Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 525 (31.12.1935)
- Date
- 1935-12-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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?rr. 525 vom 31. Dezember 1935 DIE NEUE WEL1 Seite 3 Jiidfedhe Sportler und Berliner Olympiade Die „Neue Welt" hat von Anfang an und in un- 7,weidcutiger Weise gegen die Teilnahme, jüdischer Sportirr an der in Berlin stattfindenden Olympiade 1936 Stellung genommen. Zuletzt bot eine Nachricht aus Prag über die Teilnahme von jüdischen Schwimmern an Auswahlkämpfen. Anlaß zu einer Besprechung der Angelegenheit. Der „Makkabi-Kreis Tschechoslowakei" Ubermittelt jetzt folgende Zuschrift mit dem Ersuchen um Veröffentlichung: Jüdische Sportler des tschechoslowakischen Makkabi nehmen an der Olympiade nicht teil. Nachstehend bringen wir eine Zuschrift des tschechoslowakischen Olympischen Komitees an den tschechosl. Makkabi-Verband, welche die Antwort auf ein Ansuchen darstellt, das wir zufolge des Beschlusses der Briinner Makkabi-Weltkonferenz an die zuständige Behörde gerichtet haben, zur Kenntnis. Durch diesen Bescheid sind alle Angriffe, die in böser oder guter Absicht gegen unsere Organisation in in- und ausländischen Zeitungen erhoben wurden, gegenstandslos geworden. Das tschechoslowakische Olympische Komitee schreibt an den tschechosl. Makkabl-Krcis am 21. Dezember 1935: Zu Ihrem Schreiben vom lfi. d. teilen wir Ihnen mit, daß das tschechoslowakische Olympisehe Komitee in seiner XIII. Arbeitssitzung vom 4. November 1035 folgendes beschlosssen hat: Das tschechoslowakische Olympisehe Komitee fühlt sich zur Teilnahme an der nächsten Olympiade in Deutschland zufolge des gegebenen Wortes verpflichtet und erwartet, daß die Olympiade genau nach den für sie geltenden Regeln durchgeführt wird. Das tschechoslowakische Komitee wird die Sportler j ix d ischcr Konfession resp. jüdischer Nationalität zur Teilnahme an dieser Olymplade nicht zwingen, vorausgesetzt, daß diese sich nicht freiwillig für die Teilnahme entscheiden. Mit vorzüglicher Hochachtung für das tschechosl. Olympische Komitee Prof. Dr. .T. Gru3, Vorsitzender. Dieser Bescheid ist von besonderem Interesse. Von mancher Seite wurde nämlich behauptet, daß die Sportbehörden in den Staaten die jüdischen Sportler zwingen würden, ihre Farben in Berlin zu vertreten. Die „Neue Welt" hat daran gezweifelt und ausgesprochen, daß gegebenenfalls auch der Versuch eines Zwanges abgelehnt werden müßte. Nun zeigt sich, daß die Tendenz zu einem solchen Zwange nicht vorhanden ist. as Parlament in Palästina Ueber die Vorgänge betreffs der Errichtung eines Parlaments in Palästina, worüber wir an leitender Stelle berichten, liegen folgende J. T. A.-Meldungen vor: Ans Jerusalem vom 23. Dezember: Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat am 21. Dezember die arabischen und am 22. Dezember die jüdischen Führer empfangen, um ihnen den Plan der Schaffung eines Legislative Council für Palästina vorzulegen. Er erklärte, die Regierung sei zu der Ansicht gelangt, daß die Zeit für die Einführung des Legislative Council reif sei. DeshaJb lege sie den Plan für die Schaffung eines solchen Councils vor. Wie das Parlament aussehen soll Aus London vom 28. Dezember: Für das Parlament sind nach der Darstellung der „Times'' 28 Mitglieder vorgesehen. Von den arabischen