Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1936-02-18 · Heft 538 (18.2.1936) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 538 (18.2.1936)
Date
1936-02-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2712150-2712163--5617-2719258
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

Seit« 9 DIE NEUE WELT Nr. 538 vom 18. Februar4 1930 Ermessen des High Commissloner in dieser Angelegenheit einzugreifen. Abg. Wedgewood: Sollen diese Dinge stets dem Mann am Ort überlassen bleiben? Minister Thomas: Nein; im allgemeinen aber ist es nur in Ordnung, daß dem Mann am Ort, falls er sein Amt gut verwaltet, freie Hand gelassen wird. Abg. Wedgewood: Sollen wir dies so verstehen, daß dies ein% jener Prägen ist, für die sich das Colonial Office nicht interessiert? Die Frage blieb unbeantwortet. Antisemitische Umtriebe der englischen Faschisten Aus' London: Ein sozialistischer Abgeordneter fragte im Unterhaus die Regierung, ob deren Aufmerksamkeit auf die Tatsache gelenkt worden sei, daß im Osten von London auf jüdische Geschäftsinhaber Angriffe seitens der englischen Faschisten stattgefunden hätten. Innenminister Simon antwortete, daß die Regierung davon unterrichtet sei und besondere Maßnahmen ergriffen worden seien, um derartige Vorfälle künftig unmöglich zu machen. Der Minister erklärte, die Behauptung, daß die Polizei nicht scharf genug gegen die Faschisten vorgehe, sei vollkommen unrichtig. Die HitSersRede Aus Paris: Die scharf antisemitische Rede Hitlers bei Gustloffs Bestattung in Schwerin und besonders seine Bemerkungen, daß die Nationalsozialisten kein einziges Attentat verübten und keinen einzigen Gegner ermordeten und daß auch den Juden „nichts zuleide getan" wurde, haben überall im Ausland ungeheures Erstaunen hervorgerufen; man hält es für unvorstellbar, was die verantwortlichen Führer des Nationalsozialismus glauben, der Welt und dem eigenen deutschen Volke zumuten zu können. Man weist darauf hin, daß in im Ausland erschienenen Büchern von historischer Glaubwürdigkeit bis jetzt nahezu 4 0 0 0 Morde von Nationalsozialisten an ihren politischen und persönlichen Gegnern, mit Namen und Daten belegt, verzeichnet sind. Davon sind viele Hunderte Morde an J u d e 4 begangen worden, von denen die meisten politisch gar nicht tätig gewesen waren, sondern, die ein Opfer antisemitischer Verhetzung, privater Rachsucht, meist aber der Bereicherungssucht waren. Eine Reihe Juden wurde von nationalsozialistischen Emissären und gedungenen Mördern sogar bis ins Ausland verfolgt und dort niedergemacht; man erinnert an den Mord an Professor Theodor Lessing in Marienbad, an die Ermordung Alfred Rotters in Luxemburg, an das Mordattentat gegen den Juwelier Futterweit in W i e n u. a. m. Die Urheber aller dieser Morde suchten sofort das Weite und fanden schließlich Sicherheit innerhalb der deutschenGrenzen, während Frankfurter sich selbst den Behörden stellte. Die schweizerische Presse enthüllt täglich Neues über die Tätigkeit Gustloffs in der Schweiz. Gustloff habe nicht nur eine schweizerische „Stürmer"- Ausgabe verbreitet, sondern auch das Pamphlet „Prot okolle der Weisen von Z i o n" in vielen hunderten Exemplaren nach der Schweiz gebracht, er wurde auf diese Weise der Urheber des Berner Prozesses um die „Protokolle". Manche Zeitungen bringen ihn mit der Entführung des Journalisten Jacob aus der Schweiz nach Deutschland und mit anderen