Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 531 (24.1.1936)
- Date
- 1936-01-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite t DIE NEUE WELT Nf. 631 vom 24. Jänner 1936 Was machen Sic irteuflüend? „Ich lasse mich mit Diana-Franzbranntwein massieren!" „Warum gerade mit DI a n a-Franabranntwelö?" „Weit ich mich überzeugt habe, daß nur Massage mit DIANA* FftJtNZBRANNTWIlN Mit NINTHOl solche Schmerzen lindert, welche von U e b 6 ranstrengung und schwerer Arbeit herrühren. Eben darum kaufe ich nur DI AN A*FRANZBR A N NT WIIN und nichts anderes." In jedem besseren Geschäft erhältlich. Verlangen Sic ausdrücklich „Diana" und nehmen Sie nur „Diana." Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen. stießen wir u. a. auch auf ein Hindernis, dessen wir durchaus nicht gewärtig waren: auf die jüdischen Filrapr o duzenten und auf die jüdIschen Filmverleiher. Die ersten versuchten sich darauf zu berufen, daß man im kommerziellen Bereich eben Konzessionen machen müsse und eine Umorientierung nicht von heute auf morgen möglich sei; die zweiten verschanzten sich hinter dem auch auf anderen Gebieten beliebten Spruch: „Mach ich's nicht, so macht's halt ein anderer." Für den jüdischen Fümproduzenten, der sich mit dem von reichsdeutscher Stelle geforderten Arierparagraphen auf guten Fuß stellte, kam bald der Tag des Scheidens. Die Ausschaltung des Juden aus dem „Gesamtbereich des deutschen Kulturschaffens" inachte auch seiner Tätigkeit ein Ende, nachdem ihm noch eine kurze Gnadenfrist gegeben ward, dem Dritten Reich Devisen zu verschaffen. Die letzten jüdischen Film-Mohikaner haben Deutschland verlassen. Einige bemühen sich, in Wien weiterhin im alten Sinn zu wirken, andere haben neue Produktionsstätten aufgesucht. Die jüdischen Filmverleiher hingegen huldigen in ihrer Mehrzahl immer noch der Ansicht, man könne ohne Einbuße an Würde und Ehre mit hitleristischen Fümen Handel treiben, da solch ein Tun — welch e-rhabeneLogik! — die deutsche Kassa schwäche, welche ja kein Geld einnehme, sondern im Gegenteil Geld an Oesterreich abgebe! Und es sei gewiß nicht unschön, der österreichischen Wirtschaft Geld zu- '• fließen zu lassen. Im übrigen — so argumentieren diese Herren weiter — sei das Filmverleihgeschäft ihre legitime Branche und wenn sie nicht die Arierparagraph-Filme vertreiben würden, dann fände sich eben ein anderer für dieses Geschäft. Solch windige und beschämende Motivierungen mußte man von jüdischer Seite hören. Eine jüdische Fümverleihfirma ging so weit, uns zu verklagen, weil wir einen von ihr vertriebenen Film (in Wien unter Arierparagraph mit reichsdeutschen Kräften hergestellt!) als Nazifilm bezeichneten, zog allerdings, vielleicht in einem Anfall von Scham, Selbstbesinnung und Interessenbedachtnahme, die Klage zurück, so daß die gerichtsöffentliche Erörterung des Falles unterblieb. Die jüdischen Filmverleiher, welche mit judenreinen Filmen Geschäfte machen, mögen - sich nur ja nicht darüber beklagen, daß wir ihnen dieses unsaubere Geschäft erschweren; sie mögen nicht mit dem Jammerruf kommen, daß wir durch unseren Aufklärungsfeldzug ihre Existenz gefährden, sie um ihr Brot bringen. Die von allen anständigen Menschen gefühlte Forderung „Hände weg vom judenreinen Film" wird nicht vor dem Umstand kapitulieren, daß vielleicht da und dort jüdische Filmhändler und Kinobesitzer eine kleine Einbuße erleiden