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Die neue Welt · 1936-01-10 · Heft 527 (10.1.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 527 (10.1.1936)
Date
1936-01-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 527 vom 10. Jänner 1036 DIE HEUS WELT Seite 3 BESTE QUALITXTEN! ANTHRACIT KOHLE KOKS BÄSCH IV, ARGENTINIERS™. 22 - TEL. SERIE U"47~5~4Q Deutsche luden schufen Hitler Aus New York (J. T. A.): Präsident Roosevelt hat bekanntlich bei Eröffnung der Neujahrssession des Kongresses der U. S. A. sehr scharf die Diktaturregierungen angegriffen und sich für Oleichberechtigung aller Bürger ohne religiöse und andere Unterschiede ausgesprochen. Bei der Eröffnung der Sitzung der Exekutive des American Jewish Congress machte nun Präsident Rabbi Dr. Stephen S. W i s e dio aufsehenerregende Mitteilung, daß Präsident Roosevelt bereit war, in seiner Bede direkt die verantwortlichen Führer des deutschen Regimes zu apostrophieren und den Nazismus wegen seiner grausamen Verfolgung der Juden anzuklagen. Präsident Roosevelt — so teilte Dr. Stephen Wise weiter mit — wurde aber von einer Gruppe deutscher Juden gebeten, diese seine Anklagerede nicht zu halten. In einer außerordentlich leidenschaftlichen Weise wandte sich Präsident Dr. Stephen S. Wise gegen diese „dreimal verdammten deutschen Juden, denen der Nutzen Nazideutschlands mehr am Herxon liegt als die jüdische Ehre und Würde". UctitikSkiiäit WW W WWWwf99 VWrrlfVlfV fttie Schaden der PalästuiasRegierung „Palästinas wirtschaftliche Struktur ist noch nicht gefestigt, sondern wird durch die Rückkehr der Juden dauernd, beinahe von Jahr zu Jahr, geändert. Die Mandatsverwaltung hat sich jedoch diesem kontinuierlichen Strukturwandel nicht angepaßt. Sie hat die Bedürfnisse der jüdischen Repatriierungsbewegung und die durch sie hervorgerufenen wirtschaftlichen Veränderungen gewissermaßen nicht zur Kenntnis genommen. Diese Diskrepanz zwischen wirtschaftlicher Wirklichkeit und Wirtschaftspolitik mußte zu einer Stockung der Entwicklung führen. Ernst Davis (Jerusalem). Wenn Lord Reading ha Deutschland ♦ ♦ ♦ ,J3s verlohnt, während die britische Nation um den Eingang eines großen Dieners des Staates trauert, eine Betrachtung darüber anzustellen, welches das Schicksal Lord Readings gewesen wäre, wenn er als deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens geboren worden wäre. Er würde, solange man ihm Gelegenheit hiezu gegeben hätte, Deutschland die gleichen Dienste erwiesen haben, wie er sie Großbritannien erwies, um aber dann aus dem Land, Äewi er gedient hatte, hinausgejagt zu werden. Er hätte als ein bettelarmer Flüchtling mit gebrochenem Herzen geendet." Prof. Ch. G. Robertson in den „Times", 1936. Politische Hintergründe „Der Grund, weshalb Frankreich die Sanktionen gegen Italien nicht zur Durchführung bringen kann, besteht darin, daß es im Hinblick auf die deutsche Gefahr die Freundschaft mit Italien nicht verlieren darf. Der Völkerbund bedeutet für Frankreich die Sicherheit. Deshalb stand Frankreich zum Völkerbund, aber unter der Voraussetzung, daß seine Freundschaft mit Italien nicht gefährdet wurde." „Weekly Di späten" (London). Das Dritte Reich ♦.. ,yDie Tatsache, daß aus der Mitte Europas ein Volk aufstand, um der abendländischen Kultur, jener gewaltigen und unvergänglichen Ueberlieferung, Felide anzusagen, ist der Höhepunkt der europäischen Krise." „Europa" (Paris). Versuch einer Klärung „Und dies ist der Sinn der Trennung von Christenheit und Judenheit: Die abendländischen Menschen, die Christen geworden shid, übernahmen den Durchbruch vom Stammestum zum Menschtum, übernahmen das vollendete Opfer Christi ala ein fertiges spirituelles Erlebnis, als eine endgültige allgemeinsclutftliche Ablösung der versunkenen metaphysischen Gründe und gehen beruhigt ihren eigenen Erdenweg. Sie können das Opfer Christi wohl zauberisch nachleben... Sie können es aber nicht leben, selbst leben, so ursprünglich aus dem Blute leben, als geschehe es in ihnen zum erstenmal, wie es immer wieder die Juden leben müssen. In den Juden ist der unberuMgte Prozeß als Impuls oder Akt unaufhörlich lebendig. Immer von neuem ist ihnen auferlegt, das Herabringen, das