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Die neue Welt · 1936-02-18 · Heft 538 (18.2.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 538 (18.2.1936)
Date
1936-02-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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5fr. 538 vom 18. P«bru« im DIE NEUE WEL1 i n im i l »i..mti»i ii m..... in Seit«! Iii- Ulm.« r* De. h/UUelm Bedittee Nach einer schweren Ohrenoperatton ist Dr. Wilhelm Berliner, der Direktor der Versicherungsgesellschaft „P h ö n i x", im Alter von 54 Jahren gestorben. Damit schloß ein Leben, das reich an MUhen, Erfolgen und Ehren gewesen ist. Denn Dr..Berliner war nicht ein „Direktor" Im Sinne eines Standes, eines Karrieregipfels — er war viel mehr. Sein Aktionsradius reichte über den von ihm geleiteten und zu einem Institut von Weltruf gemachten „P h ö n i x" i hinaus. Dr. Berliner war ein Finanzmann allerhöchsten Formats, ein Mann mit umfassender Bildung, und vor allem mit weit ausholender schöpferischer Phantasie. Auf dem Gebiet des Versicherungswesens eine Koryphäe, verstand es der Verstorbene, ganz neue Gebiete für sein Fach zu entdecken und seiner Gesellschaft nutzbar zu machen. Dem originellen Denker gelangen auch die originellsten Projekte. Ein Mann in so hoher und erträgnisreicher Stellung, blieb Dr. Berliner ein Muster von Einfachheit und Bescheidenheit. Sein Herz schlug warm für die Jüdische Gemeinschaft, seine Hand schenkte im geheimen, war stets den Armen seines Volkes offen. Für das jüdische Palästina schuf Berliner den,Zusammenschluß mit dem Keren Kajemeth, dem Jüdischen Nationalfonds, der in allen Ländern der Welt arbeitet, wodurch nicht unbedeutende Summen dem Aufbau des Landes zufließen. Dr. Wilhem Berliner hat sich durch seine edlen Taten ein ehrendes. Andenken bei seinen Volksgenossen und bei all denen gesichert, die den Vorzug hatten, mit ihm zu arbeiten oder von ihm Anregungen und Ideen zu empfangen. _ RUNDSCHAU Ein Animierfilm Für die Deutschen hatte die weite, ferne Welt immer etwas Anziehendes, und darum mußte ein Film, der sie zeigte, willkommen sein. „Wunder der Welt" hieß ein Weltreisefilm, den sich die Deutschen gerne ansahen, damals vor dem Jahre 1933. Denn damals war ja Deutschland von „Novemberverbrechern" und „Asphaltliteraten" regiert und darum die Sehnsucht der echten Deutschen nachnichtdeutschen Gegenden unendlich groß. Heute ist's etwas anderes. Heute, unter der Herrschaft des Hakenkreuzes, hat es der echte Deutsche nicht mehr notwendig, die Wunder der Welt zu sehen. Er sieht sie zu Hause.: Er hat es also auch nicht mehr notwendig, Ins Ausland zu reisen. Im Gegenteil. Er hat geradezu einen Widerwillen, die Grenzen des Dritten Reiches zu überschreiten. Und. da nun der Film „Wunder der W^e 11" noch immer vorhanden ist und im Reich Hitlers alles nutzbringend verwendet werden soll, wurde dieser Film umgearbeitet und zu einem — Auswanderungs- Propagandanlm für die in Deutschland ansässigen Nichtarier ausgestaltet, um ihnen auf diesem Wege das Weggehen von Deutschland zu erleichtern. Arme Nichtarier! Sie hängen so sehr am neuen Deutschland, daß man ihnen erst eine Fata Morgana vormachen muß, damit sie Appetit auf die Wunder der Welt bekommen! Insbesondere die Juden! Für sie wurde der Film zurechtfrisiert und wird auf Veranlassung .der Reichsfilmkammer und des Reichskulturwalters Hinkel in geschlossenen Veranstaltungen des Jüdischen Kulturbundes vorgeführt. Nur hier, nur bei den Juden! Die Hitler-Deutschen dürfen diesen Film nicht sehen. Es könnte