Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 526 (3.1.1936)
- Date
- 1936-01-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. ÜSt vom 10. Jänner 1936 DIE NEUE WELT Seite 5 i Ozar Hanoar Der Fond» der jüdischen lugend Von Meir Großmann (Tel-Aviv) Der Verband der Judenataatszionisten hat den „Ozar Hanoar", den Fonds für die kulturelle, chaluzische und körperliche Ausbildung der jüdischen Jugend, ins Leben gerufen. In einer ausführlichen geschichtlichen und psychologischen Darlegung begründet der Vorsitzende des Verbandes, Meir Großmann, die Notwendigkeit dieses Fonds und zeichnet den Weg, den heute eine echte jüdische Jugend als Mitarbeiterin an der Befreiung des jüdischen Volkes in zionistischem Rinne zu gehen hat. Wir veröffentlichen im nachstehenden die Ausführungen Großmanns, die sich an die gesamte zionistische Jugend ebenso wie an die Zionistische Organisation selbst wenden: Ein paar Worte vom hebräischen Dichter Jakob Kahan (Tel-Aviv): „Ihr sollt denen, die sich im zionistischen Lager befinden, ein warmes Herz von Frieden und Opferbereitschaft entgegenbringen — allen, die ihre Kraft und ihr Leben für den Aufbau unseres Landes und für die Aufrichtung unseres Volkes opfern. Auch dann, wenn ihr Weg ein anderer ist, als der eure. Nicht verzehrend, sondern leuchtend soll das Feuer sein, das ihr bringt. . . ." „Durch die Kraft eurer Wahrheit, durch die Glut eurer Ueberzeugung und vornehmlich durch euer gutes Beispiel sollt ihr wirken." „Und ihr sollt einen reinen Mund und ein reines Herz in eurem Kampf haben und immer daran denken, daß es eure Brüder sind, die ebenso wie ihr nach Erlösung streben. . . I Es gab eine Zeit, wo die jüdischnationale Bewegung — selbst noch jung und frisch — ernstlich für ihre Jugend gesorgt hat. Jahrelang standen im Mittelpunkt der aktuellen zionistischen Probleme die Fragen der Erziehung. Die kulturelle und berufliche Ausbildung der neuen Generation hat man für die praktischen Aufgaben sowohl in der Galuth als auch in Erez Israel gehalten. Wer erinnert sich nicht an den Kampf für die Modernisierung des veralteten jüdischen Schulsystems? Damals sind unzählige Reformlehranstalten, hebräische Kurse, professionelle Schulen, Bildungszirkel, Sportvereine, Lehrerseminar» und Jugendverbände geschaffen worden. Das mutige Ringen mit der Assimilation für die Rechte des Hebräisch und für ein nationales Schulwesen ist noch in frischer Erinnerung. Das Bestreben der jüdischen Intelligenz, „unters Volk zu gehen", wird eines der schönsten Blätter in der Geschichte unserer nationalen Renaissance einnehmen. Nicht bloß Trost und Kultur hat der Zionismus in die arme jüdische Gasse getragen. Er hat auch Liebe zu produktiver Arbeit gepredigt ,jDer Weg nach Hause" ist einfach als die Rückkehr zum' Boden, zur Landwirtschaft, zum stillen tagtäglifchen Heroismus für die Nation geworden. Diese Erziehung hat gute Früchte getragen. Sie hat den Gedanken des Chaluzismus in allen seinen Formen und Schattierungen geboren. Der Zionismus hat seine Existenz und sein Schicksal mit der Jugend verbunden. Die zionistische Führerschaft, selbst noch durchdrungen von jungem Enthusiasmus und frischem Impuls, hat sich bemüht, die Jugend für die nationale Bewegung zu gewinnen und sie für den schweren Kampf in den ersten Reihen des Befreiungstruppe ge- 'hörig vorzubereiten. Wenn auch ein Teil der älteren Generation tief, im Herzen vielleicht an der absoluten Verwirklichung, des J u d e n s t a a t s i d e a 1 s gezweifelt haben mag, so hat doch die Jugend es im vollen Glauben als die Ankündigung der Erlösung aufgenommen; sie wurde von der Idee durchdrungen, welche oft so phantastisch aussah, und schwor ihr Treue. Die zionistische Fahne wurde die Wegweiserin im täglichen Kampf und so machte man neue jüdische Geschichte. II. Nach dem Weltkrieg näherte sich der Zionismus seiner Verwirklichung. Die jungen Führer der