Entführungsaffären in Zusammenhang. Diese Zeitungen nennen ihn den „Habicht von D a v o s". Er begründete eine große Ulegale Organisation, deren einzelne Mitglieder er ganz nach deutschem Vorbild vereidigte. Der Schweizer Nationalrat Canova machte seinerzeit den Bundesrat darauf aufmerksam, daß Gustloff fremde Kurgäste belästigen und bedrohen ließ, sich regelmäßig die Adressen der neu ankommenden deutschen Gäste verschaffte und Drohbriefe an sie richtete. Die in der Schweiz studierenden deutschen Studenten wußte er mit viel Talent zu SpitzeIn auszubilden. . Im Einvernehmen mit dem Oberbürgermeister der Stadt Berlin hat der Polizeipräsident den Dernburg-Plate und die Derhburg-Straße (benannt nach dem einstigen Kolonienminister Dernburg, der jüdischer Abstammung war) im Stadtbezirk Charlottenburg in Gustloff-Platz und Gustloff-Straße umbenannt. 9 ... Nachträglich wird mitgeteilt, daß Hitler am Schlüsse seiner Haßrede den Befehl ausgegeben hat, daß Gustloffs Bild in allen Parteibüros hängen solle, damit man dieser Tat „nie vergesse". Die „niedrige" Rede Die Pariser Tageszeitung „Oeuvre" nimmt zur Rede Adolf Hitlers anläßlich der Beerdigung des vom jüdischen Studenten David Frankfurter getöteten Hakenkreuzführers Gustloff Stellung und schreibt: „Es liegt auf der Hand, daß sich die Machthaber des Dritten Reiches auf das Verbrechen von Davos berufen werden, um neue Verfolgungen gegen die deutschen Juden zu rechtfertigen. Was aber soll man zu dar Rede sagen, die Adol/ Hitler anläßlich.der Bestattung Gustloffs in Schwerin gehalten hat? Er hat seinem Judenhaß so würdelos und so rückhaltlos die Zügel schießen lassen, daß man an seinem geistigen Gleich* AUS ALLER WELT Sit Isaak Issum* Aus Sydney (J. T. A.): Sir Alfred Isaak Isaaca, der frühere Oberstrichter, iuletzt Generalgouverneurvon Australien, hat nach Ablauf seiner Amtszeit sein Amt als Generalgouverneur niedergelegt. Sit Isaak Isaacs war der erste in Australien geborene Generalgouverneur der britischen Regierung und auch der erste Jude, der diesen Posten bekleidete. Sie schießen auf jüdische Kinder Aus Bukarest: Anläßlich der Senatsersatzwahl in Mehedinti, Transsylvanien, die am 16. Februar stattfinden soll, entfalten die C u z i s t e n gemeinsam mit den deutschen Nationalsozialisten dieses Wahldistrikts eine rücksichtslose antijüdische Hetze. Die jüdische Bevölkerung wird in brutalster Weise terrorisiert, die Schilder an jüdischen Geschäften werden mit antijüdischen Hetzlosungen beschmiert. Die jüdischen Geschäftsieute werden angegriffen, der Kaufmann Jakob Grünberg wurde von Cuzlsten mißhandelt und schwer verletzt. In der Stadt Bucecea griffen die Cuzlsten die jüdischen Einwohner mit Feuerwaffen an. Zwei jüdische Kinder wurden durch Revolverschüsse verletzt. Verbilligte Palästina-Reisen Konstansa Konstanza..........S236.- Trieit—Trlett ca. RumSn. Visum gratis •••••.....S 351 a —- Grofle Bahnermäßigung Pur im-und Pessachreisen Billige Landarrangements REISEBÜRO W. SCHEDIWY, Sit): Wiener Reiseklub - Austro-Lloyd I, Welhburggaise 2 7. Telephon R-28-0-69 General Monash Aus Melbourne (J. T. A.): Im Frühjahr 1936 wird in Melbourne ein Reiterstandbild des verstorbenen jüdischen Oberbefehlshabers des australischen Armeekorps im Weltkrieg, General Sir John Monash, enthüllt werden. Die Mittel für das Denkmal sind durch eine in ganz Australien durchgeführte Sammlung aufgebracht worden. Für die Ausführung des