Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 539 (21.2.1936)
- Date
- 1936-02-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2712150-2712164--5624-2719266- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
' Seite 4 DIU täSttä WELT Nr. 539 voia 21. Februar 1986 2u /fe«tetffc /tefoe* $0. todisty *Dfc Judeitfau auf dem Montmartre" \*i Es gibt inleiwKiiielle und seelische Stufungen bei der Bewertung Heines. Jedes Alter entdeckt seinen Heine und jedes Viertel Jahrhundert versucht, einlas Neues über ihn zu sagen. Unbestritten aber bleibt sein Rang als Dichter oder (sagen mir es nicht zur Minderung seines Namens) ah Scliriftsteller; Begriffe, für die es in der deutschen Sprache keine unbedingte Trennung gibt wie im Französischen, das wohlbedacht den einen — ecrivain, den anderen — poete nennt. Des jüdischen Lesers Zuneigung wird allerdings unter dem Umstand, daß Heine die Taufe nahm, ein wenig verlegen, und lyerschämt verbirgt jener sich hinter dem „Buch der Lieder" oder des „Rabbi von Bacharach" oder gar der Schwärmereien für Jehuda Havely und anderer jüdischer Geister, bleibt ein geheimer Verehrer der ..Pikanterien", die Heine den Ruf eines Immoralislen eingebfacht haben, und tröstet sich in seiner jüdischen Selbstquälerei mit der Ausrede, daß ja für den dem Judentum Entlaufenen kein Kaddisch gesagt wird, die Gerechtigkeit also hergestellt ist... Ich weiß nicht, ob es heute eine Jugend gibt, die für Heine so viel übrig hat, daß sie ihn neben dem Sportvergnügen, dem Kino, dem Detektivroman noch gelten läßt; ob es für sie noch Stunden gibt, in denen sie den Gleichklang ihres Herzens mit den Versen des Dichters herstellt; ob ihre zärtliche Verliebtheit nach dem Hersagen Heinescher Reime Verlangen trägt. Die Zeit ist streng und nüchtern, der zitternde Tau „Du bist wie eine Blume..." kollert leicht unter dem Stampfen der Jazz herab. Aber sollte es dennoch wo Sonderlinge geben, die Heines Schriften nicht unzeitgemäß finden, dann mögen sie sich an einen Heine halten, der Schriftsteller war und Jude und sonst nichts. Schlagen wir auf: Die Gedichte der ersten Jugend, den Romanzero, Floreniinischen Nächte, das Buch über Napoleon, das Buch über die deutsche Romantik, die letzten qualvollen Gedichte...; zuerst der blonde, blauäugige Juden junge, dann der Kämpfer für bessere Luft und für ewige Freiheit und Eichenrauschen und endlich der Duft von Lavendel, Medizinen und Moder... und immer der Jude, der so gern, so leidenschaftlich liebte und litt. Ein Erdenleben, so packend in seinen selbstquälerischen Erschütterungen und Rufen und schmerzlichem Lächeln wie der Tanz der chassidischen Jünglinge auf der anderen, ö s t liehe n, fernen Seite... Zwei Welten, die sich erst in der Ewigkeit berühren... Nur eine kurze Zeit seines Lebens versuchte Heine, sich von seinem Stamm zu lösen, sich der jüdischen Schicksalsgemeinschaft zu entziehen. Man weiß, daß ihm das nicht gelang; daß er dafür büßen mußte. Der Mut, die Kette des jüdischen Bundes mit Gott zu sprengen, erwies sich auch bei Heine als Frevel. Alles, was er war und was er sein konnte, entstammte dem Schoß seiner jüdischen Herkunft. Auch in der Emigration, in Paris, wo er die Nächte aus Sehnsucht nach den deutschen Eichenwäldern und dem deutschen Rhein nicht schlafen konnte, pochte sein unruhiges jüdisches Blut gegen die