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Die neue Welt · 1936-02-25 · Heft 540 (25.2.1936) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 540 (25.2.1936)
Date
1936-02-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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**a Preis IG Groschen Dfcmtagr ikn FefetrtHM» 1936 UVi e,sttx '*> 540 V. fc* fc» ®t$hti. 'tung vom Verleger versende« '«Afofy mal expedie par l'Miteu*" REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Schwel« und dfe übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion U.Verwaltung: lX,Universitätsstr.8,7eL A-20-2-78 - Ersdteint Dienstag u.Freitag Verband der ludenstaatsilonisten Oesterreichs Mittwoch, den 26. Februar 1936, halb 9 Uhr abends, im Zentralheim, I, Werdertorgasse 14 VORLESUNG des bekannten Schriftstellers LEOPOLD HICHLER (Dr. Leopold Ehrlich) aus dem Roman „Heimweh nach Wien" und ungedruckten Schriften & Gäste willkommen! Weltpolitik der Woche Die Ueberlegenheit der sozialistischen Gruppen, Wie sie sich jetzt aus den Wahlen in Spanien ergab, hat in vielen Ländern Nervosität erzeugt — als würde dieses Resultat ein Signal für andere Staaten sein und eine grundlegende Aenderung der gesellschaftlichen Verhältnisse ankündigen. Tatsächlich ist der Sieg der Linken nichts mehr . als . eine lokale Erscheinung, hervorgegangen aus lokalen Gründen, und die Angstvor Nachahmung wird dort an die Wand gemalt, wo der Bolschewismus als Schreckgespenst gegen Kultur und Fortschritt gedient hat. Spanien liegt trotz vielfacher Wirtschaft 1l'ch^'er Verknüpfung außerhalb der'Kräfte, welche die europäische Politik bestimmen, und wird noch lange Zeit diese Position beibehalten.; Viel genauerer Betrachtung bedarf der parlamentarische Zustand - Frankreichs. Seit dem Rücktritt Lävals haben sich die Gegensätze zwischen Links und Rechts verschärft, weniger im Ideologischen als ini Taktischen, wobei die Auflösung der Action frangaise und der anderen Rechtsverbände die Zielrichtung der Regierung hat erkennen lassen. Die Spannungen im Parlament lähmen zurzeit die Aktionsstärke der äußeren Politik, und es wird viel Energie und Balancetalent notwendig sein, um Frankreich für die weltpolitischen Aufgaben wieder fit zu machen. ' Während die militärischen Operationen auf dem abessinischen Kriegsschauplatz fortschreiten, sind die italienischen politischen Aktionen in einen Zustand der Erstarrung geraten. Die Berichte von einer Annäherung Italiens an Deutschland, beziehungsweise von , deutsch-italienischen Besprechungen, die die beiden Länder aus ihrer Isoliertheit befreien sollen, sind nicht mehr als vage Vermutungen, entsprungen der politischen Logik, daß „heutzutage" in der Epoche kollektiver Pakte ein Einzelgänger zuviel riskiert. Immer noch rechnet Italien damit, daß es —. noch vor Liquidierung des abessinischen Feldzuges — die Harmonie mit England und Frankreich herstellen wird, unbeschadet der bestehenden Sanktionen und sogar deren angekündigter Verschärfung, Die Mächtegruppierung, wie sie sich im Westen aus dem Abschluß des Weltkrieges ergeben hat, wird noch lange Zeit in Europa das Wort führen. Trennungen, Umformungen, Schmollereien, Kokettieren mit gewesenen Gegnern — all das sind nur Episoden. Für die nächsten Jahrzehnte ist nur ein kollektiver Ring Frankreich—England—Italien—Kleine Entente möglich. Die Heranziehung Sowjetrußlands ber zeugt, daß die Westmächte von der Notwendigkeit durchdrungen sind, Hitler-Deutschland die Gefahren eines Angriff-Abenteuers vor Augen zu führen, auf daß der Friede in Europa gewahrt bleibe. Es ist dies allerdings nicht die beste Methode, das kriegslüsterne Hakenkreuz zurückzuhalten. Die von den Westmächten an den Tag gelegten Versäumnisse werden sich unbedingt räghen. Zuerst wurde die Aufrüstung Deutschlands mit einer — Note beantwortet, jetzt schickt man