Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 536 (11.2.1936)
- Date
- 1936-02-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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*86 Rm^mm* mm mm Mmwm% BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatllcft S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig s 16.—; Polen monatlich Zloty 1.60« mftm wk kW ■ ■ M vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel« Wmmm mm ■ ■ Hm jährig Dinar 40.—: Bnmänlen monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig M ■ ■ Mark 3.—; Bnlgarlen monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—i Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; W—m Wm V^hP man Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60, vierteljährig Schweizer Francs 4.60. mmm ~* ^BBr mmsm Mlt B bezeichnete Anzeigen alnd entgeltlieh. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u.VerwaHung: IXMniversitäfsstr.8,7el. A-20-2.78 - Erscheint Dienstagu.Freitag Weltpolitik der Woche Das Tempo der diplomatischen Besprechungen in London und in Paris konnte die Meinung hervorrufen, daß nun endlich etwas Endscheidendes, das nächste Schicksal der Kulturvölker Bestimmendes im Werden Sei; daß die Staatsmänner sich entschlossen haben, der Periode der zickzacklinigen Unterhaltungen eine Periode straffer Bindungen folgen zu lassen. Denn es stehen tatsächlich wichtige Paktabschlüsse bevor, zunächst die Unterzeichnung des russisch-französischen Vertrages, der als Ergänzung der englisch-französischen Zusammenarbeit eine Art Vorkriegsentente ahnen läßt und die Isolierung aller friedensunwilligen Staaten deutlich machen könnte. Wenn sich eine Annäherung Oesterreichs an die Kleine Entente und Bulgariens an den Balkanbund vollzöge, blieben dann noch jene Völker, die sich von einem deutschen Einfluß nicht emanzipiert haben, außerhalb dieser weltpolitischen Kombination. Das sind Polen und Italien. Polens Freundschaftsvertrag mit dem Dritten Reich steht auf sehr schwachen Füßen. Die Frage des Korridors ist weiterhin eine wichtige Frage für Deutschland geblieben und die deutsche Devisennot hat in bezug auf das „Herzensbündnis" mit Polen nicht sehr erfrischend gewirkt. Aber abgesehen von den aktuellen unfreundlichen Stimmungen bleibt Hitler-Deutschlands Drang nach dem Osten eine stete Bedrohung des vom Oberst Beck zu dem Abenteuer eines Deutschland-Vertrages verführten Polens, das als erstes wird daran glauben müssen, wenn sich der deutsche Generalstab siegessicher, fühlen wird. „Nach alter deutscher Sitte" wirdzunächst der -Bündnisfreund angegriffen werden. ■ Auch Italien hat — hauptsächlich in der Zwangslage des abessmischen Konfliktes — seine traditionellen Freundschaftsbeziehungen zu den westlichen Staaten ein wenig gelockert, und wenn auch eine Verschärfung der Sanktionen und damit auch eine Verschärfung der Situation im Mittelmeer als unwahrscheinlich gilt, so gibt es doch Symptome, die erkennen lassen, daß Mussolini, den deutschen Methoden nicht unähnlich, mit Abschreckungsmitteln arbeitet, indem er das Bild fürchterlicher Folgen im Falle eines Oelembargos an die Wand malt. Gleichzeitig verhandelt sein Luftschiffahrtsminister in Berlin, und der Mangel an diesbezüglicher Berichterstattung will den Anschein erwecken, daß ein neuer Gruppierungsversuch im Gange sei. Natürlich ist ein Verhandeln mit Hitler-Deutschland auf ehrlicher Basis pure Energieverschwendung. Aber es gibt in der Politik Augenblicke, wo man, um Zeit zu gewinnen, derlei Manöver mitmacht. Die nächste Verhandlungsphase desavouiert die vergangene als Bluff. Nichtsdestoweniger stehen die Völker voller Sorgen, und Aengsten. Denn wenn die Debatten über die Möglichkeit und die Chancen eines kommenden Krieges nichts mehr erzielt hätten als den Abscheu vor Mord und Verwüstung, dann hätte das diplomatische Vorspiel zum Krieg doch einen Sinn gehabt. Dieser Sinn muß sich noch als fähig erweisen, jeden Friedensfaktor zu stärken und jeden Friedensstörer abzuschrecken. Es geht darum, den Helfer für den Frieden