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Die neue Welt · 1936-01-17 · Heft 529 (17.1.1936) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 529 (17.1.1936)
Date
1936-01-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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\ Nr. 820 vom IT. Jänner 1S36 DIE HEUE miLl Seite 5 Oiar Hanoar Der Fonds der jüdischen Jugend Von Meir Großmann (Tel-Aviv) (Fortsetzung) Voraus muß man denken/ imiiiiiiii miiiiiiüiiiiiiii 'j- 'j | | sidi sichern — |||| versichern Phönix Allgemeine Vefiidwwmgs» l | Qes*, Wien IX/ Alserplafx 3 weil sie das Gebot der Reinheit in sich schließen und somit alle Nichtjuden in die Kategorie unreiner Menschen setzen. Büchereien — Juden verboten Aus Berlin: Im Verwaltungsbezirk Berlin- Zehlendorf wurde angeordnet, daß Juden die B enützung der Bezirksbücherei künftig nicht mehr gestattet wird. Am Eingang zur Bücherei und ihren Nebenstellen in den Ortsteilen Dahlem und Wannsee werden Plakate „Juden ist der Eintritt verboten" angebracht, die auf diese Anordnung hinweisen. 216 judisdte Richter und lusfizbeamfte Aus Berlin: In der „Deutschen Justiz", dem amtlichen Blatt der deutschen Rechtspflege, werden die Namen der Beamten veröffentlicht, die auf Grund des Reichsbürgergesetzes und der dazu ergangenen Ausführungsverordnungen als jüdische Beamte im Sinne dieser Bestimmungen in den Ruhestand versetzt worden sind. Bei den Oberlandesgerichten sind 1 Senatspräsident, 11 Kammergerichtsräte und 16 Oberlandesgcrichtsräte, also 28 Beamte, in den Ruhestand getreten. Bei den Landgerichten sind in den Ruhestand versetzt worden: 8 Landgerichtsdirektoren, 51 Landgerichtsräte sowie 1 Senatspräsident, 6 Kammergerichtsräte, 4 Oberlandesgerichtsräte, 1 Erster Staatsanwalt und 1 Arbeitsgerichtsdirektor, .insgesamt also 72 Beamte. Bei den Amtsgerichten wurden 74 Amtsgerichtsräte sowie 2 Senatspräsidenten, 1 Landgerichtspräsident, 2 Kammergerichtsräte, 1 Oberlandesgerichtsrat und 12 Landgerichtsdirektoren betroffen. Bei der Staatsanwaltschaft sind 1 Erster Staatsanwalt, 1 Staatsanwaltschaftsrat und 1 Oberamtsanwalt in den Ruhestand getreten; innerhalb der Strafanstaltsverwaltung 1 Strafanstalts-Mcdizinalrat und der Strafanstaltsrabbiner bei dem Strafgef ärignis Plötzensee. Weiterhin sind 6 Notare, 3 Gerichtsassessoren und 5 Mitglieder des Reichspatentamtes in den Ruhestand getreten. Es sind somit 216 Beamte als Juden auf Grund des Reichsbürgergesetzes aus der Reichsjustizverwaltung ausgeschieden. Bei Angina pectoris., anfallsweise auftretender* Schmerzen in der Herzgegend, verbunden mit Angst¬ und Beklemmungsgefühlen, ist es empfehlenswert, Magen und Darm mit dem rein natürlichen „Franz-Josef"- Bitterwasser früh morgens durchzuspülen. Jüdische Familien 74ehen um Aus Berlin: Viele Hunderte Berliner jüdische Familien, denen seitens arischer Bau-Kooperativen und Hausbesitzer die Wohnungen, gekündigt wurden, sowie andere Hunderte jüdische Familien, die infolge Verarmung ihre bisherigen Komfortwohnungen aufgeben mußten, sind in den letzten Tagen in andere, minderwertige, Wohnungen umgezogen. Bei den Gekündigten handelt es sich zumeist Um Mieter der „Hindenburg"- und der „Heimaf'-Baugenossenschaft, die als ehemalige Frontkämpfer Staatspositionen inne hatten, die sie Ende Dezember 1935 aufgeben mußten, weshalb sie ihren Anspruch, in zum Teil mit Staatsgeldern erbauten Wohnhäusern zu wohnen, aufgeben mußten. „Les arais des Sports" fordern Ausschluß Deutschlands Aus Paris: Die französische Sportorganisation „Les Amis des Sports", deren Ehrenpräsident der Präsident der Republik Lebrun ist, veröffentlicht ein Manifest, in welchem gegen die Ausschließung jüdischer Sportler von den Olympischen Spielen seitens Deutschlands und gegen die Diskriminierung der Juden im deutschen Sport protestiert und gefordert wird, daß der deutsche Sportverband von jeder internationalen olympischen Betätigung ausgeschlossen werde. IV Unter der demoralisierenden Wirkung dieser neuen Tendenzen im jüdischen Leben litt, besonders schwer jene zionistische Jugend, welche nicht die Hauptsache — den Zionismus — vergessen hat. Man mußte viel Mut und Widerstandskraft besitzen, um den Druck des „Radikalismus" aller Arten auszuhalten, der stets den jungen und unerfahrenen Seelen imponiert hat. Während so die egoistische und separatistische Psychose wütete, sind große Teile der geradlinig denkenden, gesunden jüdischen Jugend von der ansteckenden Krankheit freigeblieben. Frei, aber gleichzeitig auch einsam. Die Aufmerksamkeit der breiten Massen zogen jene auf sich, welche 'auf den Versammlungen und in der Gasse den größten Rummel machten. Die Helden der Schlägereien, der vom Zaun gebrochenen Zwistigkeiten, der Streiks und des Hasses waren obenauf im zionistischen Leben, besonders im jüdischen Palästina. Die weite jüdische Oeffentlichkeit nahm von den anderen kaum Notiz, in der Meinung, daß der einstige Typ der idealistischen und guterzogenen Jugend ganz und gar verschwunden sei. Aber es war ein Irrtum und eine Versündigung an eben dieser Jugend. Sie, die Erbin der idealen zionistischen Tradition, setzte den Kampf für ihre Ideen und für ihre Existenz fort. Es war ein bitterer Kampf: Ohne jede freundschatfliche Beihilfe in Wort und Tat seitens der älteren Generation, ohne materielle Unterstützung seitens der zionistischen Institutionen, ohne richtige Wegweiser und Erzieher ist dieser Existenzkampf ein äußerst schwerer gewesen. Seit Jahren fühlt sich der nationale C h a 1 u z, der in treuer Anhängerschaft zu Herzls Ideen erzogen wurde, gänzlich vernachlässigt. Was Wunder, daß zwischen ihm und der älteren zionistischen Generation eine Scheidewand entstanden ist. Materiell und kulturell hat man den jungen Zionisten seinen eigenen schwachen Kräften überlassen. Die historische Verbindung zwischen Heute und Gestern wurde zerrissen. Manch junger Zionist begann einzusehen, daß seine Aufopferung nutzlos ist; daß er eine Stütze erhalten könne; nur wenn er. sich an die Starken halte, an die Mächtigen oder. Lärmenden, mögen sie auch nicht im Rieht •sein. Sonst .würde er zu den Ueberzähligen gehören, besonders in Palästina. Bei seiner Auswanderung nach Palästina und auch später, beim Betreten des Landes, hat man ihn als Emigranten behandelt mit. der Kälte und Gleichgültigkeit von Aufsehern. Vorher hat man ihn in den Hachschara-Stellen geplagt, und später wurde ihm das Los zuteil, sich im Land seiner Träume zu plagen — auf der Suche nach Arbeit und in der Bemühung, sich ins dörfische Milieu einzuleben. Der junge Einwanderer und Chaluz hat gelernt, daß nur die Zugehörigkeit zu herrschenden Parteien ihm eine Existenz, Arbeit, Schutz, ein Dach überm Kopf sichert. Es ist ganz natürlich, daß unter solchen Umständen das heilige Feuer und der Idealismus erlöschen. Die Jugend wird politisch kommerzialisiert und geistig korrumpiert. Sie verliert den weiten kritischen Blick auf die Ereignisse. V Die Fehler zu beseitigen, welche die zionistische Bewegung seit dem Weltkrieg gegenüber ihrer Jugnd begangen hat, bzw. einen Teil gutzumachen —. das strebt der „0 z a r Hanoar" (der Fonds für kulturelle, körperliche und chaluzische Ausbildung der jüdischen Jugend) an, der kürzlich gegründet worden ist. Der „Ozar Hanoar" ist als eine spezielle Institution geplant, welche hauptsächlich die Interessen der jüdischen Jugend im Auge hat. Er will ihr Freund und Helfer auf dem schweren Wege sein, den ihr zu gehen bestimmt ist. Es ist vielleicht ein Zufall, aber ein ganz charakteristischer, daß weder äie Zionistische Organisation noch ihre Anstalten bisher solch einen Fonds ins Leben gerufen haben. Man hat die große Sorge um die Erziehung und Ausbildung der Jugend den Parteien und einer beliebigen und zufälligen Initiative überlassen. Die Idee des „Ozar Hanoar" ist einfach und klar wie alle gesunden Ideen. Die jüdische Jugend, über die ganze Welt zerstreut, hat viele komplizierte persönliche^ Probleme und verantwortungsvolle nationale Aufgaben zu lösen und benötigtdaherwie einen Bissen Brot eine zentrale Körperschaft, die sich völlig ihren Interessen widmet. Die Jugend hat. ihre mannigfachen Bedürfnisse _ materielle, kulturelle, erzieherische. Sie