Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 532 (28.1.1936)
- Date
- 1936-01-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Mfte 2 DIE ttETJE WELT Nr. 582 vc-at 5& Jänner 10304 Deputierten Ituten, Czobinsky und Hylo erklärten, sie verurWien die antijUdischen Exzesse, müssen aber auf das Verhalten der jüdischen Bevölkerung hinweisen, die einesteü den kapitalistischen Handel usurpiere, andernteils dem Kommunismus huldige. Amnestie für Pogromhelden Aus Warschau: Das Warschauer Appellationagericht hat auf Grund der Amnestie die Strafen der wegen der pogromartigen Ausschreitungen im Warschauer Powonski-Viertel Verurteilten wesentlich herabgesetzt Bei diesen Exzessen wurden bekanntlich der jüdische Bftoker Delman bestialisch ermordet und die Perea-Blbliothek sowie eine Reihe jüdischer Läden devastiert. Die Strafen der Verurteilten Lewinski, Majewski und Kruszewski, die Delman ermordeten, wurden im Berufungsverfahren auf drei Jahre und auf Grund der Amnestie weiter auf ein halbes Jahr Gefängnis herabgesetzt. Die Strafen für die Angeklagten Nowodka, Jacublak und Sobodszinski, die zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden waren, wurden im Berufungsverfahren zwar bestätigt, jedoch infolge der Amnestie auf ein Jahr herabgesetzt. Die *ier Angeklagten Wygod, Zwoilowsld, Dzlewieckl und Bachmann wurden freigesprochen. Relegierungen jüdischer Studenten Aus Lemberg: Acht jüdische Hörer des Lemberger Polytechnikums wurden für ein Jahr relegiert und dUrfen während dieser Zeit auch andere Hochschulen nicht besuchen, weil sie sich geweigert haben, die für Juden reservierten Bänke in den Hörsälen einzunehmen. Man befürchtet weitere Relegierungen jüdischer Studenten, da sämtliche 370 jüdischen Hörer des Polytechnikums die Ghettobänke ablehnen. Wegen Veröffentlichung eines Protests gegen die Ghettoverordnungen wurden die Verwaltungen der beiden jüdischen akademischen Korporationen, „Gegenseitige Hilfe" «nd „Kreis jüdischer Studenten" aufgelöst Antisemitische Hetze in Polen Aus Warschau: In dem Städtchen Maro- .Wiek wurde der dort zum Ferienaufenthalt bei seinen Eltern weilende jüdische Hochschüler L e s z c z. von Antisemiten auf der Straße überfallen und mit Eisenstäben totgeschlagen. Drei der Angreifer wurden verhaftet. In Lodz traf eine Abordnung der jüdischen Gemeinde von Odczywol, Kreis Opoczna, ein, um eine Hilfsaktion für die infolge des ununterbrochenen Boykottterrors der Nationaldemokraten in tiefste Not geratene Gemeinde zu organisieren. Die Folgen des Boykotts drücken sich nicht nur darin aus, daß kein nichtjüdischer Käufer es wagt, einen jüdischen Laden zu betreten, sondern auch darin, daß die Bauern der umliegenden Dörfer durch Terror daran gehindert werden, die jüdische Bevölkerung des Städtchens mit Lebensmitteln zu beliefern. Etwa 50 Familien der Gemeinde haben sich deswegen zur Auswanderung entschlossen. Goga Dr. Mayer Ebner schreibt in der „Ostjüdischen Zeitung": „Cuza, Goga, Robu und die anderen Fahnenträger des Antisemitismus wissen es ganz genau, daß die Juden an dem so weit verbreiteten Uebel der Korruption nur einen geringen Anteil haben. Die öffentliche Verwaltung liegt nicht in jüdischen Händen und wenn z. B. das deutsche Naziblatt in Cernauti triumphierend meldet, der Direktor des „Cagero", der Jude Groß, dem Schwindeleien in Kompensationsgeschäften zur Last gelegt werden, sei verhaftet worden, so melden heute die Zeitungen, daß auch der Generaldirektor der (arischdeutschen) Stoffabrik „Scherg", Schmutzler, und daß zwei höhere Beamte der Nationalbank gleichfalls verhaftet sind. Die Korruption hat mit dem Judentum nichts zu tun. Die Bakschlschwirtschaft