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Die neue Welt · 1936-01-28 · Heft 532 (28.1.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 532 (28.1.1936)
Date
1936-01-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 532 vom 28. Jfüner $©36 DIE NEUE WELT Seitab ,1 __- - Der Völkerbundrat zur deutschen ilüdillmgsfrage Aus Genf wird berichtet: In der Schlußsitzung seiner Jänner-Session, am Freitag, den 24. Jänner, abends, beendete der Völkerbundrat die Beratungen über das Problem der Flüchtlinge aus Deutschland. Wie zu erwarten war, ist der Völkerbundrat in politische Erörterungen über das Flüchtlingsproblem, seine Ursachen und Auswirkungen, nicht eingetreten und hat auch keine Beschlüsse politischen Inhalts gefaßt. Er hät bei der Behandlung der ihm von der Unterkommission unterbreiteten Resolution betreffend das Flüchtlingsproblem unterstrichen, daß er den Entscheidungen der im September d. J. zusammentretenden Vollversammlung des Völkerbundes nicht vorgreifen wolle und daß seine heuj tigen Beschlüsse sich auf zeitweilige Maßnahmen beschränken müssen. Es wurde beschlossen, den bekannten Abschiedsbrief James G. MacDonalds an das Völkerbundsekretariat der im. September d. J. zusammentretenden Völkerbundvollversammlung zu unterbreiten. Minister Titulescu gab die Erklärung ab, daß Rumänien nicht beabsichtige, auch nur einen Ausländer aufzunehmen. Der Völkerbundrat ernannte den Norweger Professor Hansson zum Vorsitzenden des Nansen-Amtes für Flüchtlinge. Hingegen wurde von der Ernennung eines Hochkommissärsfür die deutschen Flüchtlinge an Stelle des zurückgetretenen Amerikaners Professor James G. MacDonald in diesem Augenblick Abstand genommen und die Berufung einer Persönlichkeit in dieses Amt dem Präsidenten des Völkerbundratea überlassen. Der Rat ersuchte seinen Vorsitzenden, diese Ernennung ehestens zu vollziehen. Der Völkerbundrat bestimmte eine Summe von 50.000 Schweizer Franken als Verwaltungsbudget des zu ernennenden Hochkommissärs für die deutschen Flüchtlinge für die Zeit bis zum Zusammentritt der Völkerbundversammlung im September. Der provisorisch zu ernennende Hochkommissär für die deutschen Flüchtlinge wird die folgenden Aufgaben, durchzuführen haben: Vorbereitung der Einberufimg einer Konferenz aus Vertretern der Regierungen, deren Staaten Mitglieder des Völkerbundes sind, sowie aus Vertretern der Vereinigten Staaten Amerikas und Brasiliens. Veranstaltung einer Rundfrage unter den Regierenden aller Staaten über die Möglichkeit der U n t e r b r i ngung von Flüchtlingen und der Arbeitserlaubnis, bzw. Beschaffung von Arbeit für dieselben. Zusammenarbeit mit den bsstehenden Privatorganisationen für FlUchtlingsschutz und Hilfe an die Flüchtlinge. (J. T. A.J, Verband dar Judenstaatszlonisten Oesterreichs Mittwoch, den k9. Jänner, halb 9 Uhr abends, im Zentralheim, I, Werdertorgasse 14_ VORTRAG Thema: JUDEN IN OER WELTPOLITIK Referent: OBERBAURAT ROBERT STRICKER ^_ Qäste willkommen! Für den Zufall „Jude sein" verantwortlich Unsere Kritik der Methoden gewisser jüdischer Filmproduzenten hat — kaum, daß sie ausgesprochen war — die Prüfung auf ihre Richtigkeit glänzend bestanden. Ein Prozeß vor einem Wiener Zivilgerfcht hat das Verhältnis zwischen jüdischer Ehre und Fflmgeschäft in seiner ganzen Fragwürdigkeit enthüllt. Der bekannte Schauspieler Fritz Kortner, der in Berlin auch als Regisseur beim Film tätig war, hatte im Herbst 1932 mit der Firma Projektograph-Film Oskar Glück einen Vertrag abgeschlossen, nach welchem er die Titelrolle eines Tonfilms „Beethoven" in Berlin spielen sollte und wofür er (laut Klage) Vorschüsse in der Höhe von 10.750 Mark erhielt. Als das Dritte