Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 531 (24.1.1936)
- Date
- 1936-01-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 531 vom 24. Jlnner 1936 DtE NEUE WELT Seite 3 I Araber aus dem Council keinen Nutzen ziehen werden. Der Führer der Partei der Nationalen Verteidigung und frühere Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Bei Nashashibi, erklärte seine Zustimmung zu den Vorschlägen des High Commissioner, stellte aber zwei Bedingungen: 1. Der Council soll im Verhältnis zu der Zahl der einzelnen Bevölkerungsteile zusammengesetzt sein. 2. Dem Council sollen auch die Fragen der Einwanderung und der Bodentransaktionen unterstellt sein. Der Redakteur der gemäßigten arabischen Zeitung „Meraat-el-Mus£akim", Abdalla Khalidi, erklärte einem Vertreter des „Haarez", die Mehrheit der arabischen Parteien hat in den Antworten an den High Commisioner eine positive Haltung in der Frage des Legislative Council eingenommen, aber Erhöhung der Autorität und Ausdehnung der Kompetenzen des Council auf Fragen der Einwanderung und des Bodenkaufes, sowie das Recht verlangt, Botschaften an die Bevölkerung des Landes zu erlassen. Synagoge auf Deck Der englische Ozeanriese „Queen Mary" wird als erstes Schiff der Welt eine permanente Synagoge besitzen. Andere Schiffe verwandeln zwar gewisse Kabinen zu einer Synagoge (an Feiertagen etc.), aber die „Queen Mary" wird eine Synagoge besitzen, die ausschließlich für den jüdischen Gottesdienst verwendet werden wird. Die Synagoge wird im ganzen bloß 50 Personen fassen. Die Einrichtung wird nichtsdestoweniger prunkvoll und dabei stilecht sein. Der Entwurf stammt vom Architekten C. J. E p r i 1 e, dessen Arbeit bereits vom Beth Din und von der Cunard-White Star Line bestätigt worden ist. Kleine Tube S—.90 Qntt» Tobe 8 1.40 $cuß an Schalten A&cU Samstag, den 25. Jänner, halb 8 Uhr abends, spricht der berühmte jüdische Dichter Scha~ lom A s c h im Großen Konzerthaus-Saal über die geistige Situation des Judentums. Solch ein Thema oerpflichtet einen Mann vom Format Schalom Asch', die Grenzen so weil als möglich zu ziehen und eine Bilanz über das 'Judenschicksal zu geben, über die Stellung des Judentums in der Welt. Schalom Asch hat nach einer langen Reihe historischer und zeitnaher Romane in seinem „T r os t des Volkes" den Willen kundgetan, in die Tiefen der jüdischen Seele hinabzusteigen und von dort aus seine dichterische Stimme zu erheben i— im Sinne seines Vorbildes und Lehrmeisters Jehuda Leib Perez, des größten jiddischen Künstlers, dem nachzustreben für Asch nur ehrend und für seinen Namen nur anerkennend sein kann. Asch besitzt genug originale Kraft, um nicht wie ein Epigone dazustehen. Sein Rang im Bereich des jüdischen Schrifttums steht fest. Und wenn er heute — nach mannigfachen Irrfahrten — zum Kern des 'jüdischen, unzerstörbaren Wesens gedrungen ist, so darf man ihm, den mm bisher als Romancier bewunderte, auch einen respektvollen Gruß entgegenbringen. Das jüdische Wien empfängt ihn mit Freude und Verehrung. KSPOLEIWZERHOWITZ Abfahrt: 2. u. 9. Februar 1936 Rückfahrt: 12. Febr. 1936 „FRflHCOPOL", in,HgpnweB 1, Telephon lHM-90 Bei katarrhalischen Erkrankungen der Luftwege, Erkrankungen des Magens und Darmes (Sodbrennen), der, Leber* und der Gallenblase, Entzündungen der Nieren, des Nierenbeckens, der Harnblase, Steinbildungen, Gicht!