Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1936-01-17 · Heft 529 (17.1.1936) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 529 (17.1.1936)
Date
1936-01-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2711613-2712150-2712154--5552-2719184
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 2 DIE NEUE WEI*T -., v. ■■■.inh»i ......'........ Nr. 529 vom 17. Jänner 1936 --- ■■ ■ _fl.V n-nni - BIAll K-KLU B, WIEN I, BRXUNERSTRASSE 7/10 SCHALON ASCH die fekttyeH BesUebuqett äet Juden und des Judentum Der berühmte Dichter Präsident des jüdläch'eo Pen-Klubs und Eftreitmftglied des \Velt-Pen-KlubssprichtalsGa3tde3BiaJlk-Klubg.lamll0g, den S 5. Jännar 1916, um 8 Uhr abends im äroflen Kon*<trthaujsaal, Wien III, Lothiingerstr. 20/ Uber das Thema: Karten von 1 bis 6 Schilling erhältlich: Keren Kajemeth, Wien, I., Marc-Anrel-Straße 5, Tel. Nr. U-20-1-29; Zionistischer Landesverband, I., Marc-Aurel-Straße 6, Tel. Nr. U-22-2-11; „Wiso", I., Schotterirlng 26, Tel* Nr. A-ll-6-26; Jüdische Kulturstell«»' I., Franz-Joaefs-Kal 3. Telephon Nr. R-28-2?8Ö; Bücherstube Rath, IL, Taborstraße 20a. Tel. Nr. 45-305: Bücherstube Lanyl, I., Kfirntnerstraße 44, Tel. Nr. B-25-6-75; Kartenbüro Gronner, I., Graben 28, Tel. Nr. 11-22-4-45 Bücherstube LÖwit, I., Wollaeile 6, Tel. 21^-2-45: und am Vortragsabend bei der Konzerthauskasse, III., Lothringerstraße 20. ten Rechtes dort lebt und Ansprach hat, sich zu entwickeln, nicht aber auf Grund von Duldung durch die arabische Bevölkerung. Genau so wie auch die arabische Bevölkerung von Rechts wegen dort lebt. Die beiden Gemeinschaften sind rechtsgleich und unter den bestehenden Verhältnissen Ist kein Vertretungssystem, das der einen Gemeinschaft mehr Stimmrecht gibt als der anderen, mit dem Geist und Ziel des Mandats ZU vereinbare n." Minister a. D. Wedgwood gegen den Council ■ In der „Times" nimmt Abg. Wedgwood in heftiger Weise gegen die Errichtung eines Palästina-Parlaments Stellung und beschuldigt die Palästina-Regierung, daß sie hiedurch die Verhetzung zwischen Juden und Arabern fordern will, um leichter regieren zu können. Er weist sodann auf das in Kenya eingeführte System hin, wo eine offizLeite Majorität zur Sicherung der Kontrolle durch Kolonialamt und Parlament eingeführt ist, während für Palästina keine offizielle Majorität vorgesehen sei. Stätt dessen werde die Regierung zwischen den rivalisierenden Gemeinschaften — Mohammedanern, Christen, Juden, Beamten und vielleicht noch anderen — zu balancieren haben. Dies führe zu dem Prinzip des „Teile und herrsch e", mit dem man schon in Cypern so schlechte Erfahrungen .gemacht habe. Zum Schluß schlägt Wedgwood die Einsetzung einer Kommission zur Ueberprüfung des palästinensischen Verfassungsentwurfes vor. Im Hinblick auf die notwendigerweise .begrenzte Erfahrung derjenigen, die diese Vorschläge entworfen hätten, lohne es sich, die praktische Erfahrung des britischen Weltreiches in Berücksichtigung zu ziehen und eine kleine Verzögerung in Kauf zu nehmen. Die christlichen Araber für den Legislative Council Aus Jerusalem: Die christlichen Araber haben beschlossen, dem High Commissioner ein eigenes Memorandum zu überreichen, in dem sie die Annahme des Vorschlages, einen Legislative Council für Palästina zu errichten, zürn Ausdruck bringen. Dieses Vorgehen der christlichen Araber ist darauf zurückzuführen, daß in der äm Donnerstag abgehaltenen Beratung der sechs arabi- . sehen Parteien ein einstimmiger Beschluß zur Frage des