Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 533 (31.1.1936)
- Date
- 1936-01-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 20 Groschen Dienstag, den 31* Jänner 1936 10 Jahrgang Nr« 513 V« b* b* DIE NEUL mi ÜnivwsitätsbibHothek Zeitung vom Verleger versendet „Journal exp6di6 par l'editeux" LT REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN : Oesterreich monatlich 8 1.40, vierteljahrig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.BL. vierteljährig Zloty 4.50} Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel Jährig Dinar 40.-; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.-; Deutschland monatlich MarkX—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; t Italien monatlich Lire 5.-, vierteljährig Lire 14.—* Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlieh. Redaktion tt, Verwaltung s IX, Universitätsstr, 8, Tel, A-20-2-78 — Erscheint Dienstag a. Freitag Ifferzflg Jahre //Der Juden§taaf" Herzls Schrift „Der Judenstaat" ist eine historische Schrift, das durch sie inspirierte Werk ein historisches Werk geworden. In den vierzig Jahren, die seit Drucklegung des „Judenstaat" vergangen sind, hat sich das Gesicht der Welt geändert und damit auch zugleich das Gesicht des Judentums. Was geniale Intuition eines prophetisch begabten. Menschen und Staatsmannes vorgeahnt hat, fand im realen Geschehen seine Bestätigung — auf der einen Seite der Zusammenbruch der Assimilation, das Debakel der Emanzipation, auf der anderen Seite die klar erkannte Notwendigkeit nationaler Erneuerung und der Aufbau des Judenstaats In Palästina. So sieht In großen Zügen das Bild aus, das sich im Verlauf der letzten Jahrzehnte herauskristallisierte. Allerdings finden sich noch da und dort Widerstände. Die Assimilation gibt sich noch immer nicht geschlagen. Trotz dem tragischen Exempel „Hitler-Deutschland" und den antijüdischen Strömungen in anderen Ländern, wo nach dem deutschen ' Beispiel die Verdrängung der Juden Dissimilation heißt, versucht sie sich am Leben zu erhalten — durch Kampf mit vergifteten Waffen, durch Verdächtigung, Würdelosigkeit, Denunziation, Verleugnung der Schicksalsgemeinschaft. Gewisse zionistische Gruppen hinwiederum versuchen, der großen, umfassenden Herzischen politischen Konzeption einen entweder kulturellhumanitären oder klassenengen Sinn zv^ geben. Beide sind schließlich durch den unentrinnbaren t Zwang :, der Entr Wicklung zur Kapitulation verurteilt. Der J ii d e n s t a a t szjonisnius bleibt nach.wie vor die Idee des patriotischen, schöpferischen Zionismtis. . -In den nächsten Tagen wird überall, wo Juden am zionistischen Aufbauwerk beteiligt sind, Herzls „Judenstaats" als des eisten Dokuments des.politischen Zionismus gedacht werden. Wir glauben, diesem Werk und seinem Schöpfer nicht besser gerecht zu werden als durch die Veröffentlichung bisher unbekannter Dokumente, welche sich auf die Anfänge des Herzischen Wirkens und seines Kampfes um die Verwirklichung des zionistischen Ideals beziehen. Er§le Konferenz der Samuel? Delegation Aus S t. Louis (Missouri) (J. T. A.): Die erste offizielle Konferenz zwischen der aus Sir Herbert Samuel, Viscount Bearsted und Simon Marks bestehenden Delegation der englischen Judenheit mit jüddischen Führern Amerikas wurde in St. Louis, der Hauptstadt des Staates: Missouri, abgehalten. Auf der Tagung hielten Felix M. War bürg, der bekannte Finanzmann und nichtzionistische Führer, und Sir Herbert Samuel Ansprachen.' Felix, M. Warburg erklärte, es sei das erste Ziel der Aktion, 10 0.000 deutsche Juden aus Deutschland ' herauszubringen und in anderen ■ Ländern anzusiedeln; eine so hohe Zahl dieser Juden wie nur möglich soll in Palästina seßhaft gemacht werden. Den Hauptteil der finanziellen Verantwortungübernehmen