Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 529 (17.1.1936)
- Date
- 1936-01-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 529 vom 17. Jänner 1935 ff orra Orangen sind eingelangt Wenn Sie eine wirklich saftige Orange wollen, nehmen Sie eine „Jafta". Jaffa - Orangen enthalten einen köstlichen Saft von angenehmster Erfrischung. Der Saft dieser in Sonne gebadeten Frucht wirkt blutreinigend. erhält das Atissehen jung und schützt gegen die Krankheiten des Winters. Was gibt dieser besonders großen Frucht eine so außergewöhnliche Güte? Teils die Sonne, teils die Erde, teils das Kiim:i von Palästina. Achten Sie darauf, die echte Palästina-Jaffa-Orange zu erhalten. Verlangen Sie Jaffa-Orangen und Grapefruit. E i n ä s t i n a Veranstaltungskalender Sektion Leopold sta dt, IL, Taborstraße 21a, Freitag-, den 17. d. M., halb 9 Uhr abends, Oneg Schabbath. Referent: Rabbiner M. Frostig. — Donnerstag, den 23. d, M.,- halb 9 Uhr abends, Vortrag- Dr. Felix K Tu g. Sektion P rater, IL, Kl. Zufahrtsstraße 16G. Samstag, den 18. d. M., 9 Uhr abends, Großer" Vortragsabend. Referent: Oberbaurat Robert Stricker. Thema; Palästina-Parlament; Das neue Einwanderungsgesetz. Sektion Favoriten. Montag, den 20. d. M., 8 Uhr abends, Im Saale des Gasthauses Lorenz Pratsch, X., Laxenburgerstraßc 37 (Ecke Raaberbahngaase). Vortragsabend. Redner: Oberbaurat Robert Stricker, Dr. Sal. Wolf. Thema: Die Lage der Juden in Palästina und der Gesetzgebende Rat. Sektion XIV/XV., Schanzatraße 32. Sonntag, den 3 9. -d. M., 6 Uhr nachmittags, Heimabend. — Dienstag, den 21. d. M:, halb 9 Uhr, Vorlesung. Martin Berossi: Neue jüdische Dichtung und Humor. ■ Sektion IX/XVIIL, Seroperstraße 19. Samstag, den IS. d. M., 8 Uhr abends, Heimabend. Donnerstag, den 23. d. M., halb 9 Uhr abends, Vortrag Fritz Richter. Mittwoch, den 23. d. M., halb 9 Uhr a.bends, im Zentralheim, L, Werdertorgasse 14. Vortrag Dr. Oskar Rosenf dd: Hilfe für die deutschen Juden. Voranzeige! Sektion XIII/XV. Samstag, den 8. Februar, im Gambrinussaal, XHL, Schanzstraße 31, Gesellschaftsabend (Akademie, Tanz und Tombola). Erstklassige Jazz. Entrec S 1.50. JudensfaatSEiouzstisdie Atbei'ft in Hoffend Aus Amsterdam wird berichtet: Ueb~r Einladung des Ostjüdischen Verbandes in Amsterdam sprach hier am 8, Jänner das Mitglied der Exekutive der Judenstaatspartei, Herr Theodor Grubner aus - Wien,' Utaer „die gegenwärtige Lage im Zionismu3". Der Obmann des Verbandes, Herr D. B. Mahle r, begrüßte die zahlreich Erschienenen und kündigte an, daß die Versammlungsteilnehmer, unter welchen sich Anhänger der verschiedenen zionistischen Parteischattienragen befanden, nach dem Referate Gelegenheit haben werden, im Rahmen einer Diskussion zu den einzelnen Problernen Stellung zu nehmen. Der Referent beschäftigte sich in seinem großangelegten Referate zunächst mit der Frage des Eoykotts deutscher Waren und der „Schande des Transfers" und beleuchtete dieses traurige Kapitel in der Geschichte der zionistischen Organisation vom Standpunkt der Ehre des jüdischen Volkes, der ungünstigen politischen Auswirkungen, die schon heute