ist ein allgemeines Uebel, und die Juden sind sehr häufig nur Gegenstand der Erpressung von seiten der Spitzel und jener Amtsorgane, die nichts umsonst machen. ... Aber seitdem Hitler der Welt gezeigt hat, was man den deutschen Juden ungestraft antun kann, und wie man mit dem antijüdischen Schlagwort die Herrschaft über eine große Nation erlangen kann, ist unseren Rechtsextremisten der Kamm gewachsen. Daß einige von ihnen mit Juden Geschäfte machen, und daß z. B. Goga in mehreren jüdischen Unternehmungen als Verwaltungsrat arbeitsloses Einkommen bezieht, das ficht die Rechtsextremisten nicht an. Mit kaltem Blute und mit gutgespieltem Zorn predigen sie gegen die Juden, als wenn das Paradies auf Erden heranbräche, wenn nur die Juden nicht da wären. Sie vergessen, daß das Christ-sein nur so lange ein Privilegium ist, als es Juden gibt. ... Unsere deutschen Mitbürger freuen sich über den Sieg Cuzas in Suceava. Sie haben durchwegs für Cuza gestimmt. Ihre politische Kurzsichtigkeit ist größer als man glaubt. Wenn die „fremden"-feindliche nationalistische Front ans Ruder kommt, werden auch die Deutschen ihre blauen Wunder erleben. Denn ewig wahr ist das Wort, daß es bei den Juden nur anfängt. Der Sturm geht weiter und auch die anderen müssen an ihn glauben." Angriffe auf Juden in Antwerpen Aus Antwerpen: In der letzten Zeit mehren sich Ueberfälle auf Juden in Antwerpen durch Mitglieder der Dinaso (einer nach Hitlerschen Methoden geschulten Gruppe der „Dletsch National Solidaristen") oder der faschistischen Lögion Beige. Zuletzt wurde ein jüdischer öjähriger Junge von drei Personen auf der Straße mißbandelt Im Heim der Poale Zion in der Ploegstraße wurden die Fensterscheiben eingeschlagen. Die Angreifer verschwinden in der Regel, bevor Polizei eintrifft. (J. T. A.) Nach Palästina, Syrien und Aegypten. Verlangen Sie Auskünfte Uber unsere nächsten Gesellschaftsreisen. Mäßige Preise, bewährte Führung, reservierte Plätze. Die Reisen führen Uber Triest oder Constantza. Alles Nähere bei Dr. S. Tocker, Vi., Liechtensteinstraße 2, Tel. A-14-504. Weltpolitik der Woche Es hat den Anschein, daß in der nächsten Zeit keine sichtbaren Aktionen im Bereich der Weltpolitik sich vollziehen werden. t>r02esse, die zu Entscheidungen führen, sind im Gang, und es bedarf keines weiteren Hinweises bezüglich ihrer Bedeutung» Aber es gibt Augenblicke, wo man für die Betrachtung neue Perspektiven gewinnen und zur Erkenntnis gelangen muß, daß man mit den bisherigen politischen Dogmen nicht auskommt. Während beispielsweise vor einigen Wochen eine Völkerbundaktion erwartet wurde, die dem italienisch-abessinischen F e 1 d z u g ein Ende machen, bzw. eine neue Wendung geben sollte, wird heute die Lage in Ostafrika ruhiger beurteilt. Die italienischen Erfolge ermöglichen eine leichtere Liquidierung des Konflikts. Auch der innerpolitischen Lage Frankreichs sieht man mit geringerer Besorgnis zu. Vom neuen Kabinett mit Flandin als Außenminister sind keine Ueberraschungen zu erwarten, und was die äußere Politik anlangt, bekennt Flandin sich wie sein Vorgänger Laval zum System kollektiver Sicherheiten, so daß Hitler-Deutschland keinerlei Chance hat, seine weltpolitische Lage in bezug auf eine neue Bündniskonstellation zu erleichtern. In England hat der Tod König Georgs keine politische Aenderung mit sich gebracht. Die konstitutionelle Monarchie wird unter Eduard VIH. die Tradition wahren, die in der Erhaltung und Festigung des britischen Imperiums liegt. Das Wohlwollen, das der verstorbene Herrscher den zionistischen Aufbaubestrebungen in Palästina entgegenbrachte, besteht beim neuen König in gleichem Maße. Wenn die Nachrichten