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Die neue Welt · 1936-01-17 · Heft 529 (17.1.1936) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 529 (17.1.1936)
Date
1936-01-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen «fe» 17« ü«n*r nnhwqtnq Nr« 520 V* h* Ii* U|( Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par I'editeur" e«, t. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich Monatlich S 1.40, vierteljährig 8 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.60, vierteljährig Zloty 4.50J Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—{Jugoslawien monatlich Dinar 14.—,.vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig- Lei 120.—: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—: Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa SO.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universiiäfsstr. 8, Tel. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag 11. Freitag ■ Das deutsche Judentum ohne Zionismus ' Unter dem Druck der äußeren Verhältnisse hat »Ich im deutschen Judentum eine Wandlung vollzogen. Weite kreise, die bisher völlig in der deüts'cheh Umwelt Aufgegangen waren, sind zur Besinnung auf ihr eigenes Sein gekommen und bezeugen durch vielerlei Reflexe, daß <Jas jüdische Volkstum in Deutschland wieder zu einenv lebendigen' Begriff, "zu einer ehrenvollen Erscheinung geworden ist. Nochhat diese Tatsache nicht den hundertprozentigen organisatorischen Ausdruck gefunden, aber ein Leben der Juden in Deutschland ohne Anerkennung <ler eigenen jüdischen Werte und ohne.das Streben; sich" *ie zu eigen zu "machen, ist nicht mehr' möglich. Derzionistische' Gedanke ist zur e in drucks- '• vollst'en geistigen Macht 'für die deutschen Ju'den geworden. Es ist dies eine Tatsache, die'auch Von den jüdisch-liberalen Blättern Deutschlandsnicht mehV geleugnet wird — es sei denn, daß diese 'die: Bedeutung 'dös Zionismus für die Juden Hitler-Deutsch-; fänds gegen ihre'' eigene Ueberzeugung' herabsetzen. Nebender zionistischen Bewegung'gibt eis.in Deutschland keine andere konstruktive' i'dee. ÄJle Gebiete des Lebens der äeütscb'eh^JÜdeVsind1 yöni Zionismus erfaßt und befruch-'' tet worden. Der Zionismus ist"zürn Helfer im Alltag" Emporgestiegen. ' Man muß. diese. Tatsachen;sö natürlich sie ist, dennoch, betonen,, da son'st die Memyng.v entstehen könnte, daß. jede - verfolgte jüdische Gemeinschaf tautomatisch zu den Quellen^des.; Judentums zairücktjnden muß. In - Deutschland . 35. B. wä^e^das^Judentum * wj5||ehos v^öllig1. 'Verstört, zerv rieben und* auf getost -worde^'^:Ä^^'"-aic:nv'Mblit im Zionis-" t^sre^°;:^8etvo^'.g«funden,<däs :äll .die 'dem-Möhts preisgegebenen Strömejüdischen 'Willens -aufgenommen hat.' .: Zionistisch ist der Gedanke-' der jüdischen- Schul'e und Erziehung, zionistisch der Gedanke der Beruf s ü m s'c h rcHtung, 'der tapsenden jüdischen ' Juri-, gen und Mädchen einen neuen- Lebensweg gewiesen hat.* r .; ■/. Bin/:aVderes Gebiet: der -'S p<'b r't! Schon vor, Jahr-, zehnten, gleich bei Beginn des politischen Zionismus,' wurde ' die: jüdische Sportbewegunggeschaffen als &portdisziplin,>'.va;ber gleichzeitig' ,auch als Erzieherin zu volklichem "Denken und nationälem Bewußtsein. Die Makkabi-Weltbewegung fußt auf zionistischen' Prinzipien. -'-In ihr verankert ist" die jüdische• Jugendbewegung/ eine ganz neue, im'••Galuthleben der liberalen und assimilatorischen Epoche unbekannte Erscheinung; die da&ri zieft,' daß die'allgemein menschlichen Bedürfnisse der" ijüdisehen Jugend mit den : spezifisch jüdi: sehen zu einher höheren Einheit verschmelzen und eine Kameradschaftsbasis schaffen, auf . der später