ersten Kongresse sind inzwischen älter geworden. Das Leben hat sie realistischer, härter und kälter gemacht. Hunderte Probleme — neue und schwere — haben eine Lösung verlangt, und die ganze Aufmerksamkeit der Bewegung wurde auf die Fragen der Politik, des Aufbaus, der Finanz konzentriert. Außerdem hat die zionistische Bewegung aufgehört, einheitlich und idyllisch zu sein. Gegensätzliche politische Interessen rreinmal von Klassen, ein andermal von Personen und Gruppen — haben das Leben der Bebel dar **** Bücher Schwedenbrücke! BUCHHANDLUNG SCHNEIDER & CO., WIEN 1, Franz-Josefs-Kai 7 Reichste Auswahl neuer Bücher bestet Autoren zu billigsten Preisen! Katalog gralisi wegung beeinflußt, in den Zionismus wurde ein neuer Geist hineingetragen, der Geist der Absonderung und Parteienbildung. Die zionistische Bewegung hat sich differenziert. Die Meinungsverschiedenheiten haben sich verschärft. Es entstehen streng abgegrenzte zionistische Parteien. Dieser Prozeß, der noch nicht abgeschlossen ist, hat zu einer Menge Wandlungen sowohl in der Struktur der Organisation wie auch in dem all* gemeinen Geist geführt. Dasselbe vollzog sich auch in der zionistischen Jugendbewegung. Sie wurde in zahlreiche abgesonderte Gruppen zerrissen. Man hat die Jugend brutal verpolitisiert und das führte zu Meinungsverschiedenheiten in allen Grundproblemen. So kam es dazu, daß die zionistische Bewegung, die Trägerin des einheitlichen zionistischen Gedankens, die Autorität über die Jugend verlor. Es gelang ihr nicht, rechtzeitig die Zerfallserscheinungen abzustellen und einen engen Kontakt mit der Jugend aufrecht zu erhalten, die in die Hände politischer Parteien gefallen ist. Eine der schwersten Sünden der zionistischen Führerschaft besteht darin, daß sie dieses ganze Problem vernachlässigt hat. Man hat wirklich vergessen, daß Erziehung und Ausbildung der Jugend die j Hauptpunkte einer nationalen Bewegung sind und daß man auch in Zeiten großer Erfolge oder Schwierigkeiten nicht aufhören darf, sich um die Jugend zu kümmern. Die zentralen nationalen Institutionen, wie der Keren Kajemeth und der Keren Hajessod, haben von Zeit zu Zeit an die Jugend um Hilfe appelliert, aber sehr selten ihren Nöten Aufmerksamkeit geschenkt oder sich gar um ihre Bedürfnisse eumatischen und gichtischen Beschwerden ällef Art söwie bei F.rkaltungs-Krankheiten wirkt Togal rasch und sicher. Wenn Tausende von Ärzten Togal .verordnen, so können auch Sie es vertrauensvoll kaufen. Togal bewährt sich immer. Ein Versuch überzeugt! Preis:« In allen Apotheken j gekümmert. Die Konsequenzen dieses Fehlers lassen sich jetzt in schrecklicher Weise erkennen.; .. . in. Die Aufsicht über die zionistische Jugend ist in die Hände politischer Gruppen geraten. Die erste Zeit ""erfüllten sie mehr oder weniger noch ihre Aufgabe. Man beschäftigte sich mit Jugendproblemen. Man sorgte für die kulturelle Ausbildung der jungen Generation. Man erzog die jungen Parteifreunde im Geist eines hohen Nationalismus und erhabener Opferbereitschaft. Die Hachscharah — die geistige und charakterliche Vorbereitung —, welche jetzt abstoßende Formen angenommen und sich selbst überlebt hat, ergab seinerzeit befriedigende Resultate. Sie schmiedete wenigstens den Geist von Kameradschaft und. nationalem Dienst am Volk. [[Voraus muß man denken/ ssdi sichern — versichern Phönix |j Allgemeine Versicherung^ Ges., Wien IX/ Aiserplatz 3 In der letzten Zeit hat sich die Lage an der Jugendfront zum Schlechten gewendet. Mit den Parteien geschah dasselbe, was mit der Zionistischen Organisation geschehen ist. Alle ihre Kräfte gaben sie für politische und ökonomische Aufgaben her: für den Kampf mit dem Gegner, den Aufbau des eigenen Apparats, die Eroberung politischer Positionen. Man hat sich hiebei oft der Jugend bedient, sie für Parteiawecke ausgenützt, aber hiebei aufgehört, ihr etwas zu geben oder sich um sie zu kümmern. Die