Dichterschläfen, unbewußt fiebernd nach der Ruhe, die ihm fern vom Judentum nicht beschieden sein konnte. Er selbst erkannte es in den tiefsten und schmerzlichsten Stunden, Wozu also Heine wiederentdecken, aktualisieren, zeitnahe machen wollen? Wozu solch ein Bemühen? Alle Biographien, alle Gedenkaufsätze, alle Retuschierungsversuche fallen ins Leere, wenn man das nicht begreift: daß Heine eine besondere Form des jüdischen Genius ist; daß sich in Heine der jüdische Genius eben anders manifestiert als in den anderen Dichtern und schöpferischen Geistern jüdischen Stammes. Heines Rückkehr zum Judentum ist ebenfalls ein besonderer Akt des jüdischen Genius. Kein Sozialist, kein Revolutionär, kein „erster Europäer", kein — Z ionist ... Ein Jude wie viele seines Stammes, nur tiefer leidend und tiefer genießend und darum eben ein Dichter. Groß und klein, erhaben und nichtig, fürchterlich im Aufschrei, tragisch im ewigen Schweigen, in das alles Menschliche mündet, it „Die Judensuu auf dem Montmartre"? So nannte ihn der „Stürmer", der bekanntlich in Deutsehland, in Heines Geburtsland, erscheint. j Oskar Rotenf eich I Zefamgiketfe ffi? den ,,Otat Hanoar' Kommerzialrat Franz Bette de k, Pohnsdorf, antwortet Dr. Felix Klug mit 8 10.— and ruft folgende Herren zu einer Spende auf: Adolf ÖottHeb, Judenburg, Karl Zucker, Judenburg, Oskar Gruber, Judenburg, Osiaa Spieß, Leoben, Eduard Benedei Föhns* dorf, Norbert Bauernfreund, Knittelfeld, Eduard Weiß, Knittelfeld, Arnold Fischer, Wien, I., Adlergasse 1, Heinrich Herr, Wien, I., Franz-Josefs-Kai 10, Dr. Viktor B r e t n, IX., Lazarettgasse 9, Leopold Klein, Knittelfeld, Adolf Bergoffen, Knittelfeld. Spenden werden entgegengenommen Im Büro des Sekretariats des Vereines „Ozar Hanoar", I., Werdertörgasse 14. Ferner von allen Vertrauensleuten und von der Verwaltung der „Neuen Welt", IX., Universltütsstraße 8. Verband der JudeiMtaatexionlsfen Oesterreichs Sektion Favoriten, X., Herndlgasse 23. Montag, den 24. d. M., um ^9 Uhr abends, dringende Aussöhußsitzung. Sektion X111/X V, XV., Schanzstraße 32. Dienstag, den 25. d. M., um Uhr abends, Vortrag Leon Tlumak: „Alt- und Neu-Spanien." Zentralheim, I., Werdertorgasse 14. Mittwoch, den 26. d. M., i49 Uhr abends, Vorlesung des bekannten Schriftstellers Leopold Hichler (Dr. Leopold Ehrlich) aus dem Roman „Heimweh nach Wien" und ungedr. Schriften. Sektion Leopoldstadt, H., Tahorstraße 21a. Heute Freitag, um 8 Uhr abends, „Oneg Schabat". Jüdische Gesänge: Emil Gärtner. Z e n t r a 1 h e i m, I., Werdertorgasse 14. Samstag, den 22. d. M., um Uhr abends, Akademie mit Tanz. Bühnenschau von „The little Boys". * Bei der konstituierenden Mitgliederversammlung am 10. Februar wurden folgende Gg. in die Bezirksleitung der Sektion Favoriten gewählt: Markus Doli (Obmann), Michael Sebba (Vizeobmann), David Hochberg (Kassier), Karl Stern, Isidor Schapira (Schriftführer), Simon Hübner, Arnold Friedmann, Jakob Schächter, Josef Wallenfels und Siegfried Jünger. Voranzeige: Samstag, den 14. März, veranstaltet der Judenstaatsverband eine Purim-Redoutc unter der Devise: „Märchennacht im Galil" in sämtlichen Festsälen des Hotel Continental. Um der Devise mit besonderer Pracht entsprechen zu können, wird diesmal außer dem Festsaal auch der wundervolle Spiegelsaal hinzugezogen. Eine Jury, bestehend aus Kultusrät Max Schiff mann, Frl. Ella