zu stützen, möge er beispielsweise Sowjetrußland sein. Da aber nach wie vor die Bestie Krieg vornehmlich in Berlin gefüttert wird, muß die Diplomatie > dazuschauen, die Bestie, wenn sie diese nicht schon in der Wiege erwürgt hat, hinter Gittern zu halten. o. r. §j Verband der Judenstqqlwionisten Oesterreichs 1 , Dienstag, den 11. Februar, 8 Uhr abends, § j§ Toynbeehalle, Wien XX, Denisgasse 33 §j Assimilation kontra Zionismus Kampf um die Wiener Judengemeinde UodtOQ H Referent: Oberbaurat Robert Stricker | Thema: Juden in der Weltpolitik 1 Mittwoch, den 12. Februar, halb 9 Uhr s abends, Zentralheim, I, Werdertorgasse 14 \ladta$ | Referent: Dr. Sal. Wolf | I Thema; 4 0 Jahre Judenstaat | IllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllW Der ideelle Kampf zwischen Assimilation und Zionismus ist erledigt. Der Gedankenbau, welchen liberale und sozialistische Assimüation aufgeführt haben, ist zusammengebrochen. Sie gründeten ihre Anschauung der Judenfrage auf den Satz, daß der Antisemitismus eine vorübergehende Erscheinung sei, durch Mangel an Zivilisation bedingt und mit dem Fortschritt der Zivilisation zum Verschwinden verurteilt. Sie gingen weiters davon aus, daß die nationale Verschmelzung der Juden mit den Wirtsvölkern unaufhaltsam fortschreite. Sie behaupteten schließlich, daß es Bestimmung der Juden sei, in der Zerstreuung zu wirken und daß ihnen die Fähigkeit mangle, die jüdische Nation und den jüdischen Staat wieder aufzurichten. Nun ist die Unnahbarkeit dieser drei entscheidenden Thesen so offensichtlich geworden, daß der hartnäckigste Assimüant sie nicht mehr zu verteidigen wagt. Die Vorgänge in Deutschland haben bewiesen, daß der Antisemitismus stärker lebt als je und vom Fortschritt der Zivilisation gänzlich unabhängig ist. Deutschland ist ein höchst zivilisiertes Land und doch ist sein Antisemitismus der grauenvollste und barbarischeste.' Eine,Verschmelzung der Juden mit den Wirtsvölkern Polen Q. Francopol- RßlSßll nach f , 'Wf#1r^t:W:unil>'19.-Febraar;-1936- Rückfahrt 5. März 1936 FRANCOP OL" III, Rennweg I, U-16-4-90 •t hat nirgends stattgfunden. (Der Abfall einzelner Individuen vom Judentum kann nicht als „Verschmelzung" der Nationen gewertet werden.) Andererseits hat das jüdische Volk durch den alle seine Teile erfassenden Zionismus und durch seine nationale und wirtschaftliche Arbeit in Palästina bewiesen, daß es gewült und hervorragend befähigt ist, die jüdische Nation und den jüdischen Staat wieder aufzurichten, und daß nur fremdesEingreifen von außen her das jüdische Volk an. der Erreichung dieses Zieles hindern kann. An diesen Feststellungen ist zu ersehen, daß die Assimilation nicht mehr imstande ist, den Zionismus durch Ideen zu bekämpfen. Aber darum haben die Führer der noch vorhandenen assimilatorischen Organisationen den Kampf nicht aufgegeben. In ihrer Verzweiflung greifen sie zu den letzten und niedrigsten Mitteln. Da sie allein den Kampf nicht bestehen können, rufen sie Fremde zuhilfe. Da sie es nicht vermögen, sollen die N i c h t j u d e n den Zionismus vernichten. Sie laufen zu nichtjüdischen Parteien und Mächten und denunzieren den Zionismus und die Zionisten als Feinde des Vaterlandes und der Gesellschaft. So widerwärtig und beschämend der Anblick dieses Treibens ist, so birgt er doch etwas Tröstendes in sich: So kämpfen nur jene, die bereits endgültig erledigt sind. Das sind häßliche, letzte Zuckungen eines absterbenden Organismus. * Ein anschauliches Beispiel für das oben Gesagte bietet der Kampf, welcher jetzt in der zweitgrößten jüdischen Einheitsgemeinde der Welt, in der W i e n e r Juden gemeinde geführt wird. Hier hat die Assimüation die Führung, welche sie durch Jahrzehnte innehatte, abgeben müssen und die Gemeinde, früher ein Bollwerk der Assimilation, ist eine Stütze jüdischen Volksempfindens geworden. Hier, wie überall, macht nun die Assimüation den letzten Versuch, den Fortschritt des Zionismus aufzuhalten, um den Preis der Vernichtung der jüdischen Selbstbestimmung. Die „Union österreichischer Juden" hat