Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 532 (28.1.1936)
- Date
- 1936-01-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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^■r Sejte.4 Wp N^PB WELT 11 ' "' 1 1 ■' ' " > iil"" Nr, 532 vom 28. Jänner 1936. \H Set Die Tran§fer*$diande Mißtrauen gegen Herbert Sarauel Wie aus New York gemeldet wird, ist dort die englisch-jüdische Abordnung (Sir Herbert Samuel, Viscount Bearsted und Simon Marks), welche die deutsche Flüchtlingsfrage studieren, bzw. eine Hilfsorganisation in die Wege leiten will, eingetroffen. Da bisher ein großer Teil der jüdischen Auswanderer auf Grund des Transfers sein Vermögen ins Ausland brachte und Sir Herbert Samuel sich als englischer Politiker bisher als Freund Hitler-Deutschlands und Förderer seiner weltpolitischen Aspirationen erwiesen hat, lag die Vermutung nahe, daß auch der neue Auswanderungsplan eine Ueberschwemmung zahlreicher Länder mit deutschen Waren mit sich bringen werde. Sir Herbert Samuel erklärte Pressevertretern, daß er mit keinem spezifiizierten Plan nach Amerika gekommen sei. Aber in Beantwortung einer besonderen Frage des J.-T.-A.-Vertreters erklärte er: „Soviel ich weiß, sind deutsche Agenten nicht an die englischen Führer der Flüchtlingshilfe-Organisation mit einem Vorschlag bezüglich des Transfers deutscher Waren herangetreten." Also, wie die J. T. A. selbst bemerkt, kein klares Dementi. Die schlimmen Erfahrungen mit Sir Herbert Samuel in Sachen jüdischer Ehre und Wohlfahrt lassen auch hier Schlimmes befürchten. Die jüdische und zum Teil englische New-Yorker Presse betrachtet die Expedition der drei Herren aus London mit Mißtrauen und wendet sich bei allen Bemühungen, die amerikanische öffentliche Meinung für eine jüdisch-deutsche Hilfsaktion zu gewinnen, gegen jedes Projekt, das die Auswanderung deutscher Juden mit dem Transfer deutscher Waren verbindet. Im allgemeinen ist die Aufnahme, welche Herbert Samuel in New York findet, nicht sehr warm. Nur die Rücksicht darauf, daß man etwaige wirkliche Hilfsmöglichkeiten nicht unterbinden will, dämpft den aggressiven Ton der jüdischen Presse ab. Die New-Yorker große jüdische Tageszeitung „D e r Tog" schreibt: „Ein freches Piraten-Angebot, das nicht seinesgleichen in der Weltgeschichte hat, wurde seitens der Nazi-Regierung den jüdischen Führern der Welt gemacht und die bekanntesten Persönlichkeiten des englischen Judentums haben uns gezwungen zu der traurigen Mission geführt, den jüdischen Financiers und führenden Persönlichkeiten Amerikas das Anbot vorzulegen, wonach 250.000 deutsche Juden aus Mörderhänden errettet werden sollen. Das Anbot, von dem die Rede ist, lautet: Die Nazi- Regierung ist bereit, aus Deutschland 100.000 bis 250.000 Juden, welche noch irgend etwas besitzen, in der nächsten Zeit unter Bedingungen freizulassen, von denen die wichtigste lautet: Alle jüdischen Auswanderer -werden ihr Vermögen auf Grund einer Transfer-Basis, ähnlich dem palästinensischen Transfer-Abkommen, aber mit folgender Modifikation herausbekommen: 25 Prozent des jüdischen Vermögens werden als Reichsfluchtsteuer von Haus aus zurückbehalten, den Rest von 75 Prozent