Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 533 (31.1.1936)
- Date
- 1936-01-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2711613-2712150-2712158--5580-2719216- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 Anin , mi.i.. um neue WSLt Nr. 533 vom 31. Jänner 1936 MfcM«MiMM>l»<*M<»»*l>faM»M»^.ll I I 1 -l Iii -....... I Hill llf II gtMfliekafhreiH n Md*m£uxu3*tki/r na$k Palästina VU1CANIA 2.APRIL Af NEAPU Sondenpfißist; »C/ftOIEftUDOPAMBTs I«KUSSEV t135.* C 9*+ TOUftlSTSnKLAftSE * 7/2.- QDEp: HjnFAHUT mitoer"Vui.caiiiam .a . R*cK»AHftT «.t un smmri ilovo musiriÄo X'.KLASSI St06O.mA TOUftlSTEDIOASSE ö OJjr IR^Ä!?J^IL!,SEnBAwn|:A«RT DACH DEAPEL ZUSAMMBnSTIUUnC BltUOift tAnPAVftFiOOS PalesUMßxproTsT&fa^^ V£QT3?TUN'0 C£I9 B050CITV ff? OK' t.H tcOQNtB Wltn i-HOHIMAWCT 8, WiED I KÄHnTnEftAifW 6. U'J<7*9**0 Beziehungen angeknüpft zu haben. Dadurch, daß.er ständig eine günstige Lösung des zionistischen Problems versprach, gelang es Monsieur Crespi, sich bei Herzl eine monatliche Unterstützung zu sichern, um sie für „geleistete Dienste" verteilen zu können. Nachdem Herzl erkannt hatte, daß Monsieur Crespi nur für seine eigene Tasche arbeitete, stellte er diese Unterstützung ein. Herzl erwähnt" in. seinen Memoiren mit einer gewissen Ironie, daJ3 Crespi, voll Bedauern über die Einstellung der Unterstützung, ihm mitteilte, er bleibe dennoch, „ein begeisterte^ und treuer Zionist". (Siehe Band IH, Seite 290). „Er bleibt-Zionist... . . .Trotzdem ... er will weiter,kämpfen „unentwegt" . . ., auch wenn ich monatlich nicht bezahle. Bin Schwärmer. Und, schließlich, investiert er ja nichts mehr als Briefe. ..." Von allen Vermittlern in Istanbul, die mit Herzl verhandelt haben, hält Crespi den Rekord an Korrespondenz. Sie ist umfangreich und interessant. Sie beschreibt uns die ganzen Schwierigkeiten einer großen Sache. Sie enthüllt uns die Raubgier der'händlerischen Professionals, die die Idee eines großen Genies ausbeuten wollen- Eines schönes Tages bot mir Monsieur Crespi diese Öriginalkorrespondenz für die Kleinigkeit von 1000 Pfund an. Er war überaus verwundert, ein so gutes Geschäft' nicht abschließen zu können, als ich die Bemerkung mächte, daß dieser Briefwechsel, von dem er.glaubte, er sei noch nicht herausgegeben, schon in den Tagebüchern Herzls wiedergegeben sei, ,„„.,. Der Autor der folgenden Betrachtungen und Erinnerungen, Ali Nouri D i 1 m e c (Herzl spricht von ihm in seinen Memoiren, Band III, Seite 568), war durchaus ein uneigennütziger Vermittler und hat sich für die zionistische Sache als Idealist eingesetzt. Er hat der Gruppe der Jungtürken angehört und war beseelt von dem glühenden Verlangen, sein Land vor dem Abgrund zu fetten, in den es stürzen sollte. Er ist ein glühender Bewunderer des jüdischen Volkes und sieht in ihm einen guten Verbündeten zur Rettung der Türkei. Unter diesem Gesichtspunkt gingen Herzls Bestrebungen mit Ali Nouri parallel. Nur die Wege, die sie zur Erreichung ihres Zieles einschlugen, trennten sie. Herzl wagte nicht, die schwere Verantwortung auf sich zu nehmen, mit den jungtürkischen Revolutionären zu paktleren. Aber die Idee an und für sich war gesund, großartig, und geeignet, die besten Juden und Türken, die, ihr.Land,retten