Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 528 (14.1.1936)
- Date
- 1936-01-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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«BltQ 2 die mm mit Nr. 52$, vom 14. Janner 1936 Für die Etesudteronnen der Efiteträlle «in Fingerzeig für Damen mit lästigen Haaren. Die früheren Methoden der Entfernung lästiger Haare ließen sehr viel zu wünschen übrig. Erst die hohe Technik der Radio-Industrie hat ein Instrumentar geschaffen, das schmerzlos und ohne Narben einen absoluten Dauererfolg verbürgt. Lästige W«r».on, entfrrnpn gäfdnt. bltlbtnd, narbenfrcl, schmerzlos, Radlostflmc, Kostenlose Beratung! „MRUA" I, Fle!«<nmarkt Nr. 7 RUNDSCHAU Wer sidt am Hakenkreuz verfängt Wilhelm Furtwängler gilt als größter deutscher Dirigent. Bei Beginn der hitleristischen Aera brannte das Feuer des Künstlertums lichterloh in ihm. Wie jeder echte Künstler, wehrte r.r die Versuche politischer Einmischung in seine Sphäre ab und geriet infolgedessen in Konflikt mit den hakenkreuzlerischen Machthabers Man verübelt« ihm. daß er Huberman, den jüdischen Violinvirtuosen, Au Konzerten in Deutschland eingeladen habe, man drohte ihm, als er sich für ..artfremde" Komponisten einsetzte. Furtwängler war hart und ging. Er hatte sich mit dem Regime zerschlagen. Und es kam der Tag . . . Und es kam der Tag, an welchem auch der harte Furtwängler weich wurde und sich mit dem Regime aussöhnte. (Allerdings gab es gleichzeitig zwischen dem neuen Deutschland und Richard Strauß einen Krach.> TJnd da im Dritten Reich jüdische Komponisten nicht aufgeführt werden dürfen, weder Meyerbeer noch Haievy, Offenbach, Mendelssohn, Mahler, Schreker usw., so mußte eben auch der vielbejubelte, von der jüdischen Bourgeoisie verhätschelte Furtwängler auf vieles verzichten, wonach es sein musikbedürftiges Herz gelüstete. Die J. T. A. meldet nämlich aus Budapest u. d. 8. Jänner: Das gestern abgehaltene Furtwängler-Konzert, nrsprüngllch als Mendelssohn-Schumann-Abend gedacht, wurde auf Wunsch Furtwänglers in einen Beethoven- Schumann-Abend umgeändert, was damit zusammenhängen soll, daß sich Furtwängler mit den führenden deutschen Kreisen versöhnt hat und daher wie auch in Wien Mendelssohn nicht mehr dirigiert. Wer sich am Hakenkreuz verfängt, geht dabei zugrunde. Entweder er legt sein Künstlertum im Vorzimmer ab. oder er zieht sich enttäuscht, entnervt, arbeitsunfähig, lebensüberdrüssig ins Dunkel zurück: siehe Furtwängler und Richard Strauß! Ein Dilemma Leon Blum, der jüdische Sozialistenführer in Frankreich, ist unseren Lesern nicht unbekannt. Immer, wenn Frankreich sich in einer Krise befindet und die bürgerlichen patriotischen Kräfte sich zusammenschließen, um dieser Krise Herr zu werden, taucht Leon Blum auf und fordert die — Solidarität der sozialistischen Massen, die Anerkennung der marxistischen Dogmen um jeden Preis, auch um die Preisgabe wichtiger Interessen des Landes. George Clemeneeau, gewiß kein geringerer Patriot als Leon Blum, hatte in der Kammer den jüdischen Sozialsten oft als Gegner. Die beiden verstanden .einander scheinbar nicht; denn Clemeneeau ging es um Frankreich, Leon Blum um den Sieg seiner Partei und deren Partelinteressen. Es ist darum begreiflich, daß im Herzen des großen Clemeneeau eine Animosität gegen Blum wach wurde, gegen Blum, dessen Uebereifer sogar mit dem Ruf „A bas le