die Tugenden; Iwelch'e\ zur Schaffung des Nationalheims in Palästina erforderlich sind, emporwachsen können. _ In (Deutschland sind die . sogenannten jüdischen küiturbüride geschaffen worden. Jüdische Menschen, die bisher im deutschen Kulturbereich gewirkt haben, arbeiten jetzt im eigenen Rahmen; sie begründen ein eigenes jüdisches Kulturleben, das 'ohne den zionistischen Gedanken ' der jüdischen Renaissance zum Verdorren . verurteilt wäre.. Der Einbruch der ostjüdischen Literatur, die Berührung jnit den. Kräften der. älteren jüdischen Kulturw^r.te hat das jüdische Leben in' Deutschland in cin,er. Weise befruchtet, die man bisher nicht für möglich gehalten hätte. AH' diese Werte hatten ö Ii n e d i e' E x i- :s t c » z e I nes .jüdischen V o 1 k >s b e w u ß t seins niemals das Licht der Welt erblickt. ... -Die.zionistische Bewegung hat aber auch gewaltige praktische Arbeit geleistet. Sie hat aus jüdischen Flüchtlingen , und Emigranten produktive Mensch cn.#uf jüdischer Erde gemacht. Während in den Nachbarländern Hitler-Deutschlands die jüdischen Flüchtlinge und,Emigranten das Leben lästiger Ausländer Die Stimme eines Freundes und Staatsmannes Minister a. D. Amery zum Palästina-Parlament Der Zionismus besitzt warme und kluge F r e u n d e im englischen Volke. Sein Feind ist die englische Kolonial-Bürokfatie, welche die Juden in Palästina auf den Stand .einer von ihrer Gnade abhängigen Eingebornen:Gesellschäft herabdrückfcn möchte. Leider hat die zionistische Leitung in den letzten'Jahren den Kontakt mit dem englischen Volke und seinen maßgebenden Führern vernachlässigt und allzu viel früchtlose Politik in den Büros der an sich feindselig eingestellten Kolönial-Bürokratie in London und Jerusalem betrieben. Diese Meinung ist in der m Jlterenetttonfungen fSlreÖlaucr f'eiS.imt: *W Scmetörnmt „Neuen Welt" immer wieder zum Ausdruck gekommen. Einen Hinweis, wo die zionistische Politik und Aufklärungsarbeit .einzusetzen sind, bietet,ein Artikel des ehemaligen Kolonialmiriisters L. S. A m e ry, der Jahre hindurch mit - der Pälästiiia-Verwaltu'ng beschäftigt . war. ' Amery * knüpft in "diesem Artikel an den Kampfartikei des. Cploriel Wedgwobd gegen die Errichtung des Legislative"Council an undschreibt: l\ '', »»Wer mit den yertiältiüssen" in Palästina vertrank ist, vkajuv die Be^erf^n nur, tteilen,_ die Coioner. i Wedgwood dagegen vorgebracht hat, daß . wir v.er: ■. jj,.- ...-.-.i..^'■<:y~?:At>.'.'ai^^w^t^^-r'-.-? •.•v*<"' •'-r''-"- •••'': jüdische Einwanderung dem Lande und seiner arabisehen Bevölkerung gebracht hat, so werden doch aus Wahlrücksichten alle arabischen Kandidaten zu einer Taktik der Niederwerfung der Politik des Jüdischen Nationalheims in Palästina genötigt sein." „Zu dieser Politik sind wir dadurch, daß wir das Mandat übernommen haben, und durch die Erklärungen aller unserer führenden Staatsmänner seit der Deklaration Lord Balfours vor fast zwanzig Jahren verpflichtet. Jetzt von ihr abzugehen oder durch absichtliche Schaffung von Schwierigkeiten bei ihrer DurcnTHhrung sie abzuschwächen; angesichts der Tatsache, daß Juden einen Ausweg zur Rettung nicht nur ihrer Würde, sondern ihrer nackten Existenz suchen, ihnen ihre einzige Tür ins Freie zu verrammeln, hieße uns selbst zum Narren machen und wäre ein Verrat an denjenigen,' die uns ihr Vertrauen geschenkt haben." „Es ist richtig, daß wir durch das Mandat in nicht geringerem Maße verpflichtet sind, die Interessen der arabischen Bevölkerung, zu. wahren und das v Entstehen von Selbstverwaltungseinrichtunge^ in -Palästina zu ermutigen. Aber selbstverständlich müssen (H i n t e r dem Deut sehe n V o I k s t fr * o t