Reich etabliert wurde, gab es für den „Nichtarier" Kortner keine Möglichkeit, in Deutschland als Künstler tätig zu sein. Die nationalsozialistische Gesetzgebung schaltete bekanntlich jeden Juden aus dem Filmschaffen aus. Traurig für alle Schauspieler und Regisseure, denen plötzlich die Möglichkeit des Schaffens und Existierens genommen worden war! Alle jüdischen Kräfte, alle ohne Ausnahme, mußten aus dem reichsdeutschen Filmbetrieb scheiden. Alle, also auch Fritz Kortner! Die jüdische Firma verlangt nun durch ihren jüdischen Anwalt Dr. Brunner im Klageweg den Vorschuß zurück, indem sie u. a. ausführt: „Wie immer man darüber auch denken mag, die Tatsache, daß der Beklagte vermöge seiner nichtarischen Abstammung seit Anfang 1033 weder als Filmdarsteller noch als Filmregisseur In Deutschland zugelassen sei, sei ein Zufall, der sich in der Person Kortners ereignet habe und den er deshalb zu verantworten habe." Daß hier in der juristischen Konstruktion des Verschuldens ein Fehler liegen muß, sagt jedem sein natürliches Empfinden, sein gesunder und — gerechter Menschenverstand. Die Berufung darauf, daß die Nichtzulassung Kortners ein Zufall sei, der sich in der Person Korntners, in diesem Einzelindividuum ereignet habe und von ihm zu verantworten sei, ist gelinde gesagt absurd. Der Zufall, wenn überhaupt diese Wendimg erlaubt ist, ereignete sich nicht in der Person Kortners, sondern in der Person Deutschland. Mit Kortner war nach dem Vertrag keinerlei Aenderung vorgegangen. Er war bereits vor und bei Vertragssetzung „Nichtarier". Eine körperliche Verstümmelung etwa, die ihn als Vertragspartner unmöglich gemacht hätte, ist nicht eingetreten. Die moralische Verstümmelung ist einzig und allein dem nationalsozialistischen Deutschland zuzuschieben. Wenn schon die juristische Konstruktion unhaltbar ist, wie schmählich sieht die menschliche Seite dieser Motivierung aus! Wir wollen nicht darüber sprechen, wieweit der geklagte Schauspieler zur Rückzahlung eines Vorschusses verpflichtet ist. Das sind zivilprozessuale Dinge, die uns in gegebenen Fall nicht interessieren. Anders steht es um die sittliche Seite der Sache. Fritz Kortner selbst, bzw. sein Anwalt Dr. Marcel Friedmann, ist der Behauptung der Klage, Kortner sei an der Nichterfüllung des Vertrages durch den Zufall seines Judeseins schuld, u. a. folgendermaßen entgegengetreten: „Ich kann mich hier der Erwiderung nicht enthalten, daß man darüber nur so denken kann, daß man sich vor Augen hält, daß der Kläger selbst Jude ist und daher sicherlich nicht genötigt ist, Filme gerade in Deutsehland herzustellen; ganz abgesehen von der rein monschliohen Wertung seines Vorgehens, mir entgegenzuhalten, daß Ich Nichtarier bin und einen solchen Umstand prozessual geltend zu machon und zu verwerten." Diese Entgegnung rührt an die. Wurzel unserer Betrachtung „Geschäfte mit judenreinen Filmen". Wir fühlen (und unzählige Leser und Freunde unseres Blattes, geben uns die Bestätigung), daß unser Aufklärungsfeldzug notwendig und erfolgreich ist. Der Prozeß Kortner bietet eine beispielhafte Illustration. Mehr als 8000 Passe von Juden in Bayern wurden entwertet Aus München: Mehr als 8000 Pässe.von Juden in Bayern wurden von der Gestapo mit dem Stempel „Für Auslandsreisen ungültig" versehen. Will ein bayerischer Jude eine, wenn auch nur sehr kurze Auslandsreise unternehmen, so muß er ein Drittel seines Vermögens bei den Behörden als Sicherheit hinterlegen. (J. T. A.) _ Einheitsorganisation der griechischen Zionisten geschaffen Aus Saloniki: Die in Saloniki tagende Landeskonferenz der, griechischen Zionisten beschloß, entsprechend der Entscheidung des Luzerner Zionistenkongresses, eine