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Die neue Welt · 1936-01-24 · Heft 531 (24.1.1936) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 531 (24.1.1936)
Date
1936-01-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Fretag/ den 94« Himer I #36 WJal J«e Nr« 5*1 V« b< b« Zeitung vom Verleger versendet *inroaJ exp£dl6 par l'Miteur" REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljahrig 8 4.—, ganzjähtlg 8 16.—; Polen monatlich Zloty l.ßp, vierteljährig Zloty 4.60i Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 16.—: Jugoslawien monaUich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—: Bulgarien monatlich Lewa 80.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 6.—, ^vierteljährig Lire 14.—i Sehweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60, vierteljährig Schweizer Francs 4.60. Mit B bezeioünete Anzeigen «lnd entgeltlich. Redaktion u.Verwaliung: IX*Universitätsstr.8,7eLA-20-2-78 — Erscheint Dienstag n.Freitag Trauer um König Georg V* Kurze Zeit nach seinem 25jährigen Regierungsjjubiläum, das in der ganzen Welt mitgefeiert wurde, hat König. Qeorg V., der König von Bpgland, der Herrscher über das gewaltige. britische Imperium, für immer die Augen g^SQhlossen. Der Verstorbene König' hatte allerdings in seinem Wesen nicht die Attribute, die für einen jHerrscher, Beherrscher, als bezeichnend gelten können: er war nicht herrschsüchtig, nicht kommandierend, nicht diktatorisch, sondern milde, weich, vornehm — der erste (Gentleman seines großen Reiches. In ihm waren die Tugenden der demokratischen Monarchie, des konstitutionellen Königtums verkörpert.. „Göod save the King!" war überall, wo die Fahne Großbritanniens Wehte, mehr als eine konventionelle Phrase. Es war der Ausdruck wahren, ehrlichen dynastischen Empfindens. Wenn der König irgend ein Fest feierte, feierte das Volk es mit... Wenn er in Gefahr war, bangte das Volk mit... König Georg V. .war ein populärer. König.. Aus Palästina wird gemeldet; daß das ganze Land in Trauer eingehüllt sei. Die , britischen und jüdischen .Fahnen sind, auf Halbmast gehißt. In allen Synagogen binden Trauergottesdienste statt. Die Zionistische Organisation, hat an die Königin-Witwe ein Beileidstelegramm geschickt, worin die Teilnahme aller Zionisten der Welt iah der Trauer für den „unvergeßlichen König" zum Ausdruck kommt. Eduard VIII. (Prince of Wales) König Georg stand positiv zum Aufbau des jüdischen Palästina. In seine Regierungszeit, fällt die Balfour-Deklaration vom November 1917. Die englische Judenheit arbeitet in voller Gleichberechtigung am Wohl für den Staat mit. Das Vierteljahrhundert Georg V. war ein Segen für das britische Imperium, eine glanzvolle Epoche für die Kultur der Welt. Sein Nachfolger ist sein ältester Sohn, der als Eduard VIII. den Thron be- •ttsgss lutt* Geschäfte mit judenreinen Filmen Im Zusammenhang mit der Abwehr der Hakenkreuzpropaganda, die sich bekanntlich auch des Films bedient, und aus Abscheu auch vor allen geistigen Dingen, die das Dritte Reich zum Urheber haben, entstand ganz spontan eine Front kulturbeflissener Menschen, die den neuen deutschen Film, den sogenannten Nazifüm, ablehnten. Da aber die hitleristischen Produzenten ihre Filme sehr geschickt tarnten, indem sie sie beispielsweise in Wiener Ateliers drehten oder bekannte nichtdeutsche, etwa österreichische Schauspieler verwendeten, war es für den Außenstehenden schwer, die P r o v e nie n z solcher Filme einwandfrei festzustellen. Bei dieser Produktion ging es den reichsdeutschen Produzenten, die bekanntlich unter der strengen Kontrolle der' Reichsfilmprüfstelle stehen, um ein Doppeltes: - erstens um die Absicht, das Ausland — insbesondere das deutschsprechende — mit Nazitendenzen zu infizieren, und zweitens die Nichtarier, d. i. die Juden, völlig auszuschalten. Für Oesterreich, als größtes deutschsprachiges Land neben dem Dritten Reich, entstand eine schwierige Situation. Da der österreichische Fümproduzent auf den reichsdeutschen Markt-angewiesen war, zumal es in der Filmbrariche Brauch ist, daß. der Film, schon ,vör'-:äeiner^ Firma; gekauft und damit seine Herstellung gesichert wird, konnte sich die reichsdeutsche Filmprüf stelle des Dr. Goebbels erlauben, auf die hiesigen Produzenten einen Druck auszuüben, und setzte auch durch, was sie wollte: den Ausschluß der Juden aus der Wiener Filmproduktion, sowohl der jüdischen Schauspieler als auch der jüdischen technischen und