können. Im übrigen wird auch diese Herren in nicht allzuweiter Ferne ihr Schicksal ereüen. Nachdem sie dem judenreinen FUm Eingang in sonst vielleicht unzugängliche Gegenden verschafft haben, werden sie erbarmungslos ausgeschaltet werden und dann zu uns weitsichtigeren, für die jüdische Ehre bedachten Juden kommen und Hüf e verlangen... Daß die Lage unhaltbar ist, haben bereits zahlreiche Kreise, Kapitalisten und Künstler, erkannt. Denn mit einer wesentlichen Aenderung der österreichischen Filmpolitik ist vorläufig nicht zu rechnen. Die vom Bundesministerium für Handel und Verkehr veranstaltete „OesterreichischeFilmkonferenz" wird sich zu allererst mit dem organisatorischen Aufbau der österreichischen Filmindustrie beschäftigen, weniger mit den Bedingungen, die zur Ausschaltung österreichischer Staatsbürger, die „Nichtarier" sind, führten. Die „Reichspost" schreibt in ihrer Ausgabe vom 21. Jänner bezüglich der Aufgaben der „Oesterreichisehen FiIMköltf*renz,,: „Da seit dem Aufkommen des Tonfilms schon aus sprachlichen Gründen Deutschland das wichtigste Absatzgebiet der österreichischen Filmproduktiort darstellt und die weltanschaulichen und insbesondere rassenpolitischen Komponenten des derzeit im Reiche maßgebenden Kurses von den hierzulande gegebenett Auffassungen stark abweichen, ergaben sich für die österreichische Filmproduktion Bindungen, welche einem Dell der österreichischen Filmschaffenden die Mitarbeit an für Deutschland bestimmten Filmen verwehrte n." Damit ist noch nicht gesagt, daß für diesen Teil der österreichischen Filmschaffenden in einem Vertrag mit Deutschland etwas geschehen wird. Das Ausland hat zum Teil diesen Umstand bereits eskomptiert. England hat zahlreiche „nichtarische", ' das heißt jüdische Filmkünstler (Regisseure, Schauspieler usw.) bei sich aufgenommen und die englische Fümproduktion ist seit dem Hitler- Regime unerwartet schnell gewachsen. Elisabeth Bergner, Fritz Kortner, Ernst Deutsch ebenso wie jüdische Regisseure von Rang, die in Wien des Arierparagraphen wegen nicht tätig sein können, verschaffen dem englischen FUm Weltgeltung. Polen, ein wichtiger Abnehmer österreichischer Filme, zeigt ein' Desinteressement gegenüber Filmen unter Arierparagraph. Ja, mehr noch. Im Zusammenhang mit der Ablehnung der deutschsprachigen Filme, die bisher hauptsächlich von den Juden besucht wurden, entstand in Warschau unter, dem Namen „K i nn o r" eine Filmgesellschaft, die Tonfilme in jiddischer Sprache herstellen will. Alle Arten des Films, wie Drama, Komödie, Revue und Kurzfilm, sollen gepflegt werden. Die Anregung zu der Gründung ging von den Regisseuren der Gesellschaft „Ar a r a t", S. Dzigan und J. Schu- $ek$ioH ttksHeut - Seinmemp macher, und von den Filmproduzenten S. Goskund und J. Tenenbaum aus. Zum literarischen Leiter des neuen Unternehmens wurde J. M. Neu mann, zum Regisseur der deutsch jüdische Schauspieler Alexander Marten, zum musikalischen Leiter der Komponist H. Cohn bestellt. -Hervorragende Schauspieler wurden als- Darsteller gewonnen. Die Gesellschaft hat bereits mit der Darstellung ihres: ersten. Films „AI Che t", eines Bildes aus dem jüdischen Leben in Polen nach einem- Drehbuch von J. M. Neumann, . begonnen. Schließlich wurde in- Wien selbst die „Max Friedland-Filmproduktion." gegründet, der ein mächtiges Schweizer Kapital zur Verfügung steht und die Möglichkeit gibt," Filme o h nve R