Hereinwirken Gottes auf Erden zu versuchen. Und darum, weil das Christentum, der aktuelle christliche Vorgang in ihnen Geblüt und Menschenart selber ist, darum können sie nicht zum Christentum sich bekehren." Erich Kahler, „Israel unter den Völkern", 1936. Zur gefl. Beachtung! Einem Teil unserer heutigen Auflage, liegen Prospekte der Jüdischen Kulturatelle hei. 4212 jüdische Einwanderer im November Aus Jerusalem: Wie vom Einwanderungsamt der Regierung mitgeteilt wird, sind während des Monats November 1935 4212 Juden als Einwanderer nach Palästina gekommen, von ihnen gehörten 562 zur Kategorie der sogenannten Kapitalisten, von denen sich jeder über ein Kapital von mindestens 1000 Pfund ausweisen mußte. Wie die J. T. A. erfährt, sind im Verlauf des ganzen Jahres 1935 laut den offiziellen Ziffern rund 59.000 Juden nach Palästina gekommen. Der MacDonaId*Brief Echo in England und Amerika Der Brief des zurückgetretenen Völkerbundkommissärs für die deutschen Flüchtlinge James G. MacDon a 1 d an den Völkerbund hat in England Aufsehen erregt. „Time s" veröffentlichen auf der ersten Seite den vollen Text des sehr umfangreichen Dokuments und glossieren es in einem Leitartikel, der zu der Schlußfolgerung kommt, der Brief enthülle ein tieftragisches Problem, welches riesige Dimensionen annimmt; der Nazi-Fanatismus zwinge Deutschlands Nachbarn dieses Probelm auf. James G. MacDonald habe sich gedrängt gefühlt, dem Völkerbund kundzutun, daß das Problem ein so hochpolitisches geworden ist, daß Hauptir elferglüdk bei Sdielhammer 23et ber am 2. b. 9JI. ftattgefunbenen 3ic^un0 öcr 1925er «Baulofe entfiel ber Haupttreffer von S 80.000.— auf bas com 93anf* unb Sßedjfelljaus Scfjelfjamtner & Säjattera, SJBtcn, I., Stepjjanspla^ 11, femergeti nerfaufte £os Serie, 4965 ftr, 33. Gbenfo rourbe ber " jmette Haupttreffer oon S 40.000.— ber Staaismo&JtätigleitsIotterie, bereit 3iCs Ijung am 30. ©ejember t>. 3. ftattfanb, mit einem SdjeU l)ammer-ßos gemonnen. es nur mit Hilfe des Rates des Völkerbundes behandelt werden könne; demnach liege eine völlig andere Situation als 1933 vor. Man werde seinen Vorschlag, Vorstellungen in Berlin zu erheben, durchaus erwägen müssen. „Times" halten es für kaum glaubhaft, daß die Führer in Deutschland auch weiterhin gefühllos bleiben können gegenüber der öffentlichen Meinung in Europa und Amerika und den Schaden nicht werden in Betracht ziehen wollen, der durch diese ihre Politik den deutschen Interessen im Ausland erwächst. Der Brief MacDonalds werde die öffentliche Meinung aufs neue aufrütteln. „Mornjng Post" berichtet aus Genf, daß in den Völkerbundkreisen großes Interesse für MacDonalds Vorschläge besteht. „News C h r o n i c 1 e" erklären im Leitartikel: Kaum je sind gegen ein zivilisiertes Volk schwerere Anklagen erhoben und Verdamm u n g s u r t e i 1 e gesprochen worden. Der Völkerbund ist moralisch verpflichtet, gegen diese erschreckende Sachlage zu protestieren, die offensichtlich die ganze Welt bedroht. „Daily Telegraph" führt im Leitartikel aus: Das Statement MacDonalds wird die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf die Lage in Deutschland lenken. Die Lästige Gesichtshaare Warzen, entfernen garant. blalbtnd, narbenfrei, schmerzlos, Radiostöme, KostonloBo Beratung! „HEUA" I, flelschmarkt Nr. 7 deutsche Regierung, die ihren jüdischen Bürgern grausame Leiden zufügt, büßt schon heute dafür durch Verlust von Machtpositionen innerhalb und außerhalb der Grenzen Deutschlands. * Auch in Amerika hat der Brief James G. MacDonalds tiefsten Eindruck gemaoht und rückhaltlose Billigung gefunden. In einer sofort nach seiner Rückkehr nach Amerika in New York am 28. Dezember abgehaltenen Pressekonferenz legte MacDonald die Gründe seines Bücktritts dar und begründete seinen Vorschlag, daß der Völkerbund durch eine politische Aktion das Flüchtlingsproblera zu lösen versuche. „Mein Rücktritt", sagte MacDonald, „bedeutet nicht, daß die FlüchtUngsfrage etwa gelöst sei. Im Gegenteil! Infolge der vermehrten Unterdrückung von Juden, christliehen Nichtaricrn, arischen Katholiken und Protestanten, die sich aus religiösen und Gewissensgründen dem Totalislerungs-Dogma der Nationalsozialisten