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Die neue Welt · 1936-02-11 · Heft 536 (11.2.1936) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 536 (11.2.1936)
Date
1936-02-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 3 DU5 JflBtflfi WSÜÄP tfr. 536 vöä ü. Feflrttar 1036 Bidit bloß gestatten, sondern vielmehr die vörbereltenden Arbeiten begünstigen werde, wenn sie dt« Sicherheit er* hält» d«Ö die Auswanderung wirklich durchgeführt wird. Ueber die Mitnahme der Vermag*» wurde dabei nicht gesprochen und dag Problem de* „Transfer" und seiner wirtschaftlichen Auswirkung soll der Bntscheidufig der deutschen luden überlassen werden. Die Araber werden das Hilfswerk nicht hin« dem, sagte Sir Herbert Samuel. Sie sind jetzt in Palästina dreiviertel Millionen stark und das Land kann im Laufe der Zeit noch zwei bis drei Millionen Einwanderer aufnehmen. Es ist deshalb undenkbar, daß man die Ein* Wanderung der Viertelmillion aus Deutschland hindern wird. Deshalb wäre auch die Beschränkung des Boden'-erwerbe s ein schweres Unrecht, doch bin ich gleich Lor1 Berstrad der Meinung, daß die Einwanderung nur im Ausmaße der Aufnahmsfähigkeit des Landes erfolge. Gleich nach der Ankunft in London wird die Aktion zur Aufbringung der „englischen" fünf Millionen Dollar erfolgen. Auch Holland, Belgien und Frankreich übernehmen einen Teil der Summe und ein Sonderausschuß arbeitet bereits an technischen Detailplänen für die Durchführung der Auswanderungsaktion. Der jfidisdie Weltkongreß Aus Paris (J. T. A.): Das engere Exekutivkomitee des Comitö des Deiegatlons Juives und des Jüdischen Weltkongresses hat für,deh 22. Februar abend und den 23. Februar eine Plenarsitzung des Exekutivkomitees nach Paris einberufen, auf welcher der definitive Beschluß über Datum, Ort, Wahlmodalitäten und Tagesordnung des Weltkongresses gefaßt werden soll. Es wird eine große Anzahl von Exekutive-Mitgliedern aus verschiedenen Ländern erwartet. Die Lage in Polen Aus .Washington: Eine Abordnung unter der Führung von Rabbi Stephen S. W i s e überreichte dem polnischen Botschafter in Washington, Sokolowski, einen Protest gegen die judenfeiridlicheri Ausschreitungen, die sich inletzter Zeit in verschiedenen Städten und Städtchen Polens und insbesondere an den Hochschulen ereignet haben. Die Abordnung machte den Botschafter darauf aufmerksam, daß die amerikanische Judenheit wegen der Lage der Juden in Polen sehr beunruhigt sei. Sie ersuchte, ihre Beschwerden an die polnische Regierung weiterzuleiten. Botschafter Sokolowski.. erklärte, er^werde die Warschauer Regierung über die Stellungnahme des American Jewish Congress informieren. * „Agence Havas" meldet aus Warschau: Die Wallfahrtskirche von Czenstochau wurde beraubt. In der Bevölkerung, verbreiteten sich Gerüchte, daß Juden diesen Raub ausgeführt haben. Die erregte. Menge plünderte jüdische Geschäftsläden.' In Tr'usk'0 las bei Czenstochau, wo vor einigen Tagen die Synagoge in die Luft gesprengt wurde, verbreiteten Agitatoren die Legende, daß Juden als Entgelt in die Kirche eingedrungen seien und Heiligtümer profaniert hätten. Die Bauernschaft der Umgegend strömte auf dieses Gerücht hin in die Stadt, zerstörte die jüdischen Ver kauf sstände auf dem Markt sowie mehrere jüdische Läden, vernichtete die Waren und raubte-sie. zum Teil; etwa 50 jüdische Kaufleute wurden schwer mißhandelt. In P^s z ytik, Kreis Radom, wo seit vielen Wochen antisemitischer Terror herrscht, wurde für vier Wochen die Abhaltung von Märkten verboten. Die Juden von Pszytik, die infolge des Boykotterrors an den Rand des. Abgrunds gebracht worden sind-, sind empört darüber, daß das Verbot der Märkte, das dazu angetan ist, ihren Ruin zu beschleunigen, die einzige Antwort auf ihre Bitten ist, dem Terror entgegenzutreten. In O t w o ck hören die Ueberfälle auf jüdische