Mitgliedern werden 9 gewühlt und 5 ernannt, von den jüdischen 3 gewählt und 5 ernannt. Engl a n d wird durch 5 ernannte Mitglieder und einen Beamten für kaufmännische Interessen vertreten sein. Die in der Presse der verschiedenen Länder angeführten Details betrerrs üer zusammenfiCtzung des Parlaments entsprechen nicht den Tatsachen. Weiter wird bekannt: Der Präsident des Legislative Council (Parlament) «oll nicht gewählt, sondern ernannt werden; er wird vermutlich ein englischer Beamter aus London sein. Jede Person, die das 25. Lebensjahr vollendet hat und seit zwei Jahren in Palästina ansäßig ist, hat das Recht, zum Legislative Council zu wählen. Der Aufstellung der Stimmliste wird eine Volkszählung nicht vorangehen. Auch die jüdischen Frauen haben Wahlrecht. Die gegenwärtige Verteilung der Sitze im Rat basiert auf dem numerischen Verhältnis der verschiedenen Gemeinden zur Gesamtbevölkerung. Eine Neuzuteilung von Sitzen wird während der Dauer von fünf Jahren nicht erfolgen. Mitglied des Rates kann werden, wer das 30. Jahr vollendet hat und die Palästina-Bürgerschaft besitzt. Die Mitglieder sollen auf fünf Jahre gewählt werden und ein Gehalt von 200 bis 300 Pfund jährlich beziehen. Der High Commissioner ist ermächtigt, Vertreter für jede Gemeinde zu ernennen, die die Beteiligung am Rat ablehnt. Der Rat soll während drei Monaten im Jahr oder zweimal jährlich je sechs Wochen tagen. Acht gewählte Mitglieder würden ein Quorum bilden. Wenn Stimmengleichheit über einen Antrag besteht, entscheidet das älteste Ratsmitglied. Der Rat soll nicht für alle politischen Fragen zuständig sein, sondern sich mit Fragen des Budgets und der Gesetzgebung befassen. Während die Frage der Arbeiter- Schedulen nicht in die Kompetenz des Rates fällt, sollen die gewählten Mitglieder das Recht haben, Fragen zu stellen und Resolutionen anzunehmen. Die jüdische Delegation lehnt ab Die jüdische Delegation, der als Vertreter der Zionistischen Organisation Dr. Wcizman n, Ben Gurion und Shcrtok, als Vertreter der Aguda Rabbi Blau, f erner der Vorsitzende des Waad Leuml J. Ben Z w i und ein Vertreter der sephardischon Juden angehörten, hat die Vorschläge der Regierung einmütig zurückgewiesen. Dr. VV > i z m a n n bemerkte, daß die Vorschläge mit den im Mandat niedergelegten internationalen Verpflichtungen nicht übereinstimmen. Er verlas die vom XIX. Zioiiisteukougreß angenommene Resolution, die gegen die Errichtung des Legislative Council opponiert, und betonte, daß „jede legislative Körperschaft, die auf der Basis der gegenwärtigen Zusammensetzung der jüdischen Bevölkerung Palästinas errichtet wird und somit die Juden Palästinas zu einer Minderheit herabdrückt, dieses fundamentale Recht des jüdischen Volkes verletzt" und daß „die Gewährung legislativer Vollmacht an jene, die, offen das Mandat zurückweisen und zum Jüdischen Nationalhelm in Opposition stehen, nur als eine Verletzung des Mandats betrachtet werden kann". Ben Zwi bekannte sieh namens des Waad Leumi zu der Resolution des XIX. Kongresses. Almeiah gab namens der Sephurdischen Gemeinde eine ähnliche Erklärung ab. Rabbi Blau als Vertreter der Agudath Israel fragte, ob der Legislative Council-Vorschlag die Anwendung der Einzelheiten des Mandats darstelle; die Antwort des Chefsekretärs der Palästina-Regierung, John Uutüoni Hall, in diesem Punkt war unklar. Sir