egoistische und engherzige „Parteimaschinerie" hat die jungen Seelen ausgehöhlt, den heiligen Eifer in ihnen getötet. Gleichzeitig wurde der Einfluß des politischen Abenteurertums verstärkt. Der Wind des Extremismus und Separatismus ist durch die zionistische Gasse gefahren und hat, wie der Samum, die jungen Pflänzchen zum Verdorren gebracht. Die Ver- Schweden-Kino yasu Sonntag, den 12« Jänner, vormittags 1! Uhr Sondervorstellung veranstaltet von der Leichtathlet ifc-Sektion der .Hakoah' Dazu die Tonfilm-Reportage Der [wm Mämtä Karten bei: Jüdische Kulturstelle, 1, Franz-Josefs- Kai 3, Tel. R 28-2-36; Kartenbüro „Aida", II, Taboi straße 3, Tel. A-48-5-51; Buchhandlung Mejstnk, 1, Wollzeile 6, Tel. R-25-4-53; Bücherstube M. Rath, II, Taborstraße 20a, Tel. R-45-305; Sekretariat der „Hakoah", I, Wiesingerstraße 11, Tel. R-25.0-10 Politisierung hat schreckliche Formen angenommen, sia hat vor allem häßliche Charaktereigenschaften anä Licht gebracht. Der Hauptzweck — Zionismus und nationaler Dienst — wurde vergessen, Neue, engparteiische und rein taktische Motive begann nen die Handlungen der Jugend zu bewegen, welche dem Einfluß einer geistigen Wurzellosigkeit erlegen ist. Die kulturelle Erziehung ist überhaupt vernaclii lässigt worden, mit ihr auch die berufliche Ausbildung, die physische Vorbereitung. Die einstige, wie mit frischem Täu bedeckte Wärme der Jugend ist verschwunden. (Fortsetzung folgt.)] Begräbnis Lord Readanqs Aus London: Die religiöse Zermotüe bei der Einäscherung der sterblichen Beste des Marquis of Reading im Krematorium von Golders Green wurde von Rabbi Harold F. Reinhart unter Assistenz von Rev. M. Ii. Perlzweig nach dem Ritus der Reform-Synagoge vollzogen. Zwei mit Blumen und Kränzen reichbeladenfc Wagen eröffneten den Trauerzug. Der Sarg war in die Flagge der „Fünf Häfen", deren „Herr" der verstorbene Marquis war, gehüllt. Am Donnerstag fand in der West London Synagogue unter der Leitung von Rabbi Reinhart und Rev. M. L. Perlzweig ein Trauergottesdienst statt. Dem Gottesdienst wohnte der Earl of Munster als Vertreter des Königs, des Prince of Wales, des Herzogs von York und des Prinzen Arthur of Connaught bei. Ferner waren zahlreiche Vertreter der Hofkeise und des hohen Adels erschienen sowie eine Reihe Mitglieder des britischen Kabinetts unter Führung des Außenministers Anthony Eden. Erschienen waren in der Synagoge ferner Austen Chamberlain und die Mitglieder des diplomatischen Korps. Das Beileidstelegramm des Königspaares an die Witwe lautet; „Die Königin und ich wurden durch die Nachricht vom Tode Ihres edlen Gatten in tiefe Trauer versetzt. Die Natiou wird seine Dienste für den Staat ewig im Gedächtnis behalten. Wir sprechen Ihnen und Direr Familie zu diesem Direm unersetzlichen Verlust unser tiefes Mitgefühl aus," Der Prince of Wales, der Herzog von York, der Prinz Arthur of Connaught und die Prinzessin Helena Victoria, die Kinder des Königspaares, sandten ebenfalls Beileidskundgebungen. Der Schöpfer und Führer der indischen Freiheitsbewegung, Mahatma Gandhi, sandte an die Familie des Marquis of Reading eine Beileidskundgebung. In Delhi, der Residenz des indischen Vizekönigtums, wurde ©ine Trauerfoier für den einstigen Vizekönig Marquis of Reading abgehalten, an der die Mitglieder Regierung Indiens teilnahmen. Dos Schiff des Sotons Der gewaltigste Sensations-Film des Ja'ues ab heute im KreUZ-KillO ■ Ein Fox-Ffilta - Organisatiottsdepartement der Z. 0. in Jerusalem Aus London: Offiziell wird bekanntgegeben, daß die Liquidierung der Geschäfte des O r g a n i s a t i o n sdepartements der Zionistischen Exekutive in London planmäßig beendet worden ist und daß das Departement seit Beginn des Jahres 1930 seinen Sitz^ in Jerusalem hat. Briefe in organisatorischen Angelegenheiten sind in Zukunft an das Organisationsdepartement der Ziönisü« sehen Exekutive, P, O. B. 92, Jerusalem, zu richten,