Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 537 (14.2.1936)
- Date
- 1936-02-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 537 vom 14. Februar 1936 DIE NEUE WELT Seite 8 Wodeasfäefd Rückkehr In die Heimat Niemals noch kam ein westliches Volk so nach dem Osten, wie wir gekommen sind. Wir kehren in unser Land zurück als ein altes orientalisches Volk, das die Schule des Westens durchgemacht hat, und alle Schätze, die wir dem Westen verdanken, bringen wir dem Osten zurück, bereit, diese Schätze reinen Herzens mit unserem Nachbarn zu teilen. Wir kommen nicht als Missionäre des Westens nach dem Osten und nicht als Wegbereiter des Imperialismus. Noch nie hat eine Kolonisation westlicher Menschen den orientalischen so viel Nutzen gebracht. Jeder Fußbreit Bodens, den wir betreten haben, wird zum Segen für uns und unsere Nachbarn, und darauf sind wir stolz. Aber unser Unglück hat es gewollt, daß diese reine Linie unseres Werkes nicht immer eingehalten worden ist, daß irgendwo ein fataler Irrtum geschah, ein falscher Ton angeschlagen wurde, der dem Zionismus seinem Wesen nach fremd ist: der Ton des Ghauvinismus." Mosche Smilansky im „Bustenaj", 1936. Jüdische Aufbauarbeit ,Jn jeder jüdischen Kolonie gibt es ein Haus, wo sich die Bewohner der Kolonie versammeln, Referate hören, ein soziales uttd kulturelles Leben führen. Im arabischen Dorf besteht nur die Moschee, die ausschließlich religiösen Bedürfnissen dient. Die Schulen in den jüdischen Kolonien sind musterhaft, im arabischen Dorfe dagegen sorgt keine arabische Instanz für die Schule, wenn es Überhaupt eine gibt. Die Schulen in den arabischen Dörfern sind vernachlässigt, die Lehrer arbeiten ohne jede Tatkraft In den arabischen Dörfern hören die Schlägereien überhaupt nicht auf; jeden Tag bringt die arabische Presse Nachnchten über Schlägereien und Mordfälle in den verschiedenen Dörfern des Landes, Anders sieht es in jüdischen Kolonien aus, wo unter der Bevölkerung Einigkeit herrscht. In den jüdischen Kolonien ist es sauber, in den arabischen Dörfern schmutzig." Die arabische Zeitung „El LiwaM (Jerusalem), 1936. //Keine Einmischung" ,ßotlten wir später einmal, wenn die braune SchaiiUe in Deutschland ausgelöscht sein wird, in dieser und anderen Materialsammlungen blättern, so werden wir nichts mehr verstehen. Das war möglich, das hat die Welt ruhig geschehen lassen? Schön, keine Einmischung in die inneren Verhältnisse eines anderen Landes. Aber wenn du nun hörst, daß ein Mann in der Nachbarwohnung seine Frau oder seine Kinder zu Tode prügelt: greifst du dann auch nicht eint" Hermann Britt', Kritik über „Der gelbe Fleck". Zum Jubiläum der Heidelberger Universität ,JDer wähnwitzige Nationalismus der Nazi gefährdet den Frieden der Welt und bedroht die letzten Freiheiten der sich selbst achtenden Menschheit. Man kann es sich nicht vorstellen, daß die Universitäten Großbritanniens, Wächter unvoreingenommenen Studiums und geistiger Freiheit, mit den erklärten und schamlosen Feinden dieser beiden Prinzipien offen sich verbrüdem. Dies käme einer öffentlichen Billigung der Intoleranz gleich, die es bewirkt hat, daß sich die deutschen Universitäten von ihren hervorragendsten Lehrern geleert haben; und daß sich Europa mit den Opfern zynischer und herzloser Unterdrückung füllt." Der Bischof von Durham an die „Times", 1936. Toxereth Haares! ,ßei einem Bankett, auf dem die Preisverteilung in einem Schaufensterwettbewerb vn Tel-Avw stattfand, wurde erklärt, daß 17.000 Arbeiter zusätzlich beschäftigt werden könnten, wenn die jüdischen Kaufleute die he imi- 8 ohe Produktion entsprechend unterstützen. Der Vorsitzende des Verbandes der jüdischen Industriellen Palästinas, Schenker, hielt eine Ansprache, in der er auf die Bedeutsamkeit der