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Die neue Welt · 1936-02-18 · Heft 538 (18.2.1936) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 538 (18.2.1936)
Date
1936-02-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen Dkntiäq, den!«♦ Februar 1936 IH Jahrgang Nf* 538 V* b* b% DIE NEUE Zeitung vom Verleger versendet „Journal exp6di6 par r&üteur" WH. Universitätsbibliothek REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER > Übrigen 1 bezeichnete Anzeigen sind entgeltll Redaktion u, Verwaltung : IX, Universitätssir. 8, Tel, A-20-2-78 — Erscheint Dienstag w. Freitag Weltpolitik der Woche Ein neuer Name, ein neuer Mann erscheint am politischen Horizont: Dr. Milan Hodza, der Premier der tschechoslowakischen Regierung. Fünfzehn Jahre lang hat Dr. Benes die tschechoslowakische Republik durch die gefährlichen Klippen des „neuen Europa" geführt, begleitet von der moralischen Autorität Masaryks. Heute, in den stürmischen Tagen der Neuorientierung und Neugruppierung der Mächte, ist dem außerhalb der Tschechoslowakei bisher unbekannt gewesenen Slowaken Dr. Hodza das Schicksal der demokratischen C. S. R. anvertraut. Zum erstenmal trat dieser Mann durch seine Besprechung mit dem Österreichischen Bundeskanzler Dr. Schuschnigg in die breite Oeffentlichkeit. Was lange schon Wunsch aller einsichtigen Faktoren war und , nunmehr als unumgängliche Notwendigkeit empfunden wurde — eine Konsolidierung der mitteleuropäischen wirtschaftlichen Verhältnisse als Voraussetzung für eine Festigung des Friedens —, das haben die beiden Staatsmänner in ihrer Prager Konferenz in die Wege geleitet. Diese Tendenz wird sich zweifellos im eben behandelten österreichisch-tschechoslowakischn Handelsvertrag auswirken. Natürlich kann solch ein Abkommen bloß als eine E .tappe auf dem Weg zu. einer umfassenden Neugestaltung . angesehen werden. Milan Hodza . hat weitere Ziele. Was er über die aktuellen Probleme der internationalen Politik in Paris sagte, "bezeugt dies.. Männer, die frisch sind im Amt, kehren gut. Unbelastet von traditionellen Bindungen formaler Natur, unverbraucht, von Schaffensdrang beseelt, von der Skepsis, die altgediente Diplomaten mürbe gemacht hat, noch nicht angekränkelt, ist Hodza bereit, auf. wirtschaftlicher Basis einen Mitteleuropa-Pakt zuständezubringen, der sich den Linien der weltpolitischen Konzeption aller friedliebenden Staaten anpaßt. Damit ist gesagt, daß dem französisch-russischen Pakt ein tschechoslowakisch-russischer folgen müsse und-in weiterer Zwangsläufigkeit eine Annäherung Oesterreichs an die Kleine Entente und an die Balkanfront. Wenn dann die wirtschaftliche Reorganisation so weit fortgeschritten ist, daß der neugeschaffene erweiterte ökonomische Donauraum für sich selbst stark genug ist, dann, wäre dieser Zustand zugleich ein politischer Faktor von großer Tragweite. Denn Dr. Hodza verheimlicht nicht die Tatsache, daß all die wirtschaftspolitischen Kombinationen eine direkte Folge der Wiederaufrüstung Deutschlands und der Aggressivität des hitleristischen Regimes sind. Eine logische Ergänzung in weitem Rahmen erfährt die Konzeption des tschechoslowakischen Premiers durch das Expose des neuen französischen Außenministers Fl and in über die internationale Lage; Auch Flandin gibt die Bedrohung durch Deutschland als Ursache militärischer und politischer Pakte ap. Er gibt offen zu, daß Frankreich ein Zustandekommen der zentraleuropäischen und osteuropäischen Pakte schon aus dem einen Grunde, für notwendig halte, um der deutschen Angriffslust einen starken Wall entgegenzustellen. Hiebei wurde wiederum die Garantie der österreichischen Unabhängigkeit in den Vordergrund gestellt.: Man weiß also, wie es um die nächste Zukunft Mitteleuropas steht. Jetzt ist Klarheit geschaffen: Wirtschaftliche Zusammenarbeit bei politischer Selbständigkeit; Verbreiterung des ökonomischen Raumes; unbedingte