zu befriedigen vermag nur ein spezieller Fonds, der im Dienst der Jungen steht und sich hauptsächlich auf die junge Generation selbst stützt. Gewiß, der Gedanke ist nicht neu. Man hat schon lange versucht, irgendwie der Jugend zu helfen. Es wurden verschiedene Experimente gemacht. Die meisten Versuche auf diesem Gebiet sind mißlungen. Die Frage wurde wieder nach den Geschehnissen der letzten Jahre aktuell, als die politische Demoralisation, der wachsende Egoismus und die Engherzigkeit sowie die schweren Symptome des kulturellen Verfalls der Jugend offenkundig, himmelschreiend wurden. Das Leben selbst hat das Problem gestellt und die Lösung verlangt — bis endlich all diese Ideen und Gedanken während des letzten Kongresses in Luzern im Jahre VorverJcauFssftellan: Jüdische Kuttursteile, I, Franz-Josefs-Kai 3, Tel. R-28-2-3b; Büchersmbe Kath, II, l'aborstr. iOa. Tel. R-45-305; Josef Weiß, Installateur II, Rotensterngasse 12; Matthias Grünwald, Caf6 Commera, H, Hollandstr. 8, Tel. A 46 ü 80; Adolf Lederer, Juwelier, IV. Schleifmühigasse, 12 und an der Kihokasse. 1935 eine konkrete Form angenommen haben. Dort wurde beschlossen, vom Wort zur Tat überzugehen und den Fonds zu schaffen, den man „Ozar Hanoar" nennt. Und in Luzern wurde auch ein Programm ausgearbeitet, das Richtlinien für die kommende Arbeit enthält. VI Die Initiatoren dieses Fonds standen vor einer schweren Aufgabe: ein großzügiges und vielfarbiges Programm vorzuzeichnen, aber gleichzeitig die Grenzen des Erreichbaren und Realeen nicht außer acht zu lassen. Das Beispiel anderer ähnlicher Versuche wirkte als Warnung. Es wurde beschlossen, einen bescheidenen Tätigkeitsplan aufzustellen, der das Notwendigst© enthalte. Man nahm vor allem die wirklichen Bedürfnisse der zionistischen Jugend in der Galuth und in Palästina in Betracht, die nach! winem menschenwürdigen Wohnsitz, nach einem eigenen Winkel, einer wirklichen Vorbereitung für Erez Israel, einer leichten Alijah, einer Stütze in der altneuen Heimat und einer Möglichkeit, sich dort zu verwurzeln, Sehnsucht haben. Der „Ozar Hanoar" will versuchen, eine richtige Antwort auf diese berechtigten Wünsche zu geben und so weit als möglich den Problemen der kulturellen, chaluzischen und körperlichen Ausbildung der jüdischen Jugend nachzugehen. Das Programm besteht aus sieben Punkten, worin gesagt wird: Um die jüdische Jugend im Geist des judenstaatlerischen Zionismus, produktiver Arbeit, Disziplin und nationalen Dienstes zu erziehen, wird der Ozar Hanoar folgendes zu leisten haben: 1. Sorge für die landwirtschaftliche und industrielle Fachausbildung der jüdischen Jugend; 2. Schaffung agrikultureller Hilfswirtschaften für die Chaluzim in den Dörfern; 3. Hilfe für die arbeitende Jugend zur Verwurzelung in der Wirtschaft Palästinas; 4. Errichtung von Heimen und Lagern in Palästina für neue Einwanderer; 5. Vorbereitung von Madrichim (Leitern) für physische und wehrsportliche Ausbildung. 6. Organisierung von Forschungsausflügen für die Jugend in Palästina und in der Galuth; 7. Eröffnung von Jugendklubs für Kultur und Sport in den Städten und Dörfern. Es ist wohl nicht nötig, jeden Punkt dieses kurzen Programms genauer zu erklären. Wer in engem Kontakt mit dem jüdischen Leben in der Galuth steht, wird gleich einsehen, daß die gestellten Aufgaben den Bedürfnissen entsprechfen. - Unsere Jugend leidet an den Folgen eines lang* MILFSECOMBTEE DES CH AJES-RE AlGYH NflSI U MS Samstag, den 25. Jänner 1936, in sämtlichen Sälen des Militärkasinos, I, Schwarzenbergplatz 1 GESELLSCHAFTSABEND mitTANZ Erstklassige Kunstkräfte / Beginn 20 Uhr Karten im Chajes-Realgymnasium, XX, Stäud/ngergasse 4/6, Wizo, L Schotteniing 26, und Bücherstube Rath, II, Taborstraße 20a, erhältlich Noch warten Tausende auf das große Erlebnis: tUv pjrffotifta-lMtfU»* dee To* Im Vorprogramm die interessanteTonfilmreportage: Der Luzerner Zionistenkongrcß Nächste Aufführung Sonntag, den 26. Jänner 1936, 'All Uhr vormittags, im IHPERiAL-tCINO Wien 9, Rotenfurmsfraße (Eingang Rothgasse)

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