Kraus und Dr. O. Rosenfeld wird die schönsten Kostümgruppen sowie auffallende und originelle Einzelkostüme prämiieren. In beiden Sälen werden erstklassige Jazzkapellen zum Tanz aufspielen. * Sonntag, den 1. März, 8 Uhr abends, Purim-Feier der Sektion XTV/XV im Heim, Schanzstraße 32. Akademie und Tanz. Mitwirkend: Oberkantor J. Wahrmann, M. Wachsmann und Karl Schönberg. Am Klavier: Lilly Halpern. Regiebeitrag 80 Groschen. In Graz fand anläßlich der Anwesenheit unseres Sekretärs Herrn Grubner die Konstituierung der Ortsgruppenleituhg statt. Zum Präsidenten wurde Herr Doktor Hans Kadis ch gewählt, Vizepräsident: Dr. Karl Braun; Sekretär im steirischen Landessekretariat: I. G e 1 b a r t; Kassier: Julius F r i e d 1 e r, Jugendreferent: Hans Braun. Der Sitz der Ortsgruppe befindet sich im Gasthaus Bendiener, Raubergasse 11. * Am 28. März findet in L e o b e n eine große Purimveranstaitung statt, zu der Gg. aus verschiedenen Orten der Umgebung ihren Besuch zugesagt haben. Judenstaatsjugend. Samstag, den 22. d., 8 Uhr abends, im Helm, I., Werdertorgasse 14, Akademie und Tanz. Reichhaltiges Programm. Gäste willkommen. Kleiner Regiebeitrag. . PALÄSTINA-REISEN Touristenklasse Schiff, tour-retour ca. S 350 ca. S 595 I. Klasse Schiff, tour-retour Preise für Pur im stark reduziert Päle* und Orient Lloyd / I, Graben 10, R.24-2-31 ludenslaatspariei in der Tschechoslowakei Vor kurzem wurde Herr Dr. Rabbiner Israel Zwi Kanner vom Zionverein nach Leitmeritz zu einem Vortrag eingeladen. In dem bis auf das letzte Plätzchen gefüllten Ortstempel sprach Herr Dr. Kanner über „Nationaler Arbeitsdienst". In seiner gewohnt begeisternden und hinreißenden Weise erklärte er das Pöpper-Lynkeus-Programm von der „Nährpflicht". An die Rede schloß sich eine äußeret heftige Debatte an, an der sich Misrachisten, Revisionisten und Allgemeine beteiligten. Hervorzuheben ist an dieser Stelle die Antwort des Herrn Dr. Emil Margulie«, die er den Interpellanten erteilte. Ei* tadelte sie, daß sie den realen Forderungen des Herrn Dr. Kanner nur Ghetto- Palitik entgegenbringen wollen. Im Gegenteil, jeder blutreine Zionist kann mit dem von Herrn Dr. Kanner dar. gelegten Programm nur eines Sinnes sein. Der Galuthpsychologie muß man die Psychologie des freien Menschen gegenüberstehen. Mit „Geist" macht man keine Politik, sondern nur durch Forderung des Rechtes. Wenn wir das Wort vom Judenstaat verschweigen, wie sollen es die Juden und wie sollen es die Völker wissen?! Nachdem also Herr Dr. E. Margulies den Interpellanten auf diese Weise für Herrn Dr. Kanner die gebührende Antwort erteilt hatte, ergriff Herr Doktor Kanner noch das Schlußwort, In welchem er ausführte, daß noch Hein Staat durch Groschensammeln erworben worden sei. Die Tschechen haben ihren Staat bekommen, weil Masaryk ihn gefordert hat. Wenn wir unseren Judenstaat fordern, werden wir ihn auch bekommen. Nicht endenwollender Applaus begleitete diesen letzten Passus. In den kommenden Tagen wird Herr Dr. Kanner seine erfolgreiche Tournee auch in der Slowakei und Karpathorußland fortsetzen. Am 22. und 23. d. Iii findet in Moraveka-Ostrava die dritte Landeskonferenz statt GRABSTEINE in würdiger Form aus den Werkstätten WULKAN & NEUBRUNN III, Rennweg 110 - Sf. Marx Seit 1892 Die ösletfeidiiscfien luden Fast viermal so viele Todesfälle als Geburten Das Matrikelamt der israelitischen Kultusgemeinde Wien gibt über die Bevölkerungsbewegung der Juden folgende Daten: Im Jahre 1935 in Wien: Geburten ...... 