ihnen, vielleicht der Gedanke kommen, daß es auch außerhalb Deutschlands Schönes zu sehen gibt. Und das muß verhütet werden. Extra Germaniam non est vita — außerhalb Deutschlands gibt es kein Leben. Die Biibel muß dran glauben Im protestantischen Bremen fand dieser Tage eine Kirchenversammlung statt, in der der Bremer Bischof Dr. Weidemann, der deutsch-christliche, hitlerlstische Bisbhof, die Totalitätsansprüche des Hakenkreuzes auch auf die Bibel ausgedehnt wissen wollte. Die Versuche der Nationalsozialisten, jedes wertvolle Werk und jeden wertvollen Menschen der Vergangenheit für den Nationalsozialismus in Anspruch zu nehmen, sind nicht neu und nicht selten. Hat doch sogar Friedrieb Nietzsche, der größte Hasser des Plebejertums, des Wagnerianismus, der preußischen Kaserne, kurz der germanischen Bärenhäuterei, dran glauben müssen und kann man doch sogar Hitler neben einer Nietzsche-Büste photographiert finden! Die Bibel, das Alte Testament, worin die Gesetzgebung Mosis enthalten ist, kann nach Ansicht des deutsch-christlichen Bischofs in Deutschland keine Geltung haben, da sie nicht „in Uebereinstlmmung mit den nationalsozialistischen Theorien" steht. Wir glauben das dem Dr. Weidemaun gern. Denn wäre es der Fall, dann wäre die Bibel nicht die Bibel, und dann wäre der Nationalsozialismus nicht die Erfindung von ein paar Dutzend subalterner Karrieristen. Aber lassen wir das. Besehen wir uns die Argumentation und das Projekt des Bischofs bezüglich der Bibel selbst. Der wichtigste teil (des Neuen Testaments) Ist für die Nazi — sagt Dr. Weidefffl&tin das Evangelium Johannes, weil «s sich gegen das jüdische Volk wendet. Diesen Teil kann man also anerkennen. Die anderen Teile, weiche die Erhabenheit der jüdischen Lehre «eigen, gehören in den Papierkorb oder, noch besser, ins Konzentrationslager. Und Jesus selbst? Ist niemals Jude gewesen, sondern G a 111 ä e r — sagt ein Pastor Roser aus Bremen. Die alte Geschichte des berüchtigten „Historikers" Houston Stuart Chamberlain, der sich mit Richard Wagner« Familie in Bayreuth herumtrieb. Jesus, Spinoza usw. waren keine Juden, behaupten die braven Schüler Hitlers. Denn Juden sind Untermenschen, und das beispielsweise von Jesus und Spinoza behaupten, entspräche nicht der Wahrheitsliebe der Machthaber im Dritten Reich. Unser Kampf gegen den „judenveinen" Film Wir erhielten aus Palästina folgende Zuschrift: „Tel-Aviv, 0. Februar. An den Verlag „Die Neue Welt". Wir verfolgen mit größter Aufmerksamkeit und voller Zustimmung Ihren Kampf ge^en den „judenreinen" Film. Es wird Sie in diesem Zusammenhang gewiß interessieren, daß unsere Firma seit einem Jahre in Palästina Kultur- und Reklamefilme herstellt und sich in dieser Zeit mit 12 erfolgreichen Filmen einen guten Markt erobert hat. Nicht nur im Inlande, sondern auch im Auslände. So haben wir jetzt von der größten Teefirma in Kairo den Auftrag für die Herstellung eines Tonfilms in arabischer Sprache erhalten. Der Titel des Films lautet: „Abu Ali und der Teetopf". Es ist damit zum ersteh Male die erfreuliche Tatsache zu verzeichnen, daß die jüdisch - palästinensische Filmproduktion, der neue Zweig der aufblühenden palästinensischen Industrie, einen direkten Auslandsauftrag erhielt Soist es den Leitern unserer Firma, zwei früher in Deutschland wirkenden Filmleuten,' gelungen, den Ruf unserer Produkte über die' Grenzen Palästinas zu tragen. Hochachtend T e k'u f a - F i 1 m s." Verband der Judenstaatstfonisten Oesterreichs Mittwoch, den 19. Februar 1936. halb 9 Uhr abends, im Heim, 1, Werdertorgasse 