Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 539 (21.2.1936)
- Date
- 1936-02-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr.- Ö3Ö vom 21. Februar 1936 DIE NEUE WELT «*A Kleine Tube S —.90 QröGe Tube S 1.40 Nfdit ein einziger Mord! Die Baseler „Nationalzeitung" tritt der zynischen Rede Hitlers, der am. Sarge des von David Frankfurter erschossenen Hakenkreuzführers Gustloff von den „blutgierlgen', Juden und den von „jeder Mordöchuld" freien Nationalsozialisten sprach, so entgegen: „Einige Monate vor dem nationalsozialistischen Herrschaftsbeginn hatte sich der Fall Potemba ereignet. Potempa schien den Nimbus Hitlers zerstört zu haben; undenkbar, daß man einem Mann, der sich dermaßen bloßstellte, jemals die Staatsführung ausliefern würde ... Potempa:'das Wort'würde im Zusammenhang mit dem Mord an Wilhelm Gustloff in diesen Tagen oft genug genannt. Wie war's denn mit Potempa? Im schlesischen Dorf" dieses Namens hatten fünf Nationalsozialisten den Arbeiter | Pietrzuch wegen angeblicher Parteigängerei und Spionage für die. Polen ermordet. 9. September 19S3 im offiziellen nationalsozialistischen Blatt Badens, im Karlsruher »Führer'. ,Wir graben uns die Namen dieser Männer In unser Gedächtnis ein, wissend, daß die Geschichte einst diese Tat als noch bedeutender hinstellen wird, als wir sie, heute schon zu sehen vermögen .. Mit Beklemmung aber vernahmen die Hörer am Radio am Mittwochmittag während der Trauerfeierlichkeiten in Schwerin die mit bebender Stimme vorgebrachte Beteuerung Hitlers: ,Auf unserem nationalsozialistischen Gewissen liegt nicht ein einziger von uns ermordeter Gegner, nicht ein Attentat!' Unheimlicher noch ist, daß Hitler im Moment immer selbst fest daran glaubt, was er sagt. Potempa und alles andere dazu: Was für Material für den kommenden Prozeß gegen den Davoser politischen Mörder! Der wohl größte und wichtigste politische Prozeß seit langer Zeit steht bevor." Stimmen holländischer Gelebtler Das Komitee für jüdische Interessen in Amsterdam gab eine Broschüre heraus, die den Titel trägt „Die Meinung der Holländer über die Behandlung der Juden in Deutschland" und in der eine Reihe holländischer Gelehrter von Rang sich zum deutschen Antisemitismus äußert. Prof. Dr. H. A. van Bakel, Amsterdam, schreibt: Was man im September in Nürnberg unternahm — die bürgerliche Entrechtung der Juden und das Verbot von Mischehen — ist ein Hohn auf die Gedanken Christi. Wir bedauern unsere deutschen Nachbarn, die durch ihren Judenhaß Christus aufs neue kreuzigen. Prof. Dr. W. A. Bonger, Amsterdam, schreibt: Von allen himmelschreienden Dingen, die sich in unseren Tagen zutragen, ist die Verfolgung der Juden in Deutschland die grauenvollste. Den Anklagen gegen sie liegt auch nicht die Spur einer Berechtigung zugrunde. Die Ankläger selbst wissen, daß sie 1 ü g e n. Prof. Dr. Titus Brandsma, Nijmwegen, führt aus: Um wie vieles edler und stärker stünden die Judengegner da, wenn sie es versuchten, in fairem Wettbewerb gegen die Juden zu bestehen. Aber was sie gegen die Juden unternehmen, entspringt der Feigheit. Ihr Glaube, durch eine solche Behandlung der Juden ihrem Zum Einweichen — zum Waschen Die fünf Mörder drangen zur Nacht mit Gewalt in Pietrzuchs Wohnung ein, überfielen den Schlafenden im Bett und machten ihn vor den Augen der eigenen Mutter nieder. Die Gerichtsverhandlung ergab, daß die Mörder übel beleumundete Subjekte gewesen waren, ferner ergaben sich für die Tat auch wesentliche persönliche Motive. Der Obduktionsbefund zählte auf; ,Die Leiche wies neunundzwanzig Verwundungen'auf ... die Halsschlagader war völlig zerrissen, der Kehlkopf hatte ein großes Loch ... die tödliche Verletzung muß dem Pietrzuch beigebracht worden »ein, als er am Bodien lag.4 So