Kaufleute und die Anschläge auf jüdische Geschäfte nicht auf. In Bend in und in Sosnovice überfallen Banden jüdische Pagsanten. und überschütten sie mit Salzsäure, vielfach werden die Kleider der jüdischen Passanten zerschnitten. - Am Lemberger Polytechnikum wurde das Urteil gegen sieben Mitglieder des Präsidiums der „Gesellschaft jüdischer Studenten am Lemberger Polytechnikum" verlesen; sie wurden alle mit endgültiger R e 1 e g i erung vom Polytechnikum bestraft, weü sie teine Protestresolution gegen die antisemitischen Exzesse unterschrieben haben. An allen Warschauer Hochschulen kam es zu Angriffen auf die jüdische Studentenschaft, weil diese sich weigerte, die ihr zugewiesenen Ghetto-Bänke zu besetzen. Die Bewegung, „Ghetto-Bänke" für jüdische Studenten zu schaffen, griff auch auf die Mitte 1schulen über. Bei der Beratung über das Budget des Kultusministeriums im Sejm führte der jüdische Deputierte Minzberg (Agudah) Klage darüber, daß man dazu übergegangen ist, die Volksschulen in den jüdischen Stadtvierteln, in denen an den Sabbattagen - schulfrei. ist und die Lehrerschaft aus Juden besteht, zu liquidieren und gleichzeitig den von der jüdischen Bevölkerung unter schweren Opfern errichteten Schulen Schwierigkeiten macht und ihnen die Konzession verweigert. Die jüdischen Kinder werden gezwungen, am Sabbat die.Schulen zu besuchen und Schreibarbeiten zu machen. Der jüdische Religionsunterricht an den Volksschulen sei nichts als eine Fiktion. Im Budget findet sich ein Posten von 182.0000 Zloty für jüdische religiöse Bedürfnisse, dies sei eine lächerliche Summe im Vergleich au den 2 5 Millionen Zloty, die für die anderen Religionen eingestellt sind. Minzberg klagte auch darüber, daß die Behörden dazu übergegangeh seien, jüdische religiöse Institutionen, wie rituelle Bäder und Schächthäuser, in gesetzwidriger Weise zu besteuern. Serienweise werden jüdische Gemeinden ohne jede Begründung aufgelöst, nichtjüdische Kommissäre, die nicht« von den Bedürfnissen der Gemeinden verstehen, herrschen Uber das jüdische Leben, RUNDSCHAU Reparatorttfetkitätfte für Gebete Seit dent nationaisotialisüachen Regime hat auch die Liberale Synagoge Berlin den Weg zur „JUdischheit" gefunden. Das Gebetbuch, das sie vor zwölf Jahren, zur Zelt ihrer Gründung herausgab, wurde fleißig gelesen und es war sogar eine neue Auflage notwendig geworden, sozusagen eine Neubearbeitung! Es gibt sehr schöne Gebete in der jüdischen Liturgie, Verse voll Kraft und Innigkeit, Rhythmen, in denen die inbrünstige Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Frieden zurrt Ausdruck kommt. Darum muß ein „Wegweiser für; Betende" — inbesondere für die heutigen Juden in Deutschland — willkommen geheißen werden. Wie schön ist zum Beispiel der Spruch (Beracha) vor dem Weschomru: ,,. . . Du breitest die Hütte dc3 Friedens über uns, über Israel und über Jerusalem („w'al Jeruschalajlm") . . .". Eine klare, für die jüdisch* Religiosität bezeichnende Stelle! Aber die Wandlungen, die das deutsche GeiriÜt seit dem Anbruche des Dritten Reiches gemacht hat, haben auch die Liberale Synagoge Berlin berührt. Auch sie hat sich gewandelt. Nicht etwa zum echten, kompromißlosen Judentum hin, sondern noch weiter zur kaputtgegangenen Emanzipation. In der Uebersetzung des Gebetbuches heißt es nämlich:.....