wollten, zur Begeisterung hinzureißen. >■ '. Amerikas größter SensotlonsHIm Edward O. Robinson in AI) h6Utß' - U*Ch -f"°-1-1' "r"9er lt-,|*°- U Stafa Kino VII. Votlvpark Kino IX. Ali Nouri Dilraec ist ein türkischer Intellektueller von höhere Geltung. Er war eine große Anzahl von Jahren in dor türkischen Diplomatie tätig. Mit seinem durchdringenden Blick erkannte er den großen Wert der Persönlichkeit Herzls für das Geschick der Türkei. Der kurze Kontakt zwischen diesen boiden Staatsmännern hat genügt, um eine volle Harmonie betreffs: der .wichtigen Rolle der . zionistischen Bewegung in der Politik die die Türkei erneuern sollte, herbeizuführen. Der vorzeitige Tod unseres großen Führers unterbrach diese kaum begonnene theoretische Arbeit. Wer weiß, welch wichtige Rolle Ali Nouri vielleicht in dem Schicksal der Bewegung gespielt hätte, wenn Herzl nicht so schnell der Bewegung entrissen worden wäre. Keinesfalls sind die Schlüsse, annehmbar, die vor vierzig Jahren Ali Nouri betreffs unserer historischen Rechte auf Palästina in der schwedischen Zeitung „Samf undet" veröffentlicht hat; Djte Schlüsse" betreff a. unserer Niederlassung in Palästina entsprechen nicht den historischen Wahrheiten, die in Unseren heiligen Büchern niedergelegt sind. Da» sind aber nur übergeordnete Dinge, die sehr wenig die große Furage berühren, wiche Ali Nouri aufgeworfen hat, fiämHcft die Notwendigkeit tüt den Zionismus, eine eheliche Versöhnung Mit den Qfuppen gleicher AbttAmmung, die die große Masse der Araber bilden, herbeizuführen. Zu diesem Zeitpunkt dächte keiner unserer Führer an die große arabifche Bevölkerung. Herzl selbst berührte dieses Problem Uberhaupt nicht. Einer, der unserem Volke fremd war, erkannte schon vor viereig Jahren mit durchdringendem Auge besser als wir die ganze Schwere dieses Problems, das heute der Angelpunkt unserer Politik ist und unsere Aufgabe so sehr erschwert. Indem ich die Betrachtungen und Erinnerungen von Ali Nouri Dilmec der Öffentlichkeit Übergebe, erfülle, ich eine angenehme Pflicht diesem Mann gegenüber, mit dem mich eine jahrelange Freundschaft verbindet. Die jüdische Oeffentlichkeit wird diesen Betrachtungen und Er^ innerungen, die aus dem Beginn unserer nationalen Bewegung stammen, bestimmt großes Interesse entgegenbringen. ' ' Istanbul, Jänner 1936. D. Pardo. Üettsiah Ukstöm - SemMtikj Zwei Lumpen Juden „bei der Berliner Olympiade Unter der Aufschrift „Olympiade-Ueberraschungen** berichtet das „Pariser Tagblatt", daß der neben Streicher berüchtigteste Judenfresser in Deutschland, Esser, zum Präsidenten . des „Reichsfremdenverkehrsverbandes" ernannt -wurde. Diesem ordinären, sonst die blutrünstigsteh Pamphlete produzierenden Hetzer, welcher wegen Schmutziger Skandale auf ein Jahr verschwinden mußte, ivird also aus Anlaß der Olympiade der Empfang und die Betreuung der ausländischen Gäste anvertraut. V . . Dann schreibt das Blatt weiter: „Eine andere „Olympiade - Ucberraschung" wird in den Berliner 'Sportkreisen sehr viel besprochen. Es handelt sich um die Teilnahme der beiden jüdischen Sportsleute Helene Mayer, der deutschen Fechtmeisterin, und des Eishockey- Spielers Rudi Ball an den Olympischen Spielen. Rudi Ball, der seit dem Anbruch des Dritten Reiches in Italien lebte, ist bereits. nach Deutschland zur.