verurteilte das Gericht am 22. August 1932 die Fünf zum Tode. Tags darauf aber erschien jener berühmte, wutentbrannte Protest Adolf Hitlers gegen die Reichsregierung, und die Mörder erhielten das Telegramm: ,Meine Kameraden! Angesichts dieses ungeheuer- Rechenmaschinen gebraucht*mit fffffift Fritz Igel, III, Radetzkystraße 7 .Telephon: U-19-4-95 MBmagmmnmmmmaBmmmmmummmmmttmmmtmmummmmmmBB liehen Bluturteils fühle ich mich mit euch in unbegrenzter Treue verbunden. Eure Freiheit ist von diesem Tage an eine Frage unserer Ehre. Der Kampf gegen eine Regierung, unter der dieses möglich war, ist Unsere Pflicht. Adolf Hitler." Als fünf Monate später- Hitler Reichskanzler wurde, ließ er die Mörder sofort enthaften. Am Tag der Gründungsfeier des Dritten Reiches in Potsdam wurden sie dann, laut offiziellen Berichten, noch besonders geehrt: ,In einer Ehrenreihe von der Front der SA.-Männer standen unter anderen auch drei der Potempa-Mörder. Als der Reichspräsident die Front abschritt, fiel sein Blick auf diese Männer.4 Zur Belohnung erhielten die Mördsr noch gutbezahlte Posten der Partei. Die Welt erfuhr seither hundertfach, wie das neudeutsche System zum politischen Mord steht. ,Wir sind stolz darauf, daß diese Männer (geraelnt waren die Meuchelmörder Erzbergers, die nach dem Ausbruch des Dritten Reiches aus ihrem ungarischen Exil sich wieder in die Heimat zurückwagten) wieder zwischen uns weilen', stand am In* u» ausländische Hausbesatzer verwalten ihre 1 WIENER HÄUSER durch behördlich konz. Realitätenkanzlei I Dr. MA1R PAIS H Wien I, Franz-Josef «Kol 1, Tel. R21.5-30 II Erstklassige Referenzen Volke zu nützen, ist sinnlose Einbildung der Schwachen. Prof. Dr. R. Casimir, Leiden: Kein Freund Deutschlands — des Deutschland Luthers, Schillers,, Goethes, Humboldts, Bachs — wird den der Stupidität entstammenden Irrtümern zusehen können, ohne daß ihm das Herz blutet. Wir möchten rufen: Deutschland, erwache! Prof. Dr. G. W. Kernkamp: Die Verfolgung der Juden in Deutschland kann nicht mehr als Begleiterscheinung der Revolution entschuldigt werden. Es ist furchtbar, zu denken, daß so etwas unter Menschen ge- Meinl-Kaffee Stets frisch Portorico-Mischung . 1/4 kg 5.— Dreistern-Mischung . i/4„ 4.60 Spezial-Mischung . . 1/4 „ 4.10 Mocca Arrousa . . . 1/4 „ 3.90 Mischung I, Sao Paulo 1/4 „ 3.70 Mischung II . . . . . 1/4 „ 3.40 Fazenda-Mischung . , 1/4 „ 3.20 Mischung III ... . 1/4 „ 3.— Mischung IV . « « . 1/4 „ 2.80 1/4 „ 2.60 Das Begräbnis Diu W, Berliners Die Beisetzung des Direktors der „Phönix"-Versicherungs-Gesellschaft Dr. Wilhelm Berliner in dem von der Wiener Judengemeinde bereitgestellten Ehrengrab am Donnerstag, den 20. Februar, gestaltete sich zu einer imposanten Manifestation für den Mann, der sich für seine Gesellschaft, für Oesterreich und für die gesamte Oeffentlichkeit unvergeßliche Verdienste erworben hat* Fast 5000 Personen waren zur Leichenfeier erschienen, darunter Sektionschef Ochsner für die Bundesregierung, der Präsident der Nationalbank Dr. Kienböck, der Präsident der Bundesbahnen General Vaugoin, der französische Gesandte Puaux, die Minister a. D. Spitzmüller, Heini. Juch, der Landeshauptmann von Salzburg Dr. Rehrl, der Präsident des Verkehrsbüros Dr. Straf ella, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Dr. Friedmann mit dem Vizepräsidenten Oberbaurat Irig. Stricker und dem übrigen Kultusvorstand, Bundeskommissär Oberst Adam, Ministerialrat H a n t s c h vom Bundeskanzleramt, Graf C o r e t h, Conrad Hötzendorf, Staatssekretär Z e r d i k, der Komponist Emmerich Kaiman, der Bildhauer Commendatora Gustino Ambrosi und zahlreiche Vertreter von.Körperschaften und Vereinen. Ueberdies waren die Generaldirektoren sämtlicher in Wien ansässiger Versicherungsgesellschaften und die Direktoren aller europäischen Niederlassungen des „Phönix" zur Trauerfeier erschienen. Schon wenige Minuten nach 12 Uhr . mußte der Zutritt zur Leichenhalle polizeilich gesperrt werden. Dem bescheidenen Lebensstil des Verstorbenen angemessen, war von Reden und großem Pomp Abstand genommen worden. Ein endloser Zug von'■ Trauergästen folgte dem Sarg zum Ehrengrab. In der Aufbahrungshalle hatte Oberrabbiner Dr. Feuchtwang eine kurze, die Verdienste des Toten würdigende Rede gehalten. Telephon» U«21*304. 