ihre Mandate im Vorstande niedergelegt, nicht aber um eine Neuwahl zu erzwingen, die ihr eine noch größere Niederlage bringen müßte, sondern um die Gemeinde, die sie nicht mehr beherrschen kann, zu zerschlagen. Sie ruft bei den Behörden des Staates ujod des Magistrates nach Auflösung des f rei gewählten Gemeinde, nach Einsetzung eines Regierungs« kommissärs, nach Abschaffung der Wahlen und Ernennung der jüdischen Vertreter durch Nichtjuden< Sie denunziert den Zionismus als „unpatriotisch", seine Anhänger als „fremde, zugewanderte, wurzellose" Elemente. Sie verfällt in den Jargon übelsten Antisemitismus. Wie die nationalsozialistischen Hetzblätter, so setzt ihr Blatt, die „Wahrheit", hinter die Namen jüdischer Mandatare den Passus „in Polen und in Galizien gebürtig". Nicht anders als mit diesen ekelhaften Mitteln wird eine verlorene Sache verteidigt. Die am Boden liegende Wiener Assimilation tut sich aber auch noch auf einem anderen Gebiete hervor. Sie gebärdet sich als Schützerin der jüdischen Religion gegen die „religionslosen" Zionisten. Da aber fängt die Sache an grotesk zu werden^ In den Sälen der Wiener Judengemeinde hängen die Bilder der Präsidenten der Gemeinde aus den seligen Zeiten der „alt-ehrwürdigen" Assimilationen. Wenn man die Namen dieser „Schützer der Religion" liest* ist man perplex: Da sind in Hülle und Fülle die Namen seither ausgetaufter Famiiienj So gut haben die Herrschaften die jüdische Religion geschützt, daß sich alle ihre Kinder und Enkel haben taufen lassen, viele noch zu Lebzeiten dieser „jüdischen" Würdenträger. Man glaubt manchmal verirrt; und statt in ein. Zimmerder Judengemeinde . in eiil solches einer Judenmission geraten zu, sein. Vor wenigen Tagen hat sich die „Union" einen katholischen Redner, Herrn Lux aus" Salzburg, nach Wien' zu einem Vortrage bestellt. Im Sinne seiner Gastgeber hat Herr Lux festgestellt, daß der Zionismus „nicht die Haltung der bodenständigen, österreichischen Judenschaft, die (im Gegensatz zu den Zionisten) ein Teil des Oesterreich ertumS und mit diesem unlösbar verknüpft ist." Dann hat Herr, Lux drei dieser „verknüpften" Juden., als leuchtende Beispiele genannt: Hugo Hofma nnsthal, Mahler und Wärndorfer. Ausgerechnet lauter getaufte Juden! Der oberste jüdische Religionsschützer, der Präsident der „Union", hat ihm dafür herzlichst gedankt und die kleinen Religionsschützer, die subalternen Unionisten, haben begeistert gejubelt. So sieht der Schutz aus, welcher der jüdischen Religion vor den religionsfeindlichen Zionisten gewährt werden muß,, durch die „Union". Und darum wird in der jüdischen Gasse und in nichtjüdischen Amts- und Vorzimmern ein Lärm geschlagen, der jeden Juden, der nur ein wenig auf jüdische Ehre hält, erröten läßt. Abreise der Samuel-Delegation Aus New York: Sir Herbert Samuel, der frühere englische Innenminister und erste britische High Commissioner für Palästina, und Viscount Bearsted, haben nach Beendigung ihrer Beratungen mit den amerikanisch-jüdischen Führern betreffend Durchführung einer neuen Rettungsaktion zur Herausnahme von 100.000 Juden aus Deutschland und ihre Seßhaftmachung in anderen Ländern am 5. Februar an Bord der „Majestic" die Vereinigten Staaten verlassen, während das dritte Mitglied der englisch-jüdischen Abordnung, Simon Marks, hoch einige Zeit in U. S. A. verbleibt. Vor seiner Abreise erklärte Sir Samuel, man dürfe mit Zuversicht auf eine schnelle und ausgiebige Hilfe für die zur Auswanderung gezwungenen deutschen Juden rechnen. Amerika habe seine Pflicht erfüllt, und besonders erfreulich sind die verbindlichen und weitherzigen Zusagen, die außer von dem jüdischen, namentlich von dem nichtjüdischen. Amerika gemacht wurden, das seine eifrige materielle und moralische Mitarbeit an dem Rettungswerk versprach. Es handle sich durchaus nicht um eine bloße Wohltätigkeitsaktion, sondern um eine durchaus konstruktive Aktion zur Schaffung neuer Existenzen. Das Hilfskomitee habe ferner die Information erhalten, daß d(e ä€m£aßb$ Regierung die Auswanderungsaktioa r -: -"■ " " -