griechische zionistische Organisation zu bilden, die den Namen Allgemeine zionistische Vereinigung führen soll. Appell an das Gewissen der Welt Aus New York wird gemeldet: Das American Jewish Committee hielt seine 29. Jahrestagung im Beisein von über 200 Delegierten, die 50 Zweigkomitees vertraten, ab. Einmütig wurde eine Resolution angenommen und an den Völkerbund nach Genf gesandt, in der der Völkerbund aufgefordert wird, im Sinne der Vorschläge von James MacDonald zu versuchen, durch friedliche Intervention in Deutschland die bestehende und weiterhin drohende Tragödie von den deutschen Juden abzuwenden. Die Resolution schließt: „Wenn die Welt der Zerstörung und Vernichtung der Andersgläubigen in Deutschland schweigend zusieht, dann hat sie sich selbst für bankrott erklärt, denn sie gibt das Bestreben auf, die geschichtliche Tradition des Kampfes für Zivilisation zu wahren und fortzuführen." Der Vorsitzende der Exekutive des American Jewish Committe, Soi M. Stroock, teilte in seinem Bericht über die inneramerikanischen Verhältnisse mit, daß als Folge des Versöhnungswerkes der christlichen Kirchen und auch aus arideren Gründen der Antisemitismus in den U. S. A. im Abnehmen ist. Die antisemitische Agitation selbst, die von ausländischen Quellen gespeist wird, hat jedoch nicht nachgelassen und wird solange einen Boden finden, als die labilen wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse andauern. Zum Präsidenten des American Jewish Committee wurde Dr. Cyrus Adler wiedergewählt. (J. T. A.) II« §♦ A* für Flüchtlinge aus Deutschland Aus Washington wird gemeldet: In der Sitzung des Senats der Vereinigten Staaten am 23. Jänner wandte sich der bekannte Senator William H. King aus dem Staate Utah scharf gegen die antijüdische und antireligiöse Verfolgungspolitik der Regierung des Dritten Reiches, die ihre jüdischen und andere Staatsangehörigen zwingt, Deutschland zu verlassen. Senator King stellte den formellen Antrag, das Einwanderungsgesetz der Vereinigten Staaten dahin zu ergänzen, daß judischen Flüchtlingen aus Deutschland die Einwanderung In die Staaten erlaubt werde. Es ist dies ein Problem, sagte Senator King, welches die Aufmerksamkeit des Kongresses der U. S. A. verdient. Zum. Schluß verlas Senator King, bekanntlich ein prominentes Mitglied der Kommission für Auswärtige Angelegenheiten des Kongresses der U. S. A., einige markante Stellen aus dem Schreiben des früheren Hochkommissars für die deutschen Flüchtlinge James G. MacDonald an das Völkerbundsekretariat, lobte im Anschluß daran die Eigenschaften der jüdischen Rasse und schloß mit den Worten: „Wir sollten nicht diesem genialen Volke unseren Rücken zuwenden!" (J. T. A.) Zur Berliner Olympiade Aus Prag wird gemeldet: Die J. T. A. hat kürzlich das Schreiben des tschechoslowakischen Olympischen Komitees veröffentlicht, in dem erklärt wird, daß auf die jüdischen Sportler in der Tschechoslowakei keinerlei Druck ausgeübt werden wird, an der Olympiade in Berlin 1936 teilzunehmen. Auf den gleichen Standpunkt stellte sich der tschechoslowakische allsportliche Ausschuß in seiner Sitzung am 21. Jänner, in der der Obmann der Makkabi-Kreisleitung nochmals den Standpunkt der jüdischen Sportler dargelegt hatte. Wie nun die „Selbstwehr" berichtet, erhielten am 23. Jänner alle hervorragenden jüdischen Schwimmer in der Tschechoslowakei mittels Einschreibebriefes vom Präsidium des tschechoslowakischen Schwimmverbandes die Aufforderung, ihm bis spätestens 31. Jänner die bindende Erklärung zukommen zu lassen, daß sieh die betreffenden Schwimmer an der Olympiade In Berlin beteiligen werden. Die Aufforderung ist in einem strengen, fast