über uns, über Israel und (Höre, Israel!!) die ganze Menschheit.. Aus Jerusalem haben die liberalen Herren — die ganze Menschheit gemacht. „Die ganze Menschheit" hat ja, wie man weiß, im Lexikon der Emanzipationsjuden des 19. Jahrhunderts eine große Rolle gespielt. Jetzt wie ehedem muß Jerusalem dran glauben. Nicht gedacht soll es werden! Und wenn es unglUckseligerweise in einem Gebet vorkommt, dann hinaus damit! Oder wollten die Herren der Liberalen Synagoge Berlin sagen, daß Jerusalem so viel wie die ganze Menschheit bedeutet? Daß man es mit der ganzen Menschheit identifizieren kann? Nein. Solch eine Tiefe des Intellekts und Höhe der Anschauung wollen wir ihnen doch nicht unterschieben. Kommunismus in Palästina '. Die Sowjetpresse veröffentlicht die Rede, die der palästinensische Delegierte der kommunistischen Partei, Chadschar (dem Namen nach ein Araber), auf dem letzten Kommunistenkongreß in Moskau gehalten hat. In Palästina, so berichtete der Redner, ist in der letzten Zeit die nationale'Freiheitsbewegung gegen den Imperialism u s unddie „zioni s t i s c h e n Räuber" sehr stärk gewachsen. Die entscheidende Rolle in dieser Bewegung spielen die arabischen Massen und ihre Avantgarde, die Arbeiter Palästinas. Die frühere Leitung der kommunistischen Partei Palästinas vermochte nicht, sich den Bedürfnissen dieser Bewegung anzupassen. Trotz der großen politischen Ereignisse, die in Palästina vor sich gehen, hielt die frühere Leitung der Partei an ihrem Sektencharakter fest, war jüdisch-national und unterließ die Tätigkeit zwischen den breiten Massen der arbeitenden a r a b i s e.h. e n Bevölkerung. Diese Leitung 'der PKP. (Palästinensische Kommunistische Partei), die opportunistisch und halb zionistisch war, wurde beseitigt. Heute hat sich die Partei, so berichtete der palästinensische Delegierte, die Aufgabe gestellt, die kommunistische Bewegung Palästinas zu arabisieren und sich mit den breiten arabischen Massen zu verbinden, um die Leitung der nationalen Freiheitsbewegung des arabischen Volkes zu übernehmen und die Hegemonie der Arbeiterbewegung im Kampfe gegen den Zionismus und Imperialismus sicherzustellen. In seinen weiteren Ausführungen berichtete der Delegierte Palästinas, daß die arabischen Massen der Aufklärungsarbeit für den kommunistischen Kampf gegen die sioriiatische Bourgeoisie sehr zugänglich seien. Die kommunistische Partei schaffe die einheitliche arabisch-nationale Front gegen den Imperialismus und gegen den Zionismus. Die Partei führe auch eine aktive Tätigkeit Unter den jüdischen Arbeitern, um sie KINO'PROGRAMME KREUZ-KINO .1, Wollzeile 17 Telephon R -24- 2-16 Vorstellungen: **, %8, %10 mit RANDOLPH SCOTT u. HELEN MACK SCHXFFER VI, Mariahilferstraße 37 ' Telephon ß.20-203 * deginn: ttS, ttto Neues Programm STAFA, VII MarUhllforstrsBe 120 Telephon B-88-0-68 Wochentags: I. 7, f Übt VOTIVPARK IX, Währingerstraße 12 , Telephon A-18-3-96 Beginn: k, %«, ttf, *1Q ANNA KARENINA mit Greta Garbo vom Einfluß der konterrevolutionären zionistischen Partei itt befreien und in den nationalen Freiheitskampf der arabischen Massen hineinzuziehen. Am Schlüsse seiner Rede berichtete der Delegierte, daß man bei der Arabisierung der kommunistischen Partei Palästinas in ihr nur die besten und ergebenstenjüdischenGenossen gelassen habe und daß es auf diese Weise gelungen sei, die früheren jüdischnationalen Tendenzen, die in der Partei herrschten, zu beseitigen. (Palcor.), Dankbarkeit ♦ ♦ ♦ Aus Jerusalem wird berichtet: Eine Gruppe von 80 palästinensischen deutschen Kolonisten, die vor einiger Zeit nach Deutschland reisten, um dem Reichskanzler Hitler die Grüße und das Gelöbnis der Ergebenheit der palästinensischen Deutschen zu überbringen, ist Jetzt nach Palästina zurückgekehrt. Sie brachte drei Hakenkreuzfahnen mit, die ihnen Hitler persönlich für Jerusalem, Haifa und S a r o n a übergeben hat. In einer der Jerusalemer Filialen der jüdischen kooperativen Verkaufsgenossenschaft „Tnuwah" erschienen dieser Tage zwei ältere und angesehene deutsche Kolonisten und baten die Filialleitung, die Lieferung von Produkten an sie sofort einzustellen. Sie erklärten, sie würden gerne ihre langjährigen Verbindungen mit der „Tnuwah" aufrechterhalten, da sie mit den Lieferungen außerordentlich zufrieden seien, allein sie seien gezwungen, die Verbindung mit der jüdischen Gesellschaft