die e n gl i s c h e n und die amerikanischen Juden. Es sei deshalb notwendig, daß die gegenwärtig vom American Jewish Joint Distribution Committee und dem United Palestine Appeal gemachten Anstrengungen zur Aufbringung von Fonds bis zur äußersten Ausnutzung der Kräfte erweitert werden. Zum Schluß forderte Warburg die Zionismen auf, in Palästina mit Arabern und Christen zu kooperieren. Sir Herbert Samuel erörterte in seiner Ansprache flie Bolle, die P a 1 ä s t i n a bei der Aktion zur Bettung der deutschen Juden zukommt. Ich bin dessen sicher, sagte Sir Herbert, da'ß Palästina einen großen Teil der Flüchtlinge aus Deutschland aufnehmen wird. Diese aber müssen eine gründliche Ausbildung erhalten, die sie für industrielle und landwirtschaftliche Berufe geeignet macht. Sir Herbert Samuel setzte das Programm der Rettungsaktion auseinander. Man denke vorerst daran, 10 0.0 00 deutsche Juden nach Palästina und anderenL ändern zu bringen. Hierzu ist eine zusätzliche Summe zu den Mitteln, über die diese Juden selbst verfügen werden, in der Höhe von 15 Millionen Dollar (3 Millionen Pfund) notwendig. Davon sollen 10 Millionen in Amerika und 5 Millionen in England aufgebracht werden. Endgültige Beschlüsse werden in kurzer Zeit, auf einer wahrscheinlich in Washington abzuhaltenden Beratung zwischen der englischen Delegation und amerikanisch-jüdischen Führern gefaßt wrden. Den Flüchtlingen werden die für sie zu verausgabenden Beträge in Form von Darlehen gegeben werden, die an den Rettungsfonds für die .Flüchtlinge zurückzuzahlen sind. Mit Hilfe der rückgezahlten Beträge werden weitere Juden aus Deutschland herausgeholt werden können. Sowohl Felix M. Warliurg als auch Sir Herbert Samuel versicherten, diese ganze Rettungsaktion habe HmU Patina zu Pmwh! ' Billige Gesellschaftsreise mit oder ohne Verpflegung, Ausflüge im Lande, nach Aegypten und Syrien, unter bewährter Führung . * •Mäßige Preise ab S 550.-. Nähere Auskünfte bei Dr.S.TOCKER im|leisebüro ,In die Welt' (W.M.Renner) WIEN IX, UICHflNSTlINSTRASSE 2, Tel. A-14-5Qi nichts mit Irgendwelchen Plänen, deutsche War elf nach dem Ausland zu bringen, zu tun. Anmerkung der Redaktion: Die von dei* J. T. A. gebrächte „Aufforderung" Felix Warburgs an die Zionisten, in Palästina mit Arabern und Christen zu kooperieren, ist eine Taktlosigkeit. Das klingt, als «ob die Zionisten sich gegen Araber und Christen in Palästina aggressiv benehmen würden. Und was die Bemerkung mit den deutschen Juden zu tun hat, ist wohl ganz un«, erfindlich. Die ersten großen Spenden Aus New York (Palkor): Die beginnenden Sammlungen für den Fonds zur Finanzierung der Auswanderung deutscher Juden werden durch zwei unerwartet hohe Zeichnungen der beiden Mitglieder der eben angekommenen englisch-jüdischen Delegation, des Präsidenten der Shell-Cie Lord B e a r s t e d sowie des Herrn Marks eröffnet. Sie stellen sich mit je 100.000 Pfund an die Spitze der Liste. Zusammen mit der Spende Sir H. Samuels bedeutet dies % Million Pfund* das sind 1% Millionen Dollar, Mtißekmdes um Heed Wir werden in unserer nächsten Freitagausgabe mit der Veröffentlichung der Er- ' innerungeh des; türkischen Diplomaten Ali .Nouxi'.D i Ime c^att Theodor, H^ weiche HerzlsTätigkeit in^onstantinopeLTbetreffen'. Herr D. Pardo, ein persönlicher Freund Ali NourV Dilmees,' leitet "diese Erinnerungen, nachstehend ein:;: , " '• Istanbul (Konstantinöpel) war während der Herrschaft Abdul Hamids das Zentrum der zionistischen Politik. Hier konnten die Aufgaben der zionistischen Bewegung gelöst werden.'Der Wille eines Despoten könnte" Geschick und Zukunft des jüdischen Volkes entscheiden. 