sich bemerkbar machen, und schließlich vom Standpunkte der Zweckmäßigkeit. An Hand statistischen Materials wies der Referent nach, daß im Verhältnis zur Gesamtzahl der deutschen Juden, welche in den letzten Jahren nach Erez Israel eingewandert sind, nur ein geringer Teil des Transfers, beziehungsweise der mit ihm verbundenen und in Palästina tätigen „Haawarah" sich bedienen konnte und daß dieser Teil der deutschen Juden zufolge der großen, von der genannten Gesellschaft gemachten Abzüge und der langen Dauer der Abwicklung des Transfers nur einen Bruchteil ihres Vermögens werden retten können. In seinen weiteren Ausführungen behandelte der Redner die jetzigen Zustände in Erez Israel, wies auf die Gefahren des von den linken Gruppen im Zionismus geschürten Klassenkampfes für die weitere Entwicklund des Landes hin und erörterte schließlich die von der Judenstaatspartei eingenommene Stellung zum Legislative Council. Unter lebhaftem Beifall der Versammlung schloß der Referent seine Ausführungen. An der Diskussion beteiligten sich mehrere Redner. — Herr Grubn c r hatte nach Schluß der Versammlung und am darauffolgenden Tage Gelegenheit, ein Initiativkomitee ins Leben zu rufen, desen Aufgabe es sein wird, in Holland eine Organisation der Judenstaatspartei zu begründen. Deufsditfarfcdtes Adreßbuch Unter Berufung auf das Preßgesetz erhielten wir folgende Zuschriften: Carl Kuhn «fe Co., Schreibfedern- und Federhalter-Fabrik, I., Stephansplatz 6; Sie schreiben in der Zeitung „Die Neue Welt" vom Dienstag, den 17. Dezember 1935, Nr. 522, Jahrgang 9, auf Seite 3, unter dem Titel „Tribüne" und dem Untertitel „Deutscharisches Adreßbuch für Oesterreich", daß dem Vorwort dieses Adreßbuches zu entnehmen ist, daß die im Verzeichnis enthaltene Firma Carl Kuhn & Co. A. G., Wien, IV. (Schreibfedern), den Besuch jüdischer Kunden nicht wünscht. Diese Behauptung ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß dem Vorwort nicht zu entnehmen ist, daß die im Verzeichnis enthaltene Firma Carl Kuhn & Co. A. G., Wien, IV. (Schreibfedern), den Besuch jüdischer Kunden nicht wünscht. Thunsche Porzellanfabrik, I., Wollzeilc Nr. 26. Sie schreiben in der Zeitung „Die Neue Welt" vom Dienstag, den 17. Dezember 1935, Nr. 522, Jahrgang 9, auf Seite 3, unter dem Titel „Tribüne" und dem Untertitel „Deutsch-arisches Adreßbuch für Oesterreich", daß dem Vorwort dieses Adreßbuches zu entnehmen ist, daß die im Verzeichnis enthaltene Firma Thunsche Porzellanniederlage, I., Wollzeilc 26, den Besuch jüdischer Kunden nicht wünscht. — Diese Behauptung ist unwahr, j Wahr ist vielmehr, daß dem Vorwort nicht zu entnehmen . ist, daß die im Verzeichnis enthaltene Firma Thunsche Pbrzellänniederlage, Wien, I., den Besuch jüdischer Kunden nicht wünscht. * Ferner eine Zuschrift von Herrn Julius Curjel, I., Elisabethstraße 5: Alle meine Bekannten und Freunde, die mich seit meiner Jugend kennen, wissen genau, daß ich weder im privaten noch im geschäftlichen Verkehr einen Unterschied zwischen Ariern und Nichtariern mache, noch gemacht habe, und es erübrigen sich daher alle Schlüsse, die auf das Erscheinen der Annonce in dem Deutsch-arischen Adreßbuch für Oesterreich gezogen worden sind. * Anm. der Red.: Erst im „Deutsch-arischen" Adreßbuch inserieren, dann unter Berufung auf das Preßgesetz die p. t. jüdischen Kundschaften beruhigen und einladen. Die Herrschaften wollen auf zwei Hochzeiten tanzen, auf der deutsch-arischen u n d der jüdischen. fSIEGM. KORNMEHL I GROSSFLEI&jCpfftAUEREI f Zentrale: IX, Ber'ggasse 19.'Tef. A-17-5-99 u. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für ^^»Flelsch | unter Aursicht des Ehrwürdigen Rabbinats der lsr. Kultusgemeiude Wien Autozusteilung kostenlos i «X.. Berggasse 15 / XVIII., Währingerstr. 97 »M»MM>t»MM«M>*M»»M»»m>»M<MC »»»♦♦••»♦♦♦♦♦♦»>* Ein „jüdisches" Unternehmen Wir erhalten unter diesem Titel folgende Zuschrift eines Lesers:'In Wien existiert ein von Herrn Professor Knif geleiteter „Akademischer Rcitklub", welcher unter „Arierparagraph" steht und dementsprechend politisch und gesellschaftlich eingestellt ist. Der Klub war in der von den Herren Feri v. Hifer und Hauptmann v. Sekulicz (beide sind Arier) geführten Schwarzenberg-Reitschule eingemietet. Den beiden Herren widerstrebte das Gebaren des „arischen" Klubs, sie nahmen den materiellen Verlust auf sich und kündigten den Herrschaften. Diese wandten sich an die Reitschule des „Theresianums", welche unter staatlicher Kontrolle steht, um Aufnahme. Sie wurden abgewiesen. Es blieb ihnen nichts übrig, sie mußten sich an die noch übrigbleibenden zwei Reitschulen, an die Firmen Jakobsohn und Schlesinger, wenden. Eine bittere Sache. Bei der Reitschule Jakobsohn erfuhren sie eine Ablehnung. Aber die „jüdische" Reitschule Schlesinger hat die Antisemiten, welche von nichtjüdischen Instituten wegen ihrer Tendenz abgewiesen worden waren, herzlich aufgenommen. Ich glaube, daß der Vorfall wert ist, dem Publikum zur Kenntnis gebracht zu werden. Die Umstände, unter welchen die Liaison „Arier und Schlesinger" zustande kam, sind bemerkenswert. Hochachtungsvoll Dr. —n. Heldengedenktafel der jüdischen Frontsoldaten. Die Bezirksgruppe IX, Aisergrund, des Bundes jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs beabsichtigt, zu Ehren der gefallenen jüdischen Soldaten des Wiener 9. Bezirkes im Müllner-Tempel eine Gedenktafel zu errichten, welche die Namen der im Weltkriege gefallenen Kämpfer tragen soll. Die Bezirksführung ersucht die Angehörigen, Kameraden und Freunde um Bekanntgabe von Namen, Geburts- und Todestag, Charge, Regiment, Auszeichnung sowie Begräbnisstätte aller gefallenen jüdischen Krieger, die im 9. Bezirk gewohnt haben. — Diesbezügliche Mitteilungen sind schriftlich oder mündlich an die B. O. G. IX des Bundes jüdischer Frontsoldaten, Wien, IX., Liechtensteinstraße 121, oder persönlich jeden Mittwoch ab 20 Uhr abends an obige Adresse erbeten. ♦»♦♦»»♦»♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦»»»♦♦♦♦♦»»♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦»■ Verlanget uberall »Die Neue Well« Aus einem Tollhaus Was die deutsche Jugend singt Das „Pariser Tagblatt" bringt eine Reihe von Liedern, welche von der