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Die neue Welt · 1936-01-10 · Heft 527 (10.1.1936) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 527 (10.1.1936)
Date
1936-01-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 52? vom 10. Jänner 1936 DfE NEUE WELT Seite 9 Die Heilige. Schrift — ein Tal§adienbcn'dil Von Dr. phiJ. et iur. Was die neuen Ausgrabungen bestätigen Hans Derne], Direktor der Aegyptisch-orientalischen Sammlung am Kunsthistorischen Museum, Wien Da die Bibel als historische Quelle stark ' angezweifelt ist, war die Geschichte Palästinas in ziemliches Dunkel gehüllt. Erst die Ausgrabungen der letzten Zeit haben Material zutage gefördert, das viele in der Bibel geschilderte Vorgänge bestätigt und die biblische Epoche richtig verstehen lehrt. Ein Fachmann ersten Ranges, Direktor Dr. Hans Demel, gibt in einem Aufsatz der ..Wochcnausgabc N. W. T." eine Darstellung dieses Ausgrabungsmaterials, der wir im nachstehenden einen Abschnitt entnehmen. Eine der am meisten umstrittenen Fragen, nämlich wann die Eroberung Palästinas durch die Juden, die aus Aegypten auszogen, stattgefunden, hat anscheinend eine' endgültige Lösung gefunden. Schon in einem früheren Artikel über die Ausgrabungen in Jericho konnte ich darauf hinweisen, daß die Zerstörung Jerichos im 13. Jahrhundert stattgefunden haben muß. Nun hat die Freilcgung einer Reihe anderer Ruinenstätten, wie der bei Tel Beth Mirsim, von Ali und von Bethel, gezeigt, daß alle diese Städte in einer Katastrophe im 13. Jahrhundert zugrunde gingen, wahrscheinlich von einem eindringenden Volke erobert und verbrannt wurden. Das können nur die Israeliten gewesen sein. Wir gewinnen also hier einen wichtigen historischen Anhaltspunkt für die Zeit des Auszuges aus Aegypten. Die, Stadt Salomos Fortgesetzt wurden auch die Ausgrabungen in Mcgiddo, zehn Kilometer südwestlieh von Nazareth. Hier waren große Anlagen für Pferdeställe gefunden Wörden. Diese konnten, im Einklang mit' den Berichten des Alten Testaments, als Bauten Salomos erwiesen werden, der einen ausgedehnten Pferdehandel mit Aegypten und den anderen benachbarten Staaten eingerichtet hatte. Im Laufe der Grabungen konnte man feststellen, daß diese Ställe viel umfangreicher waren, als ursprünglich angenommen worden war, und aus verschiedenen Zeiten stammen. Die einen sind prächtige Bauten gewesen, mit allen für damalige Zeiten notwendigen Einrichtungen für etwa fünfhundert Pferde, die anderen sind viel dürftiger und wesentlich schlechter gebaut, ein Zeichen, daß die Zeit; des Glanzes bereits vorüber war. Sic stammen aus der Zeit der Teilung des Reiches, wahrscheinlich von Jerobeam L, Königvon Israel (um 935 bis 91-t vor Christo). Ein zweiter wichtiger Fund war die Aufdeckung cirfes Tempels,der Ais t arte, der Muttergöttin, aus dem zehnten Jahrhundert vor Christo, also aus der Zeit König SöönaQBt;Av.TOah-i -sieht; wie;weit-die. Verehrung fremdet Götter, gegen die die Propheten stets aufs neue zu Felde ziehen mußten, sich in das israelitische Volk eingenistet hatte. Auf diesem Tempel fanden sich auch die zwei ineinandergeschobenen Dreiecke, , die später als Davidschild bekannt wurden. Die Sperrforts der Edomiter Gleichzeitig wurden Expeditionen ausgerüstet, die das Land östlich des Toten Meeres