sonstigen Hilfskräfte. Zahlreiche Anfragen seitens unserer Leser und Freunde, was denn unter einem Nazifüm, der äußerlich ja keine antisemitischen Kennzeichen trage, zu verstehen sei, brachten uns dahin, unsere Aufmerksamkeit diesem gewiß nicht uninteressanten Kapitel der hitleristischen Gewaltmethodik zu widmen. Aus der Betrachtung wurde ein Aufklärungsfeldzug. In einer langen Reihe von Aufsätzen wiesen wir darauf hin, welche Schäden die hitleristische Diktatur in Sachen des Films mit sich bringt — nach der österreichischen und nach der jüdischen Seite hin. Bezüglich Oesterreichs ergab sich folgende Situation: In den Gebieten, wo deutschsprachige Filme vorgeführt werden können, wie beispielsweise in der Schweiz, Holland, Litauen, Polen, Rumänien, Tschechoslowakei, Jugoslawien, Palästina, sind die Filmverleiher und Kinobesucher zu einem gewissen Teil Juden, denen man den in Wien gedrehten, in Wirklichkeit aber nach den Prinzipien des Berliner Hitler- Amtes und unter Ausschluß jüdischer Kräfte hergestellten Film als österreichischen aufschwatzt und des weiteren also auch den Kinobesucher irreführt, der glaubt, es mit einem österreichischen Füm zu tun zu haben. Da die meisten dieser Filme banale, ünkünstlerische Machwerke sind, leidet deisgute, österreichische: Name darunter: Das: aiich. filmisch hochstehende Oesterreich wird also zu Zwecken hitleristisch'er Geschäfte mißbraucht. Bezüglich des- „Judenpunkts" steht die Sache also: In die Wiener Ateliers, wo Filme, die auch für den hitlerdeutschen Markt bestimmt sind, hergestellt werden, haben Juden als Schauspieler, Regisseure, technische Kräfte etc. keinen Zutritt. Diese Filme sind also judenrein. Wir nennen sie in unserer Cafe We (Hinter dem Deutschen Volkstheater) Kapelle: Isy Geiger Gesang: LEO ILLMAR Jeden Samstag und Sonntag: Konzert, Tanz und Stimmungsmusik Beginn V29 Uhr abends Besucherkarte 60 Gr. Auf diese Weise entstand in Wien (und zum Teil .auch in P r a g) eine judenreine Fümproduktion, eine Fümproduktion unter Arierparagraph. Selbstverständlich fanden sich einzelne Fümproduzenten, die dem. reichsdeutschen Kommando nicht Folge leisteten und auf eigenes Risiko Filme drehten— ohne Rücksicht auf den deutschen Markt, also Füme mit Verwendung jüdischer Künstler als Autoren, Regisseure, .Schauspieler etc. Sie hatten auch zum Teü einen 8ie Susen* üinft %X iWftWX außerordentlichen Erfolg, ja, man kann sagen, daß ausschließlich diejenigen in Wien gedrehten deutschsprachigen Füme, welche nicht unter dem Diktat des Dr. Goebbels standen, Welterfolg hatten, wie beispielsweise „Maskerade", „Episode", „Tagebuch der Geliebten". Dieser glückliche Umstand hatte, aber nicht die Kraft, die österreichischen Fümkapitalisten zu einer Emanzipation von Hitler-Deutschland zu bewegen.' Nach wie vor stand und steht dieses Filmkapital unter der Knute des reichsdeutschen Propagandamihisteriums, nach wie vor beugt es sich dem Diktat des Dr. Goebbels. . allwöchentlich erscheinenden Rubrik: „Filme unter Arierparagraph". Damit geben wir sowohl dem ausländischen Filmverleiher als auch dem einzelnen Kinobesucher die Möglichkeit, über die Provenienz der wöchentlich erscheinenden Filme orientiert zu sein. Wie erwünscht das ist, geht aus der Tatsache hervor, daß Fümverleiher und Kinobesitzer verschiedener Länder, in denen es eine organisierte antihitleristische Boykottfront gibt, sich mit Anfragen bezüglich der Provenienz gewisser Filme an uns gewendet haben und immer noch wenden. Denn es ist vorgekommen, daß offizielle jüdische Stellen ausländischen, hauptsächlich palästinensischen Filmimporteuren eine Art Bestätigung (Zertifikat) ausgestellt haben, daß dieser oder jener Füm österreichisches Produkt sei, obwohl es sich um Filme unter Arierparagraph handelte, und ihnen dadurch Eingang in Boykottländer verschafften. Seitdem wir unseren Aufklärungsfeldzug führen, sind solche Möglichkeiten auf ein Minimum gesunken. Denn diejenigen Faktoren der Filmbranche, welche sich ernsthaft für den Ursprung jedes einzelnen Füms interessieren, tappen jetzt nicht mehr im Dunkel. Sie besitzen eine verläßliche Informationsquelle. Im Verlauf unserer für die österreichischen und jüdischen Interessen geführten Kampagne KOHLE KOKS ANTHRACIT Alleinige Lieferantin der„Asca", Bund jüdischer Frontsoldaten, Keren Kajemeth, der Jüdischen Kulturstelle BÄSCH IV, ARGENTINIERSTRASSE 22 - TEL. U-47-5-40 (

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