Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 535 (7.2.1936)
- Date
- 1936-02-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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■1 Nr. 538 vom 1 Februar 1936 DIE NEUE WELT mmw? _ PURIM REISEN PALASTINA vom 19. Februar bis 86. März auf Hin* und Rückfahrkarten 50% ERMÄSSIGUNG für die I. und II. Klasse 30% ERMÄSSIGUNG für die Touristenklasse Auskünfte: Generalagentur. Wien I, Kärnfnerring 6 und alle Reisebureaux ttodmfaegel Gegen den Rassenantisemitismus Vor allem muß festgestellt werden, daß das Alte Testament nicht die Ansichten des alten jüdischen Volkes über Gott und Religion darstellt, sondern die von Gott geoffenbarte Wahrheit. Nur beim israelitischen Volke kam es mehrere Jahrhunderte vor Christus zur Ausbildung monotheistischer Ideen, die Kulturbedingungen waren aber die gleichen wie bei anderen Völkern. Will man nicht an eine göttliche Offenbarung denken, so müßte das Volk Israel für das Uebervolk der Weltgeschichte gehalten werden, eine Ueberlegung, die dem Bassenantisemitismus kaum genehm sein kann. Auch die sozialen Gesetze im Alten Testament lassen es nur schwer als einen „Ausfluß jüdischen Geistes erscheinen". Uebrigens darf das Judentum der Gegenwart nicht zum Vergleich herangezogen werden, denn jene Juden der alten Zeit waren ein Ackerbauernvolk, das keineswegs alle Eigenschaften des heutigen Handelsvolkes aufwies. Prof. Dr. J. Gabriel: „Das Alte Testament im Geisterkampf der Gegenwart." Rechenmaschinen gebraucht?m,t S?u?£\ Fritz Igel, III, Radetzkystraße 7 . _r e I e o h o n : U-19-4-95 Der Ausrotfungsfeldzug Vom 1. April 19S6 darf kein jüdischer Arzt mehr Krankenbesuche und Behandlungen in Privatkliniken durchführen. Die Folge wird zunächst darin bestehen, daß' die jüdischen und „halbjüdischen" Kliniken einen Zudrang von arischen Patienten erhalten, die nicht darauf verzichten wollen, sich von ihren Haus- und Vertrauensärzten behandeln zu lassen.' Die „arischen" Privatkliniken, deren es allein in Berlin 65 gibt, haben das Nachsehen. „Neue Zürcher Zeitung", 1936. Zum ChamasdiarAs$ar*Fest „Wenn du einen Setzling in der Hand hältst und man sagt dir: Der Messias ist gekommen — dann geh' und pflanze deinen Setzling und dann erst gehe hinaus, ihm einen Empfang zu bereiten." Worte des Rabbi Jochanan ben Sakkai. Das einzige Wort In den heiligsten Augenblicken unseres Lebens, wenn wir auf die Probe gestellt werden durch alle Feueröfen, durch alle Autodafes, alle Golusleiden und Gefahren, da erhebt sich ein einziger Ruf, der Ruf unserer Hoffnung und unseres Trostes, der Ruf, der das letzte Wort auf unseren Lippen ist, wenn wir aus dem Leben gehen und uns der ewigen Gnade ergeben .— es ist das einzige Wort,- ,JE!chod!" . Schalom Asch: „Der Sinn des Judentums." In Prag genau wie in Wien Es besteht die Tatsache, daß die Tschechoslowakei heute — neben den deutschsprachigen Ländern — eine H auptstüt ze des deutschen Filmexports geworden ist, eine der letzten Säulen, die noch in alter Pracht stehen. Das hat das Deutsche Reich vor allem den braven Prager jüdischen Verleihern zu danken — ob es diesen Dank auch aussprechen wird, bleibe dahingestellt. Den Herren Verleihern hat übrigens ihre Bemühung ... nicht gut angeschlagen. Die Kassenerfolge der deutschen Filme waren durch die Bank miserabel. Die Hßrren israelitischen Fanatiker des Hitler-Films, die auf ihn schwören wie auf die Schrift, haben sehr hohe Lizenzpreise gezahlt und eine Menge Geld verloren, und jetzt jammern sie und flehen die Berliner Exporteure