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Die neue Welt · 1936-01-24 · Heft 531 (24.1.1936) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 531 (24.1.1936)
Date
1936-01-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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DIE NEUE WfiLtf Nr. 831 vom 24. Jänner 1936 Palästina* Tänze n< Lieder Shlr Na-Emek. Volkslied aus dem Tonfilm .Land der Verheißung' Hora Kamah Jtcha, Volkstanz. Musik von S. Postolski Oley Regal, palästin. Lied von Selra, ges. von Ch. Klptils Hera Al-tirah, Volkstanz von Selra, ges. von Ch. Kipnls hiuj VIER PALÄSTIN. KINDERPLATTEN mju! Ma Jafit — Wie schön bist du. Der e r s t e T a n g o mit fieuhebräisctiem Text Altlra awdl - Fürchte dich nicht. Slow Fox mit neuhebr. Text. Jazz-Orchester SId Kays Fellows. Oesang von Ferrla Gottdoech Jüdisch« und kantorale Schallplatten In greller Auswahl MUSIKHAUS EXCELSIOR WIEN I FRANZ.JOSEFS-KAI 15 Radio- und Grammophonapparate zu günstigen Zahlungsbedingungen Watkeasfae^ei Vom Land der Verheißung Palästina ist keine „Insel der Seligen". Es ist, entgegen naiven Vorstellungen, die in jüdischen Kreisen gerade auch in Deutschland heute oft genug im Umlauf sein mögen, kein „Paradies", in dem die gebratenen Tauben und die goldenen Orangen dem Müßiggänger in den Mund fliegen. Wie überall, so gibt es auch dort, im „Lande der Verheißung", politisches und wirtschaftliches Auf und Ab. Zwischen unbegründetem Optimismus und unbegründetem Pessimismus, stoischen hochjauchzender Verhimmelung und zu Tode betrübter Skepsis liegt, in der Mitte, die wahre jüdische Haltung zum Palästina' Aufbau: die Haltung dessen, der sich der jüdischen Leistung dort unten, am Mittelmeer, verbunden fühlt, nicht „wegen der Konjunktur"', und trotz der Schwierigkeiten, die ihr, wie jedem Menschenwerk, anhaften. Das Land wird uns Juden nicht geschenkt. Wer die jüdische Bedeutung des Palästina-Aufbaues erkannt hat, dessen Pflicht ist es, unbeirrt zum Gelingen des Wefkes beizutragen. „Israelitisches Familienblatt" (Berlin) 1936. Berliner Olympiade Natürlich dürfen sich auch die jüdischen Sportler zur Olympiade vorbereiten. Wie sie das machen, ist ihre Sache. Ihnen ist, um mit dem Reichssport fuhrer von Tschammer-Osten zu sprechen, „jede Freiheit gegeben", nur nicht die, einem Sport- oder Turnverein anzugehören oder auf einem Sportplatz zu trainieren. Zu Hause, in ihre7n Zimmer, dürfen sie dagegen schwimmen, Diskus werfen und Tennis spielen. In England oder Frankreich möge man den stets lächelnden Reichssportführer fragen, warum denn die Brüder Ball, die beiden besten deutschen Eishockeyspieler, nicht mehr zu sehen sind; wo die beiden deutschen Meister im Jiu-Jitsu, Rosenthal und Unger, stecken: was die berühmten Sprinter und Läufer Nathan, Levy und Kohn machen; und warum halten sich Fräulein Jakob, die deutsche Meisterin im Speerwerfen, und der deutsche Tennismeister Prenn in England auf, statt in Deutschland für die Olympiade su trainieren? Eine Antwort wird wohl ausbleiben. Der gelbe Fleck, den die halbe Million Juden in Deutschland trägt, ist ja noch nicht t offiziell eingeführt, also kann man alles ableugnen. Hermann B r i 11, „Der gelbe Fleck". Eine würdige Halfung ,J)er Verband bekennt sich zum Zionismus als der verpflichtenden Bindung an Gestalt und Geist des