Hitler-Jugend bei festlichen Kino-Vorstellungen, so zuletzt in Kassel, vorgetragen werden. Neben „Judcnliedern" viele „Pfaffen-Lieder". Nachstehend eine kleine Auslese: (Lied zu singen nach der Melodie: „Lore, Lore, Lora, schön sind die Mädchen zwischen siebzehn, achtzehn Jahr...) Die alte Judenbande Ist endlich ausgefegt. Die schwarze LUgcnbandc Lügt weiter unentwegt Du deutsches Volk, sag, muß das sein, Daß dich bespeit das schwarze Schwein? Wann nicht, dann dresche doch darauf, Daß Funken fliegen hoch hinauf! Halli, Hallo! Grüß mir den Jesus noch einmal. Schön ist der Jesus von 33 Jahren! Halli, Halli, Hallo. Deutsche Männer, deutsche Frauen, Jetzt ist's genug mit der Faulhaberci! Deutsche Männer, deutsche Frauen, Haut das schwarze Lumpenpack zu Brei! Und wenn sie Zeter und Mordio schreien. Gebt ihnen noch ein Ding hinein! Halli, Hallo! usw. Die Hand dem deutschen Bruder, Der ehrlich zu uns kam. Die Faust in seine Fresse, Dem schwarzen Hetzkaplan! Bald wird es Licht, es dämmert schon. Dann kriegt der Jude seinen Lohn! An den Galgen! Den er längst verdient! Die Raben freu'n sich schon auf ihn. Erst wenn er baumelt in der Luft Sind wir erlöst vom schwarzen Schuft. Halli, Hallo! usw. * Der Papst hockt in Rom auf seidenem Thron. Es hocken bei uns seine Pfaffen. Was hat einer deutschen Mutter Sohn Mit Papst und Pfaffen zu schaffen? Man bat unsre Ahnen als Ketzer verbrannt, Der streitbaren Kirche zu Ehren; In Asiens Wüsten, im Heiligen Land Verblutete Deutschlands Wehre. Rot floß der Adler von Sachsenblut, Die Stedinger wurden erschlagen; Als Ablaß wurde das Bauerngut Von Mönchen ins Ausland getragen. Die Zeit verging, der Pfaffe blieb, Dem Volke die Seele zu rauben. Und ob er's römisch, ob lutherisch trieb, Er lehrte den jüdischen Glauben. Doch nun sind die Jahre des Kreuzes vorbei. Das Sonnenrad will sich erheben. So werden mit Gott wir endlich frei, Der Heimat die Ehre zu geben. m Wir sind die fröhliche Hitler-Jugend. Wir brauchen keine christliche Tugend! Denn unser Führer Adolf Hitler Ist unser Erlöser, ist unser Mittler! Kein Pfaff, kein böser, kann uns dran hindern Uns zu fühlen, wie Hitlers Kinder. Nicht Christus folgen wir, sondern Horst Wessel. Fort mit Weihrauch und Weihwasserkessel! Wir folgen singend Hitlers Fahnen. Nur dann sind wir würdig unsrer Ahnen. Ich bin kein Christ und kern Katholik. Ich geh mit SA. durch Dünn und Dick. Die Kirche kann mir gestohlen werden, Das Hakenkreuz macht mich glücklich auf Erden. Ihm will ich folgen auf Schritt und Tritt! Baidur von Schirach, nimmt mich mit! Auf eine einsame Insel Aus Berlin: Der „Stürmer" fordert in seiner letzten Ausgabe eine internationale Aktion, um die Juden — und zwar nicht allein die deutschen Juden, sondern alle unter „arischen Völkern" lebenden Juden —■ auf eine unbewohnte Insel zu schaffen. Für den Augenblick fordert der „Stürmer", daß den Juden in Deutschland der Genuß von Koscher« Fleisch und sonstiger rituell zub«r«it«t*t Nahrung verboten werde, da die jüdischen Ritul^ lien überhaupt eine Beleidigung des Christentums und der christlichen Völker darstellen, Dies darum;