Legislative-Gouncil nicht zustande kam. . Regierungsbeamte statt Juden .. Aus London: Die als gut informiert geltende Zeitung „The" Scotsman" führt aus, der High Commissioner Sir Arthur. Wauchope habe sich bei seiner Aktion zur Errichtung des Legislative Council in Palästina die volle Zustimmung der Londoner Regierung-gesichert. Die Regierung hoffte, daß die Zusammenarbeit von Juden und Arabern in den Stadtverwaltungen den Wege bereiten werde für eine Zusammenarbeit im Legislative Council; diese Erwartung habe sich bis heute nicht erfüllt. Heute betrachtet es die Regierung als ihre Aufgabe, den Legislative Council — falls nicht anders möglich, auch ohne jüdische Repräsentanz ■— in Funktion treten zu lassen; bis zur Herbeiführung einer'M i t a r b e i t der Juden werden die für die Juden bestimmten Mandate durch vom High Commissioner ernannte Regierungsbeamte besetzt werden. Rabbiner Cohn-Bernhard freigelassen, Rabbiner Maibaum noch in Haft Aus Berlin: Der am 20. Dezember aus einer Versammlung heraus verhaftete bekannte Berliner Rabbiner Dr. Emil.Cohn (als dramatischer Dichter unter dem Pseudonym Emil Bernhard sehr bekannt) ist aus dem- Columbia-Haus, wo er bisher gehalten wurde, entlassen worden. Er wird sich vor Gericht wegen angeblicher Kritik an den Nürnberger Gesetzen zu verantworten haben. Dagegen ist der am 18. Dezember verhaftete Rabbiner von Frankfurt a. O., Dr. Ignaz Maibaum, ein hervorragender Gelehrter, immer noch in Haft. 48 STUNDEN ARBEIT in welchem Beruf immer, das ist eine ganze Woche einseitiger Betätigung. Diese einseitige Betätigung führt zu erhöhter Ermüdung der bei der Arbeit' . besonders beanspruchten Körperpartien, aber auch zur Erschlaffung, der minder beanspruchten. Sport und Natur" sind der gebotene Ausgleich, aber auch der Gebrauch von DIANA-Franzbranntwein mit Menthol, Tägliche Massage mit Diana erfrischt^ regt'den Blutkreislauf an, erhöht die Spannkraft. Ebenso wertvoll zur Mund- und Haarpflege Verlangen Sie ausdrücklich , „DIANA". Welsen SIo minderwertige Nachahmungen zurück. RUNDSCHAU Nur keine „neuen Kopfschmerzen" ♦«♦ Die Frage der Besiedlung Transjordaniens durch Juden ist seit Jahren auf der Tagesordnung. Immer wieder wurde betont, daß Transjordanien eine jüdische Einwanderung wünsche, da es sich davon eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage des Landes verspreche, und immer wieder wurden derlei Projekte zum Scheitern gebracht. Nun meldet die J.T.jA. aus Jerusalem: Arabischen Pressemeldungen zufolge ist zwischen dem e n g 1 i s c lve n •'Vertreter in Amman, Oberstleutnant Charles H. F. Cox, und dem Premierminister von Transjordanien, Ibrahim Pascha Haschern, ein ernster Konflikt wegen des Problems der Ansiedlüng von Juden in Transjordanien ausgebrochen. Die arabischen Zeitungen erklären, die Transjordanier seien für die Zulassung jüdischer Ansiedlüng in Transjordanien, während der englische Vertreter sich dem energisch widersetze und erkläre, er brauche keine „neuen Kopfschmerzen". Man erfährt also authentisch, wem das Scheitern der Bestrebungen, die auf eine Ansiedlüng von Juden in Transjordanien hinauslaufen, zuzuschreiben ist. Die Araber wollen, die Juden wollen — und die englische Beamtenschaft stellt sich dazwischen, stört das Einvernehmen, stiftet Unfrieden und bringt es dahin, daß unnütze Spannungen entstehen. Dem Umstand zuliebe, daß ein paar Kölonialbeamte keine „neuen Kopfschmerzen" haben wollen, wird das Wohl der kolonisationsbedürftigen Transjordanier