und des Jordans erforschen sollten. Es galt in erster Linie, die Grenzen der in der biblischen Geschichtewichtigen Reiche der Edomiter und Moabit er festzustellen. Das führte zu der Feststellung, daß das Reich der Edomiter überall durch großartige Festungsanlagen geschützt, dagegen das Gebiet der Moabiter militärisch wenig befestigt war. Darum verstehen wir jetzt besser, warum seinerzeit, die Israeliten dürch das moabitische Gebiet zogen und nicht durch das für sie geographisch günstigere Land der Edomiter. Bei diesen Forschungen fand man bedeutende Kupf cr.bcrg-werko, die bereits im 12. bis 9. Jahrhundert vor Christo betrieben wurden. Die größten liegen bei dem heutigen Mcnesiasch. Hier ist im frühen Altertum eine wichtige Festung gewesen, die die Arbeiten an dem Bergwerk, das in sechs Stufen abgebaut wurde, schützen sollte. Daher hat auch König Salom'o getrachtet, dieses Gebiet zu beherrschen, und man glaubt, daß ein Teil seines Reichtums von der Ausbeutung dieser Kupferlager stammt. In der Bibel ist, obgleich kein Name genannt ist, bei der Erwähnung von Kupferbergwerken wohl an diese gedacht worden, da sich sonst keine in1 Palästina befinden. Eine Sondierung in dem schon erwähnten Bethel, siebzehn Kilometer nördlich von Jerusalem, nach dein Heiligtum Jcrobeams I., das durch zwei Jahrhunderte gestanden hat, blieb ergebnislos, es wurde nichts gefunden. Wohl aber erkannte man, daß die Stadt im sechsten Jahrhundert durch Feuer zerstört worden ist. Vielleicht deshalb der Mißerfolg. Auch in Jericho, wo die Grabungen nach einer längeren Unterbrechung im Winter 1934/35 wieder aufgenommen wurden, sind noch keine besonderen Funde gemacht worden. Eine verschwundene Großstadt Dagegen war den Grabungen einer englischen Expedition in Tel cd Du wer, mehr als vierzig Kilometer südwestlich von Jerusalem, ein besonderer Erfolg . beschieden. Zunächst konnte festgestellt werden, daß hier eine großo Stadt lag, die bereits, in der achtzehnten Dynastie, als die Aegypter noch Palästina beherrschten, blühte, etwa um 1400. vor Christo,. Nach der Besetzung durch die Israeliten scheint sie neu befestigt worden'.zu sein, als Bollwerk an der westlichen Grenze. Einige Weiers Gegenstände aus dieser, frühen Zeit, 1200 bis 900 vor Christo, kamen aus dem Schutt heraus, darunter eine Platte aus Bronze mit drei Reihen Löchern, je zehn parallel zueinander angeordnet. Es ist dies ein Kalender, um die dreißig Tage eines Mondmohats zu markieren. Die Schichte der späteren Stadt zeigt eine Vernichtung durch die Perser nur £u deutlich. Ein riesiges Feuer muß, nach den Ueberresten zu schließen, alles vernichtet haben. In den Ruinen eines der alten Tortürmc gelang nun der wichtigste Fuhd. Es wurde eine ganze Reihe von Tonscherben gefunden, die sich bei näherer Besichtigung mit althebräischer Schrift bedeckt, erwiesen haben. Professor Torczyner von der Universität in Jerusalem, seinerzeit Privatdozent in Wien, übernahm die Entzifferung und könnte feststellen, daß die in einem guten biblischen Hebräisch geschriebenen Texte meist Briefe enthielten und aus dem sechsten Jahrhundert vor Christo stammen, und zwar sind es anscheinend Kopien von Briefen, deren Originale auf Papyrus geschrieben standen.' Man hat hier billiges Material, eben Tonscherben, verwendet, genau