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Die neue Welt · 1936-02-04 · Heft 534 (4.2.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 534 (4.2.1936)
Date
1936-02-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr, 834 vm 4. Februar 1936 ftlfi NEtTE WELT Seite $ „Flüditlmq§"frage erwogen/ „Juden"(rage bleibt In der letzten Zeit beschäftigt der Beschluß des Völkerbundrates, öich der FlÜehtlingsfrage anzunehmen, die Weltöffentlichkeit, insbesondere die Juden aller Länder, die an der Hilfeleistung für ihre Volksgenossen in Deutschland interessiert Sind. Zwar sind noch keine Aktionen festgesetzt worden, erst im kommenden — September wird die Volksversammlung definitive Organisationsbeschlüsse fassen, aber heute schon erkennt man, was der Völkerbund und die maßgebenden politischen Kreise unter Flüchtlingshilfe verstehen: Fürsorge für diejenigen, welche ihr TJr- 1 sprungsland bereits verlassen haben, und für ' solche (Juden), die gezwungen sind, Hitler- Deutschland, das sie zum Hungertod verurteilt hat, zu verlassen. Wir alle wissen, daß es hier um die Zukunft der in Deutschland lebenden Juden geht, um das Schicksal von rund 500.000 Menschen, die in einem Lande leben, das ihnen Recht und Existenzmöglichkeit verweigert, abgesehen von den schweren seelischen Nöten, denen jene ausgesetzt sind. Die Berliner „Jüdische Rundschau" beschäftigt sich in ihrer Ausgabe vom 28. Jänner mit der „Flüchtlings"frage, indem sie ausführt, daß man über diese nicht den Kernpunkt der ganzen Sache, das umfassendere Problem: die Jndenfrage, vernachlässigen dürfe. Diese ist, wie wir bei jedem aktuellen Anlaß ausführten, ein soziales, nationales, wirtschaftliches und politisches Problem, dessen Rückwirkungen auf die meisten Länder der Welt zu verspüren sind. Dieses subjektive jüdische Problem erzeugt überall neue objektive Probleme, vor die sich alle jene Staaten gestellt sehen, denen man die Aufnahme „geflüchteter Juden" nahelegt. Da das Auswanderungsbedürfnis und der Auswanderungszwang der Juden Deutschlands sehr groß ist, immer neue Schichten zur Auswanderung gedrängt werden, so kann die Frage, was geschehen soll, nicht von den Juden allein gelöst werden, auch nicht von denen, welche eine Lösung im Sinne .1er nationaljüdischen Auffassung seit jeher anstreben, nämlich die Lösung durch Auswanderung und An- .siedlung. Solch eine, ,Transaktion - ist ohne internationale Regelung nicht durchzuführen. Sehr vorsichtig, immerhin aber deutlich, äußert sich die „Jüdische Rundschau", deren Umkreis ja das Objekt dieser Betrachtung ist: „Der Völkerbundsrat hat beschlossen, sich nur um die . Auswanderer zu kümmern, die schon notleidend in fremden Ländern herumsitzen. Es wäre aber ein Irrtum, zu meinen, daß damit etwas In der Judenfrage geschehen ist. Die Judenfrage umfaßt nicht nur Juden, die in Länder verschlagen wurden, in denen sie nicht geboren sind, sondern auch in Ihren Geburtsländern und an den Stätten, wo ihre Vorfahren begraben sind, leben tausende Juden in einer Situation, die in wichtigen Punkten der der ausgewanderten nicht unähnlich ist. Darum muß man in die Zukunft sehen. Wenn man schon der Meinung ist, daß die Ehre und die seelischen Konflikte der Juden kein allgemeines Problem darstellen, Sondern Sache der Juden selbst sind, so bleibt immer noch das Problem der wirtschaftlichen und politischen Einordnung, das dort, wo es unlösbar geworden ist, ein dauernder Antrieb zur Wanderung sein muß, und diese Wanderung fällt nicht unter das Kapitel „Flüchtlingswesen ... Es Ist zugestandenermaßen ein überaus schw ieriges Problem. Es wäre aber ein großer Irrtum, .zu meinen, daß es durch Ignorieren aus der Welt geschafft wird." Trotz der großen „Spenden", die die Delegation unter Herbert Samuel in New York aufgebracht hat, muß diese Aktion mit Mißtrauen angesehen, ja als gefährlich betrachtet werden. Es bildet sich allmählich die Weltmeinung, daß, wenn irgendwo jüdische Existenzen vor wirtschaftlicher, moralischer und rechtlicher Vernichtung stehen, die jüdischen „Glaubensgenossen" ganz einfach Geldmittel zur „Rettung" aufbringen und damit der Fall erledigt ist. Die Worte des abgetretenen Flüchtlingskommissärs James