und der kolonisationsfähigen Juden geopfert... Hungergefahr in Transjordanien Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: Aus Aman, der Hauptstadt von Transjordanien, wird mitgeteilt, daß im ganzen Land schreckliche Trockenheit herrscht. Die ganze Ernte ist der Dürre zum Opfer gefallen. Tausende Tiere gehen zugrunde. Die . Mehlpreise sind gestiegen und man befürchtet, daß In Transjordanien heuer Hungersnot ausbrechen werde. * Aber der englische Resident und „Berater" verhindert,, daß man Juden, ins Land .läßt, um für.,moderne Landwirtschaft und vor aüsm für ausreichende Bewässerung zu sorgen. Anfertigung 0rgg Salzburger Dirndlkleidern Stickereien, Tücher, Gürtel u. Schließen/ MUnzenknöpfe tniecUcsatot* B. PEXA &gSff£g& Noch immer nidifs gelernt Unter den Auspizien der German American League for Culture (Deutsch-amerikanischer Kulturbund) einer, antihitleristischen Organisation der deutschen Amerikaner, wurde im großen St. Nicholas Palace in New York ein „German Day" veranstaltet, eine Ausspssrache über Dinge, welche den in Amerika lebenden Deutschen am Herzen liegen. Selbstverständlich wurde von den einzelnen Rednern — es waren dies die Deutschen Ernst Jahnke, Gerhard Seeger, Dr. Frank Bohn,, Otto Sattler u. a. — das Hitler-Regime als das, was es ist, gebrandmarkt und das 7000köpfige Publikum nahm die Erklärung,;daß das gegenwärtige deutsche Regime weder den' - deutschen Geist verkörpere noch die wahre Gesinnung des deutschen Volkes vertrete, mit demonstrativem Beifall entgegen. . Es war ein schöner „German Day", (er wurde sogar vom Präsidenten Roosevelt begrüßt), hatte aber einen Makel: die Rede des „jüdischen" Schriftstellers Emil Ludwig (Cohn). Herr Ludwig weiß zweifellos Bescheid über die Dinge des Dritten Reiches und über die Nöte der Deutschen, die unter dem Hakenkreuz schmachten. Er hat auch das Recht, zu behaupten, daß das nationalsozialistische Barbarentum die abendländische Kultur bedroht. Er ist aber nicht legitimiert, „die dreißig Millionen deutschsprachiger Menschen,, die außerhalb des geknechteten Reiches leben, zur Errichtung einer wahren deutschen Kulturfront" aufzufordern. Die Deutschen sollen sich ihre deutsche Kultur selber wahren, selber das wahren, was sie unter deutscher Kultur verstehen. Emil Ludwig-Cohns Worte sind eine ungewünschte Einmischung, bei der es — wie immer schließlich — heißen wird: „Was will der Jud von uns?" Die Herren ä la Emil Ludwig haben leider noch immer nichts gelernt. ,Audi in Palästina lästig" Unter diesem Titel schreibt die Berliner „Jüdische Rundschau": „Eine Reihe von deutschen Zeitungen im Reiche, darunter die .Westfälische Landes zeit ung Rote Erde', Dortmund, die ,National-Z eitung', Essen, kommentieren unter der Ueberschrift .Lästig auch in Palästina' einen Bericht, den das ,Echo de Paris' von seinem Berichterstatter Raymond Cartlcr erhalten hat. Der Berichterstatter des Pariser Blatte« habe demnach berichtet, daß, er auf seine Frage nach der Einordnung der Juden aus Deutschland in Palästina folgende Antworten erhalten haben soll. ,Die Juden aus Deutschland sind drauf und. dran, uns ernste Schwierigkeiten zu schaffen,' die die Homogenität unserer Bevölkerung in Frage stellen. Sie haben eine allzu ausgesprochene Tendenz, geschlossen unter sich zu leben.' Der rücksichtslose Zustrom eines starken jüdisch-deutschen Elements, so berichtet'Cartier weiter, bringt .tatsächlich die Gefahr mit sich, das palästinensische Nationalheim ernsthaft zu stören'. Selbst