ü c k s i e h t auf den reichsdeutschen Markt zu produzieren. '' " Bei Stuhlverstopfung, Verdauungsstörungen, Magenbrennen/Wallungen, Kopfschmerzen, allgemeinem Unbehagen nehme man früh nüchtern ein Glas natürliches „Franz-Josef"-Bitterwasser. Aerztl. empfohlen. mmmmmmKmBmmamamaaammmmmmmmmtmmmmmmmmmmmmni^mmmma^ Wenn hier einmal — und der Zeitpunkt ist nicht fern — ein von Hitler-Deutschland unabhängiges Produzieren und Vertreiben von Fümen erreicht seih wird, dann werden die jüdischen Produzenten und Verleiher einsehen, daß. ihr Handeln nicht bloß unwürdig war, sondern sich auch nicht bezahlt gemacht hat. Dann werden ihre bisherigen Argumente in sich selbst zusammenbrechen. Wir haben uns der selbstverständbei der Bücher Schwedenbriieke! BUCHHANDLUNG SCHNEIDER ft CO., WIEN lf Franz-Josef J-Kai 7 Reichste Auswahl neuer Büch er bester Autoren zu billigsten Preisen! Katalog gratis liehen Pflicht unterzogen, diesem Prozeß zum Durchbruch zu verhelfen und die Oeffentlichkeit über das unsaubere Tun der Händler mit judenreinen Filmen zu informieren. Wenn wir Erfolg hatten — und wir können ihn mit Genugtuung verzeichnen —, dann verdanken wir ihn all denen, die sich für die Reinhaltung der jüdischen Ehre und Würde verantwortlich fühlen. Londoner Brief Von E. Schlftpoberskl (London) ■ London, 20. Jänner. Die Meldung von der Errichtung des Palästina* Parlaments (Legislative Council) hatte hier große Erregung und Besorgnis hervorgerufen, die aber vorerst keinen einheitlichen Ausdruck fanden. Es ist das Vferi dienst der jungen Judenstaatspartei in England* daß bald eine imposante Protestbewegung einsetzte. Aufc Antrag und über Betreiben dieser Partei wurde ein „Permanentes Komitee für den Kampf gegen die Er-» rlöhtUhg elftes Legislative Council'* gegründet, welchem die Allgemeinen Zionisten, Misrachi, FoeJ.c Zion und, Judenstaatspartei angehören, ferner eine ganze Reihe nichtzionistischer Organisationen, und vor allem der. Board of Deputies (Vertretung aller Judengemeinden Großbritanniens). Die erste Veranstaltung war eine am 14. Jänner abgehaltene Pressekonferenz, an welcher nicht nur die jüdischen, sondern alle großen englischen Tageszeitungen teilnahmen. Am 19. d. M. fand dann die große „Konferenz des britischen Judentums" unter Vorsitz von Lord Melchett statt. Nach Ansprachen des Ehrenpräsidenten der Zionistischen Organisation. Nahum Sokolow, des Präsidenten des Board of Deputies Neville Lasky und der Vertreter der zionistischen Parteien wurde einmütig eine Resolution gefaßt, in der die tiefe Beunruhigung der englischen Judenheit über das Regierungsprojekt, betreffend Schaffung eines Legislative Council in Palästina zum Ausdruck gebracht wird. Es wird weiter die feste Ueberzeugung ausgesprochen, daß jeder zukünftige Vorschlag, der auf die Entwicklung von Selbstverwaltungsinstitutionen in Palästina hinausgeht, auf dem Prinzip; basieren wird, welches die Grundlage des Mandats und der Entwicklung des Jüdischen Nationalheims in Palästina ist; das Prinzip nämlich, daß das Jüdische Nationalheim gemäß der Balfour- Deklaration und dem Mandat für das ganze jüdische Volk und nicht allein fUr die jetzige jüdische Bevölkerung in Palästina aufgebaut wird. Jeder irgendwie wesentliche Schritt in der Richtung der Schaffung von Selbstverwaltungsinstitutionen kann erst dann in Betracht gezogen werden, wenn alle Teile der Bevölkerung Palästinas sich