diktatorischen Ton gehalten. Wie die „Selbstwehr" weiter meldet, ist in letzter Zelt auch der Versuch unternommen worden, durch die Presse die ablehnende Haltung der jüdischnationalen Sportler zu verurteilen und auf diese Weise auf sie einen besonderen Druck auszuüben. Die „Selbstwehr" erklärt, daß die jüdischnationalen Schwimmer, die bekanntlich zu den besten: Schwimmern der Tschechoslowakei überhaupt gehören, sich auch durch diese neue Aktion des Schwimmverbandes in ihrer einmal gefaßten Haltung keinesfalls beirren lassen und nicht an der unter dem Protektorat Hitlers und Goebbels' stehenden Olympiade teilnehmen werden. Haben ja auch die jüdischnationalen Sportler Polens und anderer Länder öffentlich erklärt, daß sie sich entschieden weigern, vor Hitler in Berlin zu defilieren. Dia jüdischnationalen Schwimmer,, die bei allen Staatsmeisterschaften und auf unzähligen internationalen Konkurrenzen ihr hohes Können und ihren beispielgebenden sportlichen' Elan unter Beweis gestellt haben, werden auch in Zukunft die tschechoslowakischen Farben auf allen internationalen Kämpfen außerhalb Streicher-Deutschlands in einer Weise vertreten, die gewiß — ebenfalls wie bisher — die Anerkennung der gesamten tschechoslowakischen. Oeffentlichkeit finden wird. (J. T. A.)j Verb» «!♦ Judensfaaftszionisfeii Oesterreichs Veranstaltungskalender: 1. Bezirk, Zentralheim, I., Werdertorgasse 14, Mittwoch, den 29. Jänner, %9 Uhr abends, Vortrag von Oberbaurat Robert Stricker „Die Juden in der Weltpolitik". 2. Bezirk, Taborstraße 21 a, Donnerstag, den 30. Jänner, ^9 Uhr abends, Vortrag Dr. Salomon Wolf. 15. Bezirk, Schanzstraße 32, Dienstag, den 28. Jänner, %d Uhr abends; Vortrag Aron Schwertfinger „Ethik im Judentum". 18. Bezirk, Semperstraße 19, Donnerstag, den 30. Jänner, J49 Uhr abends, Vortrag Dr. Felix Klug „Zionistische Tagesfragen*'. * Sektion P r a t e r, II., Kleine Zufahrtsstraße 166. Voranzeige: Samstag, den 9. Februar, Kinder-Chami-' scbah-Assar-Feier. — 13. Februar: Sondervorstellung im Theater Reklame. * Voranzeige! Sektion XIII/XV. Samstag, den 8. Februar, im Gambrinussaal, XIII., Schanzstraße 31, Gesellschaftsabend (Akademie. Tanz und Tombola).- Erstklassige Jazz. Entree S 1.50. Neue Einwanderangshesdtränhungen Aus Jerusalem wird gemeldet: Im Zusammenhang mit den Nachrichten, daß das Einwanderungsdepartement der Jewish Agency aufgehört hat, Gesuche auf Zertifikate für Verwandte anzunehmen, erfährt „Palcor", daß das Einwanderungsdepartement der Jewish Agency 13.0 00 solcher Gesuche besitzt, welche noch erledigt werden müssen. Um diese Gesuche zu erledigen, hat das Amt besclüossen, weiterhin Zertifikatsgesuche nur für solche Verwandte entgegenzunehmen, welche in Deutschland, Rußland und Jemen wohnen, und auch für ledige Söhne und Töchter unter 25 Jahren aus jenen Ländern, deren Familien bereits in Palästina wohnen. * Aus zuverlässiger Quelle erfährt die J. T. A., daß die Palästina-Regierung der Exekutive der Jewish Agency das Versprechen gegeben' hat, sich vor Veröffentlichung eines Entwurfes der Einwanderungs-Ordinance, der Einwanderungsbeschränkungen vorsieht, mit ihr ins Benehmen zu setzen. Weiter erfäJirt die J. T. A., daß der Kommissär für Wanderung und Statistik, Eric Mills, entschieden gegen drastische Binwanderungsbeschränkungen ist. * Wie erinnerlich, wurde vor kurzem mitgeteilt, daß die Palästina-Regierung die Vermögensquote für sogenannte Kapitalisten-Einwanderer von 1000 auf 2000 Pf. St. zu erhöhen sowie andere Einschränkungen für Neueinwanderer einzuführen plant. Die Mitteilung wurde bisher von der Regierung weder bestätigt noch dementiert.

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