Arthur schlug vor, daß weitere Fragen schriftlich unterbreitet werden sollten. Abwartende Haltung der Araber Die Vertreter der Araber erklärten, sie könnten jetzt zu den Vorschlägen noch nicht endgültig Stellung nehmen. Ihre Antwort werde am 7. Jänner erfolgen, nachdem eine zu diesem Zwecke einberufene Konferenz der XVI, HeuHenfeiderstraße 43 Einmalige Aufführung Sonntag, den 5. Jänner 19S6, vormittags 1/^12 Uhr, der berühmte Palästina-Tonfilm der Fox Vorher Der Zionlstenkongreß in Luzern Die neue Tonfilmreportage Zwei Filme, die jeden Juden angehen Ansprache: Dr. Oskar Grünbaum Karten bei: Cafe Baidiahof, XVI., Ottakringerstraße Nr. 102 (Tel. A-21-3-81); Falticzek, XVI., Brunnengasse 54; Stamm, XVII., Hernalser Hauptstraße 11; Meisler, XVII., Frauengasse 4 (Telephon B-45-8-27); Wechsler, XVII., Hernal3er Hauptstraße 119; Cafe Zeilerhof, VII., Zieglergasse 83, und an der Kinokasse (Telephon A-25-5-12) arabischen Parteien sich mit der Frage befaßt haben wird. Der Großmufti von Jerusalem ist gegen die Einführung des Legislative Council. * Wie die J. T. A. meldet, hat die politische Kommission der Zionistischen Organisation Englands beschlossen, die vom jüdischen Jischuw in Palästina und außerhalb Palästinas zum Ausdruck gebrachte Opposition gegenüber dem Parlament zu unterstützen. Eine im Zusammenhang mit der Proklamierung des Legislative Council in Palästina zusammengetretene Konferenz aller zionistischen Gruppierungen Polens, an der Vertreter des Zionistischen Zentralkomitees, der Poalo Zion, des Misrachi, der Judenstaatspartei, der Hitachduth, des Haschomer Hazair und der Liga für das Arbeitende Palästina teilnahmen, beschloß, eine Depesche an die Zionistische Exekutive in Jerusalem zu senden, worin es heißt: Die Konferenz aller zionistischen Gruppierungen in Polen gibt der Erbitterung des polnischen Judentums über die Aufwerfung des Plans des Legislative Council Ausdruck und erklärt, daß die gesamte zionistische Bewegung unerschütterlich hinter der Exekutive in ihrem Kampf gegen den Legilative Council und für die Rechte des jüdischen Volkes in Palästina steht. Protest der österreichischen Zionisten Die Zionistischen Organisationen Oesterreichs haben folgenden Aufruf erlassen: An die Juden Oesterreichs! Trotz des einmütigen Protests des XIX. Zionistenkongresses hat die Mandatarmacht die Einführung eines „Gesetzgebenden Rate s" angekündigt. Diesem Beschluß der britischen Mandatsverwaltung muß das jüdische Volk ein unbeugsames „N e i n!" entgegensetzen. Der Versuch, Sinn und Wortlaut des Mandats in das Gegenteil zu verwandeln, muß am geschlossenen Widerstand des jüdischen Volkes scheitern. Die Zionisten Oesterreichs rufen alle Juden auf, i u geschlossener Front gegen diese Mandatsyorlotzung feierlich vor aller Welt zu pro« 31. Dezember «Dienstag);fee Krislall Wien I, Aspernplatz Nr. 1 $m$es OtttesUt C. M. Wintemitz Tanz, Stimmungsmusik. Normale Preise Regiebeitrag S!.I0 _ fhm Sthi^fmmH aufye&ekUitft Die jahrelangen philmthropischen Bemühungen und Leistungen des Großkaufmannes Max Schiffmann (Chef des Warenhauses Brüder Schiffmann) sind allgemein anerkannt und haben seinen Namen in Wien populär gemacht. Nun hat der österreichisch« Bundespräsident Herrn Kultusrat Max Schiff mann durch die Verleihung dea Goldenen Verdienstzeichens ausgezeichnet, eine Ehrung, die in allen jüdischen