MacDonald, der eine ausschließlich politische Lösung der deutschen Judenfrage als aussichtsreich ansah, müssen denjenigen als Warnung dienen, welche sich von philanthropischen Werbeaktionen ä la Herbert Samuel etwas versprechen. Was soll mit den Juden geschehen, die in Deutschland bleiben, in Deutschland weiterleben müssen? Die „Jüdische Rundschau", in dieser Frage zweifellos kompetent, schreibt: „Wir Juden haben — nach Ausschaltung ans dem deutschen Volksleben — vier unentbehrliche Forderungen: Wahrung unserer Ehre, wirtschaftliche Existenzmöglichkeit, kulturelles Eigenleben, geregelte Auswanderung." Will vielleicht das Herbert-Samuel-Komitee diesen unentbehrlichen Forderungen durch einen Hilfsfonds gerecht werden? Will es die Weltöffentlichkeit weiterhin in der Illusion belassen, daß man mit ein paar Millionen Dollar die deutsche Judenfrage oder die ganze Judenfrage lösen kann? Aus Hifler^Deulsdiland Raub an der jüdischen Winterhilfe Aus Berlin (J. T. A.): In diesem Winter wurden bekanntlich In Deutschland Juden und Nichtarier nicht mehr von der offiziellen staatlichen Winterhilfsaktion betreut. Auf staatliche Veranlassung wurde eine besondere jüdische Winterhilfe gegründet. Die Jüdische Winterhilfe sorgt vorbildlich für die Fürsorgeempfänger, denn die Opferfreudigkeit der Juden bei der Sammeltätigkeit war erheblich größer als die der arischen Spender für die staatliche Hilfsaktion. So spendete der jüdische Warenhausbesitzer J a n d o r f allein über eine halbe Million Mark und die Firma N. Israel beteüigte sich mit einem ähnlichen Betrag. Die auffälligen Unterschiede zwischen den hohen Leistungen der jüdischen und den kläglichen Leistungen der staatlichen Winterhilfe führten zu Beschwerden der Nazi- Fürsorgelnstanzen bei der Partei. Zur Beseitigung dieser „Mißstände" wurde das in Deutschland übliche Allheilmittel angewandt: Die Geheime Staatspolizei beschlagnahmte einen großen Teil der gesammelten Gelder und zwang die Verwaltung der jüdischen Winterhüfe, zwanzig Prozent der Bareinnahmen an die staatliche Winterhilfe abzuführen. Die jüdischen Kulturbünde. Der Tätigkeitsbereich der jüdischen Kulturbünde in Deutschland wird durch erschwerende Vorschriften und Verbote immer mehr eingeengt. Zuletzt haben die Behörden zwei vom Berliner jüdischen Kulturbund angesetzte Konzerte verboten, und zwar ein Konzert des berühmten Radio- und Filmeängera Joseph Schmidt, das am 29. Jänner, und ein Konzert von Frau Chajeie Grober, der berühmten Dieeuse und einstigem Mitglied der Habimah, das am 9. Februar hätte stattfinden sollen. . Streicher ist nicht zufrieden. Auf der Nürnberger Kundgebung der Hitler-Jugend hielt Julius Streicher eine Ansprache, in der erklärte: „Die Nürnberger Gesetze haben die Judenfrage nicht gelöst, weil diese Gesetze eben von den Juden mit List umgangen werden. Die antijüdische Aktion müsse deswegen ohne Unterbrechung fortgesetzt werden." Jüdische Geschäftsverkäufe. Die Firma Böheimer, das führende Strumpf Warenhaus Kölns, ist mit Ihren Zweiggeschäften in arischen Besitz übergegangen. In Saarlautern sind die Zigarettenfabriken Y i 1 d e s und Orient G. m. b. H. an einen arischen Inhaber verkauft worden, In, den Betrieben waren etwa 250 Personen beschäftigt. Die beschäftigten Juden haben die Betriebe verlassen. Mischehen und Mitgift. Die Berliner „Juristische Wochenschrift" schreibt: Eine Frau, die als Staatsangehörige deutschen Blutes im August 1934 einen Volljuden geheiratet hatte> klagt gegen ihren Vater auf Aussteuer. Das Landgericht wies die Klage mit folgender Begründung ab: Die im August 1934 geschlossene Ehe einer Staatsangehörigen deutschenBlutes mit einem V o 11 j u d e n verstößt nach nationalsozialistischer Weltanschauung gegen das Sitten-, Ehr- und Rechtsbe wußtsein des Volkes. Dieser unsittliche Zustand werde durch die Gewährung einer Aussteuer g efördert. Eine solche materielle Unterstützung der mit der heutigen Weltanschauung nicht im Einklang stehenden Mischehe bedeute, auch wenn der Beklagte mitderselben einverstanden gewesen sein sollte, gleichfalls eine dem Sitten- und Rechtsempfinden des deutsehen Volkes widersprechende Handlung, der sich der Beklagte mit Recht