juif* („Nieder mit dem Juden") auf der Pariser Gasse belohnt wurde. Nun erfahren wir eine pikante Episode: Sie ist in den „Erinnerungen an Clemeneeau" enthalten: „Als Clemeneeau auf dem Totenbette lag, besuchte ihn sein alter Freund und Mitarbeiter Mandel, um pich nach seinem Befinden zu erkundigen. „Ach, lieber Mandel", berichtete ihm Clemeneeau, „mir ist ganz kurios zumute. Ich weiß nicht — soll ich mir wünschen, zu leben, damit ich mein geliebtes Meer noch einmal sehen kann, oder soll ich mir wünschen, zu .sterben, damit ich Leon Blum nicht mehr sehen muß!" Deutlicher kann die Aversion des Franzosen Clemeneeau gegen den aufdringlichen Besserwisser Leon Blum nicht ausgedrückt werden, gegen Leon Blum, der uns Juden angelastet wird. Eine schimpfliche //Rolle'7 Der Bruder des bekannten Schriftstellers Alfred Döblin, der jüdische Schauspieler Hugo Döblin, wirkte in der Maske eines jüdischen Kommunisten in dem von Dr. Goebbels kommandierten Horst-Wessel-Film „Hans Westraar" mit. Für jedes jüdische Herz war diese Tat eines Juden unfaßbar. „Entartung" — mit diesem Begriff bezeichnete man die Tat des jüdischen Filmschauspielers. Jetzt endlich, nach mehr als zwei Jahren, erfahren wir die Wahrheit. Der emigrierte Hugo Döblin erzählt in elner.'i Prager Blatt die Umstände, unter welchen er zu der Rolle des degenerierten und feigen „jüdischen. -Kommunisten" Wie kann man die deutschen Juden reiten? Auch ein Stück Weltpolitik Das Schreiben des abgetretenen Flüchtlings« komraissärs James Macdonald an das Völkerbündsekretariat hat scheinbar tiefe WiAtung geübt, nicht weniger auch seine Abschiedsworte bei Verlassen Europas, die deutlich kundtun, daß er, der einzig Erfahrene in Sachen des Flüchtlingswesens, eine positive Lösung nur vom Völkerbund erwartet. „Der Völkerbund", schreibt nämlich Macdonald, „wird der Tatsache eingedenk sein müssen, daß es sich hier keineswegs um eine schon vollzogene Emigration handelt. Die unmenschlichen deutschen Gesetze verdammen noch weitere Hunderttausende zu Flucht oder Selbstmord. Eine Tätigkeit des Auffangens genügt nicht. Es muß die Möglichkeit gefunden werden, Deutschland den Willen der zivilisierten Welt kundzutun." Der Reflex der Macdonald-Anklage war zunächst der unbedingte Wille, zu helfen. Pläne tauchten auf. Hauptsächlich in England gab es einen Wettstreit um Projekte, von denen das hervorstechendste hieß: Ansiedlung von 25 0.0 00 Juden, die in der nächsten Zeit Deutschland werden verlassen müssen. Das war das Schlagwort, mit dem in den Kreisen der sogenannten jüdischen Führer (Englands und Amerikas) operiert wurde. Zur Durchführung dieses Planes — hieß es — müssen Gelder, Hilfsgelder auf gebracht werden, und damit das geschehe, werden „prominente" Persönlichkeiten in England und Amerika ein Komitee bilden und dieses Komitee wird Unterkomitees bilden, diese Unterkomitees werden ein paar Millionen Pfund aufbringen. Gleich ein „paar" Millionen Pfund! Der Rettungsfonds soll die deutschen Juden retten; er soll dazu dienen, die zu erwartende, bestimmt kommende Emigrationswelle zu dirigieren und die jüdischen Flüchtlinge da und dort, in aller Welt, anzusiedeln. Das war nicht die Idee Macdonalds, das war nicht seine Absicht, als er die Anklage gegen Hitler- Deutschland erhob. Macdonald verlangte eine ganz andere Methode zur Rettung der deutschen Juden. Er verlangte gerade das Gegenteil