Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 539 (21.2.1936)
- Date
- 1936-02-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Saite i DIE ftBüfi WELT Nr. 539 vofla 21. Februar 19SÖ In Beruf und Sport sich frisch und ausdauernd tu erhalten, cibt es nichts Besseres als sündige Körperpflege. Ein ideales Mittel dazu finden Sie in dem seit Jahrzehnten bewährten, in tausenden Familien beliebten DIANA- Franzbranntwein mit Menthol Erhält durch tagliche Massagen (Einreibungen) die Spannkraft, kräftigt Muskeln und Nerven, verleiht Ausdauer. Ebenso wertvoll zur Mund- und Haarpflege und zu mannigfachen anderen Zwecken. Das anerkannte Hausmittel. In jedem Besseren Geschäfte erhältlich. Aber verlangen Sie ausdrücklich »DIANA' and nehmen Sie nur »DI AN A". Minderwertige Nachthmnngen sind energisch ztsrftekzuwetsen. mit zahlreichen Lehrhäusern besteht, in denen die Lehre Gottes und die Worte seiner Propheten im Urtext verbreitet werden, dieser Tage eine Anstalt eingeweiht wurde, die „der missionarischen Beeinflussung der Juden h ei t" gewidmet ist. Ein Geistlicher des weltberühmten Ordens S. J., der so viel für die Verbreitung des Glaubens unter den Heiden getan hat, sagte sonderbarerweise: „Wir würden unsere Seelsorgepflicht versäume n, we n n wir i h nen das Heil nicht wenigstens anböten." Er meinte, es gebe Juden ohne geistigen und religiösen Halt, die ihre Blicke auf die Kirche richten. Es seien auch von protestantischen Pastoren Bibel abende für Juden eingerichtet und in England, Holland und anderen Ländern seien christliche Gesellschaften in gleicher Weise mit der Mission unter den Juden befaßt. Es kommen also Bekenner eines Glaubens, in dessen religiöser Ethik nicht ein einziger Satz ist, der nicht unserem hebräischen Schrifttum entstammt, und erweisen u n s die Wohltat, das von uns geschöpfte HeÜ uns darzureichen. Wir werden nichtin den Fehler verfallen, auch nur ein Wort zu sagen, das den religiösen Empfindungen anderer nahetreteri würde, aber daß es kein Versäumnis einer Seelsorgepflicht wäre, wenn man es für unangebracht hielte, gerade den Juden das Heil aus anderen Quellen als ihren eigenen anzubieten, liegt wohl auf der Hand. Wir geben zu, daß leider viele bei uns .dem Zuge der Zeit folgend, wie ja auch bei den Angehörigen . anderer .Bekenntnisse -r-.: ohne religiösen Halt aufwachseh, und daß viele Juden ihre Bibel weder im Urtext noch auch in einer Uebersetzung kennen. Aber was würde geschehen, wenn ein Kind aus gutem Hause sich verirren würde, den Weg. in sein Heim nicht fände und an der Peripherie der Stadt in einem A3yl Unterkunft suchen würde? Gute Menschen, die das Kind erkennen, würden ihm sagen: „Du brauchst unser Asyl? Das ist ja für arme Obdachlose gemacht. Du hast ja dein wohleingerichtetes Vater haus, dorthin werden wir dich zurückführen." So sollte man meinen, daß fromme Männer -anderer Religionen, die sicherlich ein segensreiches Werk üben, wenn" sie den Glauben unter Heiden verbreiten (und gegenwärtig auch genug zu tun hätten, wenn sie ihr Werk auf die Neuheiden ausdehnen würden, die das Heil, welches sie bereits besessen, abgestoßen haben), wenn ein Jude sich an sie wendet, ihm sagen: „Du brauchst unsere,Hilfe nicht, du Sohn des Volkes, das Gott erwählt hat und dem er mehr als tausend Jahre, bevor unsere Religion entstand, seine Lehre verkündete. Kehre in deine jüdische Gemeinde zurück, sei ein treuer Jude, dann wirst du. deinem Volke und der Menschheit in gleicher Weise dienen." Wir wollen glauben, daß die Konvertiten, wie P. Bichlmair sagt, nicht immer aus. äußeren Motiven zur Kirche kommen, wiewohl das sehr schwer festzustellen ist. Mag