aus Genf nicht übereüt sind, stehen wir vor der Ernennung eines neuen Oberkommissärs für das deutsche Flüchtlingswesen in der Person des Engländers Malcolm. Dieser soll beabsichtigen, eine Weltkonferenz der Völkerbundmächte für Mitte Februar nach Genf einzuberufen und das Flüchtlingsproblem von einer anderen Seite als bisher anzupacken. Die Erfahrungen seines Vorgängers James MacDonald werden Malcolm hoffentlich davor bewahren, in die alten Fehler zu verfallen, d. h. mit Hilfsgeldern die deutsche Flüchtlingsschmach kurieren zu wollen. Aus Syrien werden Unruhen gemeldet. Ein aufgepeitschter (arabischer) Nationalismus entlädt sich in Exzessen, die das öffentliche Leben beunruhigen und Gut und Leben der nichtmohammedanischen Bevölkerung bedrohen. Lange genug haben die syrische Regierung und anfangs auch der französische Gouverneur M a r t e 1 die chauvinistische Agitation gewähren lassen, die sich zunächst gegen die Juden Syriens austobte. Man hielt in der Weltpresse diese Bewegung für den Ausbruch antijüdischer Instinkte, wie er .auch in anderen Ländern, beispielsweise in den französischen Gebieten Nordafrikas (Constantine!), zu verzeichnen war. Aber wie in Algier sich der arabische Mob schließlich gegen die französische Verwaltung wendete, wie er französische Untertanen, französisches Militär und französische Polizei angriff, so erweitern sich in'Syrien die Attacken der Araber gegen die christliche Bevölkerung. Studenten, die Wortführer der Demonstrationen, zwingen die jüdischen und christlichen Kaufleute, ihre Läden, zu schließen, einzelne Geschäfte werden geplündert. Bei den Juden fängt's an! Diese Erfahrung findet auch im Orient ihre Bestätigung. Gewiß vermögen die Behörden der arabischen Exzesse Herr zu werden, aber diese Exzesse sind eine fürchterliche Mahnung — auch für die palästinensische Verwaltung, die allzu oft dem arabischen politischen Druck nachgegeben hat und den friedlichen Bevölkerungsteil Palästinas die Schwäche, Nachgiebigkeit und Kurzsichtigkeit der Behörden bezahlen läßt. o. r.. Georg V« und die Juden Aus Anlaß des Ablebens des Königs Georg V. bringen die englischen Zeitungen auch seine Beziehungen zu den Juden in Erinnerung. Nach dem Erlaß der Balf our-Deklaration im Jahre 1917 empfing Georg V. den Zionistenführer W e i z m a n n in Audienz. Die Audienz dauerte dreiviertel Stunden. Der König fragte, ob wirklich das ganze jüdische Volk die zionistische Bewegung stütze, und fügte gleich hinzu: „Es steht doch in der Heiligen Schrift geschrieben, daß die Juden nach Palästina zurückkehren werden; ich bin froh darüber, daß meine Regierung an dieser Rückkehr mitwirkt." Der König fügte noch hinzu, er werde den Portschritt des jüdischen Aufbaues in Palästina mit Interesse verfolgen. Im Jahre 1882 hat der König mit seinem, kurz nachher verstorbenen älteren Bruder, dem damaligen Thronanwärter, Palästina besucht. Der 17jährige Prinz Georg notierte damals in seinem Tagebuch die Eindrücke, die das Land und die Hauptstadt Jerusalem auf ihn gemacht haben, und erwähnt dabei, daß er am Seder-Abend (erster Abend des jüdischen Pessach-Festes) zum damaligen sephardischen Landesrabbiner geladen war und daß er bis zum Schluß der Festtafel dort geblieben ist. Als aus Anlaß seines Jubiläums ein Preisausschreiben für den Entwurf zu einer neuen Briefmarke, ausgeschrieben wurde, liefen viele hunderte Zeichnungen ein; der König entschied sich für die Arbeil; eines ,, fcm yi^ötJt $}W>- <3I€> ^# Von S 2 WoehenraUn «g> hallen IIa alle öoganttanda M größter Autwahl und bette* Qualltat bti 20 Monate Kredit SCHLESINGER VII, Burggatte 123*134 Telephon B-32-2-24, B-3MMg armen jüdischen jungen