widersetze. Rosenberg spricht. Im „Völkischen Beobachter" bespricht Alfred Rosenberg unter der Ueberschrift „Die alljüdische. Weltrevolution" die Rede des Marschalls der Sowjetunion, der mitteilte, daß Rußland jedem Angreifer sofort 1,3 Millionen Soldaten entgegenstellen könne. Rosenberg behauptet, daß sowohl die sowjetrussische Mobilmachung als auch sowjetrussische Putschaktionen, die den Weltzusammenbruch herbeizuführen den ^cw^fitew. <ü-ttdölcu>ot(t 4{ne«&eu*». SCHIFFMAINS Ein Palästina. -Tonfilm. ^^^^^KKKttKKttt/tfK^BKKmBfKl^^^^^^^^fc^^^^^^^^^^^^^^^^^^SS^^B^^^K^^^^^^tB^^^^^^^i de.davidhMktwan$ spricht in der festauffäkmsf anläßlich des 40. Gedenktages seit Erscheinen von Herzls „ludenstaat" S o n n t a g, den 9. Februar 1936, vormittags 11 Uhr im Imperial-Kino, I, Rotenturmstraße Karten bei: Jüdische Kulturstelle, I, Franz-Josefs- Kai 3, Tel. R-<!8-2-36 / Bücherstube Löwit, I, Wollzeile 6, Tel. R-25-4-53 / Lanyi, Kärntnerstraße 44, Tel. B-26-3-33, und an der Kinokasse, Tel. U-22-1-12 Zweck haben, von Juden finanziert werden. Dies führt Rosenberg als „B e w e i s e für die alljüdische Weltrevolution" an und schreibt, Deutschland stehe schon heute in der Weltgeschichte „als erster bewußter Zerbreche r nicht nur des politischen Marxismus, sondern auch als kühner Niederringer der jüdischen Schürer dieser weltbewegenden. Drohung da". Dies sei die „nationalsozialistische Sendung". Die liebe Jugend. Die „Main-Fränkische Zeitung" meldet: Drei Burschen in Wiesenbronn bei Würzburg faßten den Entschluß, in ihrem Dorf etwas zu unternehman. Eines Nachts klapperten die Scheiben der Synagoge und flogen bei vielen Juden die Fenster ein. Die drei hatten sich deswegen vor dem Amtsgericht zu verantworten. Jeder der drei Burschen wurde zu einer Geldstrafevon 60 Mark verurteilt. Die Tat der jungen Burschen wurde vom Gericht als Uebe.reifer bewertet. Verband der Judenstaaftspartei Oesterreichs Veranstaltungskalender: 1. Bezirk, Zentralheim, I., Werdertorgasse 14, Mittwoch, 5/ Februar, präzise %9 Uhr abends, großermusikalischer Abend (neue hebräische Musik). 2. Bezirk, II., Taborstraße 21a, Donnerstag, den 6. Februar, %9 Uhr abends, Dringende Ausschußsitzung. 15. Bezirk, Schanzstraße 32, Dienstag, 4. Februar, %9 Uhr abends, Vortrag Aron Schwertfinger „Ethik im Judentum". 18. Bezirk, Semperstr. 19, Donnerstag, 6. Februar, Yi$ Uhr abends, Vortrag Dr. Felix Klug „Zionistische Tagesfragen". Sektion Prater, II., meine Zufahrtsstraße 166. Sonntag, 9. Februar, Kinder-Chamischah-Assar-Feier. — 13. Februar: Sondervorstellung im Theater Reklame. * Judenstaatsjugend. Dienstag, den 4. Februar, ^9 Uhr abends, im Zentralheim, I., Werdertörgasse 1.4, Plenarversammlung. Vortrag Dr. Leo Goldhammer: Allja und Hachscharah. * Voranzeige: Dienstag, den 10. d., 8 Uhr abends, in der Toynbeehalle, XX., Denisgasse 33, Vortrag. Thema: Juden in der Weitpolitik. Referent: Oberbaurat Robert Stricker. Verband der Judenstaatszlonisten, Sektion XHI./XV. Samstag, den 8. Februar, im Gambrinus-Saal, XIII., Schanzstraße 31 (Straßenbahn 49, 10), Gesellschaftsabend. Akademie, Tanz und Tombola. Erstklassige Jazz. Beginn 21 Uhr. Entree S 1.50. Programm: Oberkantor J. Wahrmann, Jolan Krauß-Cäcilie Frey, Paul Timan, Fritz Baum, Harmony-Jazz-Boys. Am Klavier; Liüy Halpern. Judenstaaf sparten in der €♦ §♦ R* Großer Werbevortrag In Prag Samstag, den 1. Februar hielt Rabbiher Dr. Kanner den ersten Werbevortrag für die Judenstaatspartei in Prag. Im überfüUten Saal des Cafe" Aschermann entwickelte er in einem ausgezeichneten Referat unter dem Titel „Judenstaat oder Ghetto in Asien?" das politische Programm der Judenstaatspartei. Die Versammlung, die einen für Prag besonders guten Besuch aufwies, brachte eine große Zahl von Anmeldungen zur jungen Prager Ortsgruppe der Judenstaatspartei. Den Vorsitz führte der alte Herzl-Zionist Mg. Ph. S. Rokotnitz. Besonderer Dank gebührt Herrn Dr. A. Veleminsky, dem das vortreffliche Gelingen der Veranstaltung zu danken ist. Anmeldungen für die Prager Ortsgruppe der Judenstaatspartei: Dr. Anton Veleminsky, Praha, II., Jerüsalemska 15. „^eaoncUte A i ^lUe^oAetet^ ^hWiA/AM.^*" J

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