erhalten die Auswanderer in Form von Waren, wobei sie sich verpflichten müssen, das Doppelte an Waren, das diesen 75 Prozent entspricht, im Ausland abzusetzen." Das Exekutivkomitee der amerikanischen Zionistischen Organisation bestreitet, daß es sich dazu hergeben würde, mit den englischen Herren unter Führung von Herbert Samuel im oben angeführten Sinne zusammenzuarbeiten. Warten wir ab. Denn die Führer der amerikanischen Zionisten sind zum Luzerner Kongreß als Feinde des deutsch-palästinensischen Transfers gekommen und nach drei Tagen umgefallen. Sdiofcoladefabrik in TehAviv Aus Jerusalem wird gemeldet: Demnächst v/ird in Palästina eine neue Schokoladefabrik eröffnet werden. Bisher gab es im Lande drei große Schokoladefabriken, welche aber nicht in der Lage waren, den Bedarf des palästinensischen Gebrauches zu decken. Im Jahre 1934 wurden Schokoladen und anderes Süßwerk im Betrage von pal. Pf. 70.000 eingeführt. Die neue Fabrik ist als Abteilung der großen Bäckerei „B e t hlehem" gedacht, welche 200 Arbeiter beschäftigt. In der Bäckerei, die durch einen Wiener Juden gegründet wurde, gibt es zwei Abteilungen, und zwar eine für Bäcker- und eine für Konditorwaren. Jetzt wird dort eine dritte Abteilung für Schokoladeerzeugnisse eröffnet, welche unter der Firma der bekannten Wiener Schokoladefabrik „Pischlnger" erzeugt werden. Es sollen die bekannten Spezialitäten fabriziert werden, so daß die bisherigen Märkte für Fischinger-Waren in Irak und Aegypten nunmehr von Palästina suis beliefert werden. _ \ " Sevilla Pastor tritt heute Dienstag, den 28. Jänner, In der Komödie mit Gesang und Tanz „D1 e Schickerte" zum 100. Male auf. Für diese Jubiläumsvorstellung macht sich regstes Interesse geltend. jj lueil ftiefe „@<&iffntantt'$teife feine enorm große detoeifen! Studj Sie tütrb es freuen..bafj Sic jc^t altes niel beffer, oiel billiger... laufen tonnen — im „SB a r e n I) a u s b e r S p a r f a in c n", bei Scfjiffmann, II., Xoborftr. 48. So 311m 93ci[picl: - ™MB$rtmen*Setben=9Iai)6=£»>!cit, gc* Um S IhW füttert — ftctnsScrjaftDoU* Strümpfe für Samen, 2. 9Baf>l — Scampolo* ober ^olosSBIufen, für Samen unb £crren — £aus* fünfte mit (Hjromfoljlc — Xrifot^ofc aber *2ct&d)en für §crrcn •■ lnjw Damen * SdjaftnoU * ^ulloncr, Um S B sc^O ärmellos — 35amcn=glanclU ÜTadjtfieinbcn mit Slufpittj — ßebcr-^nnbtafdjen, gibed)fcnprcifung, 18 cm — ©emujtcrtc Sjaus* fletber — ^mcn-^lantlU ober Sluflage^embcu — £inber=2J?cIc^ulloöer mit SReifjoerfcrjIujj ufro. a ii , AA Ä. Seiben * 3epf)tr - Sirnbl — Um S «9«9v Samenslupfsgianell^refiing — il.=ScibcnsSd)ottcnsIaftblu|en — 2)amen-$IanclU ^rjjama, glatt unb geftreift — 3)amen=Srt>afröoll* SRobc^ullooer mit langen Slcrmeln — Ürainingo* Slnsüge für Samenunb Serren — 9JIübrr)cns Xroceb-Äleibcr „Lyon"«Mattseide Imprimö (K.-S.), knitterfest, kleine Fehler . . 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Um S gemufterr, fialö #.*Seibe gef., mattierte Schultern — Sportsftopme, engl. a,e* muftert ober SägersÄoj'tüm, 3acfe gans &.=Setbe gefüttert 0 Am 3. Feber beginnt WEISSE WOCHE mit vielen Ueberraschungen für unsere Kunden SSerfauf — folange Sßprrat. 