14 VORTRAG Referent: Schlomo Auarbach Thema: Nationales und Allmanschllch«! in Bialiks Werken . ,,Va«™-«» Gaste willkommen! Der Skandal um die „GeburtekiirAe" In Palästina hat die von arabischer Seite tendenziös verbreitete und auch In die Auslandspresse gebrachte Meldung von einer Entweihung der Gebürts* kirche in Bethlehem durch Juden große Erregung hervorgerufen. Bs kam zu Ausschreitungen gegen jüdische Touristen, Zusammenstößen mit der Polizei, ohne daß man eigentlich wußte, was sich in Bethlehem ereignet hatte. „Der Skandal von Bethlehem" lieferte der radikalen arabischen, antizionistischen Propaganda neuen Stoff. Jetzt fand die erste Gerichtsverhandlung in dieser Sache statt, und es ergab sich, daß die „Schui<J" der angeklagten halbwüchsigen Burschen, jungen Judeni ,di*f übrigens erst vor wenigen Monaten ins Land gekommen sind, mehr als zweifelhaft ist. Sie hatten in Begleitung eines Geistlichen die Geburtskirche besichtigt und im Anschluß daran auch, wie's üblich Ist, ihren Obulus dafür ertrichtet, aber beim Verlassen, der Klrcaa, wenige Schritte vor dem Eingang, bedeckte einer der jungen Burschen, vielleicht etwas vorzeitig, doch sicher nicht in beleidigender, respektloser Absicht, seinen, Kopf. Ein arabischer Führer vejr ies.es ihm, ohne daß der nunmehrige Hauptangeklagte den Sinn der ihm fremden Worte verstand. Nach, der Darstellung des arabischen Führers hat ihn nun der „sittenlose Besucher" geschlagen, und ebenso beha-ptet er,' von den Kameraden des Burschen geschlagen worden zu sein. Nach der Darstellung des Hauptangeklagte-* war es der Araber, der schlug. Jedenfalls geht aus dem bisherigen Verlaufe der Verhandlung hervor, daß sich die „Entweihung" schlimmsten Falles in der Taktlosigkeit eines nicht gut erzogenen Burschen besteht. * Jerusalem, 16. Februar: Vier der beschuldigten jungen Juden wurden vom englischen Richter freigesprochen. Der fünfte erhielt eine geringfügige Geldstrafe. Dast Gericht hob in der Begründung des Urteils hervor, daß die Juden sich in der Kirche einwandfrei benommen haben, hingegen von dem arabischen Kirchendiener ohne jeden Grund attakiert wurden. VH. internationale Messe 80. April bis 80. Mai 1986. Ueber Einladung des 'Außenhandelsdienstes der österreichischen Handelskammern wird Herr Dr. Hugo Groß, Geschäftsführer der österreichisch-palästinensischen Wirt« schafts-. und Handelskammer, am Donnerstag, den 20. Februar 1938, im Festsaale der Kammer für Handel, Gewerbe und Industrie, Wien, I., Stubenring 8*10, einen Vortrag Uber das Thema „Offizielle Beteiligung Oestarreichs an der Levante-Messe $886" halten« .. LOWEN-KINO III, IQWENflASSE SS Sonntag/ 23« Februar/ 11 Uhr xorm* Das Land der VerheiB-ng Ansprächet Oberbaurat Robert Stridter Karten bei sämtlichen Ausschußmitgliedern der Bezirkssektion und Wizo III; Bund jüd. Frontsoldaten, Gruppe III, Landstr tjauplstr, 9; Jüd. Kultursteile I, Franz-Josefs-Kai 3, Telephon R-28-2-36; Sekretariat der Judenstaatszionisten, I, Werdertorgasse 14; Bücherstube Löwit, I, WoHzeüe 6, Tel. R-25-4-53; David Heimberg, III, Löwengasse 45. Tel. B-53-9-55; S. Tanne, III, Landstraße Hauptstraße 69, Tel. U-10-6-89; Wr. Ring-Cafe\ I, Stubenring 18, Tel. R-22-504 jCaföGarteriban, I, Parkring 10, Tel. R-20-0-95, und an der Kino-Kasse, Tel. LM5.3-12 Verband der Judenstaatszionisten Oesterreichs Sektion XIII, XIV, XV, Schanzstraße 32, Dienstag, den 18. d. M., 9 Uhr abends, Vortrag: Th. Grubner: „Galuth uhdErez Israel". Zentralhelm, I., Werdertorgasse 14, Mittwoch, den 19. d., y,Q Uhr abends, Vortrag