jüdischen Volkes. Er sieht in der Verwirklichung des zionistischen Aufbaues in Palästinadas entscheidend* Werk jüdischer Erneuerung, dem sich seine -Menschen, verpflichten." Leitsatz des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands. luden sterben Hungers In kleinen, engen Zimmern, in Kellern, in Schmutz und Elend wohnen zerlumpte, abgemagerte, kranke Ge^ stalten. Das sind Juden. Sie hungern. Ihre Kinder, grin* dig und ohne Pflege, jedes Jahr um ein neues vermehrt, betteln herum. Jede auch noch so kleine Münze ist ihr Glück. Draußen vor der Stadt haben Juden in die Hügel Löcher gegraben und sind hineingekrochen mit Weib und Kindern und hausen so in diesen Erdlöchern. Das Elend ist unvorstellbar in seiner Gransigkeit. Wir reden von Verarmung und, vom Elend. Wer das Elend in Rumänien gesehen hat, glaubt, erst jetzt das Elend zu kennen. Aber es ist noch nicht alles. In Bessarabien hat eine Mißernte nach der anderen die Menschen heimgesucht: In Bessarabien hungern buchstäblich 15.000 Juden. Sie haben nicht das Nötigste. Ein Glas Milch, mit etwas Wasser gestreckt, ist für die Kinder das Paradies. Juden sterbe*! Hungers. Joachim Prinz, „Europäische Reise". Drei unbekannte Hax Nordau-Briefe Von Josef Frankel Das Stern'sche Konservatorium Das seit 35 Jahren in Berlin bestehende Sternsche, Konservatorium, zu dessen Ruhm in^rater Reihe jüdische Lehrer und einstige jüdische Schüler beigetragen, haben,- ist auf Veranlassung des Staatskommissärs Dr. Lippert in den Besitz der Stadt Berlin übergegangen. Als Leiter ist Bruno Kittel vorgesehen. Mehrmals wurde die Anstalt seit 1933 von Juden „gereinigt". Ende des vorigen Semesters waren nur noch siebenjttdUcheLehre? i und 2 8 jüdische Schüler am Konservatorium. Mit; [ Ende de» Jahres 1935 sind die letzten jüdischen Lehrer I ausgeschieden. 1 Die Stadt Wien besitzt in ihren Sammlungen einige Nordau-Briefe^ die uns Josef F r ä n k e 1 mit Genehmigung' des Magistrats zur Verfügung stellt; I. Karl Emil Franzos, der Verfasser vieler Romane und Novellen aus dem Leben im Ghetto („Die Juden von Barlow", „Der Pojaz" usw.), war im Jahre 1882 bis 1885 Redakteur der „Neuen Illustrierten Zeitung", wo auch Max Nordau seine Beiträge veröffentlichte. Franzos übersiedelte später nach Berlin und gründete hier im Jahre 1888 die Halbmonatsschrift „Deutsche Dichtung", welche er bis zu seinem Tc-te redigierte. *5u den Autoren, die Karl Emil Franzos um Beiträge für die Zeitschrift ersuchte, gehört Max Nordau. Der Verfasser der „Paradoxe", der gerade an dem Roman „Die Krankheit des Jahrhunderts" arbeitete, antwortete an Karl Emil Franzos: Herrn Dr. K. E. Franzos, Honens tauf engasse 1. Wien, I. 37, rue de Berne, Paris 27. Juni 1886. Hochverehrter Herr! Ich danke Ihnen für die Zusendung der Mitteilung über die Zeitschrift „Deutsche Dichtung" und für die freundlichen Zeilen, welche dieselbe begleiten. Ich bin erwünscht." Diese Episode, der Dreyfus-Prozeß und seine Bekanntschaft mit Herzl brachten Nordau zum Zionismus, Max Nordau als Vorsitzender vieler Zionistenkongresse, als Redner, als Denker und Politiker, als Verfasser des Dramas „Dr. Cohn" wird bald nach Herzl als der bedeutendste Repräsentant des politischen Zionismus anerkannt. Er wird nun auch in zionistischen Fragen mit Briefen bestürmt und findet, obwohl sehr in Anspruch genommen, immer