üc k,:g ek.ehrt. und^hat an einem' -Spiel teilgenommen;1^ Scli^|j^uij&.r djäx kanidref$?'|a .^isseldorf ausgetragen wurde*:-BsJl AVir.d in 4en . nächsten Tagen nach Garmisch- Partenkirchen zum Training gehen. Alkoholiker, die an Magenkatarrh leiden, finden ihre Eßlust durch Gebrauch des natürlichen „Franz- Josef-Bitterwassers — etwa 150 Gramm pro Tag •—■ oft in überraschend kurzer Zeit, wieder Aerztl. empf. Helene Mayer ihrerseits hat dem „Deutschen Verband für Körperkultur", mitgeteilt, daß sie die Vereinigten Staaten Anfang Februar verlassen wird, um ■nach Deutschland zu kommen. Als Dank" für die Propaganda, die sie mit ihrer Teilnahme an den Olympischen Spielen für den Nationalsozialismus leistet, wird Tnan'sie, wie ausdrücklich versichert wird; in Berlin nicht nur „s ehr g u t" empfangen, sondern ihr auch das Reichsbürgrerrecht, von dem die „Nich tarier" sonst ausgeschlossen sind, verleihen. Welche besondere „Ehrung" Rudi Ball zugedacht ist, steht noph nicht fest. Wir haben bereits beim ^Auftauchen der ersten Meidungen über die Teilnähme Helene Mayers an den Olympischen Spielen als Mitglied der deutschen Mannschaft'Unsere Meinung über diesen besonderen Fall von •),Rasse verrat" gesagt,;der darin besteht, daß sich deutsche Juden dazu hergeben, der Propaganda und dem LUgenwerk des Dritten Reiches Vorschub zu leisten. Wir gönnen Helene Mayer neidlos das: Bürger»'; recht dieses Staates, dem sie sich trotz allem, was den' deutschen Juden geschehen (st und noch täglich geschieht, weiter verbunden fühlt. Schiießlidh weiß jeder ärn besten, ' wohin er gehört!" * Soweit das Pariser Blatt. Wir bringen in Er-' inne'rung, daß dieses famose Dämchen, die Helen Mayer, schon vor Jahren ihren Charakter bewiesen hat. Nach Erringung der deutschen Fechtmeisterschaft hat sich diese Tochter eines jüdischen Arztes taufen lassen. Aus Anlaß ihres Sieges beim Pariser Turnier im Jahre 1929 erschien sie statt mit der schwarz-rot-goldenen Fahne des demokratischen Reiches mit einer schwarz-rot-weißen Fahne, welche damals dieselbe Bedeutung hatte, wie heute das Hakenkreuz-Banner. Als man sie deswegen zur Verantwortung zog, entschuldigte sie sich mit „Zerstreutheit". Ein köstliches Frauenzimmer. ... d . , . <V Auf was wartet er nacht Aus Stockholm wird berichtet: Das Vorstandsmitglied des „Schwedischen Turnerverbandes, Rektor Justus Elgeskog, äußerte sich in einer Unterredung über" die Berliner KAUFET LOSE zu 1 Schilling 24S8 Treffer im Werte von $ 50.000 in allen Trafiken erhältlich Ziehung: 15. Februar 1936 Olympiade und erklärte: „Schon vor längerer Zeit habe ich im Vorstand des Turnverbandes erklärt, daß man sich die Verhfgung der Olympiade sehr überlegen müsse und daß es vielleicht das Beste wäre, wenn Schweden an der Berliner Olympiade nicht .teilnehmen werde. Wegen der Verfolgungen der jüdischen Sportler und wegen ähnlicher Erscheinungen glaube ich nämlich, daß auf dieser Olympiade die sportlichen Recht« nicht zur Geltung kommen werden. Ich bin welter der Meinung, daß diese Berliner Olympiade, statt die olympische Idee hochzuhalten^ nur zu nationalsozialistischer Pro'pjag^nda benützt werden wird. Für