Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 526 (3.1.1936)
- Date
- 1936-01-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite $ DIE NEUE WELT Nr. 526 vom 3. Jänner 1936 Tüchtige Bäcker und Konditoren mit Praxis in Großbetrieb, für Palästina gesucht. Eilanbote unter „Sova" an die Administration dieses Blattes An die Judenstaafsjugcnd Ihr dürft keinen Augenblick vergessen, daß ihr Söhne eines großen Volkes seid, eines Volkes von geistigem und moralischem Adel, und daß es eure Heiligste Pflicht ist, in euch die menschliche Ehre zu wahren, die gleichzeitig auch die Ehre Israels ist; dahin zu wirken, daß sie nicht gemindert werde — nicht durch Gedanken und nicht durch Handlungen und. nicht durch eure Lebensführung... Der hebt: Dichter Jakob Kall an (Tel-Aviv). Abbau und Aufbau Unter den Juden in Deutschland muß in rasch sich zuspitzender Weise ein Frauenüberschuß vorfanden sein; denn schon die Volkszählung zeigte auf 100 Männer 109 Frauen. Die alte Erfahrung, daß unter den Auswanderern die Männer überwiegen, bestätigt sich auch in unserem Falle; jenes Mißverhältnis dürfte sich bis heute auf 100 zu 113 verschärft haben. Im Gegensatz hierzu zeigt die Einwohnerzahl in Palästina in der letzten Volkszählung (1931) auf 1000 jüdische Männer 973 Frauen. Ernst Kahn (Berlin). Immer wieder die Opfer Wieder, wie so oft in ihrer tragischen Geschichte, werden die Juden als Sündenbock für politische und parteipolitische Zwecke mißbraucht. Obwohl die jüdische Bevölkerung weniger als ein Hundertstel der Gesamtbevölkerung darstellt, macht man die Juden für alte Schicksalsschläge verantivortlich, denen Deutschland ausgesetzt ivar. Wie im Mittelalter, als sie massakriert wurden, so werden sie auch heute vom kulturellen und wirtschaftlichen Leben in Deutschland ausgeschlossen und erniedrigt, weil man behauptet, sie hätten die Schuld an der deutschen Niederlage. So weit geht dieser Haß, daß jüdische Kriegsveteranen ihre Stellen verlassen müssen und die Namen der jüdischen Kriegsopfer auf den Kriegerdenkmälern nicht mehr eingraviert bleiben dürfen. Flüchtlingskommissär MacDonald an den Völkerbund 1935. Vor dem Ras§ensdiwindel „Au/ der Naturforscherversammlung machte die wundervolle Persönlichkeit Paul Ehr liehs, der in seiner Schlichtheit und Liebenswürdigkeit das Bild eines echten deutschen Gelehrten hervorrief, einen unvergeßlichen und tiefen Eindruck auf die zahlreichen Zuhörer, so daß alle das Gefühl beherrschte, einen denkwürdigen Tag in der Geschichte der Heilkunde miterlebt zu haben." „Münchener Medizinische Wochenschrift" 1910. Mit deiitsihtfüdisthen Augen Es ist für uns in Deutschland, schwer, zu beurteilen, wo es im Ausland heute eine aktuelle „Judenfrage" gibt und welchen Charakter sie hat. Allzu leicht verfallen wir der Neigung, die ausländischen Gruppen und ihre besonderen Probleme durch die Brille unserer Sorgen zu sehen. Sprechen wir, betepielshalber, vom am eri- Tz a n sehe n Judentum, so interessiert uns Juden in Deutschland unwillkürlich vor allem die Frage, ob und in welchem Umfange dort Sammlungen stattfinden, aus denen unsere notleidenden Gemeinden usw. Nutzen ziehen können. Denken wir an jüdische Gemeinschaften in Uebersee, in Afrika, und vor allem un das aufblühende jüdische Palästina, so drängt sich uns unwillkürlich die Frage auf, in welchem Umfange diese Länder und Judenhelten Lebensraum für Auswanderer aus unseren Reihen bieten können. „Is,\ Familienblatt'', Berlin, 1933. Wie ein Meislerwerk entstellt Jedesmal, vjenn ich die drei ersten Bände betrachte, diese Schatzkammer, welche alle Lebensformen der Juden während vieler Geschlechter und die Auslese des hebräischen Stils aller Geschlechter enthält, offenbart sich mir ihr Schöpfer Mendele in einer eigenartigen Gestalt. Ich sehe ihn, den alten Künstler, wie er dasitzt, einem antiken Bildhauer gleich, der, festgebannt bei einem der öden Felsen, in Stille und Einsamkeit mit seinem Werk sich müht. Hacke und Beil haben schon ihr Werk getan und ■ liegen beiseite; der Künstler wählt sich von einem Male zum andern aus dem Vorrat vor ihm einen