11*23*0*96 fjf S M "~*"\NN STRAUSS das neuzeitliche Kaffeehaus mit denmodernsten Anla gen Bridgestube Billardsaal Asphalt * Kegelbahn Klub» und Gesellsdiaff§räume schiebt, die wir .für zivilisiert hielten. Es ist unvorstellbar, daß ein Mann (Streicher), der seine Leser zur Ausrottung der Juden aufreizt, am Tage der Nürnberger Gesetzes seinen Platz neben dem „Führer" einnahm. Nicht weniger ■■ furchtbar aber ist es, daß es in Holland Menschen gibt, die all das als „innere deutsche Angelegenheiten, die uns nichts angehen", ansehen; die wie Kain sprechen: „Bin ich denn der Hüter meines Bruders?" tischeaund gichtisdien Beschwerden aller Art sowie betErkältungs-Krank« heften wirkt Togal rasch und sicher. Wenn Tausende von Ärzten Togal verordnen, so können auch Sie es vertrauensvoll kaufen. Togal bewährt sich immer. Ein Versuch überzeugt! Preis-.S2.40 In allen Apotheken Prof. Dr. J. P. Kl ei weg de Zwaan, Amsterdam: Die Juden gehören einer alten, begabten Rasse an, ihre hohe Kultur , hat die Welt bereichert. Wer anders denkt, verfällt einem Irrtum. Wer dem Juden den ihm zukommenden Platz vorenthält, der beraubt sein Land eines wertvollen Elements. Prof. Dr. C. W. de V r i e s, Rotterdam: Armer, verfolgter deutscher Jude, hungriges deutsch-jüdisches Kind, armes deutsches jüdisches Mädchen, in deinem Lande geschmäht und ehrlos gemacht — wir müßten uns vor uns selbst schämen, wenn wir nicht gegen all das, was euch in Deutschland widerfährt, protestierten. Selbstmord Aus Berlin: Justizrat Dr. Ludwig Sandberg, 72 Jahre alt, eine in deutschen Anwaltskrelsen in hohem Ansehen stehende Persönlichkeit, hat Selbstmord verübt. In einem hlnteriassenen Schreiben gibt er als Motiv an, er habe die Degradierung der Juden im Dritten Reich nicht überwinden können. Justizrat Sandberg war früher Ehrenbürger von Eberewalde, bat ftfeßP ^^Pä W.ürde niederlegen müssen. Eine Tafel in Rothenburg Aus Nürnberg (J. T. A.): Am'Rödertor der Stadt Rothenburg ob der Tauber wurde, wie die „Fränkische Tageszeitung" berichtet, eine Tafel eingeweiht, die als Inschrift folgendes Wort von Gauleiter Julius Streicher enthält: „Die Weltgeschichte nennt die Namen der Völker, die am Juden zugrunde gingen. Ihr tragisches Ende ist eine furchtbare Mahnung für die Völker, die noch am Leben sind." Oberbaurat Dr. Robert Stricker spricht am 23. d., vormittags 11 Uhr, im Löwen-Kino zur Aufführung des Palästina-Tonfilms „Das Land der Verheißung". Damit ist auch für diese Vorstellung eine lebhafte Anteilnahme des Publikums gesichert; und es ist mit Bestimmtheit zu erwarten, daß, so wie alle bisherigen Aufführungen des Films, auch diese vor ausverkauftem Hause stattfinden wird. Es empfiehlt sich darum unbedingt, die Karten im Vorverkauf zu beziehen. Im Beiprogramm wird wieder die hochinteressante Tonfilm-Reportage „Rund um den Luzerner Zionistenkongreß" gezeigt werden, in der such die Fraktionssitzung der Judenstaatspartei in Bild und Ton festgehalten ist. Der kleine MIRCHA hat Wien erobert! RON ACH ER nur bis 29. Februar Jeden Sonntag nach Polen und Czernowitz billig und bequem, Rückfahrt jeden zweiten Dienstag. Anmeldungen bei Francopol, in., Schwa.rzenbergpla.tz 7, uud Reisebüro GerngroJ?! VII., MariahiUerstraßa 42i ..... ■