutschen Flüchtlinge betreuen. Dabei darf es aber nicht bleiben« Der Völkerbund selbst muß die Juden in Deutschland politisch betreuen, das heißt mit politischen Mitteln die grausame Hitler-Regierung zur Anerkennung der Menschenrechte zwingen. Dir ttWni und iioiiiiis Eine gründliche Untersuchung über deren Verwandtschaftsverhältns von A. Bendow. Ferner lesen Sie: „Die Nation", jüdische Revue vom 1. März 1936, Außerdem: Ständige Beilage »Der palästinensische Volkswirt««, Redaktion und Verwaltung, Wien, I.„ Biberstraße 17. ALL WELT Londoner luden bitten um Sdiutx Aus London (J. T. A.): Das Mitglied des Unterhauses Einest T h u r 11 e, der als Arbeiterkandidat im Stadtviertel Shereditch in Ost-London gewählt wurde, überreichte dem Innenminister Sir John Simon eine von 1000 jüdischen Ladeninhabern in London East unterzeichnete Petition, in der diese um Schutz vor dem antisemitischen Terror der Faschisten, der ihre Existenz zu vernichten droht, ersuchen. Pressevertretern gegenüber erklärte Thurtle, der faschistische Terror gehe so weit, daß die Auslagefenster jüdischer Geschäfte mehrfach eingeschlagen wurden. Durch die Straßen von Hoxton flanieren Männer und rufen: „Hinaus mit den Juden aus Hoxton! Warum kauft ihr bei den stinkenden Juden ein? Die Juden nehmen Plätze ein, die euch zukommen! Lange genug haben die Juden euch ausgeraubt!" Mir selbst kündigen die Faschisten in Drohbriefen an, daß sie mich „mit fairen oder faulen Mitteln" vernichten werden. Ich werde von diesen Faschisten als „verjudeter Arier" tituliert. €uzi$fen«E:mzeß in Bratla Aus Bukarest: Bei den Wahlen zur Advokatenkammer in B r a i 1 a haben die Cuzisten trotz ungeheuren Terrors eine Niederlage .erlitten. Am Morgen nach der Wahl überfielen Cuzisten unter der Führung des Advokaten Dr. Balaban den jüdischen Rechtsanwalt Dr. Weißberg, um Rache für den Wahlausgang zu nehmen. Weißberg wurde erheblich verletzt. (J. T. A.) Verfolgung der Juden Danzigs trotz Völkerbundbeschluß Aus D a n z i g: Unbeschadet der Entschließungen des Völkerbundrates, in denen der Senat des Freistaates Danzig wegen seines Verhaltens gegenüber den p o 1 i t is ch e n*M in d e rh e it e n und den Juden verwarnt wurde und auf die der Danziger Senatspräsident Greiser mit „beruhigenden" Erklärungen geantwortet hat, dauert die Diskriminierung der Juden im Wirtschaft sln tiefstem Schmerz geben wir die Nachricht, daß unser geliebter Gatte und Vater, Herr MOSES HER Militär-Oberrechnungsrat j, P. am21.Feber!936 in seinem 71. Lebensjahre plötzlich entschlafen ist. Dem Staate war er ein ergebener Diener, dem jüdischen Volke ein anhänglicher Sohn, uns ein besorgter Gatte und Vater. Das Leichenbegängnis findet am Dienstag, den 25. Feber 1936 um 12 Uhr mittags vom Zentralfriedhofe, IV. Tor, aus statt. Rebekka Weiner als Gattin Lucie Adler, Dr. Jakob Weiner, Dr. Siegfried Weiner, Bianca Low als Kinder Ing. Leopold Adler Robert als Schwiegersohn als Enkel leben Danzigs an, die antisemitischen Ausschreitungen haben ebenfalls nicht aufgehört. In den seltenen Fällen, in denen antisemitische Angreifer vor Gericht gestellt werden, fällt die Strafe außerordentlich milde aus. Das offizielle Organ des Danziger Senats, „Danziger Vorposten", ermutigt die antisemitischen Angreifer da-» durch, daß es selbst fortwährend antijüdische Legenden verbreitet. Die