Kreisen Wiens mit Genugtuung aufgenommen werden wird. Anläßlich dieser Auszeichnung gratulieren diel Judenstaatspartei und die „Neue Welt" ihrem treuen und verdienstvollen Leitungsmitglied und Freunde herzlichst. testieren und den gesetzgebenden Rat einmütig abzulehnen. Die Zionisten Oesterreichs stehen in diesem Abwehr* kampf geschlossen hinter der Zionistischen Exekutive und werden ihr treue Gefolgschaft leisten. Juden, Zionisten! Die Wiedererrichtung des Jüdischen Nalicnalheims in Palästina ist das einzige Mittel zur Lösung der Judenfrage. Wir Zionisten haben trotz ungeheurer Widerstände an diesem Werk gebaut und haben die Hindernisse von selten der türkischen Regierung, die traurigen Tage Chancellors, das Passfieldsche Weißbuch und andere schwere Angriffe gegen das jüdische Aufbauwerk überwunden. Auch dieser Versuch der britischen Mandatsverwaltung, übernommene Verpflichtungen zu verletzen, wird den Willen des jüdischen Volkes auf Wiedererrichtung des Jüdischen Nationalheims nicht brechen. Juden, Zionisten! Seid einig! Verdoppelt eure Anstrengungen zur Erlösung des jüdischen Volkes! Stärkt die zionistischen Reihen! Erfüllet eure Pflicht! Zionistischer Landesverband für Oesterreich. Zionistische Organisation „Binjan Haarcz". Verband der Judenstaatszionisten Oesterreichs (Judenstaatspartei). Verband Radikaler Zionisten Oesterreichs. Landesverband „Misrachi", Oesterreich. Tropfen auf den hesSten Stein Die Arbeiter-Einwanderung nach Palästina Ueber die Zuteilung von Einwanderungs-Zertifikaten für die Periode Oktober 1935 bis März 1936, welch© regulär im September hätte bekanntgegeben werden sollen, ist bisnun nichts zu erfahren gewesen. Nunmehr liegt folgende Meldung der J. T. A. vor: Aus Jerusalem: Die Palästina-Regierung hat als Arbeiter-Eiriwanderungsschedule für das laufende Halbjahr 4350 Zertifikate bewilligt. Davon gehen die bereits vorschußweise ausgegebenen 1000 Zertifikate sowie 12 0 0 Zertifikate ab, die als Reserve für die Legalisierung des Aufenthaltes illegaler E i u- Wanderer zurückbehalten werden. 1900 Zertifikate sind für Angehörige in Palästina ansässiger Juden bestimmt. Die Zionistische Exekutive hatte 11.000 Zertifikate angefordert. Nach Schätzungen der Regierung beträgt die Zahl der jüdischen Arbeitslosen in Palästina rund 3500. <: Dieses Ergebnis übertrifft wohl alle pessimistischen Erwartungen. Es bedeutet, daß im laufenden Halbjahr die legale jüdische Einwanderung kaum ein Viertel derjenigen in früheren Perioden betragen wird. Wenn man dazu in Betracht zieht, daß rund die Hälfte der v/enigen jetzt freien Zertifikate nach Deutschland geht, so kann ohne Uebertreibung gesagt werden, daß die jüdische Welt vor eine Sperre der jüdischen Einwanderung gestellt ist. Verband der ludensi«iat§«ZioiHsfen Die Landeskonferenz der Judenstaatspartei Litauens» wurde auf den 2. und 3. Februar verlegt. Ueber Initiative der Judenstaatspartei C. S. R. fand Montag, den 30. d. M., eine gemeinsame Sitzung aller zionistischen Gruppen in Ostrau statt, die sich mit der Festsetzung einer gemeinsamen Proteatversammlung gegen die Errichtung eines Parlamentes in Palästina befaßte. Judenstaatszionisten Oesterreichs. Sektion XIV/XV, Schanzstraße 32, Mittwoch, den 1. Jänner, 6 Uhr nachmittags, Heimabend. Klavier- und Gesangsvorträge- Lilly Halpern, Violine: Schönberg und Wachsniann u. a.'