noch Zeit, um die an ihn gerichteten Fragen zu beantworten: Herrn Robert T a c h a u, j Dr. Max Nordau 34, avenue de Villiers Paris, 31. August 1896. Augustinerstraße 15. Brünn. Sehr geehrter Herr! Ich danke Ihnen für Ihre freundliche Zuschrift, dia mich mit einem unabhängigen und energischen Geiste bekanntmacht. Ihr Argument, daß der Messiasglaube rein passiv ist, kann nicht kurzerhand widerlegt werden. Es rollt die ganze gewaltige theologische Frage „von der Gnade und dem Verdienste" auf, über die es mindestens 50.000 Werke gibt und die jahrhundertelang das Hauptthefna Cafe Telephon! U*21*304 U»23>0*96 JLM 5 JOHANN STRAUSS das neuzeitliche Kaffeehaus mit den modernsten Anlagen Bridgestube Billardsaal Asphalt * Kegelbahn Klub» und OeseUsdiaftsräumc gerne bereit, mich mit Prosabeiträgen an Ihrem Unternehmen zu beteiligen. (Nicht als ob ich nicht auch, wie jeder richtige Deutsche, lyrisch freveln würde, aber einstweilen sind das geheime Sünden und sie werden mal einst nach Jahren öffentlich werden.) Da aber Ihre Zeitschrift erst von Oktober ab erscheinen soll, so scheint es mir nicht dringlich, schon jetzt einen zii behandelnden Stoff zu bezeichnen, der bis dahin aufgehört haben kann, auch nur einen Schatten von Aktualität;'ztf haben. Seinerzeit werden Sie 'jedoch4-' von mir hören.' "' Ihnen zu 'dem'Ihter'essanten' Uriterhehmen sehr viel Glück wünschend, bin ich Ihr hochachtungsvoll ergebener 1 ' Max Nordau. .. ~Jl- >< Ludwig Eis en b'e..rgf :ein '^Wiener .Schriftsteller, der Herausgeber des groß elv. biographischen Lexikons; der deutschen Bühne im 19. ^Jahrhundert, des Buches „A. Sonnenthal", war mit der: Arbeit „Johann Strauß" fast fertig, als er sich an Max Nbrdätf. wandte, damit dieser ihm sein Urteil über „Johann Strauß" abgebe. . Max Nordau antwortet: 34, avenue de Villiers Paris, 26. Mai 1894. Sehr geehrter Herr! Jeder, der den Menschen auch nur einen Augenblick harmloser Fröhlichkeit schenkt, ist ihr Wohltäter. Diese Bezeichnung wende ich ohne Zögern auf Meister Johann, Strauß an. Er hat ein halbes Jahrhundert lang seine Zeitgenossen gelehrt, im Klange seiner verführerischen Weisen über die Sorgen und Kümmernisse des Daseins hinwegautanzen. Sein Taktstock war ein Zauberstab, der mitten in der grauen Wirklichkeit ein Feenschloß mit Rosengewinde um Jaspissäulen und reizenden Frauengestalten in lichterstrahlenden Sälen aufsteigen ließ. Wer an diesen Tausendkünstler anders als mit wärmster Dankbarkeit denkt, der kennzeichnet sich selbst als Barbaren. Glauben Sie an die ausgezeichnete Hochachtung Ihres ergebensten M. Nordau. III. Der Schriftsteller und Wiener Berichterstatter in Paris, Siegmund Feldmann, macht im Jahre 1892 Max Nordau mit Theodor Herzl, dem Pariser Korrespondenten der „Neuen Freien Presse", bekannt. Herzl und Nordau, beide aus Budapest stammend, werden zunächst „literarische" Freunde, dann Kameraden. Im Jahre 1893 weilt Max Nordau in Borkum, wohin er ,vom Chefredakteur der „Vossischen Zeltung", Doktor Stefany, eingeladen wurde. Nordau speiste in einem Hotel, wo er auch wohnte. Fast täglich, zu Mittag, fand er auf seinem Platz einen an ihn adressierten Brief, Der JnjhalV war immer der gleiche: „Juden sind hier nicht der theologischen Erörterung : war. Nach den besten Autoritäten des rabbinischen Schrifttums genügt es