einzige Zeitschrift für jüdische Interessen in Danzig, „Danziger Echo", wird unaufhörlich verfolgt und ist bereits zum 2 0. Male Konfisziert worden. Jüdische Arbeit auf Zypern Aus London: „Morning Post" schreibt: „Seitdem die Juden Zypern .entdeckten', blüht die Insel auf. Die Juden brachten Kapital und Hirn mit. Sie bepflanzten weite Flächen mit Zitrus-Früchten nach verbesserten Methoden und führten Grapefruit-Anbau überhaupt erst ein. Nahe Limassol werden tausende Aecker* in kleine Haine zu 2i/s Acker aufgeteilt, durch einen ge« meinsamen Brunnen bewässert. Die Juden hoffen, Ende Februar 300 Tonnen Tomaten nach England und Palästina exportieren zu können. Die Tomaten sind auf Kartoffelstauden gepfropft, was ihre Qualität außer-* ordentlich erhöhte. Die Juden planen auch die Anlage von Zementfabriken, Verband der fudenstaatsziomsfen Oesterreichs Sektion Favoriten, X., Herndlgasse 23. Monw tag, den 24. d. M., um ^9 Uhr abends, dringende Auaschußsitzung. Sektion XIIIIXV., XV., Schanzstraße 32. Dienst tag, den 25. d. M., um 149 Uhr abends, Vortrag Leon Tlumak: „Alt- und Neu-Spanien." Zentralheim, I., Werdertorgasse 14. Mittwoch, den 26. d. M., J49 Uhr abends, Vorlesung dea bekannten Schriftstellers Leopold Hichler (Dr. Leopold Ehrlich)! aus dem Roman „Heimweh nach Wien" und imgedruckte Schriften. Sektion IX/XVIII., Semperstraße 19. Donners« tag, den 27. d. M., um ys9 Uhr abends konstituierenda Sitzung. Sektion Leopoldatadt, II., Taborstraße 21a, Donnerstag, den 27. d. M., yt9 Uhr abends, Vortrag: Aron Schwertfinger. Sektion P rat er, II., Kleine Zufahrtsstraße 166 (Cafe" Löfler). Samstag, den 29. d. M„ %9 Uhr abends, Akademie mit Tanz. Reichhaltiges Programm. Ueberraschungen. Sonntag, den 1. März, 8 Uhr abends, Furlm-Feier der Sektion XIV/XV im Heim, XV, Schanzstraße 32. Akademie und Tanz. Mitwirkend: Oberkantor J. Wahrmann, M. Wachsmann und Karl Schönberg. Am Klavier: Lilly Haipern. Regiebeitrag 80 Groschen. Am 8, März findet in Leoben eine große Purlm- Veranstaltung statt, zu der Gg. aus verschiedenen Orten der Umgebung ihren Besuch zugesagt habe». Voranzeige! Samstag, den 14. März, veranstaltet der Judenstaatsverband eine Purlm-Redoute unter der Devise „Märchennacht im GalU" in sämtlichen Festsälen des Hotel Continental. Um der Devise mit besonderer Pracht entsprechen zu können, wird diesmal außer dem Festsaal auch der wundervolle Spiegelsaal hinzugezogen. Eine Jury, bestehend aus Kulturrat Max Schiffmann, Frl. Ella Kraus und Dr. O. Rosenfeld, wird die schönsten Kostümgruppen sowie auffallende und originelle EinzelkostUme prämiieren. In beiden Sälen werden erstklassige Jazzkapellen zum Tanz aufspielen. Judenstaatler! Erfüllt eure Pflicht! Kaufet den Machzith Haschekel! Erhältlich zum Preise von S 1.—. im Zentralheim der Judenstaatspartei, I., Werdertorgasse 14, im Jugendheim der Judenstaatspartei, II., Untere Augartenstraße 38, in der Sektion II der Judenstaatspartei, II., Taborstraße 20 a, in der Sektion Prater der Judenstaatspartei, II., Kleine Zufahrtsstraße 166, in der Sektion X der Judenstaatspartei, X., Herndlgasse 23, in der Sektion XII/XIV/XV der Judenstaatspartei, XV., Schanzstraße 32, in der Sektion IX/XVIII/XIX der Juden» staatpartei, XVIII., Semperstraße 19, sowie bei allen Vejy trauensmännera,

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