Schlomo Auerbach: „Nationales und Allmens chHches in Bialiks Werken". Sektion Leopoldstadt, II., Taborstraße 21a, Donnerstag, 20. d., %Q Uhr abends, Vortrag Ing. Bugen Buchbinder:. „Die.V orgängeinderKultus gemein de"* Freitag, den 21. d., um 8 Uhr abends: Oneg Schabbat, Referent Aroh Schwertfinger. Sektion Prater, IL, Kl. Zufahrtstraße 166, Donnerstag, den 20. d., um J£9 Uhr abends. Vortrag Th; Grubher: „Assimilation und Zionismus in Westeuropa". Sektion IX/XVIII, XVIII., Semperstraße 19, Donnerstag, den 20. d., % 9 Uhr abends Vortrag Josef Frankel: „4 0 Jahre Judenstaat". Donnerstag, den 20. d., findet im Zentralheim, I., Werdertorgasse .14, 8 Uhr abends, eine Sitzung der Finanzreferenten sämtlicher Sektionen statt: Erscheinen Pflicht. Voranzeige! Am 14. März veranstaltet der Verband der Judenstaatszionisten in den Festsälen des Hotel Continental eine Purim-Redoute unter der Devise: „Märchennacht im Galil". Das schönste Kostüm und die schönste Gruppe werden prämiiert. Gruppen und Einzelanmeldungen täglich, ausgenommen Freitag, Samstag, Sonntag, ab 7 Uhr. abends im Sekretariat,. L, Werdertorgasse 1'%. Judenstaats Jugend. Samstag, den 22. d., 8 Uhr abends, I., Werdertorgasse 14, Akademie — Tanz. Entree S l.—. _' /,Das Land der Verheißung" Der große Palästina-Tonfilm der Fox „Das Land der Verheißung** setzt seinen Siegeszug durch die Wiener Bezirke fort. Auch die letzten Aufführungen waren ausverkauft and fanden begeisterte Aufnahme, Bei der nächsten Vorstellung, Sonntag, den 23., vormittags 11 Uhr» im Löwen-Kino, wird Oberbaurat Ingenieur Robert Stricker, Vizepräsident der Kultusgemeinde, die Ansprache halten. Sichern Sie sich rechtzeitig Plätze.' Todesfall. Samstag, den 8. Februar, verschied der Präsident der isr. Kultusgemeinde Amstetten, welcher durch 25 Jahre derselben vorstand,' Großindustrieller Herr Kommerzialrat Gottlieb Mahl er; Ehrenbürger der Gemeinde Neumarkt a. d. Y., Besitze? des silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik, Welcher Wertschätzung sich der Verstorbene erfreute, zeigte die große Teilnahme an der Beerdigung. Außer den Gemeindemitgliedern und den vielen Geschäftsfreunden aus nah und fern geleiteten die Präsidenten der Kultusgemeinden L i n z, K r e m s, S t. P ö 11 e n den Verstorbenen zur letzten Ruhestätte. Se. Ehrw. Rabb. Dr. M. Landau würdigte in ergreifenden Worten die Verdienste des Dahingegangenen um das Judentum und die österreichische Wirtschaft. In den letzten Jahren zeigte K.-R. Mahler viel Interesse für die Erstarkung des jüdischen Selbstbewußtseins und nahm an allen Fragen des jüdischen Volkes regen Anteil. Das Ableben dieses hoch angesehenen Mannes hat allseits tiefstes Mitgefühl erweckt. In dem Verblichenen betrauert Gg. Hermann Wozasek, Amstetten, seinen Schwiegervater. Bilderserien sind von der Jugend als Sammelobjekt SU jeder Zeit sehr geschätzt worden. Was ihnen aber heute geboten wird, ist besonders wertvoll. Folge 2 der österreichischen Monographien des Togal-Werk Wien behandelt den genialen Kufsteiner Schmiederaeister Josef Madersperger, der die erste Nähmaschine der Welt konstruiert hat, trotz aller Bemühungen aber keinen Nutzen aus seiner Erfindung ziehen konnte. Madersperger ist verbittert und vergrämt 1850 im Armenhaus gestorben. Erst nach seinem Tode hat die Nähmaschine ihren Siegeslauf Uber die ganze Welt angetreten. Die schön illustrierte kleine Monographie der Togal-Werke wird in allen Apotheken kostenlos ah* .gegeben."'"" ' " """ * '"- ''

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