735 Sterbefälle ...... 2815 Eintritte 369 Austritte....... 500 Daher im Jahre 1935 ein natürlicher Abgang von 2211 Seelen (ohne Abwanderung). Vom Jahre 1923 bis inklusive 1933 ergibt sich bei der jüdischen Bevölkerung in Wien, errechnet aus der Differenz zwischen dem Zuwachs und dem Abgang (Geburten, Eintritte — Sterbefälle, Austritte), ein natürlicher Abgang von 18.012 Seelen. Diese Ziffer erhöht sich mit Schluß des Jahres 1935 auf 22.078. In den Wiener Tempeln wurden im Jahre 1935 1211 Trauungen vorgenommen, im Rabbinat der israelitischen Kultusgemeinde fanden 382 Ehescheidungen statt. Die Zahl der Juden in den einzelnen Bundesländern: , Wien............ 176.034 Niederösterreich........ 7.716 Oberösterreich ...»«,„. 966 Salzburg 239 Steiermark ,..,.>.,».„ 2.195 Kärnten ........... 269 Tirol........ . > . . 365 Vorarlberg...... » . . . 42 Burgenland......„ . . . 3.632 Insgesamt in Oesterreich . „ . . 191.458 Oeftfentladfie Plenarsitzung des Kultus* Vorstandes am Dienstag, den 25. Februar 1936, und Mittwoch, den 26. Februar 1936, um 8 Uhr abends. Tagesordnung: Beratung und Beschlußfassung über den Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben des Verwaltungsjahres 1936. 1558 jüdische Hochschüler in der 0. S. K. Aus Prag: Nach der. amtlichen Statistik waren im Studienjahr 1934/35 an den tschechoslowakischen Hochschulen insgesamt 31.640 Hörer inskribiert. Der nationalen Gliederung nach waren 20.556 Tschechoslowaken, 7247 Deutsche, 1558 Juden, 953 Magyaren, 479 Russen, 142 Polen und 73 Rumänen. Anzunehmen ist, daß sich mit der Ziffer 1558 die Zahl der jüdischen Hochschüler nicht erschöpft, sondern daß auch unter den übrigen nationalen Gruppen Juden, in freilich geringer Zahl, anzutreffen sein werden. Vorbereitung des Büdisdien Weltkongresses Aus Paris: Die auswärtigen Mitglieder der Exekutive des Comitö des D&egations Juives und des Jüdischen Weltkongresses werden an der Plenarsitzung, die am 22. und 23. Februar in Paris stattfindet, in großer Zahl teilnehmen. Es liegen dem Zentralbüro bereits Zusagen vor von Exekutive-Mitgliedern aus Polen, Lettland, Tschechoslowakei, Griechenland, Italien, Belgien, Frankreich und England; Zusagen aus den anderen europäischen Ländern werden im Laufe der Woche erwartet. Der American Jewish Congress wird durch Mr. Louis Lipsky, Mitglied des Exekutivkomitees, auf dieser Sitzung vertreten sein. Erklärung. Der Wiener Berichterstatter der in Tel- Aviv erscheinenden Tageszeitung „Haare z" ersucht uns, festzustellen, daß der in der „Neuen Welt" zitierte Bericht des „Haarez" vom 23. Jänner 1936 Uber die stattgefundene Katholikenversammlung in Wien und die Rede Ministers a. D. Prof. Czermak nicht von ihm stammt. KINO'PROGRAMME 9 KREUZ-KINO i, Wollzeile 1? Telephon K-24lb Vorstellungen .< *, Vi», V«10 Informer Victor Mc Lag Ien, Margot Graham STAFA, VII Mariahilf erstraöe 120 Telephon B-83-0-68 Wochentags: «, t, * Uln VOTIVPARK IX, Wä-irinRerstraße 12 Telephon A* 18-3-96 Beginn: *, M,6, V»9, %10 iflifit Bf c$ Karenina mit Greta Garbo STAFA. VII Sonntag, 8, März, V*H Uhr vorm. MariahitferstraDo 120 SONDER-VORSTEILUKG Telephon B-S3.0-08 Land der Verheißung Im Beiprogramm: RUND UM DEN LUZERNER ZI0NI8TENK0NQRE88