jüdischen Industrie in Ere» Israel einging und die Gefahren eines vergrößerten Imports erörterte." Meldung aus Tel-Aviv, 1936. Klare Definition „Sie wünschen von mir zu hören, wie ich über die iieugermanische Gesetzgebung denke, die auf der Basis der. Rassentheorie die Juden betrifft. Meine Meinung darüber, läßt sich Ui zwei Worte zusammenfassen: V e rbreoherisch und irrsinnig." Abg. Jean Piot (Paris), 1936. In-u» ausländische Hausbesitzer verwalten ihre I WIENER HÄUSER durch behördlich konz. Realitätenkanzlei | Dr+MAIRPAIS B Wien 1, Franx Josefs Kai 1, Tel. R.21-5-30 Erstklassige Referenzen Die Folgen der „Illegalität" Ein Proseft in Polen Im Vorjahr erregte die Nachricht, daß in Polen ein Schmuggel „illegaler" Einwanderer nach Palästina seitens einer Gruppe junger Zionisten, größtenteils Revisionisten, organisiert werde, beträchtliches Aufsehen. Ein Teil der jüdischen Presse, mit dem „Hajnt" an der Spitze, setzte mit einer Hetze gegen einzelne Personen ein, die des erwähnten Schmuggels beschuldigt und von der Behörde verhaftet wurden. Unter den Verhafteten befand sich auch der aus dem Arlosoroff-Prozeß bekannte Revisionist Abraham Stavsky, der nach seinem Freispruch Palästina verlassen und sich nach Polen begeben hatte, wo er sich unter anderem auch mit der Organisierung von Palästina-Reisen beschäftigte. Am 10. Februar fand nun endlich der Prozeß gegen mehrere Personen statt, welche beschuldigt wurden, sie hätten von vierzig jüdischen Emigrationskandidaten größere Geldsummen unter dem Versprechen entgegengenommen, sie nach Palästina zu bringen. Gemäß der Anklage wurden diese Auswanderer zunächst nach dem polnischen Hafen Gdynja (Gdingen) und dann auf das Motorschiff „Wanda" gebracht, um schließlich nach dreitägigem Manövrieren in den Küstengewässern wieder nach Gdynja zurückzukehren. Außer Stavsky waren noch Nürnberg und Lublinsky angeklagt. Bezüglich dieser kam der Gerichtshof zur Ueberzeugung, daß die Beschuldigungen sich als haltlos erwiesen, und fällte daher einen Freispruch. Hingegen wurden der Angeklagte Chanachowicz zu drei Jahren Gefängnis und der „Kapitän" des Motorschiffes, Schreiber, zu acht Monaten Gefängnis ver- Klelne Tube S —.90 Große Tube S 1.40 urteilt. Die Hälfte dieser Strafe entfällt auf Grund eines kürzlich in Polen erlassenen Amnestiegesetzes. Damit ist eine äußerst peinliche Angelegenheit, die von selten der linken und allgemeinen Zionsten Polens und ihrer Presse politisch ausgebeutet wurde, liquidiert. Im übrigenmuß gesagt werden, daß der Immigrationsschwindel nur durch die seitens der Palästina-Regierung geübte Einwanderungsbeschränkung möglich geworden ist. Zum Einweichen — zum Waschen EFOCO Zucker und Peifsdie Von unserem Palästina-Korrespondenten Jerusalem, 8. Februar. Ich übermittle heute zwei Meldungen, deren Nebeneinanderstellung die beste Illustration der Politik der Palästina-Regierung ist. .1. Am 22. Jänner ist die neue Zoll Verordnung veröffentlicht und sofort in Kraft gesetzt worden. Auf viele Produkte, welche auch im Lande erzeugt werden und die bisher mit einem sehr kleinen Einfuhrzoll belastet oder gänzlich zollfrei waren, wurde eine Taxe gelegt, welche sich zwischen Rechenmaschinen gebraucht mlt bfmi'A Fritz Igel, III, Radetzkystraße 7 ___Telepho n : U-l 9-4-95 25 und 40 Prozent des Fakturenwertes bewegt. Damit ist der erste Schritt getan, um den gerechten Wünschen der jüdischen Industrie und des jüdischen Gewerbes in Palästina, welche verhältnismäßig hohe Löhne zahlen und demgemäß unter der rücksichtslosen, bis zum Dumping gesteigerten Auslandskonkurrenz schwer zu leiden haben, entgegenzukommen. Ein Anfang in der Richtung des Schutzes der Entwicklung der palästinensischen Warenproduktion. INc sanfte Klinge Die den sprödesten Bart wie