(Zuckerkrankheit) usw. vor allem Preblauer Sauer« das rein Universität und Gericht Ein akademischer Lehrer brüllt „Saujud" und ein Richter billigt das Wort „Saujud" Dieser Tage stand der jüdische Uhrmachergehilfe Paul Eichler unter der Anklage wegen Körperverletzung vor einem Wiener Gericht und wurde zu vier Wochen strengen Arrests mit zweijähriger Bewährungsfrist verurteilt. Das „Neue Wiener Tagblatt" brachte einen Bericht über die Verhandlung, der sehr interessant ist, so interessant, daß einem ob der Schilderung das Blut zu Kopfe steigt. Tatbestand: Der Lehrer für Sport an der Wiener Universität Alois P u d e r n i k hat auf dem Stephansplatz, also im Zentrum der Stadt, eine Gesellschaft von vier Leuten, darunter eine Dame, ohne Grund angerempelt und als „Polnische Saujuden" beschimpft. Einen Passanten, der ihn zur Rede stellte, beschimpfte er als „Saujuden" und machte sich daran, über den weitaus Schwächeren herzufallen. Da trat ihm der vorübergehende jüdische Uhrmachergehilfe Paul Eichler entgegen und mahnte ihn zur Ruhe. Pudernik sagte: „Wülst du auch ein Knockout haben?" Es entstand ein Handgemenge und der Sportlehrer der Universität wurde vom Uhrmacher arg verprügelt und an Nase und Auge verletzt. Jetzt griff ein Wachmann ein und Eichler wurde verhaftet. Die Staatsanwaltschaft erhob die Anklage. Aus dem Verlaufe der Verhandlung: Der Staatsanwalt Dr. Fürler frägt den Angeklagten: „Warum haben Sie sich überhaupt in den Streit eingemischt?" Der angeklagte Eichler erwidert: „Wenn ein kleiner Bursche von einem großen, robusten Mann angegriffen wird, warum soll ich da nicht einschreiten?" Er behauptet dann, auf der Polizeiwachstube sehr unsanft behandelt worden zu sein. Darauf fährt der Vorsitzende des Gerichtes, Oberlandesgerichtsrat Dr. Meixner, dazwischen und bemerkt scharf : „Wenn sich jemand in eine Schlägerei einmischt, ohne zu wissen, um was es sich handelt, nur weü er das Wort .Saujud* hört, darf er sich nicht wundern, wenn ihn der Wachmann in diesem Wirbel nicht mit Handschuhen anfaßt. V i elleicht hat der. andere diese Bezeichnung (,Saujud') verdient." * Der jüdische Uhrmacher Eichler: hat den .Gerichtssaal als Verurteilter verlassen, /aber die jüdische Gesellschaft hat wahrlich keinen Grund, sich seiner zu schämen. Er hat den Gerichtssaal als Ehrenmann betreten und hat ihn in tadellosem Zustande verlassen. Aber anders hat den Gerichtssaal der Vorsitzende des Gerichtes, Herr Oberlandesgerichtsrat Doktor Meixner, verlassen! Was das „Neue Wiener Tagblatt" schüdert, bedeutet schlechte Handhabung eines hohen Amtes. So darf ein Richter nicht sprechen. Wie darf es ein Richter wagen, die unflätige Beleidigung eines ganzen Volkes und einer verfassungsmäßig anerkannten Glaubensgemeinschaft, ihre pöbelhafte Beschimpfung, das Wort „Saujud", als eine unter gewissen Umständen berechtigte Bezeichnung hinzustellenl Würde dieser zur Wahrung des Gesetzes berufen© Herr es wagen, die Worte „Sauchrist" oder „Sau-« deutscher" als Bezeichnungen zu charakterisieren, die unter gewissen Umständen berechtigt und „verdient" sind? QeseUsektxfUniBB ttetek Palästina mii dm£uw9$6kiff VU1CANIA 2.APRIL AB NEAPEL Sondernneise: FÜQ. DIERVODFAHBT: I.KLASSE $ 1135.'fi TOURISTEDKLASSE «/ f/2.~ ODEB: WIDFAHRT MITDERMVULCAmA» RÜCKFAHRT mit den SCHIFFED oes LLOYD TRIESTIDO £ KLASSE S 10bO.'fl JtJ£ TOURISTEDKLASSE Q 070." EBMÄSSIGTE EISEDBABFAHRT DACH DEAPEL ZUSAMMEnSTELLUDG BILLIGER LAnDAUSFLÜGE 7\ I I . ö «WNSTALUT VON {J. . t /f I I , Painsimebxnpess C/taUa-tosalcok ~^ WIED I kÄftOTnEftRirKS 6, VERTRETUNG REISEBÜROCITV Dß- 1-H'K.ÖCNEB W!ErM'K0HLMAWa8, U«26*4>29l U«li7'S*60 Der jüdische Uhrmacher Eichler ist vor Gericht gestellt und abgeurteilt worden. Jetzt aber sollte ein anderer vor Gericht: Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Meixner! Leider gibt es im österreichischen Gesetz eine viel beklagte Lücke. Beleidigte Glaubens- und Volksgemeinschaften können nicht direkt Anklage evheben. Sonst könnte die so hämisch verunglimpfte Judenschaft handeln und den Herrn Richter vors Gericht zitieren. Aber es gibt doch Behörden, denen er Rede und Antwort schuldig ist. Diese Behörden müssen jetzt handeln und der beleidigten