dessen, was jetzt von gewissen Kreisen in England und Amerika propagiert wird — er sah die Möglichkeit der Bettung der deutschen Jndenheit einzig und allein in der Anwendung einer politischen Aktion ... »( Wie stellt sich zunächst Deutschland zu der geplanten Auswanderungsaktion? Zu dem neuen Transferplan? — denn die Juden sollen ja einen Teil ihres Vermögens in Form deutscher Waren mitnehmen! Deutschland hat nur dann ein Interesse an dieser Sache, wenn der größte Teil der mitgeführten Vermögenswerte nach Deutschland in ausländischer Währung zurückströmt. Reichsmark besitzt Deutschland genug, es muß nicht erst gute Ware dafür hergeben, schon gar nicht, wenn es — wie in der letzten Zeit an der Tagesordnung — den Juden ihr Vermögen einfach abnimmt oder, besser gesagt, raubt. Deutschland hat, erklärte kürzlich Dr. Schacht, an einem Export seiner Waren ins Ausland kein Interesse, wenn nicht Valuten als Gegenwert ins Land zurückströmen. Andererseits haben wiederum die einzelnen Staaten kein Interesse daran, den deutschen Export zum Schaden des eigenen in fördern. So sieht die Sache in der P r a x i s aus. Nichtsdestoweniger zeigen sich gefährliche Figuren auf dem Horizont. Aus London wird berichtet, daß Sir Herbert Samuel, der gewesene berüchtigte Oberkommissär Palästinas und Freund Hitler-Deutschlands, der Befürworter des deutsch-englischen Flottenpaktes, mit den Herren Lord Bearsted und Simon Marks nach Amerika reisen werde, um die Sammlung für den Rettungsfonds zu organisieren. Sir Herbert hat bisher in allen Fragen, welche das jüdische Lebensinteresse, seine Erhe und Wohlfahrt betreffen, eine unglückliche Hand gehabt Wenn er jetzt wiederum an die Spitze einer — Hilfsaktion gestellt wird, dann besteht die Gefahr, daß er wie eh und je mit ein paar Tropfen Philantropie hantieren und die große politische Aktion in eine kleine Humanitätsveranstaltung verwandeln wird. Man darf aber nicht glauben, daß die ganze Weltöffentlichkeit der deutschen Judensache verständnislos gegenübersteht oder die Methoden, welche Sir Herbert und seine Umgebung angewendet sehen wollen, als ausreichend betrachtet. Das ist nicht der Fall. So schreibt der „Economist", die führende Londoner Wirtschaftszeitschrift: „Es gibt keinen Grund, der den Völkerbund hindern könnte, die voll© Verantwortung in dieser Sache zu übernehmen." „Manchester Guardian" hat die politische Seite der Hilfsaktion erkannt und führt aus: „Samuels Mission ist nicht mit der Frage der Herausführung des Eigentums der Juden aus Deutschland zu verquicken; diese letztere Frage betrifft den Völkerbund." Nicht minder deutlich äußert sich die belgische Presse („De Nieuwe Gazet"): „Es hieße, der Hitler-Regierung eine Prämie erteüen, wenn man ihre Opfer finanziell unterstützt, während deren Hab und Gut mit Hilfe von Ausfuhrverbot oder „freiwilligem" Verkauf in den Händer der Bedrücker verbleibt Diese Frage ist unzweifelhaft eine internationale geworden und kann nur vom Völkerbund gelöst werden." Und „New Chronicle", das einflußreiche Londoner Blatt, schreibt zur philanthropischen Aktie« Herbert Samuels: „Wie erfolgreich auch die Mission Samuels sein mag, sie wird nicht entfernt an die W u r z e 1 des Uebels, das James Macdonald geschildert hat, rühren." An die Wurzel des Uebels! Sir Herbert Samuel wird es gelingen, einen Fonds aufzutreiben, der ein paar hundert jüdische Familien in