9lietenieiöenöen WrebKauet 2(eratc ftets ben ciltfcciucuirten W Sauerbrunn Alle> Wege - der Bewegung führten also nach Istanbul. Herzl besuchte einige Male diese Stadt. Er sondierte zuerst das Terrain, um sich um jeden Preis den Weg nach Yildiz zu ebnen. Er hatte sich diesen,Weg,zuerst durch ein Labyrinth von Hindernissen zu brechen, die ihm sein Unternehmen außerordentlich erschwerten. Zahlreiche Personen zweifelhaften Charakters machten sich an ihn heran, - um "ihm „Dienste zu leisten", versprachen ihm Aufstieg und Wunder und behaupteten, daß.sie die meiner langen zionistischen Praxis damit beschäftigt, mit all diesen mehr oder werüger .bedeutenden Persönlichkeiten in Berührung zu kommen, die in Verbindung mit ünserent verehrten Führer Herzl standen. Ich sagte mir, daß die Zeugen der Istanbuler Tätigkeit Herzls uns viele Uribe,"< kannte Dinge erzählen könnten oder vielleicht auch im Besitze nicht herausgegebener Briefe wären, die einen allgemeinen zionistischen Wert haben könnten. Meine Nachforschungen ließen mich eine große Anzahl Personen finden, die schriftliche Erinnerungen besaßen, und ich bat sie(/ diese der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Einige leisteten meinem Wunsch Folge und veröffentlichten Schriftstücke und Erinnerungen, die voll Bewunderung für unseren großen - Führer Herzl waren* Der verstorbene Dr. Abdullah* Djevdet Bey, Herausgeber der Revue „Idjtihat", von dem Herzl in seinen Tage-* büchern spricht, war einer der ersten, der auf Grund meiner Anregung unter dem Titel „Der große Idealist'" seine persönlichen Erinnerungen an Herzl veröffentlichte; Er besaß auch Widmungen von Herzl und Nordau. T a h s i n Pascha, erster Sekretär Abdul Hamids, mit dem Herzl die. meisten. Verhandlungen zu führen hatte und der ihm sehr viele Rätsel aufzulösen gab, starb vor vier Jahren. In seinen Memoiren ■ erzählte er von den Verhandlungen, die mit Herzl betreffs der Vereinheit- Cafe Weahuber ■-^nmm mW ■ ■ Wm ■ Jeden Samstag und Sonntag: (Hinter dem Deutschen Volks iheater) Konzert," Tanz und Stimmungsmusik Beginn V29 Uhr; abends Besucherkarte 60 Gr. „besten Beziehungen" , zu Yildiz unterhielten. In seiner Gutgläubigkeit korrespondierte Herzl sogar mit diesen zweifelhaften Leuten. Erst später machten ihm Freunde der Bewegung ' klar, daß diese Zwischenhändler , vom moralischen Standpunkt aus keine empfehlenswerten Elemente waren, und Herzl unterbrach die angabahnten Beziehungen. : Herzls Memoiren machen-uns mit verschiedenen Persönlichkeiten in Istanbul bekannt, die als Zwischen-' händler der zionistischen Sache dienten. Ich habe mich in KOHLE KOKS ANTHRACIT Alleinige Lieferantin der „Asca", Bund jUdiscnoi Frontsoldaten, Keren Kajemeth, der Jüdischen Kulturstelle BÄSCH IV, ARGENTINIERSTRASSE 22 - TEL. U-47-5-40 ,*«= Eichung der Dette Ottomane angeknüpft wurden. Arab izzet; und Ibrahim' Bey,"' beide Kammerherren Abdul Hamids, die vor zehn Jahren gestorben sind und hauptsächlich die. Verhandlungen zwischen Herzl und Abdul Hamid geführt hatten, veröffentlichten keine Memoiren über ihre politische Tätigkeit. Der wilde und verschlagene Izzet wird sehr häufig in den Memoiren Herzls erwähnt. Gerade er erschwerte Herzls Bestrebungen außerordentlich. Andere politische Zwischenändler gehen heute noch in den Straßen Peras spazieren. Die Last des hohen Alters drückt sie. Nach den Memoiren Herzls spielte' einer von ihnen, ein gewisser Monsieur Crespi, ein Katholik, eine wichtige Rolle. Er wurde von Herzl wegen seiher auagezeichneten Beziehungen zum Sultan reichlich geschmiert. Er vertrat damals eine große Munitionsfabrik (Schneider- Creusot) und lieferte der ottomanischen Armee Kanonen und Gewehre. Durch diese Lieferungen knüpfte er freundschaftliche Beziehungen zu den hohen Beamten des Yildiz an. Dieser Levantiner Crespi kostete die zionistische Bewegung ein Vermögen; Herzl bedauerte später, zu ihm