sein, daß z-B. Antonius Margarita, der Sohn des Rabbiners von Regensburg, der im 16. Jahrhundert den Glauben seiner Vtäer verließ, nur zufällig später Dozent für hebräische Literatur an der Wiener Universität wurde, was er als Jude nicht hätte werden können. Oder daß der von jüdischen Eltern geborene Paulus Weidner von Billerburg, wie er in seinem im Jahre 1559 erschienenen Werke „Loca Praecipua fidei christianae" angibt, nur aus wahrer Ueberzeugung, nicht im Hinblick auf irdischen Gewinn seinen Uebertritt vollzog. Da er aber den Lohn auch nicht ablehnte und als Konvertit kaiserlicher Leibarzt und Rektor der Wiener Universität, sogar „Prokurator der Oesterreichischen Nation" werden konnte, was er als Jude nicht geworden wäre, so ist mindestens der reine Idealismus im Glaubenswechsel nicht nachweisbar.' Dasselbe gilt sogar vom berühmten Domprediger zu St. Stephan, Johann Emanuel Veith, auf den als auf einen überzeugten Konvertiten hingewiesen wird. Die Förderer der Judenbekehrung müssen sich vor Augen halten, daß nach unserer festen Ueberzeugung eine jüdische Seele, bei der die reinen Quellen ihrer uralten religiösen Ueberlieferung verschüttet werden, dadurch niemals stärker in ihrem Glauben an Gott und nicht gefestigter in ihrem moralischen Empfinden werden kann, so daß es unseres Erachten« kein frommes und kein gottgefälliges Werk ist, einen Juden in seinem Glauben zu erschüttern. Wenn Theologen anderer Bekenntnisse eine andere Vorstellung darüber haben, so müßte man doch mindestens zugeben, daß hier Glaube gegen Glaube, Heiligtum gegen Heiligtum steht, und es müßte die Demut es jedem wahrhaft frommen Manne verbieten, das Heiligtum eines anderen zu be rühren. Dazu kommt noch die deutlich hervortretende weltgeschichtliche, religiöse Stellung des Judentums. Seit den ältesten Zeiten war trotz aller Verfolgungen und trotz der zahlreichen Abtrünnigen, die wie welke Blätter vom Stamme fallen, die numerische Stärke der Judenheit nicht so groß wie in unseren Tagen und ihre kulturelle Bedeutung in der Welt nicht so anerkannt wie in unserer Zeit. Diese ist es ja auch welche unseren grimmigen Feinden nur die dreiste Lüge und Verleumdung als Waffe übrig läßt. Aber es müßten sich doch angesichts dieser ungebrochenen religiösen Kraft des Judentums die Bekenner der anderen Religionen endlich sagen, daß es nicht im Plane der Vorsehung gelegen ist, dieses Volk seinem uralten Glauben zu entfremden. Währung gegen einen Gesetzesvorschlag einzulegen, der nicht nur darauf hinausgeht, eine jüdische Bevölkerung von dreieinhalb Millionen Menschen moralisch und physisch zu degradieren, sondern auch ein Grundgesetz der jüdischen Religion angreift. WedmqUefe& Zur Auffrischung des Blutes trinken Sie einige Tage hindurch frühmorgens ein Glas natürliches „Franz*Josef"-Bitterwasser. Aerztlich empfohlen. Es gibt übrigens doch noch einen sichtbaren Maßstab zur Beurteilung der Hoheit einer Religion, das ist die Güte und Barmherzigkeit. Wenn die reichen Missionsgesellschaften in England, Holland und in anderen Ländern ihre Mittel nur dazu verwen den würden, die physische Not unter den verfolgten Juden zu lindern und den Flüchtlingen eine Heimat zu bieten, so würden sie dadurch nicht nur, in den Wegen Gottes wandelnd, wahre Liebe und Barmherzigkeit üben, sondern auch die Kraft ihres Glaubens in strahlendem Lichte hervortreten lassen. Wir stimmen mit dem hohen Kirchenfürsten überein, der bei der Feier des Pauluswerkes gesagt hat, daß alle Scheide wände unter den Menschen niedergerissen werden sollten, daß der Rassenhaß etwas Unwürdiges und Erniedrigendes, und daß der Geist jenes großen Apostels als