jüdischen Gemeinschaft Genugtuung verschaffen und sie vor. derartigen „gerichtlichen Auslegungen" schützen! Im Anfang war ein Sportlehrer der höchsten Unterrichtsanstalt des Bundesstaates Oesterreich, der Wiener Universität, da und rempelte Passanten an und beschimpfte sie in ordinärer, niederträchtigster Weise. Dann gab es eine Verhandlung vor dem hohen Gericht, die oben geschilderten Verlauf nahm. Ein trauriges Zusammenspiel. Jetzt wäre es an der . Zeit, daß die Faktoren sprechen, denen die Wahrung der; Würde von Universität und Gericht obliegt. Mehr Boykott! Ein New-Yorker jüdischer Warenhausbesitzer, über welchen wegen Vertriebes deutscher Waren der Boykott verhängt wurde, ließ in den Zeitungen die Erklärung veröffentlichen, daß seiner Meinung nach durch den Boykott deutscher Waren den deutschen Juden besonders geschadet werde. Dazu schreibt unter der Aufschrift „Mehr Boykott" das „Pariser Tagblatt": „Wenn man aber mit dieser faulen Entschuldigung sagen will, daß man der deutschen Regierung durch den Boykott Veranlassung zu weiterer Drangsalierung der deutschen Juden gäbe, so bedeutet das nichts anderes, als daß man auf einen Schwindel des Hitler-Regimes hereinfällt. Der große Judenboykott vom 1. April 1933, durch den die lange Serie der sich immer mehr verstärkenden politischen Aktionen gegen die Juden begann, wurde schon, wie noch erinnerlich sein dürfte, als Abwehraktion gegen die angebliche antideutsche jüdische Welthetze gegen Deutschland getarnt. Das war damals schon eine infame Unwahrheit. Sie*konnte nur deshalb auch auf viele Juden in allen Ländern — wirken, weil leider deutsche Juden selbst sich dazu hergaben — zum Teil in gutem Glauben, weil sie noch nicht einsahen, wie es wirklich um sie stand —, ins Ausland zu gehen und die Hitler-Regierung zu entlasten. Heute aber weiß jedermann doch längst, daß die Vernichtung der Lebensmöglichkeit — zunächst der deutschen Juden, dann aber auch aller anderen in der Welt — zum prinzipiellen Programm des Nationalsozialismus gehört, das mit beharrlicher Rücksichtslosigkeit verwirklicht wird. Und nur um die Durchführung dieser grausamen, von Irrsinnigen erdachten Politik zu erleichtern, versucht die nationalsozialistische Regierung, die Gegenwehr der anständigen Menschen In der Welt abzuschwächen/indem sie ganz bewußt in innen den Irr-* glauben erweckt, daß das Schicksal der deutschen Juden von d^m ^oji.lv«erhalten der Welt gegenüber freite*4?1": Gegenüber dieser frechen Erpressung ist das gleiche Verhalten geboten, das gegenüber allen Erpressern am Platze ist: Man muß die Erpressung auf« decken und den rücksichtslosen Kampf gegen die Erpresser aufnehmen. Nur vor diesem Kampf der Welt allein hat das Dritte Reich Angst. Und in diesem Kampf darf man keine Rücksicht auf den Schaden nehmen, den die deutschen Juden genau so wie anständige und unschuldige riiehtjüdische Teile des deutschen'Volkes vorübergehend nehmen könnten. Denn um Deutschland aus den Klauen der braunen Terroristen zu befreien, darf man kein Mittel unversucht lassen, das geeignet ist, dem Hitler-Regime ernste Schwierigkeiten zu bereiten." Die arische Großmutter bringt Geld Aus Prag: „öeske Slovo" teilt mit, daß der! Pfarrer einer kleinen Böhmerwald-Gemeinde bereits 20.000 tsch. K an Stempel- und anderen Gebühren für Auszüge aus Matriken, die von Bürgern aus Deutschland eingefordert wurden, an die Finanzbehörden abgeführt hat* Solche Ansuchen werden aus Deutschland von Personen eingebracht, die Belege für den Nachweis ihrer arischen; Abkunft brauchen. Ausländische Hausbesitzer verwalten ihre | WIENER HÄUSER =J durch behördlich konz. Realitätenkanzlei 1 Dr. M AIR PA IS H Wien I, Frani Josefi Kqi lf Tel. R-21-3-30 Erstklassige Referenzen! 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