den Fall, daß neue. Judenverfolgungen einsetzen, bin ich der Meinung, daß man eingreifen soll, um die schwedische Teilnahme an der Olympiade zurückzuziehen, obwohl es spät ist." 3> Die Worte des Herrn Rektors in allen Ehren! Aber die geäußerte Ansicht, daß man „neue" Judenverfolgungen im Reiche Adolf Hitlers abzuwarten habe, berechtigt zur Frage: „Auf was wartet der Herr Rektor noch?" ktedmsfUegel Wirkungen des Boykotts Japanische Konkurrenz nimmt den Deutschen, manchen alten Markt j'ort. Und der unleugbare, wenn, auch unwägbare jüdische Boykott vereinigt sich jetzt mit dem stillen Boykott vieler katJiolischer, protestantischer, und sozialistischer Kreise gegen Naziwaren. Wickham S t e e d, 1936. Politik und Wirtschaft Das Weiterbestehen der Konjunktur in Palästina ist eine rein po Ii tische Frage: Hält England die Arbeitereinwanderung weiter unter dem Bedarfs des anlagesuclienden Kapitals undwird die sogenannte „illegale Einwanderung" durch verschärfte KontroUmaß" nahmen so beschränkt; daß sie das Defizit an Arbeitskraft nicht wenigstens zum Teil decken kann, so ist ein Ende des Aufschwunges denkbar. Setzen sich dagegen in Eng' land die Kräfte durch, die für eine Zulassung der Ar' beitereinwanderung iii vollem Maße des Bedarfes eintreten, so ist kein Grund für einen Konjunkturumschwung^ sichtbar. ' Ernst Davis, „Krise im Anmarsch?" j Verschobene Entscheidung Keines der großen polltischen Probleme zwischen Berlin und W arschau sind geregelt, sondern diese Regelung ist lediglich um zelm Jahre hinausgeschoben xoorden, was allerdings in der heutigen schnellebigen Zeit sehr, viel bedeutet. Pariser „Temps", 1936. Den Zionismus vergessen Die Errichtung des Staates von Biro Bidsohan stellt seit der Zerstörung von Jerusalem durch Vespasiati und Titus den ersten Versuch der Schaffung eine* autonomen jüdisclien Staatsverbandes, wenn auch in Abhängigkeit von einem größeren Staatsgebildo dar, und man kann gespannt,sein> ob das Experiment gelingen wird, „Reichspost": „Biro Bldschan, die jüdleche Sowjetrepublik", Wien, 1936. Das Land der Verheißung Es steht in der Bibel;,geschrieben, daß die Juden ncoh einmal in das 'Land Israel zurückkehren worden* und ich binglücklich, daß mein händ zu diesem Ziel beiträgt* Ich werde die Entwicklung.der jüdischen Bestrebungen in Palästina mit dem größten Interesse verfolgen. Worte des verstorbenen Königs Georg V« Mit Ausnahme Palästinas Das kulturelle Leben der tilrkisclien Juden ist kaum verschieden von demjenigen, das der Besuoher in anderen orientalischen Ländern, mit Ausnahm ß Paläs tinas, vorfindet. In der Türkei ist es eher noch geringer, da die tiirkisohen Behörden irgendeine Betonung jüdisch-kultureller und -sozialer Bestrebungen nicht gerne sehen. Aber auch ohne diese Hemmung wäre die kulturelle Arbeit und das geistige Leben in den türkischen gemeinden kaum auf einem hölisren Stand, J3i« geistige Erstarrung, die das gesamte orientalische Juden' tum seit der Neuzeit auszeichnet, ist auch für das geistige Leben der jüdischen Gemeinden in der Türkei cluirakteHstisch. Die schöne Synagoge, die wohl' habende Juden in Ankara vor dem Kriege haben errichten lassen, kjami.fyrUber nicht Mnwegtäuschen. Alfred Bonne, „Europa In Kletnaslea"*