so wie in Aegypten die Tonscherbe als Ersatz für den teuren Papyrus diente. Vorposten gegen Babylon Einer dieser Briefe bewies zunächst einmal, daß' man in diesen Ruinen mit Recht das alte biblische Lachisch vermutet hatte. In der Hauptsache handelt es sich um militärische Schreiben, die an den Hauptmann der Torwache Jakusch gerichtet waren! Aus diesen Briefen geht hervor, daß sie unmittelbar in der aufregenden Zeit vor der Eroberung Palästinas durch Nebu-' kadnezar geschrieben Worden waren. Noch deutlicher wird die Zeit, aus der diese Briefe sind, aUf einer andernf T o n s c h e r b e ' bezeichnet,' auf der der Sohn des Heerführers Elnatuan, der sich auf einer Reise nach' Aegypten befindet; und Nedebjahu, der . Enkel des Königs Jojakim, 608 bis 597 Vor Christo, genannt werden. Im 'Alten Testament, Jeremias 27,' 22, finden wir die Stelle: „Aber der König Jojakim sandte Leute'nach Aegypten, El Nathan, den - Sohn Achbors, und. andere mit." Auch der Enkel des Königs wird in der Bibel genannt. ••: . - . ■ Ein ' anderer Brief wiederum beklagt sich., heftig über die Unruhe und allgemeine Verwirrung, die durch die Öffentlichein. Reden -eines Propheten in ganz Juda entstanden/sind, und. fordert warnend Abhilfe dagegen, etwas Ajehnllches. .finden; wir ebenfalls im Buche .T e r enyi a Sy.berioh.tet. Dui$n .die, .Reden, eines-Propheten Uriä, der schweres Unglück für das ganze Land; prophezeite, waren der König Jojakim und-sein Hof sehr aufgebracht. Der König ließ daher ihn, der nach Aegypten geflohen war, durch seine Leutei die in dem obenerwähnten Brief genannt warben, zurückholen und hinrichten. Es geht ums Ganze Außer diesen Männern findet sich noch eine ganze Anzahl: Von Namen anderer Personen, die alle' mit dem Namen J a. h w e zusammengesetzt sind, .ferner .' Namen wie Gemarja,: Jirmeja,. die alle aus der Bibel bekannt 'sind. Wir; finden -in diesen- Briefen Stellen> die deutlich zeigen, daß wir uns in eiher gefährlichen; Zeit befnden, in■• der es um Sein' oder' Nichtsein geht. Es sind.' 'Briefe, die uns vollauf die geschichtliche Lage Judas und die Vorgänge um die Zeit um 600 vor Christo, zur Zeit des ■. Königs Jojakim, bestätigen, wie wir sie so anschaulich ini "Alten Testament geschildert finden. Alles in allem lassen die Ausgrabungen mit ihren reichen Funden immer klarer . die geschichtliehen Vorgänge erkennen, die sich aüf.dem B oden P alästinas zur Zeit der Herrschaft der Israeliten abgespielt haben, ebenso auch die kulturellen und politischen Verhältnisse. Dabei treffen wir immer wieder auf Bestätigungen dessen, was"'dfts Alte Test am ent berichtet, und lernen, vieles, was uns bisher unverständlich und leblos blieb, besser verstehen.' . ENSIONS-VEREIN Versichern ngs-A.-G. WIEN I. SCHELUNGG. 1 Telephon R-22-1-10 lnvaliditäts-, AHersu. Hintefbliebenen- Renfen JUstouml Bükt "WO Bestrenommlcrie Küche TOS REICHHALTIGE MENÖS ä $ 1.90 UNO 2.60 bCÄWEtHATEK BRÄU H,Hammer-Purg5tall.Gasse 3 Qrädist SalitottoBAe) f TeU A-41-C-25 [lIZlQQEiSDIliOQS^IlQQ N Restaurants, Cafes etc. . •A. Barschak, Ii., Große Schiffgasse 3. Streng Vorzuglichö. Küche. Billige XJreise. Dalmatls» Weinhaus, IV., Rechte Wlenzeilo '11, Telephon A-37-0-25. Filiale: L, Tuchlauben 11, Tel. 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