die Ureinwohner des Gelobten Landes klagen, bitter: .Außerdem machen sich viele dieser deutschen Juden schlechthin unleidlich durch ihren Anspruch auf eine. Ueberlegenheit.' In dem erwähnten Artikel der .National-Zeitung* (ähnlich in anderen .Blättern) wird nun auf die Denkschrift des Flüchtlings--Kommissars MacDonald Bezug genommen und hinzugefügt: /Wenn selbst Palästina die Juden aus Deutschland als lästig empfindet,'dann genügt das gegen allQ Denkschriften." Daß die Einordnung der Juden aus Deutschland —* wie übrigens jeder kulturell einheitlichen, plötzlich in großen Massen einwandernden Gruppe ^- . in. Palästina neue Probleme auf wirft, wurde in der .Jüdischen Rundschau' wiederholt dargelegt. Die Schwierigkeiten liegen aber nicht darin, daß diese Einwanderer zu jüdisch, sind, sondern daß sie zu stark deutsch-kultu«. rell gebunden sind und sich daher nicht so schnell in das jüdische Kulturleben einfügen können. Wenn in Palästina das allzu starke Zurschautragen dieser deutsch«« kulturellen Bindung seitens mancher jüdischer Einwanderer aus Deutschland peinlich empfunden wird, so scheint uns dies kein Anlaß zu den von den erwähntem Zeitungen gezogenen Schlußfolgerungen." Pension ttkstem - Setnmm^ Die Pariser /, Her zhDokumente" Das Drangt „Das Ghetto" Das. Pariser Tagblatt „Hajnt" vom 14. Jänner 19^*5 schreibt über die kürzlich durch die Presse gegangenem Meldungen über den Fund neuer Herzl-Dokumente: Wie wir bereits gemeldet haben, Ist .man irs Paris auf die Spur eines wichtigen Dokuments ge* kommen, das der Schöpfer des politischen Zionismus den Akademie der Wissenschaften in Paria übergeben hat. Dir. Reichenfeld (Wien) hat unseren Mitarbeiter Herrn; M. Jahrblum beauftragt, sich mit dieser Angelegenheit zu/ beschäftigen und sich zu bemühen, das Herzl-DokumentJ herauszubekommen. Es hat sich herausgestellt, daß Dr. Herzl am, 31. Dezember 1894 der „Academie eds sciences" in Paris] ein versiegeltes Kuvert übergeben hat. Deswegen war es. notwendig, bei der Leitung der Akademie die nötigen; Schritte bezüglich der Oeffnung des Kuverts zu unter,.* nehmen. VERBAND JUDENSTAATSZIONISTEN ÖSTERREICHS SEKTION PRATER Samstag, den 18. Jänner, 9 Uhr abends, im Heinii II, Kleine Zufahrtsstraße 166 VORTRAG Referent: Oberbaurat Robert Stricker Thema: Das Palästina-Parlament — Das neue Ein« wanderunssgesetz Die Erlaubnis hiezu wurde erteilt und gestern, amj 13. Jänner, in einer Sitzung der Akademie unter dem Vorn sitz von Prof. Jean Perain und in Anwesenheit des Sekretärs Emile Picard wurde das Herzl-Dokument oÜU zlell geöffnet. Unser Mitarbeiter M. Jahrblum wohntej diesem Akt bei. Laut den Vorschriften der Akademie wurde das geöffnete Kuvert einer Komission zum Studium über« geben. Wie Herr Jarblum erfuhr, wurde in dem Kuvert das Manuskript eines Dramas in 4 Akten mit dem Titel „Das Ghetto" gefunden. Gemäß den Vorschriften; wird das Manuskript, wenn der Autor gestorben Ist* nicht herausgegeben. Das Manuskript verbleibt in der! Bibliothek der Akademie und eine Kopie wird Herrn Dir. Reichenfeld, Herzls Testamentsvollstrecker, über« mittelt werden. Anmerkung der „Neuen Welt'*: Uebeß Anfrage teilt uns Herr Direktor Reichenfeld mit, daß es sich um den ursprünglichen Entwurf von Herzls Drama „Das neue Ghetto" handelt und somit alle in letzter Zelt lancierten Gerüchte von einer Entdeckung wichtig«* politischer, bisher unbekannter Herzl-Dokum»n4§ sich als haltlos erwiesen haben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.