widersetzen, ist das Problem heute ernster, als es je seit April 1933 gewesen Ist. Ich habe resigniert, well die fortschreitende Intensivierung der nationalsozialistischen Intoleranz eine Situation geschaffen hat, der durch Erwägungen von Kille o<ier Schaffung von Niederlassungsmöglichkeiten nicht mehr beizukommen ist. Nur der Völkerbund ist in der Lage, sich mit einer Krise dieses Ausmaßes zu befassen. Er allein kann dem Problem an die Wurzel gehen und die Faktoren anpacken, die Menschen zu Flüchtlingen machen. Meine Erfahrungen in den letzten sechsundzwanzig Monaten haben mich Uberzeugt, daß es bei dieser Tragödie uml nichts weniger als um die Grundsätze der Zivilisation selbst geht." England zur deutschen Rassebarbarei Der „Manchester Guardian" führt aus: Hitler und seine Nazis appellieren durch die Anschwär« zung der Juden an jene Leidenschaften, die man gewöhnlich zu Krieg aufputscht, die kein Erbarmen kennen, durch die jede Vernunft und Ueberlegung zum, Schweigen gebracht und das Gewissen betäubt wird. Man darf es nicht erwarten, daß der Nazi-Evangelist von. sich aus aufhören wird, das „Evangelium" des Rassenhasses, das ihm ein Königreich gebracht hat, zu predigen. Der Vorschlag MacDonalds, daß der Völkerbund und seine Mitgliedstaaten, sowie die außerhalb des Völkerbundes stehenden Staaten in energischer Weise bei der deuti sehen Regierung einschreiten, sollte ohne jedes Zaudern durchgeführt werden. „Times" veröffentlichen einen Brief des Vor-, sitzenden des. Bundesrates der freien evangelischen Kirchen, Sidney Berry, der die Dringlichkeit einer Aktion des Genfer Rates ausführlich begründet. Berry schreibt, daß die Feststellungen des Flüchtlingskommissars MacDonald den Beweis für die Unmenschlichkeit und die antichristliche Gesinnung der deutschen Regierung erbringen. Die nationalsozialistischen Greueltaten sind jetzt erwiesen. Gegenüber den entsetzlichen Tatsachen bleiben die Verfälschungen der Wahrheit erfolglos. In einer dem Erzbischof von Canterbury zugegangenen Erklärung von Universitätsprofessoren wird beantragt, in den nächsten Wochen in ganz England Konferenzen abzuhalten, deren Zweck es ist, das englische Publikum auf die Tragweite der deutschen Maßnahmen gegen die Juden aufmerksam zu machen. Der Sprecher der Arbeiterpartei, Major Attlee, wird in der nächsten Unterhaussitzung an den Ministerpräsidenten Stanley Baldwin die Anfrage richten, ob die englische Regierung zu diesen Vorgängen im Dritten Reiche Stellung nehmen und mit der Hitler- Regierung die Auswirkungen der Judengesetzgebung zur Sprache bringen werde. Der Londoner Korrespondent der „Neuen Zürcher Zeitung" berichtet, man glaube in London allgemein, daß der Völkerbundrat sich jetzt nicht länger weigern kann, die Flüchtlingsfrage vom politischen Standpunkt aus zu behandeln. Es ist damit zu rechnen, daß die englische öffentliche Meinung ihren ganzen Einfluß aufbieten wird, um die Führer des Deutschen Reiches von der Unhaltbarkeit der Nürnberger Gesetzgebung zu überzeugen. Der Nachfolger James Maedonalds Aus Genf (J. T. A.): Hier verlautet, daß die zuständigen Völkerbundskreise wegen der Besetzung des, Hochkommissariats für die deutschen Flüchtlinge an Stelle des zurückgetretenen Amerikaners James G. Mac¬ Donald mit dem hervorragenden englischen Staatsmann und Wirtschaftspolitiker Sir Arthur S a 11 e r verhandeln. Man erwartet, daß eine Persönlichkeit, wie Sir Arthuv Salter, genügende Autorität und Rückhalt haben wird, um die deutsche Regierung zur Einhaltung internationaler Pflichten zu veranlassen. Deutsche Ritualmordliteratur in Ungarn verbreitet Aus Budapest: Die jüdische Wochenschrift „Orszagos Egyetertes" meldet: Der Seelsorger Julius F o r g a c s der Budapester Schottischen Mission hat in seiner Sonntagspredigt festgestellt, daß in Budapest ein Pamphlet verbreitet wird, das das Ritualmord, märchen zum Inhalt hat. Diese Flugschrift, erklärte der Geistliche, ist aus dem Deutschen ins Ungarisehe übertragen worden und die darin enthaltenen Behauptungen will man durch „Geständnisse" glaubhaft machen, die mit mittelalterlichen Folterungen erpreßt worden sind.

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