Geist der Liebe und des Suchens nach Wahrheit aufzufassen sei. Wir wissen ihm auch Dank für das Gebet, das er gesprochen hat, es möge ein Strom des Segens sich ergießen über die Angehörigen des Judentums, die guten Willens sind. Wir religiöse Juden sind alle guten Willens. Seitdem unser Prophet Jesaja die Worte ge rufen hat: „Heilig, Heilig, Heiiig ist der Ewige der Heerscharen!" — es geschah dies merkwürdigerweise im Jahre 753 vor der Entstehung des Christentums, zu einer Zeit, als die Stadt Rom nach der Legende erst begründet wurde — ist kein Tag vergangen, an dem das Volk Israel nicht in Wort und Tat den Namen Gottes in der Welt geheiligt hätte. Wir unsererseits dehnen den Segen auf alle Meh sehen aus, die guten Willens sind. Wenn sie zu uns kommen und uns sagen, daß auch sie, gleich uns, vom Heile erfüllt sind, so freuen wir uns darüber und sagen mit Jesaja: „Laßt uns gemeinsam, einander achtend und ehrend, wandeln im Lichte des Ewigen!" Palestlne Slilppins Co. LtrJ.9 Haifa Die angenehmste Ueberfahrt nach Palästina' mit Einklassen - Luxusdampfer „TEL-AVI V II Zu Purim Abfahrt 28. Februar von Triest Zu Ostern Abfahrt 27. März von Triest Zur Levante-Messe Abfahrt 23. April von Triest Auskünfte i „Universal", Wien I, Kflrntn erring 3 und In allen anderen Reisebüros Schfadhtverbot in Polen Aus Warschau: Die Tagung der allpolnischen Rabbinerkonferenz in Warschau gestaltete sich außerordentlich ernst. Etwa 75 Stadtrabbiner und eine Reihe' berühmter Chassidim-Rabbis nehmen an derselben teil, von Hunderten anderen Rabbinern liegen Zustimmungskundgebungen vor. Die Redner betonen, daß sie durch den dem pomischen Sejm unterbreiteten Antrag auf Verbot des Schächtens nach jüdischem Ritus überrascht worden seien und daß niemals die Lage nach dieser Richtung hin so ernst war wie heute. Der Sejmdeputierte Rabbiner Rubinstein' erklärte, die Lage sei darum verzweifelt," weil der polnische Parlamentarismus heute so beengt ist; es gibt keine Klubs, mit denen man sich von Mensch zu Mensch verständigen könne. Die Schächtgegner arbeiten mit offenen antisemitischen Argumenten, sie sind aber nicht allein Feinde der Juden, sondern auch Feinde Polens, denn ein Schächtverbot würde auch Polens Landwirtschaft schwer treffen. Die Schächtgegner verbreiten ungeheuerliche Lügen, sie erklären u. a., daß Polen das einzige Land in der Welt sei, wo noch das Schächten erlaubt ist. Von jüdischer Seite konnte noch sehr wenig Aufklärungsarbeit geleistet werden, da die Aktion, zu der sich Frau Prystor, die Guttin des Sejm mar schalls, hergegeben hat, wie ein Blitz aus heiterem Himmel' kam. Nach Ansprachen.,j mehrerer Rabbiner beschloß die Konferenz, feierlich Ver.« Die heilige Stadl Jerusalem ' Niemandes tiechtc oder frommeEmpfindungen bedroht unser Gedanke, ans dem eine langbegehrte Versöhnung weht. Wir verstehen und achten die Pietät aller, Konfessionen für den Boden, auf dem ja auch der Glaube unserer Väter erwuchs. Das ist das Vaterland von Ideen, die nicht einem Volke, nicht einer Konfession ausschließlich gehören... Und so ist auch aus der wirklichen Stadl Jerusalem mit ihren schicksalsschtoeren Mauern längst eiite symbolische Stadt geworden, die allen Kulturmenschen heilig ist. Aus Herzls Ansprache an Kaiser Wilhelm II. (Jerusalem, 1898). Die große Konzeption Wenn schon Elbogen während seiner jahrzehntelangen Beschäftigung mit jüdischer Geschichte nie au£ den Gedanken gekommen ist, daß in dem Zusammenleben, der Juden mit den abendländischen Völkern etwas Fragwürdiges liegt, so möchten wir doch meinen, sollten ihn als Juden die große Konzeption Theodor. Her Sil s und die zionistische Bewegung