nicht, seufzend, betend, und Hände im Schöße, den Messias zu erwarten; man muß sich seiher durch' 'werktätige Fröm* migkeit würdig machen; er kommt zuletzt aus Erlösergnade, was ihn aber herbeiruft, das ist das dreifache Verdienst „des Gebetes, der Reue und der Mildtätigkeit"* „thephila, theschuba, zadaka". Eine solche Lehre kann denn doch nicht erschlaffend, sie muß vielmehr anregend« erhebend, also erhaltend ■wirken. "' "' " '" ' " Das Rachebedürfnis des Juden, der Shylockzug au ihm, ist mir ganz neu. Wie jeder stark fühlende Mensch,! ist der Jude nachtragend, aber die leiseste Freundlichkeit genügt, um ihn zu entwaffnen und zu versöhnen. Wo die; Völker ihm entgegengekommen sind, da hat er sich nach zwei bis drei Generationen in sie verloren. Sie dürfen-nicht vergessen, daß bis zur Erfindung des Rassenantisemitismus, der keine" 30 Jahre alt ist, die einfache Taufe genügte, um aus dem verfolgten Jude» einen privilegierten Christen Zu machen. Jeder Jude hatte" das Mittel in der Hand, seinen Leiden sofort ein Ende zu machen. Viele taten es mit glänzendstem, man sollte denken, verführerischem Erfolge. Warum fanden sie nicht mehr Nachahmer? Warum zogen die übrigen Juden die Verfolgung vor? War es nicht, weil sie an ihrem messia* nischen Stammesideal hingen? Wo bleiben da ihre ideallosen, positiven Rechner? Die Geschichte zeigt mir die jüdische Physiognomie ganz anders, als Sie sie sehen. Wenn ich auf Ihre Argumente nicht noch eingehender antworte, so geschieht es nicht, weil sie es nicht verdienen, sondern weil meine Zeit leider allzu beschränkt ist. Glauben Sie an die Hochachtung Ihres ergebensten Dr. M. Nordau. Eine intere$§ante Serie kleiner Druckschriften wird mit dem Titel „Oesterr. Monographie" von den Togalwerken in den Apotheken zur Verteilung an das Publikum aufgelegt. Die erste Monographie behandelt den großen österreichischen. Chemiker und Erfinder Auer von Welsbach, dem die Welt den Gasglühkörper (Glühstrumpf) und das Cereisen zu verdanken hat, das täglich in fast allen Ländern der Erde in Millionen Feuerzeugen verwendet wird. Weitere interessante Monographien werden in kurzen Abständen folgen und das) Interesse für Oesterreichs Erfinder bei Jung und Alt neu wecken. Die schön illustrierten Togal-Hefte sind in allen Apotheken kostenlos zu haben. . - . Aerztliche Nachricht. Dr. med. Kurt Stern hat seine Ordination als praktischer Arzt eröffnet. I., Maysedergasse 5. Tel. R-28-7-70. Ordination: 2 bis 4 (Montag bis Freitag).. Blut- und Harnuntersuchungen. Die sorgname Erhaltung dor Milchzähne lat auch im Interesse der Zähne dringend erforderlich. Die heranwachsende Jugend schützt ihre Zähne am besten durch titgliche, mehrmalige Pflege mit Odo 1-Mundwaaser. Odol-Mundwasser ist antiseptisch, wohlschmeckend, aromatisch und bildet noch' stundenlang nach Gebrauch einen Schutz für Zühne, Mund und Mandeln. Außerdem enthält Odol-Mundwasser neben dem Odol-Antlaeptikum den Myrrheextrakt, der gegen Lockerung der Zähne und Blutung des Zahnfleisches wirksam verwendet wird. WltflKOMIIIi DBS €HAJES-REAI.qYMNAg|UMS Samstag, den 25. Jänner 1936, in sämtlichen Sälen des Militärkasinos, i, Schwarzenbergplatz 1 lESELLSCHAFTSABEND mitTANZ Erstklassige Kunstkräfte / Beginn 20 Uhr i;>mr &nRt^T^^aixT'&^'i'nsvm'ie 4/6' Wizo- * m "t*

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