an, ihnen doch die Lizenzpreise herabzusetzen — statt sich auf die guten englischen und französischen Filme zu verlegen, die sie verachten, die man aber nur etwas weniger schlampig propagieren müßte, um mit ihnen bessere Geschäfte zu machen als mit dem Berliner ffülmschund, i^;- , „Selbstwehr": „Die letzte Säule des deutsche^ Filfflejjnpjts," Präsident Roosevelt begrüßt den Zionismus Am 2. Februar hat in Washington die Tagung des „United Palestine Appeal", der Aktion für die Aufbringung von 5 Millionen Dollar für die Ansiedlung jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland in Palästina, stattgefunden. Zum Präsidenten der Aktion wurde der Zicnistenführer Dr. Stephen S. W i s e; zu Ehrenvorsitzenden der Gouverneur des Staates New York, Lehmann, der Zionistenführer Richter Julian M a c k, und die Präsidentin des Weltverbandes Jüdischer Frauen, Rebekka K o h u t, gewählt. Der Präsident der Vereinigten Staaten, Roosevelt, richtete an die Aktion zuhanden ihres Präsidenten Dr. W i s e nachstehende Botschaft: „Ich bin glücklich, die nationale Konferenz für Palästina, die in Washington zusammengetreten ist, um das amerikanische Judentum für die Mitarbeit an den konstruktiven Anstrengungen zum kontinuierlichen Wiederaufbau der jüdischen Heimstätte in Palästina zu mobilisieren, begrüßen zu können." „Jeder Amerikaner weiß um die Liebe der Juden zum Lande ihrer Väter, an welches der große Beginn ihrer Geschichte geknüpft ist, und jeder Jude hat Anlaß, sich darüber zu freuen, daß diese unsterbliche Treue gekrönt wurde durch die Schaffung des Jüdischen Nationalheims, welches sich auf die sicheren Fundamente der „Gerechtigkeit und der Wohlfahrt für alle Einwohner des Landes stützt." „Das amerikanische Volk, welches durch Aktionen seiner Präsidenten und durch die von seinem Kongreß einstimmig angenommene Resolution zugunsten der Schaffung des Jüdischen Nationalheims in Palästina Zeugnisse seiner Sympathie für das große Ziel der jüdischen Palästina-Bewegung erbracht hat, wird — ich bin davon überzeugt — auch in Zukunft bereit sein, an dem United Palestine Appeal, dessen Zweck es ist, den heimatlosen Juden eine Heimat zu schaffen, mitzuarbeiten." „Ich hoffe und habe volles Vertrauen dazu, -aß diese Mitarbeit des amerikanischen Volkes sich positiv für den weiteren Fortschritt des Heiligen Landes auswirken wird, und daß dieses Land — ich bin dessen sicher — auch ini der Zukunft ein Lichtspender und Wegweiser für die ganze Welt werden wird." Hier huldigt das Oberhaupt eines gewaltiges Staates der Idee des Wiederaufbaues der jüdischen Heimat, der Idee des Zionismus und begrüßt die Anstrengungen, welche die besten Bürger seines Landes im Dienste dieser Idee machen. Die Botschaft des Präsidenten Roosevelt ist geeignet, die Zionisten itt schwerer Zeit mit Genugtuung zu erfüllen. Sie wirft Kleine Tube S — ,9Q Große Tab« S aber auch ein grelles Licht auf jene Sorte jüdischer Gegner des Zionismus, welche ihn denunzieren und bis zur Niedertracht gehen, jene Anhänger als u npatriotische, dem Vaterlande untreue Bürger zu verleumden. Die Worte des Präsidenten Roosevelt sind Keulenschläge gegen die Denunzianten und Verleumder, des Zionismus. * James G. M a c D o n a 1 d, der frühere Oberkommissär des Völkerbundes für die deutschen Flüchtlinge, erklärte in einer Botschaft an die Konferenz, daß die Aufgabe, Heimstätten für die jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland zu finden, ohne Palästina überhaupt nicht erfüllbar wäre. Zum Einweichen — zum Waschen Um die Wiener Judengememde