Friedenssicherung; Zusammengehen mit allen Mächten, welche mit diesen Tendenzen konform gehen; oder anders gesagt: Zuerst Geschäft, dann Ideologie! Ueber die Möglichkeit neuer Verhandlungen zur Beilegung des it alienisch -ab essinischen Konflikts liegen keinerlei Meldungen vor. Die Presse berichtet von weiteren schweren Kämpfen und von der Absicht beider Parteien, eine m i 1 i t är i s che Entscheidung herbeizuführen. Frankreich will jede Gelegenheit' benützen, den Konflikt im Geist des Völkerbundes zu liquidieren. Denn Italiens Inanspruchnahme bedeutet, wenn es auch da und dort bestritten wird,. eine Schwächung der europäischen Friedensfront, ja sogar der europäischen Kraft in Ostasien.! Die deutsche Aufrüstung zu Lande, zu Wasser in. der i&tftusowie «die immer deutlicher sich' ctus- Zwr Sdiädiifrage In Polen Die Abgeordnete Frau P r y s t o r hat im polnischen Parlament einen Antrag auf Erlassung eines Schächtverbotes eingebracht. Die Regierung hat den Antrag bereits veröffentlicht. In der Begründung wird behauptet, die Schechita sei kein Ritualgesetz. Es genüge, das Fleisch zu reinigen, um es j(kos'cher" zu machen. Der Antrag fordert, daß den jüdischen Gemeindevorständen verboten werde, Einkünfte aus der Schechita zu beziehen. Die erste Lesung des Gesetzentwurfes soll in der nächsten Sitzung des Sejm stattfinden. Dann soll das Projekt der Verwaltungskommission zugewiesen werden. Der polnischen Judenschaft hat sich große Erregung bemächtigt, da die Majorität im Sejm dem Antrage freundlich gegenübersteht und die Haltung der Regierung zweifelhaft ist. Am 13. Februar begann in Warschau eine Tagung des' Großen Rates des polnischen Rabbinerverbandes (Agudat Harjijbonim). Beraten wird über die Textierung einer Prok$$,mation an die Weltjudenheit, in der diese aufgefordert, werden soll, einen Fast- und Buße tag abzuhalten und um Abwendung der den V/3 Millionen; polnischen Juden durch den Plan des Schächtverbots, drohenden Gefahr religiöser Verirrung oder physischer- Degeneration zu beten. Es wird ein'Plan'erörtert; die Juden Polens aufzufordern, zum Protest gegen den Antrag auf-Erfassung eines allgemeinen Schächtverbots sich vier Wochen lang des Fleischgenusses überhaupt zu Hack?M&ästika m pMtmf Billige Gesellschaftsreise mit oder ohne Verpflegung, Ausflüge im Lande, nach Aegypten und Syrien, unter bewährter Führung fit Eft Mäßige Preise ab d 93Ui Nähere Auskünfte bei Dr.S.TOCKBR im Reisebüro ,In die Welt* (W.M.Renner). WIEN IX, LIECHTENSTEINSTRASSE 3, Tel.A-14-604 enthalten. Man erwartet, daß ein aolcher Appell von allen Juden in Polen befolgt werden wird, und daß die Bauernschaft damit erkennen würde, v/elche Verluste für sie mit einem Schächtverbot verbunden wären. Es ist ferner geplant, einen Trauermonat der polnischen Judenheit zu verkünden. Der Kriegsminister soll aufgefordert werden, den jüdischen Soldaten die Teilnahme an dieser Trauer zu ermöglichen. Der Verband der orthodoxen Rabbiner Amerikas hat an den polnischen Geschäftsträg e r in Washington telegraphisch einen Protest gegen den dem Sejm vorgelegten Antrag, die Schechita in Polen zu verbieten, gerichtet. In dem Telegramm wird betont, daß die Annahme dieses Gesetzes zu einer ungerechten Diskriminierung der polnischen Juden führen würde, die unbedingte Beobachter des jüdischen Gesetzes sind. In Oesterreich Auch in Oesterreich ist die Frage des Schächtens aktuell geworden. Die Regierung hat ein Tier-i Schutzgesetz in Vorlage gebracht. Das haben die Tierschutzvereine zum Anlaß genommen, um das Verbot des rituellen Schächtens zu fordern. Die Regierung ist auf diese Forderung nicht eingegangen und hat in der "Vorlage das Schächten von Tieren ohne vorhergehende B e t ä u bun g für den Gebrauch der Juden ausdrücklich als erlaubt'erklärt/ Staatsrat und Kulturrat haben den Gesetzentwurf bereits genehmigt. Er kommt nun vor den Bundestag. Hier dürfte allerdings der Gegenantrag eingebracht