sich an, die Remilitarisierung der neutralisierten Rheinzone ebenfalls mit papierenen Argumenten zu bekämpfen. Hitler-Deutschland hat keinen Respekt vor Verträgen und moralischen Gesetzen. Es beugt sich nur der Macht. Je nachgiebiger seine Partner sind, desto schamloser wird es vorgehen. Dem Nationalsozialismus mit kulturellen Vorhalten und sittlichen Prinzipien kommen und davon eine Aenderung seiner Politik erwarten, ist pure Selbsttäuschung. Da und dort ist diese Erkenntnis Jaejsefts, aufgegangen, Man kann sogar, den Beginn Um die jüdische Führung Wo bleiben Vernunft und Charakter? Die „Union österreichischer Juden", deren Vertreter im Vorstande der Wiener Judengemeinde ihre Mandate niedergelegt haben, veröffentlicht einen Aufruf, in welchem es heißt: ' 4 „Der politische Zionismus, der die bereits abbröckelnden Scheidemauern zwischen Juden und Nichtjuden wieder aufgerichtet hat, sucht sich der Kultus- , gemeinde zu bemächtigen ..." „Für die mit ihrem Vaterlande aufs allerengste und bedingungslos verbundenen österreichischen Juden ist es unerträglich, daß in einer österreichischen Kultusgemeinde eine jüdischnationaIe Politik gemacht wird ..." Der zweite Passus ist glatte Denunziation. Bekentnis zum jüdischen Volke wird von der sich jüdisch nennenden „Union" als Mange 1 an Patriotismus, beziehungsweise als Verrat an den Interessen tdes österreichischen Vaterlandes hingestellt. Assi'milationsjuden, welche an der Wiedereroberung der Judengemeinde in ehrlichem Kampfe verzweifeln, suchen in gewissenloser Angeberei vor den Behörden und der nichtjüdischen Oeffentlichkeit Rettung.: ihrer, verloren^' Sa^che. Bezeichnenderweise ist. dieses Bestreben ebenso ohnmächtig; wie bösartig. Heute sind die Völker in aller Welt und auch die maßgebenden Kreise in Oesterreich zur Ansicht gelangt, daß gerade die Juden, welche sich offen zu ihrem jüdischen Volkstum ■ bekennen und sich niemandem aufdrängen wollen, ein wertvolles Element sind. In die gesetzgebenden und verwaltenden Körperschaften Oesterreichs wurden als Nationaljuden bekannte Persönlichkeiten aufgenommen. Angesichts dieser Tatsachen erweist sich die Denunziation als hilfloses Gestammel, weniger als äußere Gefahr, mehr als innerjüdische Schande. # . .Wenn der jetzt behandelte zweite Satz aus dem Aufruf der „Union" den politischen Charakter seiner Autoren ins rechte Licht rückt, so läßt der erste Satz, welcher von der „bereits abbröckelnden Scheidemauer zwischen Juden und Nicht juden" spricht, auf den Verstand seiner Verfasser schließen. Entweder glauben sie selbst an diese sinnlose Phrase oder sie denken, anderen den blanken Unsinn aufschwätzen zu können. Eines ist ebenso gescheit wie das andere. In der Zeit, da gerade die deutschen Juden von der grausamsten Ausscheidung aus der Gesellschaft der Deutschen, in welche sie tiefer eingedrungen waren als irgend eine andere Judenschaft in ihre nicht jüdische Umgebung, betroffen wurden; in der Zeit, da der Antisemitismus fast überall verderbliche Auferstehung feiert, in einer solchen Zeit unternehmen.es die Herren Unionisten, von einer bereits „abbröckelneiner politischen Konstellation erfühlen, welche der erwähnten deutschen Mentalität Rechnung trägt. Praktische substantielle Maßnahmen gegen die hitleristische Kriegsgefahr allerdings lassen immer noch auf sich warten. Unsere Voraussage, der neue tschechoslowakische Ministerpräsident Dr. Hodza sehe den in Vorbereitung befindlichen österreichisch-tschechoslowakischen Handelsvertrag bloß als eine Etappe auf dem Weg zu einer umfassenden wirtschaftspolitischen Neugestaltung Mitteleuropas an, habe also weiteZiele, hat soeben ihre Bestätigung erfahren. Dr. Hodza konnte nämlich in Belgrad feststellen, daß seine Tendenzen in bezug auf den Donauraum und auf die wirtschaftspolitische Neuordnung Mitteleuropas im Sinne der Festigung des Friedens