2Ber mit jebem ©rofcfyen rechnen mujj... fouft bei 6rf) iff m ann ii„ Soporftrofte 48 Schutzzölle für die Industrie Aus Jerusalem wird gemeldet: Mit Erlaß vom 22. Jänner hat die Regierung einem langgehegten Wunsche der heimischen Industrie stattgegeben und.den Zoll auf folgende Waren erhöht: Aluminiumwaren, Schraubenbolzen, Metall-Eimer, Gußeisenwaren, Gitter, Hydrantenkästen, Spülkästen, Draht, Nägel, Nieten, Schrauben, Gußeisenrohre, Petroleumöfen und Petroleumkocher, Drahtnetze, Elektroarmaturen, Trockenbatterien, Autoakkumulatoren, Autoakkumulatorenbatterien, Möbel, Papierservietten, Parfümerien, Bauziegel, Schamottesteine, bedruckte und gefärbte Baumwollstückgutwaren, JCrepp, merzerisierte BaumwoH-, WpH- oder Gemischtwaren, Kunstseidenstrümpfe, Damenkleidung, Pyjamas, Hemden, Trikotagen, Wirkwaren.;Mit dem gleichen Erlaß v/urde für einige Rohstoffe und technische Apparate Zollfreiheit zugestanden, . ♦ ♦ „Rettung" durch den Transfer Auf dem Luzerncr Zionistenkongreß haben die Vertreter der Judcnstaatspartci Protest dagegen erhoben, daß die Zionistische Organisation den Handel mit deutschen Waren in Palästina nicht nur duldet und fördert, sondern den „Transfer" durch ihre Gesellschaften (Haawarah, Arbeitergenossenschaft „Nir" usw.) selbst betreibt. Die Antwort war: Durch den „Transfer" werden deutsche Juden gerettet. Nun schreibt der Spezialkorrespöndent der großen holländischen Tageszeitung „Nieuwe Rotterdamsche Courant" aus Berlin: „Die jüdischen Geschäfte werden durch vorausgehende, behördlich geduldete Boykottaktionen liquidationsreif gemacht. Vor der Erteilung der E m'igrattonserlaubnis muß der Petent eine hohe Kapitalfluchtsteuer zahlen und der größte Teil seines Vermögens wird in Sperrmarkkonto umgewandelt, so daß er im besten Falle noch über 20 Prozent seines ehemaligen Besitzes verfügt. Noch ärger ist das Verhalten der Behörden des Dritten Reiches gegenüber jenen Juden, die unter Ausnützung der besonderen Transferbestimmunge.n nach Palästina auswandern wollen und zu diesem Zwecke schon vor Jahren bei der Rcichbank einen Betrag von tausend englischen Pfund deponiert haben. Tausende dieser Auswanderungskandidaten, von denen viele ihre letzten Besitztümer veräußert haben, um bald wegziehen zu können, wurden um ihre Hoffnung, Deutschland verlassen zu können, betrogen, weil die Behörden auch ihnen gegenüber die Devisennot der Reichsbank als Hindernis für die Erteilung der Emigrationsbewilligung, bzw. der Ueberweisung ihres Guthabens vorschützen. Obschon. rechtmäßige Besitzer von tausend Pfund, leben diese Leute heute in Armut und Not, weil ihnen ihr Recht, auszuwandern und sich im Ausland eine neue Eexistenz zu gründen, vorenthalten wird." So sieht die „Rettung" deutscher Juden nach Palästina aus. Unter salbungsvollen Schlagworten wird unter zionistischer Firma wacker Handel mit Herrn Hitler getrieben. Darum werden Sicherheit und Ehre der Juden in aller Welt gefährdet. Hakenkreuz-Waren kommen in Massen nach Palästina, aber die um ihre Hoffnungen und ihr Geld betrogenen Juden schmachten weiter in der deutschen Hölle. Zurückstellung des Legislative Council auf ein Bahr? Aus Jerusalem: ,.E1 Uwaa", das offizielle Organ der arabisch-palästinensischen