Die „Unionisten" legen ihre Mandate nieder Die elf Vertreter der „Union österreichischer Juden" im Wiener Kultusvorstande haben ihre Mandate zurückgelegt. In den Zeitungsberichten der „Union" über diesen Vorgang, welcher . nachstehend behandelt wird, ist eine fälsche Alarmmeldung enthalten, die vorerst richtiggestellt werden soll. Es wird behauptet, daß der Vorstand beschlußunfähig geworden sei. Das ist 23ei rfyeutttatifdjett 33ef$tnerbett itt ben ©elenfen unb ©liebem fomte Bei Äopfmel) nrirfen XoQaUXahktten lafdj unb fidjer. SBenn £aufenbe oon Stetsten biefes 3Jitttel nerotbnen, fönnen aud) Sie es nerttauensnoll laufen. 3n allen Stpothefen bes Sns unb Sluslcmbes.?ßteis S 2.40. unwahr. Von 28 Vertretern sind 17 geblieben, welche laut Statut berechtigt sind, die Verwaltung der Gemeinde bis zu den im heurigen Jahr fälligen Neuwahlen fortzuführen. Das wird auch geschehen. Es ist also nicht der geringste Anlaß zur Sorge vorhanden, daß auch nur die geringste Störung in den Geschäften eintreten könnte. Die Männer, welche sie bis jetzt ohnedies geführt haben, sind am Platze. * Die Unionisten führen als Grund ihrer Demission an, daß der langjährige Vizepräsident der Gemeinde, Dr. Josef Löwenherz, in Bewerbung um den durch den Tod des Herrn Reglerungsrats Fuchsgelb freigewordenen Posten des ersten Sekretärs eingetreten ist. Sie behaupten, daß die Bewerbung unzulässig sei, weil Dr. Löwenherz gewählter Vizepräsident war und weiters, daß durch seine Berufung die Gemeinde unnütz und schwer materiell belastet wird. Nun wurde der Posten, um allen Einwänden zu begegnen, öffentlich ausgeschrieben, was die Herrn Unionisten nie getan haben, solange sie die Geschäfte führten. Daran ist wohl nichts „unzulässig". Dr. Löwenherz, welcher durch zwölf Jahre als geachöitsführender Vizepräsident in einer auj& von den Unionisten anerkannten Weise in der Verwaltung aufopferungsvoll tätig war, hat sein Mandat zurückgelegt und ist in den freien Bewerb um die Stelle eingetreten. Ist das unzulässig? Es müßte denn unzulässig sein, daß ein bestqualifizierter Mann nach zwölfjähriger selbstloser Tätigkeit für die Gemeinde sich um einen Posten bei dieser Gemeinde bewirbt, weil er bestqualifiziert ist und weil er ihr Jahre schwerster Arbeit ehrenamtlich geopfert hat. Der Einwand, daß es sich um eine unnütze materielle Belastung handelt, ist noch grotesker. Ein erster Sekretär war doch immer da, und daß die Verwaltung eines Budgets von mehr als sechs Millionen Schilling 'einen leitenden Beamten erfordert, ist auch klar. Um aber jedem, auch dem f rivolsten Einwand zu begegnen, hat die zionistische Majorität einen ganz ungewöhnlichen Beschluß gefaßt: Die Stelle wird nur provisorisch auf ein Jahr besetzt und die noch im heurigen Jahr durch Wahlen zu bildende neue Majorität wird über die Stelle frei verfügen können. Sie ist durch keinen Vertrag gebunden. Jetzt wird wohl jeder erkennen, daß es sich hier um ein Scheinmanöver der „Union" handelt. Es geht ihr eben nicht um die Sekretärstelle, sondern um etwas ganz anderes. Sie hat die Herrschaft über die Wiener Judengemeinde verloren und weiß, daß sie sie nie mehr im Wege freier Wahlen erlangen kann. Denn der Antizionismus und die jüdische Assimilation sind zusammengebrochen und mit ihr die „Union". Weil sie die freie, autonome Judengemeinde nicht mehr beherrschen kann, will sie diese Inu* ausländische Hausbesitzer verwalten ihre | WIENER HÄUSER durch behördlich konz. Realitätenkanzlei 1 Dr. MAIR PAIS M Wien I, Franx-Josefs-Kol 1, Tel. R-21-5-30 iiiiiiiiiiiiiiiiiiii d