e r) ■ C e san 9: LEO IL L M A R Jeden Samstag und Sonntag: Konzert, Tanz und Stimmun9smusjk Beginn Vfe9 Uhr abends Besucherkarte 80 Gr. suchen wollen, in einem Lahde mit noch' so t i e fgeh enden Spaltung e'n seiner '•'■ Bevölkerung1 <I'u a' s i - p a r1 a m e n t a r i s c h e Einrichtungen herkömmlicher Art zu schaffen. In Indien gibt es schließlich' ein gewisses Maß von Nationalgefühl,' das: über (ifoVZ^ der einzelnen Gemeinschaften hinausgeht und auf dem aufzubauen tvjtr "hoffen können; weder die Mehrheit der Hindu noch die mohammedanische Minderheit steilen grundsätzlich das Recht der anderen, an dem n a t'i ö n'-a^Ve ri Leben teilzunehmen, in Abrede. In Palästina sind wir'von diesem Zustand noch weit entf errit. Und :welche Genugtuung immer überleguiigsfähige Araber über die Vorteile empfinden mögen, die die Htuk Pud&stikü ssu Pahmh! WwWWWw^ ^fl^^tf^*^»• w . mrvw m-wwwwwjvww ■ '• Billige Gesellschaftsreise mit oder ohne Verp£leg«ing; Ausflüge im Lande, nach Aegypten und' Syrien, unter v ..... bewährter Führung . 1 - Mäßige Preise ab S SSO.-. NHhere Auskünfte bei Dr.S.TOCKER im Reisebüro,In die Welt'(WiM.Renqer) WIEN IX, LIECHTENSTEINSTRASSE 2, Tel. AV14-504 wir erwägen, welches die besten Mittel zur Erfüllung der ersten, und welche die richtige Linie und Methode.zur Erfüllung der zweiten Verpflichtung sind. Wenn wir frühzeitig an die Einsetzung einer gewählten gesetzgebenden Körperschaft herangehen wollen, gibt es dann keine Methode, durch die wir den von Colone! Wedgwood mit Recht befürchteten Zustand vermeiden können, daß die Juden tatsächlich oder statutengemäß für die Dauer eine Minderheit werden, die: stets überstimmt wird und die vor Unheil nur durch das fortwährende Eingreifen der Beamtenstimmen bewahrt w e r d e n k a n n? Ich glaube, es gibt eine solche, aber sie kann nur * gefunden werden — und hier unterscheide ich mich von Golonel Wedgwood —, wenn mau die Kluft zwischen den beiden Gemeinschaften nicht außer acht läßt; sondern beiden vollständige und gleiche Anerkennung gewährt." „Es gehört zum Wesen des Mandats, daß die jüdische Bevölkerung Palästinas auf Grund international anerkannten und bekräftig« führen, denen man je nach Möglichkeit ein Almosen'hiör wirft; hat Palästina, das1, vom Zionismu;s;:i;n vhei j:ä hriger Arbeit .• reif-gemach? t:e; jky&z «isräel,' die^ jüdischen Brüder aus Deutschland; als;— "Brüder auf genommen und sie .an einem Prozeß teilnehmen lassen, dessen Resultat. Ehre, Würde und Ejxistenz •yer'bürgt. '.'•'•" . Das Flucht! i n g s h* i It s w e r k ist ziusammeh- BESTE QUALimEN! BÄSCH IV, ARGBIfTilililPilTR. 22 - TEL SERIE gebrochen.. Maßnahmen des Völkerbundes, wie sie. in der letzten Zeit, von verschiedenen Seiten gefordert und er. wartet werden, verbürgen keinerlei Erfolg. Sichtbares hat bisher allein das zionistische Palästina geleistet, Es ist keine Ueberhebung zu behaupten, daß ohne den Zionismus weder die geistige, noch die praktische Leistung, welche für die deutschen Juden vollbracht wurde, möglich; gewesen wäre. Deshalb ist es geradezu ein Verbrechen, wenn von gewissen jüdischen Gruppen oder Organisationen jetzt, in den Stunden höchster Gefahx', der Zionismus bekämpft und; eine Argumentation angewendet; wird, welche die besten Pläne, 'und Ziele verdächtigt und Uneinigkeit schafft, wo nichts notwendiger ist als Geschlossenheit und Eintracht. Die Entwicklung der Judenheit z V m nationalen Gedanken, wie er im Zionismus kristallisiert ist, läßt sich nicht aufhalten. Nichtsdestoweniger muß auf die Schädlichkeit der assimilantistischea Wühlmäuse hingewiesen werden, o. r,

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