Denkmais; wurde ein Preisausschreiben veranstaltet, das der hervorragende Bildhauer W. L. Bowles gewann. Für das Denkmal wurde ein Platz in der Nähe der australischen E h r e n h a 11 e bereitgestellt. Sir John Monash gilt als der australische Held des Weltkrieges und war einer der hervorragendsten Heerführer der britischen' Streitkräfte im Krieg. In seinen Erinnerungen aus den Kriegsjahren nennt ihn der frühere Ministerpräsident Lloyd Geo r ge den fähigsten Soldaten der engtischen Armee und erklärt, daß Sir John Monash wahrscheinlich Oberkommandant der gesamten englischen Streitkräfte geworden wäre, wenn der Krieg weiter gedauert hätte. In der letzten großen Offensive des Weltkrieges spielte die „Yankee- Division" unter dem Kommando von General Monash eine entscheidende — mehrere Kriegshistoriker sagen: die entscheidendste — Rolle. Lebenslängliches Zuchthaus für Judenmörder Aus Algier (J. T. A.): Das Gericht von Orleansville hat Abid Mohammed und Benihoub Lechekki, die bei dem Pogrom in Constantine am 5. August 1934 fünf Angehörige der Familien Attali und Attal ermordet hatten, zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Ein dritter Angeklagter wurde freigesprochen. D6r Staatsanwalt hatte für alle drei Todesstrafe gefordert. Ferner wurden vier Angeklagte, die während des Pogroms an der Ermordung von neun Mitgliedern der Familien Halimi und Zerdoun beteiligt waren, zu lebenslänglichem, bzw. löjährigem, fünfjährigem und zweijährigem Zuchthaus, verurteüt. Bedrohte Lage der rumänischen Jaden Aus Paris: Der rumänische Außenminister! Nicolae T i t u 1 e s c u hat während seiner Anwesenheit in Parts eine aus Vertretern der Alliance Israllite Uni* verseile und des Komitees für die Verteidigung der jüdl« sehen Rechte in Mittel- und Osteuropa bestehende Abordnung empfangen. Die Abordnung stand unter der Führung des Deputierten der französischen Kammer und Präsdenten des Komitees für die Verteidigung der jüdischen Rechte Paul Reynaud und des Vizepräsidenten der Alliance Israelite Universelle George Leven. Dia Unterredung des Außenministers Titulescu mit der Abordnung dauerte eine Stunde. Die Lage der Juden in Osteuropa, besonders in Rumänien, wurde in ihr eingehend erörtert. Aus Luxemburg Aus Luxemburg: In der letzten Sitzung der Luxemburger Kammer kam es zu einer Debatte über die Ausländer. Der Sprecher der katholischen Partei, der größten Regierungspartei, Deputierter August Thorn, wies auf die Zuwanderung von Juden aus dem Saargebiet hin und fragte: Was können wir gegen einen Zustrom neuer Ausländer ins Großherzogtum machen? Wenn der Neuhinzugekommene, sagte er, über genügend Geldmittel verfügt und keines Luxemburgers Interessen schädigt, dann soll man ihn hier lassen. Aber der Fremde darf keine Ueberfremdungsgefahr fürs Land bilden. Es gibt viele unglückliche gehetzte Fremde bei uns,' die nicht wissen, wo sie essen und schlafen sollen. Die Frage bedarf einer baldigen internationalen Regelung durch den Völkerbund in Genf. Der radikal-liberale Innenminister Dumont erwiderte: Die Fremden machten 1914 15 Pro2ent der Bevölkerung aus, 1933 waren es 14,5 Prozent. Im Jahre 1935 wurden 3694 Aufenthaltsbewilligungen, davon 2467 von Deutschen, beantragt; 2039 wurden erteilt. Die deutschen Ausländer teilen sich in drei Gruppen: 1. Politische Flüchtlinge; diesen wird ohne Einschränkung die Gastfreundschaft gewährt; 2. deutsche Juden. Die Behauptung ist