Meißel oder einen Diamantgriffel von seinem Besitz, ein Gebilde seiner Hände, von wornherein mit feinster Ueberlegung an besonderem Zwecke vorbereitet; er bohrt mit ihm im Schoß des Felsblocks wie jener Adler, bohrt und bohrt. Sein Rücken ist ein wenig gebeugt, die Stirne legt sich in feine Falten, das Auge schärft sich, er ist ganz Andacht und Hingabe. Jegliches Bohren bedeutet ein Fortschreiten der Schöpfung, einen Zuviachs an Schönheit, ein feines Erzittern des Starren unter dem Diamant griffet, der es zerschneidet und ihm zuflüstert: „Lebe!" CK N. Bialik über Mendele Mooher S'forinu Aus aller Welt „Feuerkreuz" gegen „Dr. Goebbels Infamie" Aus Algier (J. T. A.): Der Führer des faschistischen Verbandes „Croix de Feu" in Algerien, Bricaut, erklärte in einer Ansprache an 4000 Mitglieder der französischen faschistischen Organisation in Algier, es dürfe keinerlei Unterschied gemacht werden zwischen denjenigen, die im Kriege unter Frankreichs Fahnen kämpften, seien es nun Christen, Juden oder Mohamme^ daner. Ich erkläre, fuhr Bricaut fort, die von Dr. Goebbels erlassene Order, die jüdischen Namen aus den Kriegsehrenmälern in Deutschland zu entfernen, als einen Akt der Infamie. Auf eine tiefere Stufe könnten Haß und Undankbarkeit die Deutschen nicht mehr bringen. Der Antisemit Cuia beim rumänischen König Aus Bukarest: Das Hofmarschallamt gibt.bc kannt, daß König Carol von Rumänien den Professor A. C. C u z a zum Frühstück eingeladen und ihn nachher zu einer Audienz zurückgehalten hatte. — Cuza ist der Begründer der rumänischen antisemitischen Organisationen, sein Programm geht auf völlige Entrechtung der Juden in Rumänien und Beschlagnahme ihres Vermögens aus. Erst vor kurzem weilte er in Deutschland und wurde von Hitler empfangen, dem er unbeschränkte Bewunderung zollt und als dessen Apostel in Rumänien er sich selbst bezeichnet. Praktische Neuheit! Sporthemd mit Reserve-Kragen aus feinstem Seiden - Poplin in allen Modefarben 8: sowie alle Artikel in Wäsche u. Wirkwaren billigst bei BERGMANN, I., Rabansteig 3, Tel. U-20-709 Himme/pfortg. 5, Tel. R-25-8-Q4 / Köilnerhof fl. 1, Tel. R-26-8-99 Warschauer Judengeraeintte gegen Palästina-Parlament Aus Warschau: Der Vorstand der jüdischen Gemeinde hat in einer außerordentlichen Sitzung energischen Protest gegen die Schaffung eines Legislative Council (Parlament) in Palästina erhoben. Der Plan wird in der Resolution als ein Attentat gegen das Recht des jüdischen Volkes auf Palästina bezeichnet. Die Gemeinde gibt ihrer Solidarität mit dem Kampf des Jischuw in Palästina zur Abwehr des , Angriff es auf das Recht der Juden Ausdruck. Der Vorstand der Warschauer Judengemeinde steht unter agudistischer Leitung. Auch das Organ der Agudas Jisroel, „Jiddisches Togblat", erklärt, der Jischuw werde sich nicht als blindes Werkzeug der englischen Politik gebrauchen lassen und an dieser pseudoparlamentarischen Komödie nicht teilnehmen. Der Legislative Council sei keine parlamentarische Tribüne, sondern ein Instrument gegen den Jischuw. (Sorela p£l5Waschmgm WERBEPREIS Hitler-Zentrale in Polen Aus Warschau: Wie die polnische Presse berichtet, ist in Warschau eine Zentrale der deutschen Nationalsozialisten tätig. Sie wird von einem gewissen Karl Birgam geleitet. Sie gibt eine eigene Zeitschrift „Idee und Wille" heraus, ferner „Instruktionen" für antisemitische Propaganda und Teilnahme an antijüdischen Ausschreitungen. Die Hetzpropaganda wird unter der Marke „Abwehr der Greuelpropaganda der Juden" betrieben. Arierparagraph in Polen Aua Warschau: Der Stadtrat von Ki„elce hatte sich vor einiger Zeit in einer Entschließung für die Einführung des Arierparagraphen in Polen ausgesprochen. Dieser Beschluß wurde nunmehr von dem Wojwoden des Kreises Kielce, Dr. Dziadosz, als v e rf a s s u n g s w i d r i g aufgehoben. Chanukka-Feier im Rundfunk Aus Prag: Der Sender Kosice (Kaschau, Slovakel) übertrug am Samstag die 2001-Jahr-Feier des Chanukka-Festes aus der Uzhoroder jüdischen Gewerbeschule. Es wurden dabei viele jüdische Volkslieder gesungen. Die Ansage der Sendung erfolgte in