mit der offiziellen jugoslawischen Politik konform gehen. Dem österreichischen Staat kann das nur recht sein. Er hat seine Sache auf gute Nachbarschaft mit allen friedliebenden Mächten gestellt und besitzt das Glück, in Doktor Hodza einen ausgezeichneten „Kompagnon" gefunden ■ aU:aafean,-',,- o.rv den" Scheidemauer zwischen Jud und Nichtjud zu sprechen. Und dann die alberne Lüge vom „Zionismus, welcher die Scheidemauer wieder aufrichtet"! So waa wagen diese Männer im Augenblicke zu sagen, da die Judenheiten aller Länder nach Palästina als der einzigen Zuflucht in schrecklicher Not drängen, da den Zionismus und sein Werk zum Mittelpunkt jüdischen Strebens geworden sind. Wenn etwas die anderen Völker mit dem Judentum in Berührung und zu einer, wohlwollenden Betrachtung der jüdischen Frage gebracht hat, so ist es eben der Zionismus. Bevor es einen Zionismus gegeben hat, haben von den Nichtjuden nur die Antisemiten von den Juden gesprochen. Die anderen nahmen sich keine Mühe, dem Judentum näherzutreten. Die Behandlung des jüdischen Problems blieb den bittersten Feinden des jüdischen Volkes überlassen. Dem von Theodor Herzl geschaffenen politischen Zionismus ist es gelungen, die Mauer zu durchbrechen, welche das jüdische Volk von der gerechten und klarsehenden nichtjüdischen Welt g.etrennt hatte. Das ist die Wahrheit! Seit es einen Zionismus gibt, nehmen die führenden Elemente der Kulturnationeri zur Judenfrage Stellung. Der Völkerbund hat den Zionismus als Ausdruck des Rechtes des jüdischen Volkes auf Erlösung aus Erniedrigung und Schmach anerkannt. Während die Judenfrage früher nur auf antisemitischen Kongressen, u. zw. auf tiefem Niveau behandelt wurde, ist sie jetzt ein Haupt-; gegenständ der Betrachtungen der maßgebenden Kreise der Nationen geworden. Staatsoberhäupter, allen voran diejenigen Englands, Frankreichs und Amerikas, erweisen dem Zionismus als dem Streben der jüdischen Nation, ein gleichwertiges und gleichberechtigtes Mitglied der Gesellschaft der Völker zu werden, ihren Respekt. Politische Führer ersten Ranges legen Wert darauf, ihre Stellung zum Zionismus und damit zur Judenfrage zu verkünden. Ueberall gibt es Pro-Palästina-Klubs der nichtjüdischen führenden Politiker, so im englischen, französischen und amerikanischen Parlament. Jede Tagung der Zionistischen Weltorganisation wird von den Weltmächten begrüßt und von der Weltpresse als Ereignis von höchster Bedeutung und positiv behandelt. Und in Kenntnis all dieser Tatsachen erlauben sich Vertreter des Assimilationsjudentums, von einer M a u e r zu sprechen, welche der Zionismus zwischen Juden und Nichtjuden errichtet hat. * Es kommt im politischen Tageskampf zu Uebertreibungen und Entstellungen, die als unvermeidlich' hingenommen werden müssen. Aber auch hier sind Grenzen gesetzt, die'man nicht überschreiten darf. In der größten Hitze des Gefechtes darf es nicht zu schnöder Denunziation des eigenen Volkes und Erstickung jeder Regung der Vernunft kommen. Durch ihren Aufruf haben die Führer der „Union österreichischer Juden" bewiesen, daß sie nicht gewillt sind, dieses Gebot, das im Verlaufe innerjüdischer Auseinandersetzungen mehr gelten soll als anderswo, zu respektieren. Sie haben aber damit auch bewiesen, daß die österreichische Abart jüdischen Antizionismus jedes inneren Haltes entbehrt und nicht mehr jenes Maß an politischem Charakter und Verstand besitzt, welches unumgänglich notwendig ist, wenn man Anspruch auf führende Stellung in der Judenschaft erhebt. Jeden Sonntag „FrancopoI"-Sonderfahrten Rückfa hrten: 3., 17., 31. März ' I. April, 5. und 19. Mai nach i Eutes Polnisches Veikehisbiuo „FRANCOPOL" Hl, Schwarzenbergptaiz 7, vis-ä-vis.dem polnischen Konsulate, Tel, U-16-4-90 mw$l% Reisebüto GttRNGROSS VII, Mariahilferstraße Nr..43 Tel. B-38-2-68

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