Partei (Partei des ftroßmufti), veröffentlicht die aufsehenerregende Meldung, daß die Einsetzung des Legislative Oouneil für Palästina auf ein Jahr zurückgestellt wurde. Das Blatt behauptet, es habe seine Informationen aus Regierungskreisen erhalten. Daß die Einsetzung des Legislative Council aufgeschoben wurde, sei auf eine Verständigung zwischen dem Außenminister Anthony Eden und dem Minister für die Kolonien J. H. Thomas zurückzuführen. . Kammerspiele. Die neue Tonfilmreportage „Achtung — Großaufnahme!" bringt das Tohuwabohu eines Tonfilmateliers mit viel Wirbel und Knalleffekten auf die Bühne. Man sieht hinter die Kulissen der Filmaufnahmen und amüsiert sich köstlich. Das ist hauptsächlich auf das Konto von Felix Bressart zu schreiben, denn dieser Meister der Wortverdrehungen hat hier eine Bombenrolle gefunden, mit der er machen kann, was er. will. Miml Shorp in der weiblichen Hauptrolle tanzt und singt ausgezeichnet, der immer aufgeregte, hitzige Regisseur ist bei Herbert Berghof gut aufgehoben, Josef Danegger überzeugend als präpotenter Kammersänger. Die Faschingsnovität der Kammerspiele dürfte starken Zuspruch des Publikums, finden. Deutsches Volkstheatcr. „Unentschuldigte Stunde'* heißt das Stück, in dem zwei Ungarn, Bekeffy und Stella, den Jungverheirateten Backfisch zeigen, den die Sehnsucht nach der Oktava noch als Frau „Hofrat" in die Schule treibt, bis eine unentschuldigte Stunde alles an den Tag bringt. Diese kleine Frau, die ihren Hausfrauen- und Schülerinnenpflichten gleicherweise gerecht werden muß, spielt Gusti Huber mit viel Erfolg. Ein freudiges Wiedersehen feiert man mit Franz Schafheitlin, die Schulkameradin der kleinen Frau Hofrat bringt Jane Tilden in übermütigster Ausgelassenheit. Gute Professorentypen stellen Theodor Grieg und Richard Rieß. Die Frauenrollen' hei Frieda Richard, Annemarie Hegener und Elisabeth Markus in besten Händen. e. kr, , Todesfall. Am 23. d. M. starb hier die Gattin des bekannten Husiatyner Großrabbiners Israel Friedman», Frau Sarah Friedmann. Die Verstorbene war in den weitesten Kreisen der Wiener Jüdenheit durch Ihre hervor« . ragenden Eigenschaften und durch ihr edles Wirken bekannt. Eine unübersehbare Menschenmenge folgte dem Sarg am Freitag, den 24. d. M., vom Trauerhaus eum Zentralfriedhof. Allgemeines Mitgefühl gilt dem Gatten» mit dem sie in 20jähriger Ehe aufs glücklichste vei> bunden war. Mit dem Kopf durch die Wand Joel MacCrea huldigt in der Rolle eines Recht*« anwalts dem Grundsatz: Mit dem Kopf durch die Wand. Diesem Grundsatz getreu, fährt er mit seinem Auto, um sich und seine Schutzbefohlene vor den Kugeln aus , den Maschinenpistolen seiner Verfolger in Sicherheit zw bringen, durch die Wand eines Holzhauses und den dieses Haus umgebenden Zaun und rast mit Vollgas über die Landstraße bis ... Das Ereignis, das seine Flucht zu einem vorzeitigen Ende bringt, sehen Sie in dem neuen Kri-» minalfilm der Motro-Goldwyn-Mayer „Der Polizeiberioht meldet..." SlgentUmer, Verleger, Herausgeber und Yerjintw.or.tiic.her. Redakteur; Oberbaurat Robert Stricker. — DrucK: Druckerei- und Verlags-A.-G. Ignaz Steinmann, beide Wien, IX* IXniyjersitatsfltcaße 6—8.