Deutschland vor dem Hungertod rettet! Mehr nicht! Denn die Wurzel des Uebels ist die oft genug bekundete Absicht der Hitler-Regierung, die Juden zuerst zu diffamieren, dann zu berauben und schließlich aus dem Land, zu jagen. Jede andere Deutung der Nürnberger Gesetze und der administrativen Maßnahmen ist Illusion — Illusion auch der Glaube, daß mit einem „Rettungsfonds" das deutsche Judentum gerettet werden kann. Entweder wird der Völkerbund einen politischen Druck auf Hitler-Deutschland üben und eine Neuordnung in der Regelung der deutschen Judenfrage erzielen oder es wird alles beim alten bleiben. o. r. gezwungen wurde, für die er übrigens ein Honorar von — 200 Mark erhielt. Er erzählt, daß er im Juni 1983 zu der Gesellschaft bestellt wurde, die den Film herstellte; man ließ ihn zunächst allein in einem Raum, ' und er hörte im Nebenzimmer heftige Schmähreden gegen seinen Bruder Alfred, dessen Bücher kürzlich öffentlich verbrannt wurden, dessen Kinder aber noch im Land waren. Es wurde ihm ein gedruckter Vertrag von vier Seiten vorgelegt und ge» sagt: i,Sle brauchen den Vertrag nicht erst durchzulesen, unterschreiben Sie — vorwärts!" Die Unterschrift, fährt Döblin fort, konnte ich nicht verweigern, „das war in der gegebenen Situation unmöglich; beim Spiel aber konnte ich mich einmal nicht Uberwinden und sagte dem Regisseur; ,Ich spiele das nicht', darauf wurde mir erwidert: ,Das wird doch gespielt!', und die lebende Mauer der viertausend uniformierten Nazis, die bei dieser Filmszene zugegen waren, gab den Worten genügenden Nachdruck." Döblin erzählt weiter, wie er bis r/u «einer kürzlichen Emigration ständigen Haussuchungen, Vernehmungen und anderen Drangsalierungen ausgesetzt war, und schließt: „Wer anders in meiner Situation gehandelt hätte, der soll den ersten Stein auf mich wierfen. ..." Das war bei Beginn des Hitler-Regimes. Heute zwingt man die Juden nicht mehr zu so schimpflichen Rollen. Heute treibt man sie bereits in den Hungertod. Denn der Nationalsozialismus hat sich konsolidiert, er bedarf, wie seine Führer behaupten, keiner Zwangsmaßnahmen mehr, um die Widerspenstigen mürbe zu machen. Er ist bereits salonfähig geworden und seine Waren sind auch im jüdischen Palästina — wenn auch schwer verkäuflich — so doch überall .sichtbar. . . . Billige Sonderfahrten nach Polen und Czernowitz am. 21. und 28. Jänner, 4. Februar, Rückfahrt 4. Februar oder aufgelöst. Rascheste Anmeldungen bei „Francopol", III., Renriweg 1, Tel, U-16-4-90. ' .iL. Neukonsraluierung des Vorstandes der Wiener fifulfusgenieinde Bei derr am 9. Jänner abgehaltenen Vorstandssitzung wurden statutengemäß die Vizepräsidenten, das Vertreterkollegiums und die Kommissionen für das Jahr 1938 gewählt. An Stelle des zurückgetretenen Dr. Josef Löwenherz wurde Oberbaurat Robert Stricker zum Vizepräsidenten gewählt. An seine Stelle im Vertreterkollegium wurde Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlich entsendet. KREUZ-KINO i, Wollzeile 17 Telephon H-24a-lb Vorstellungen: U, %6, VaB, 'A10 DAS SCHIFF DES SATANS Der gewaltigste Sensationsfilm des Jahres SCHKFFER VI, Mariahilfer8traße 37 Telephon B-20-203 deginu: Kk, %6, tte, WO Neues Programm STAFAV VII Mariahilf arstraBe 120 Telephon B-33-0-68 Wochentags: 9, 7, 9 Ulli VOTIVPARK IX, Wä'iringerstraße 12 Telephon A-18-3-96 Beginn: 4, %6, Vi«, V*10 Die Stadt der Freude mit Dolores del Rio