aufzugeben, weil ihnen die Nationalsozialisten unangenehme Konsequenzen androhen. In den Jahren 1919 und 1920 lagen die Kolonien der Deutschen in Palästina verlassen da. Nach der Besetzung Palästinas durch die englischen Truppen wurden die deutschen Kolonisten (alle sind deutsche Staatsbürger) als Angehörige eines feindlichen Staates ausgewiesen und gingen nach Deutschland, einige in die Türkei. Nach Beendigung des Krieges bot die englische Verwaltung den Juden, beziehungsweise der Zionistischen Organisation die brachliegenden deutschen Kolonien zur Uebernahme gegen einen, entsprechend den damaligen Verhältnissen sehr geringen Tagespreis an. Die Juden lehnten aber das Anbot ab, indem sie erklärten, das Eigentumsrecht der eingesessenen Deutschen nicht verletzen zu wollen. Ja, sie verwendeten sich für die Wiederzulassung der deutschen Kolonisten. Die Deutschen kehrten in die gut erhaltenen Kolonien zurück, die Juden aber gingen in fieber3Chwangeres Sumpf larid und klopften in tropischer Sonne Steine für den Straßenbau. Der Wert der Kolonien der Deutschen, welche hart arbeitende und kärglich lebende Bauern waren, ist dank der jüdischen Kolonisation hundertfach gestiegen. Dafür huldigen sie jetzt Hitler, bringen seine Hakenkreuzfahneh ins jüdische Land und drohen jedem mit schrecklicher Strafe, der im jüdischen Lande mit Juden verkehrt. Edelmut! Dankbarkeit! Arabfcdie Ponrommorder tro» Gevttht Aus Paris: Eine Phase aus den Ereignissen des Judenpogroms in der algerischen Stadt Constantine am 5. August 1934 bildet jetzt den Gegenstand einer Verhandlung vor dem Kriminalgericht in Orleansville (Algerien). Es handelt sich um die Ermordung der ganzen Familie des jüdischen Kaufmanns Alphonse Halimi durch Araber. Neun Angehörige dieser Familie wurden von einer Gruppe Araber, die in ihr Haus eindrang, mit Messern und Dolchen grausam zerfleischt. Der Prozeß gegen einige der Mörder, die ermittelt werden konnten, sollte schon im Juli 1935 vor sich gehen, wurde aber auf eine spätere Session vertagt, weil damals die Hauptbelastungszeugin, Rosette Benisti, aus Angst vor zahlreichen an sie ergangenen Drohungen der Araber, sich zu einer vollen Aussage nicht entschließen konnte.' Frau Rosette Benisti ist nur dadurch dem Schicksal ihrer Anverwandten entgangen, daß sie mit einer arabischen Dienerin in eine Dachkammer des Hauses flüchten konnte. Von der Terrasse aus konnte sie beobachten, wie die Mörder die Treppe heraufstiegen, sie hat genau die Personen angeben können. Vier Araber befinden sich auf der Anklagebank, unter ihnen der Rädelsführer des Massakers Ben-Amira. Die Behörden haben für die Dauer der Verhandlung strenge Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung getroffen. Aus einem Tollhaus Aus Berlin: Erst allmählich werden die praktischen Auswirkungen des Nürnberger Hausangostelltengesetzes erkennbar. Bekanntlich gilt ein Haushalt dann als jüdisch im Sinne des Gesetzes, wenn ein jüdischer Mann im Alter von 16 Jahren aufwärts im Haushalt vorhanden ist. Dann ist die Beschäftigung eines arfschen Hausangestellten unter 45 Jahren nicht möglich. Nach einem Kommentar in der „Jüdischen Rundschau" ist der Ausweg nicht gangbar, daß, wenn nur ein einziges jüdisches männliches Familienmitglied vorhanden ist, beispielsweise der Sohn oder Bruder, dieser außer dem Hause schläft und nur zu den regelmäßigen Mahlzeiten bei seinen Angehörigen erscheint. Sie dürfen ihm 1 e d i g 1 i c h' das Essen in seine Wohnung schicken. Umgekehrt ist es statthaft, daß ein jüdischer Untermieter vorhanden ist, sofern er außer dem Morgenkaffee nicht die Mahlzeiten im Hause einnimmt. Unter dieser Voraussetzung ist es den arischen Hausangestellten unbenommen, im Zimmer des Untermieters das Aufräumen und Of enbeizen zu verrichten,

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