Mannes, eines un« bekannten Künstlers aus dem Londoner Ghetto; dies obwohl Personen seiner Umgebung gerne gesehen hätten* daß gerade ein solcher Preis einem Engländer verliehen worden wäre. Der König pflegte freundschaftliche Beziehungen zu einzelnen jüdischen Persönlichkeiten des British Empire. Mit James de Rothschild verband ihn eine herzliche Freundschaft, der Baron war sein häufiger Besucher. Er pflog auch Umgang mit einigen Mitgliedern der aus Indien stammenden jüdischen Familie Sassoon, deren Mit* glied Sir Philip Sassoon gegenwärtig Unterstaatssekretär für das britische Luftfahrtwesen ist. Es wird auch berichtet, daß König Georg und Königin Mary einmal an einem Freitag-Vorabend Sir Herbert Samuel einen Besuch in dessen Londoner. Wohnung abstatteten. Als es dunkel zu werden begann* entschuldigte sich Lady Samuel bei dem Königspaar, sio. müsse sich für einige Minuten entfernen, um anläßlich des Sabbat-Eingangs den Segen beim Lichteranzünden (Lichtbenschen) zu sprechen. Königin Mary und der König aber erboten sich, sie in ihr Kabinett zu begleiten* wo sie der Zeremonie des „Lichtbenschens" andachtsvoll beiwohnten. Juden im neuen franxösisdfien Kabinett Aus Paris: Dem neuen, vom radikalen Senator) Albert Sarraut gebildeten französischen Kabinett gehört der unabhängige Deputierte Georges Mandel, der Jude ist, als Postminister an. Mandel war auch im Kabinett Laval Postminister. Er sollte bei einem Mißlingen; der Mission Sarrauts mit der Bildung der Regierung betraut werden. / Dem Kabinett Sarraut gehört der unabhängige Deputierte Jacques Stern, ebenfalls Jude, als Minister für die Kolonien an. _. Ein jüdischer Musiker klagt Aus Bremen: Nach Meldung der „Bremer Nachrichten" klagte vor dem Arbeitsgericht ein jüdischer Musiker gegen einen Kapellmeister auf Zahlung eines Jahresgehaltes von 5400 Reichsmark. Der Kläger war im August vorigen Jahres vom Beklagten für eine Kaffee-« hauskapelle nach München engagiert worden. Nach Abi Schluß der telephonischen Verhandlungen teilte der Musiker dem Kapellmeister mit, daß er Jude sei, worauf der Kapellmeister zurückdrahtete: „Trotzdem engagiert!" Die Gäste des Kaffeehauses, in dem die Ka* pelle spielte, wandten sich gegen das Auftreten eines Juden, worauf der Kapellmeister den Musiker fristlos entließ. Inzwischen nahm die Fachzeitschrift der Musiker, das „Deutsche Podium", gegen den jüdischen Musiker' Stellung und veröffentlichte sein Bild. Der Musiker klagte auf Auszahlung eines Jahresgehaltes, da ihm durch diesen Artikel jede Möglichkeit eines Unterkommens, auch im Ausland, genommen sei. Das Bremer Arbeitsegricht wies die Klage ab. Rabbiner Maibaum freigelassen — Adler-Rudel verließ Deutschland Aus Berlin: Der am 18. Dezember von der Gestapo verhaftete und im Berliner Columbia-Haus gehaltene Rabbiner von Frankfurt a. d. Oder, der bekannte Gelehrte Ignaz Maibaum, wurde am 21. Jänner freigelassen« Die Festnahme erfolgte wegen angeblicher „Staats-, schädigender" Aeußerungen in einer privaten jüdischen Konferenz, in der im ganzen acht Personen anwesend waren. Da sich im Verlauf der Untersuchung nichts Belastendes gegen Rabbiner. Maibaum ergab, wird eine Anklage gegen ihn nicht erhoben werden. KINOjPROORAMME c In den Gplumkellern uon Shanghai KREUZ-KINO 1, Wollzelle 17 Telephon R-24-2-16 Voratrilungen: 4, fu, ttt, ft» Warner Oland (Charlie Chan) SCHXFFER VI, Marlahilferstraße 37 Telephon B-20-203 Beginn: %*, IM, Vh9, %10 Neues Programm STAFA, VII Marlahilferstraße 120 Telephon B-33-0-68 Wochentags: 5, 7, t ühi VOTIVPARK IX, Währingerstraße 12 Telephon A* 18-3-96 Beginn: 4, *M, '/*«, %10 Es seschoh In einer Höcht mit Clark Gable und Claudelfe Colbeit