falsch, daß wir von Juden überschwemmt werden, und diese Gerüchte bedeuten eine große Gefahr. Von den 3694 Fremden, die im letzten Jahr zu uns kamen, waren im ganzen 651 Juden, wovon nur 304 die Aufenthaltserlaubnis bekamen; 3. hier ständig lebende Deutsche, die sich zum Dritten Reich bekennen. Die Regierung hat zahlreichen Leuten, die provokatorisch tätig waren, das Land verboten. Die Luxemburger Bevölkerung will von der Naziagitation nichts wisssen. KINO*PROGRAMME KREUZ-KINO I, Wollzeile 17 Telephon K-24- 2-16 Vorstellungen*, %6, V«0, ttio Informer Victor McLaglen, Margot Graham SCHÄFFER VI, Mariahilf erstraße 37 Telephon B-20-203 deginn: %d, %d, Y*t, V*10 Es geschah in einer Nacht Clark Gable STÄFA, VII Mariahilf erstraße 120 Telephon B-S8-0-68 Wochentags: S, 7, 9 Uht VOTIVPARK IX, Währingerstraße 12 Telephon* A-18-3-96 Besinn: *, %6, M, V-,10 Anna Karenina mit Greta Garbo gewicht immer stärker zweifeln muß. Seine Sprache stand in nichts der Sprache Julius Streichers nach, des sadistischen Organisators der Pogrome seit der Machtergretfung durch den Nationalsozialismus. Hitler wies wieder einmal auf den Juden als den Feind des deutschen Volkes hin und sagte: .Diesem Feinde haben wir niemals etwas Böses angetan'."4 „Man kann die Unverfrorenheit wirklich nicht höher treiben... Die Weltmeinung hat die am Verbrechen in Davos wirklich Schuldigen schon längst bezeichnet: Es sind die Nationalsozialisten selbst. Gin englischer protestantischer Bischof sprach jüngst in einer Synagoge in London und führte unter anderem mit Recht folgendes aus: .Sobald der Augenblick gekommen ist, da' die Geschichte ihr Urteil über die Ereignisse in Deutschland zu fällen vermag, wird sie die Nazis selbst als diejenigen feststellen, die an den Gewalttaten, zu denen sie ihre Opfer getrieben haben, selbst und allein schuld sind."' „Adolf Hitler will unser Mitleid für die nationalsozialistischen (Märtyrer1 erregen. Hat er vergessen, daß diedeutsche, Republik eine unendlich viel längere und schmerzlichere Liste von Märtyrern aufzuweisen hat? Wer hat Rathen au ermordet? Wer hat Erzberger ermordet? Wer hat unermüdlich die Verbreohen gegen dl© politischen Feinde, gegen die Republikaner und Sozialisten, gepredigt, die den Vertrag von Versailles unterzeichnet haben? Gerade die Führer des Nationalsozialismus werden nicht müde, das politische Verbrechen zu verteidigen.'* „Im August 1932 waren in Beuthen Nazis zum Tode verurteilt worden, die in Potempa einen politischen Gegner ermordet hatten. Was tat Hitler?'In einer Proklamation, erklärte er, er fühle sich als .Kamerad' der Mörder, und Görihg telegraphierte ihnen: .Ihr seid keine Mörder. Ich sende euren Familien heute tausend Mark.' Und vergessen wir schließlich nicht, daß die Naziregierung im Ruhrgebiet Schlageter ein Denkmal errichtet und die Rathenau-Mörder zu .Nationalhelden' erklärt hat. Adolf Hitler wird niemanden irre» führen können. ,Das Verbrechen', hat er erklärt, .wird auf den Verrbecher zurückfallen.' Gewiß, der Verbrecher ist aber die Nationalsozialistische Partei, die seit ihrer Gründung die Gewalt angebetet hat. Auf alle Fälle zeigt die niedrige Rede * (,1'igonoble discours') des ,R e J c h s fü h r e r s* zu gelegener Zelt den Delegierten aller Länder, die den Olympischen Spielen beiwohnen, das wahre Gesicht des Dritten Reiches." Spendet für den „Ozar Hanoar"!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.