dahingehend ausgesprochen haben, daß auch jüdischerseits das Leben det Juden unter fremden Völkern als etwas Unbefriedigendes und im letzten Unmögliches empfunden worden ist. Reichsdeutsche Kritik zü Ismar Elbogens „Geschichte der Juden in Deutschland", 1936. Ein höherer Nationalismus „Heimat ist nicht ein Stück Land, und sei es das reichste und schönste. Nicht die Felsen und Berge und Flüsse} nicht die Herrlichkeiten, die Edelsteine und die Steine auf der Straße sind Heimat, nicht einmal die Felder, Gärten und Bäume. Heimat ist die Gemeinschaft der, Brüder, die in gegenseitigem Sich-Kennen, Sioh-Helfen und Sich-Lieben aufgewachsen sind, verbunden durch ge* meinsame Empfindungen, aber auch durch das materielle Interesse, das unentbehrlich ist im Alltag des Lebens^ Heimat, das ist Ein Sehen, Ein Denken, Ein Wollen^ Ein Empfinden. Und wenn unsere Dichter seit jeher den\ Böden besungen haben, So geschah es nicht aus Liebe zu\ den Bergen und Steinen, sondern aus Liebe zu den Men* sehen, die auf dieser Erde wohnen Der syrische Araber Dr. Shahabandar (Kairo)1, 1936. Das Land ohne Agrarkrise Während in Pal äs tin a heute ein ländlicher Besitz von SO bis 60 Dunam als eine stattliche Angelegen* heit gilt und BS bis 50 Dunam genügend bexoässertes Land eine Familie gut ernähren können — ist ein amerikanischer Bauer mit weniger als 800 bis 400 Dunam wohl eine Seltenheit,— freilich sind diese Farmen in den Vereinigten Staaten auch meistens nicht voll unter Kultur; denn die Bevölkerung wäre nicht imstande, aUe ihre. Früchte zu verzehren; ganz anders in Palästina, das noch) auf viele Jahre an dem umgekehrten Problem leiden wird und gewaltige Mengen von Agrarprodukten aus dem\ Ausland teuer eintauschen muß. Palästina gehört somit heute zu den ganz wenigen, Ländern ohne, chronische, Agrarkrise, somit zu den wenigen Beispielen, wo die An* setzung von Landwirten auch Volkswirtschaft* lieh diskutabel ist im Gegensatz zu all den andere^ häufig genannten Gebieten, in welche laienhafte Betriebsamkeit und fanatische Palästina-Feindschaft völlig un* geeignete deutsche Großstadtjuden verbannen möchten. Ernst Kahn: „Von Washington nach Jerusalem," Seltenes Lob Dr. Wilhelm B erlin er (der verstorbene Direktor der „Phönix") war nicht bloß ein hervorragender Fachmann, seine menschlichen Tugenden erhoben ihn zu einer, großen Persönlichkeit. Der Verstorbene war persönlich, von höchster Anspruchslosigkeit; sein hohes Einkommen verwendete er ausschließlich für die Unterstützung von Armen, wobei er seine Spenden in den meisten Fällen] anonym gab. Er war ein Wohltäter im edelsten Sinne, Sein großes Wissen und seine Selbstlosigkeit und seine] Korrektheit schufen ihm unter den hervorragendsten, Männern einen großen Freundeskreis. Sein Hinscheiden bedeutet für die gesamte Wiener Finanzwelt einen sehr, schweren Verlust. Die Wiener „R e i c h s p o s t",. 1936. Pallistina sdtidet Geld Die Hilfeleistungen für die Juden in den Galuth* ländern werden vom jüdischen Palästina trotz gegenwärtiger Schwierigkeiten fortgesetzt. Kürzlich wurde, unter dem Vorsitz von Meir Dizengoff ein Hilfskomitee, für die hungerleidenden Juden in Bessarabien geschaffen und eine Sammelaktion durchgeführt, an der sich alle be* deutenden Gruppen und Einzelpersonen beteiligten. Eine beträchtliche Geldsumme wurde bereits nach Kischinew geschickt. „Palcor"-Meldung aus Tel-Aviv, Februar 1936. Seit tausend Jahren schon wird der Myrrhe-Extrakt, der sich gegen Lockerung der Zähne und.Blutung des Zahnfleisches besonders wirksam erwiesen hat, verwendet O d o 1 - M u n d> waaser enthält neben dem Odol-Antiseptikum den Myrrhe» MV ' v ...........!•