im driibergleiten wegwischt, ist nur 2. Die auf Einschränkung der Einwanderung jüdischer Arbeiter gerichtete Politik der Palästina-Regierung hat im Monat Jänner 1935 ein ungeheuerliches Resultat gezeitigt. Laut offizieller Angabe sind in diesem Monat" im ganzen 2095 Einwanderer ins Land gekommen. (Im Jänner 1935 waren es 3700, im Dezember 1935 waren es 4200). Unter den 2095 Einwanderern sind 690 Personen mit sogenanntem Kapitalisten-Zertifikat, das bekanntlich jeder erhält, der einen Besitz von mindestens 1000 Pfund nachweisen kann, ins Land gekommen. Personen mit Arbeiter-Zertifikaten, deren Ausgabe fixiert ist und in letzter Zeit von der Regierung beschränkt wurde, gab es im ganzen 4 9 0. Das heißt: Auf einen Kapitalisten, der im Lande ein Gewerbe oder eine Industrie einrichten will, kommt sage und schreibe wenig mehr als ein halber Arbeiter. Damit ist wohl alles gesagt, was über die Judenpolitik der Palästina-Regierung zu sagen ist. Zucker uncl Peitsche. Wenig Zucker und viel Peitsche. Man gibt mit der einen Hand und nimmt mit der anderen dreifach. Man „schützt" die jüdische Industrie durch Zölle nud hemmt sie in der weiteren Entwicklung dadurch, daß man ihr die Zufuhr jüdischer Arbeiter sperrt. Erst war die Politik der Regierung dahin gerichtet, das\ Auftfömmetf einer Industrie im Lande zu hindern. Dazu gehörte die Oeffnung des Landes für zollfreie Auslandskonkurrenz. Aber die Juden haben trotz der schwersten Hindernisse unter enormem Aufwand an Geld, Kraft und Tüchtigkeit im armen orientalischen Lände, eine Industrie geschaffen. Nun ist sie da und die Regierung kann sie nicht weg-* schaffen. Sie hat es sich überlegt. Sie will sie nicht mehr wegschaffen, sie „schützt" sie. Aber sie will sie ent juden, sie will aus der von Juden geschaffenen, auf jüdischer Arbeit basierenden Industrie, eine auf arabische Arbeit angewiesene machen. Was bleibt denn dem jüdischen Industriellen übrig, wenn keine jüdischen Arbeiter ins Land kommen? Er muß zusperren' oder arabische Arbeiter einstellen und ausbilden. Erst werden die Löhne auf dem nicht beschickten jüdischen Arbeitsmarkte ins Ungemessene steigen, dann wird der jüdische Unternehmer, wenn er sich noch so sehr sträubt, auf den arabischen Arbeitsmarkt gehen müssen. Die Juden werden eine Industrie geschaffen haben, aber zuletzt nicht für sich, sondern für andere. Das Schauspiel in der palästinensischen jüdischen Landwirtschaft, welche zufolge der Sperre,der jüdischen Einwanderung immer mehr und mehr Araber einstellen mußte, wird, sich auf dem Gebiete der Industrie wiederholen. Ilm die Geburfskirdie Aus Jerusalem: Seit einigen Wochen wird in der arabischen Presse eine systematische Hetze wegen der angeblichen Entweihung der Geburtskirche in Bethlehem durch jüdische Touristen geführt, die diese an den letzten christlichen Feiertagen zugefügt hätten. Ein unbedeutender Vorfall zwischen einigen jüdischen Touristen und arabischen jungen Leuten wird durch die arabische Presse zu einer ernsten Entweihung der Kirche aufgebauscht. Interessant ist hierbei, daß sich an die Spitze dieser Hetze gerade die nationalen Zeitungen der Mohammedaner gestellt haben. Nun hat diese Hetzkampagne unter den christlichen Bewohnern Bethlehems große Beunruhigung hervorgerufen. Sie fürchten, daß sie zu einer Abschwächung der Touristenbewegung führen könnte, die eine der wichtigsten Einnahmequellen Bethlehems ist. Christliche Kaufleute und Geistliche Bethlehems haben sich an die Regierung mit einem Protest gegen diese künstlich angefachte Hetze gewandt. Sie wiesen darauf hin, daß der ganze Vorfall im Kloster durch die arabischen Touristenführer provoziert wurde, die glaubten* daß sie auf diese Weise von der Konkurrenz der jüdischen Touristenführer befreit werden könnten.