auf den Boden des Man dägestellt haben1 werden. |T. Die gegenwärtigen Vorschläge der Regierung betreffend Legislative Council basieren darauf, daß „. die Juden in Palästina eine Minderheit sind; diese Auffassung steht im diametralen Gegensatz zum Wortlaut und zum Geist des Mandats lind bedeutet eine Öegradierung des rechtlichen Status der Juden in Palästina. Die Konferenz der englischen Judenheit stellt weiter, fest, daß die Verwirklichung der Vorschlage der Regierung, betreffend Legislative Council, unvermeidlich zu einer Verschärfung der Beziehungen zwischen den einzelnen Teilen der Bevölkerung und zur Entfesselung der Leidenschaften führen müsse. Die Konferenz kommt deswegen zu dem Beschluß, daß die Bildung eines Legislative Council unter den jetzigen Bedingungen unzeitgemäß sei und nur dazu angetan, wäre, die Verwirklichung der Hauptaufgabe des Mandats, nämlich Ermutigung der Schaffung des Jüdischen Natiohalheims, zu stören. Die Schaffung eines Legislative Council werde auch die wirtschaftliche Entwicklung des Landes, die allen Teilen der Bevölkerung so viel Segen bringt, unterbinden. Mit allem Respekt ersucht, die Konferenz die maßgebenden Fakoren, alle nach der Richtung de* Schaffung eines Legislative Council unternommenen Schritte rückgängig zu machen. Die Konferenz hat ferner beschlossen, eine 'Abordnung zu wählen, welche der englischen Regierung diese Resolution zu überreichen und ihr in mündlicher Aussprache die Ansichten der englischen Juden zu übermitteln hat. An dieser Abordnung wird namens der Judenstaatspartel, welche in der Leitung des großen Komitees durch das Mitglied der Weltexekutive der Judenstaatspartei und des Board of Deputies Dr. J. Machower und M. Gorowitz vertreten ist, der erstere teilnehmen. Die Teilnahme Dr. Machowers an der Aktion ist von besonderer Wichtigkeit, denn er kann als geistiger Träger des Widerstandes gegen den Legislative Council angesehen werden. Sein Buch über den Gesetzgebenden Rat in Palästina, dessen juridische und politische Ausführungen die Grundlage für alle Entschließungen bildet, befindet sich im Druck und wird in den nächsten Tagen im Buchhandel erscheinen. Die Araber und der Legislative Council Aus Jerusalem (J. T. A.); In seiner Antwort auf die Vorschläge des High Commissioner Sir Arthur Wauchope, , betreffend Schaffung des Legislative Council, weist der Großmufti von Jerusalem die Vorschläge an sich nicht zurück, erklärt aber, daß die BIA LI K-KLUB, WIEN I, BRÄUNERSTRASSE 7 10 Der berühmte Dichter SCHALOH ASCH Präsident des jüdischen Pen-Klubs und Ehrenmitglied des Welt-Pen-Klubs sprichtals Gast desBialik-Klubs. Sqmstqg, den 25. Jänner1936, um 8 Uhr abends im Großen Konzerthaussaal, Wien III, Lothringerstr. 20, Uber das Thema: Die feidtyek Beskeku^eu deejuäeu und des Judentum Karten von 1 bis 6 Schilling erhaltlich: Keren Kajemeth, Wien, I., Marc-Aurel-Straße 5, Tel. Nr. U-20-1-29; Zionistischer Landesverband, I., Marc-Aurel-Straße 5, Tel. Nr. U-22-2-11; „Wizo", I., Schottenring 25, Tel. Nr. A-U-6-28; Jüdische Kulturatelle, I... Franz-Josefs-Kal 3. Telephon Nr. R-28-2-36; Bücherstube Rath, IL, Tabor-' Straße 20a, Tel, Nr, 45-305; Bücherstube Lanyl, L, Kärhtnerstraße 44, Tel. Nr. B-25-6-75: Kartenbüro Gronner. L, Graben 28, Tel. Nr. U-22-4-45; Bücherstube Löwlt, I„ Wollzeile 6, Tel. 21-2-45; und am Vortragsabend bei der Konzerthauskasse, III., Lothringerstraße 20.