jiddi- | Der ftOrmitche Lacherfolg! Das neue janner Progamm Theater der Komiker «ss fkat€ stkiMpMlteie muU deuistUtattd... Im Warschiuer „Moment" schreibt Alexander Jawetz: Die Post hat einen neuen Klienten bekommen —■> den Absender von Paketen nach Deutschland. In zahlreichen Städten Polens gibt es deutsche Bürger und infolgedessen auch eine regelrechte Paketexpedition, Man schickt ein Kilogramm Butter, man schickt ein Kilo* gramm Fleisch — dorthin ins große, reiche Land, nach Berlin, München, Dresden, Breslau, Hamburg . . . Ein Kilogramm Butter . . . Auf die Post kommt eine alte Schwester, ein Bruder, ein Vater, ein Sohn, eine Tochter. Man bringt ein säuberlich verschlossenes Paket. Ein Deutscher vor" steht ein Paket zu , machen, versteht eine Adresse zu, schreiben, versteht auszurechnen, wieviel es an Porto kosten wird . . . Ein Deutscher kann alles genau, be-< rechneu. Berechnung und Statistik — das ist seilt Beruf ... Vor einigen Jahren hat er berechnet, daß, wenn, Deutschland frei sein wird vom jiidisclien Einfluß und von der jüdischen Konkurrenz, alle Not ein Ende haben wcrdet die Arbeitslosigkeit und die übrigen „Schwierigkeiten", da doch die Juden alles okkupiert haben und das arme deutsche Volk aussaugen und selber saufen und fressen.. „ So erzählten die Naziagitatoren. So wiederkäuten sie diesen Gedanken und gaben ihn dem Kleinbürger, dem, Bauern, dem Arbeiter ein. Fast drei Jahre sind vergangen. Die Juden wurden völlig ausgeschaltet, in den Winkel gedrückt, das Leben von 500.000 Bürgern wurde zerbrochen, vernichtet. Dia „Schwierigkeiten" wurden mit Feuer und Eisen ausgerottet . . . -4.be)* ivo ist die Rettung, geblieben, die Erlösung^ von Not? Ein Kilogramm Butter aus Polen . , * Ein Kilogramm Fleisch aus Polen » Im Land der höchstentwickelten Industrie, im Land der unbegrenzten Handelsmöglichkeiten macht sich all* mählich Hunger bemerkbar. Die Verwandten schicken ei« Kilogramm Butter. Die Rechnung der sonst genau, rechnenden Deutschen stimmt nicht: Die Juden vour&A schuld, also hat man sie beiseitegeschoben . „ » Wer ist jetzt schuld? Darauf müßte das deutsche Volk Antwort geben\ Es kann nicht. Denn es steht vor den Lebensmittelgeschäften und schweigt. Alle schweigen wie eine Herde] von Schafen. Alle schweigen, die Genarrten . . « SM schweigen im Caf€, im Eisenbahnwagen, im Theater . . * Man flüstert bloß — im Geheimen. Nur von Zeit zu Zeit marschiert man durch die Gassen und singt: „Wenn'sl Judenblut vom Messer spritzt . .!* Man marschiert, weil es befohlen ist, man singt, weil es befohlen ist. Aber das Schweigen ist nicht kommandiert, <2aa kommt von selbst. Es wird immer größer . . . bis endlich die Rechnung wird gemacht werden müssen wegen der, Juden, die man vernichtet hat, damit die Not der, Deutschen ein Ende nehme . . m Sdialom Asch In Wien lieber Einladung des Bialik-KIubs -wird Schalom Asch am 25. Jänner im Großen Konzerthaussaal einen Vortrag über das Thema „Die geistigen Bestrebungen der Juden und des Judentums" halten. Die Begründer des Bialik-« Klubs sind bemüht, diesen Klub zum geistigen Zentrum des jüdischen Wiens zu gestalten. Der erste Punkt des Statuts dieses Klubs lautet: Zweck des Vereines ist die Verbreitung Blalikscber Werke und Vertiefung des Verständnisses derselben In Wort und Schrift, Pflege der hebräischen Sprache, der jüdischen Literatur, Kunst und Wissenschaft sowie Erörterung von Fragen jüdischer Erziehung und Kultur. — Bis nun sind diesem Vereine eine Reihe der prominentesten Juden Wiens beigetreten. »cher Sprache, Lux-Tonpnlnst Uff Sonntag, den 5. Jänner 1936, vormittags 11 Uhr Jeder Jude muß diesen Film seheni IM VORPROGRAMM: Der Luzerner ZlonistenRonjreß Ansprache: Dr. Oskar Grünbaum Präsident des Zionistischen Landesverbandes für Oesterreich Karten bei: Cafe" Baldlahof, XVI., Ottakringeystraße Nr. 102 (Tel. A-21-3-81); Faltlczek, XVI., Brunnengasse 54; Stamm, XVII., Hernalser Hauptstraße 11; Wechsler, XVII., Hernalaer Hauptstraße 119; Cafe Zeilerhof, VII., Zieglergasse 83, Tel. B-30-5-86; Meisler, XVII., Frauengasse 4 (Telephon B-45-8-27) und an der Kinokasse