werden, daß der Tierschutz der Kompetenz des Bundes zu entziehen und den Bundesländern zu überlassen sei. diese Frage im eigenen Bereiche selbständig und unabhängig von einander zu behandeln. Im Falle der Annahme entstünde eine gewisse Gefahr, da einzelne Länder (Salzburg), Oberösterreich, Kärnten) eine dem Schächten feindliche Haltung einnehmen. Es ist aber zu erwarten, daß der Standpunkt der Bundesregierung und damit die Freigabe der rituellen Schächtung akzeptiert werden wird. PaIä§tina*Dehafte im Unterhaun Aus London: Die Fragen und Antworten der am 10. Februar im Unterhaus geführten kurzen Debatte über Legislative Council und Palästina- Einwanderung liegen nunmehr im Wortlaut. vor. Auf die Anfrage des Abgeordneten Tom Smith antwortete Minister J. H. Thomas, der High Commissioner für Palästina habe Ende Dezember den arabischen und jüdischen Führern den Vorschlag der Regierung, betreffend die Schaffung eines Legislative Council, mitgeteilt. Die Juden hätten klargemacht, daß sie in dieser speziellen Angelegenheit nicht in der Lage seien, mit der Regierung zu kooperieren. Ueber eine Annahme der Vorschläge durch die Araber habe der Minister vom prägende Tendenz Japans, China zu beherrschen, haben England zu einem Rüstungsprogramm gedrängt, das in seinen Ausmaßen überraschend wirkt. Das englische Kabinett beschäftigt sich, wie man weiß, schon seit längerer Zeit mit den aktuell gewordenen Fragen der Verteidigung des Imperiums, wobei insbesondere (abgesehen von den europäischen Interessen am Rhein und am Mittelmeer) der japanisch-mongolische Raubkrieg zu weitgreifenden Maßnahmen verpflichtet. Nichtsdestoweniger hat der neue britische Verteidigungsplan, dessen Einzelheiten in einem Weißbuch niedergelegt werden sollen, in der englischen Oeffentlichkeit selbst beträchtliches Aufsehen erregt. Man ^etzt die Größe der Rüstungen — der Größe der Gefahr gleich. Vielleicht nicht mit Unrecht. Denn die englische Mentalität weiß sogar in den Stunden höchsten Energie-Erfordernisses Maß zu halten, wo andere Völker und Staaten die Nerven verlieren. Die Größe der englischen Rüstungen muß also als das genommen werden, was sie ist: als die Kraftentfaltung einer Nation, die nichts von ihrer Hegemonie yerlieren will, * ö« & High Commissioner noch keinen Bericht erhalten. Der Anfrager werde wohl verstehen, daß der Minister in dem gegenwärtigen Stadium keine weitere Erklärung abgeben könne. Colone! Josiah Wedgewood fragte, ob dies dahin zu verstehen sei, daß der Minister den Verfassungsplan nicht revidieren wolle, obwohl dazu Zeit sei; wolle er, falls er selbst nicht Zeit habe, seinen Kollegen veranlassen, dies zu tun? Minister Thomas antwortete, daß die in dieser Frage von ihm angedeutete Politik und die gesamte Palästina-Politik von der Gesamtregierung verantwortlich getragen werde. Abg. Wedgewood: Sollen wir verstehen, daß das Kabinett an die von dem High Commissioner vorgelegte besondere Verfassung gebunden ist?. Die Frage blieb unbeantwortet. Sir Archibald Sinclair: Will der Minister dafür sorgen, daß bei der Einsetzung eines Legislative Council für Palästina nicht denjenigen eine statutenmäßige Mehrheit gegeben werde, die den Widerruf des Mandates verlangen? (Also die Araber.) Auch auf diese Frage wurde eine Antwort nicht erteilt. Eine weitere Anfrage des Abgeordneten Wedgewood betraf den angeblichen Plan, einen Katholiken zum Mitglied des Jerusalemer Stadtrates zu ernennen. Wedgewood wies darauf hin, daß dadurch das Kräfteverhältnis im Stadtrat weiter zuungunsten der jüdischen Bevölkerungsmehrheit von Jerusalem verschoben worden würde. Er fragte, ob der eventuell zu Ernennende ein Italiener oder ein Deutscher sein solle. Kolonienminister Thomas erwiderte, er wolle beim High Commissioner Erkundigungen einziehen, könne abec jetzt schon sagen, daß er nicht gewillt sei, in das frei»

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