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Die neue Welt · 1935-12-31 · Heft 525 (31.12.1935) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 525 (31.12.1935)
Date
1935-12-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite *> DIE NEUK WELT Nr. 525 vom 31. Dezember führen, wendeu sich die Katholiken Palästinas an ihre Glaubensgenossen in der Welt und rich'en an sie in der Presse und in Kundgebungen durch das Brüsseler Comite de Defense (Komitee zur Verteidigung der katholischen Interessen) die Aufforderung, sich für <üe Verteidigung der katholischen Rechte einzusetzen." Ein Beispiel für die Notwendigkeit dieser Verteidigung vermag die „Reichspost" nicht zu erbringen. Hingegen setzt sie zähneknirschend fort: „Mit größter Entschiedenheit wird der Meinung Ausdruck gegeben, daß die palästinensischen Juden keine Neigung hätten, den Wünschen und Ansprüchen der Katholiken gerecht zu werden. Hiefür werden entsprechende Beispiele, insbesondere ein Aufruf des Tel-AviverExekutivkomitees vom 22. Dezember 1934 angekündigt. Die Bezeichnung des christlichen Jahres als .griechische Schmach', die Androhung, .jegliche Mittel' gegen die christliche Neujahrsfeier anzuwenden, kennzeichnen die in Palästina allgemein bekannte Intoleranz der dortigen Juden." Leeres, böses Gerede. Ein Tel-Aviver Exekutivkomitee existiert nicht. Vielmehr hat der Bürgermeister der Judenstadt Tel-Aviv die deutsch jüdischen Einwanderer vor aufdringlichen und lärmenden Feiern des nichtjüdischen Silvesterabends in der jüdischen Stadt und in der Zeit schwerster jüdischer Not gewarnt. Kein Wort von ,.griechischer Schmach" ist gefallen. Und das nennt die ..Reichspost" Verfolgung der katholischen Kirche! Das ist die jüdische Intoleranz! Palästina wird von den Engländern, den christlichen Engländern, verwaltet. In den 15 Jahren englisch-jüdischer Zusammenarbeit ist es gewiß zu zahlreichen Reibungen, Differenzen und Spannungen gekommen. Die Juden waren mit vielem, was die Engländer taten, nicht einverstanden; den Engländern wiederum ging öfters das Tempo der jüdischen Arbeit wider den Strich. Niemals aber hatten die Engländer, die christlichen Engländer, notwendig, die christliche, die katholische Sache gegen das Volk der Bibel im Land der Bibel zu schützen. Wenn wir das Glück haben werden, Herren in unserem Land zu sein und es autonom zu verwalten, dann werden wir die Rechte der Andersgläubigen, der Minoritäten, sogar jedes Pünktchen ungeschriebener Privilegien mit einer Gewissenhaftigkeit wahren, daß niemand, auch die Katholiken, es notwendig haben wird, von uns Toleranz zu verlangen. Wir sind ein Volk, das das Schicksal des Rechtlosen oder Entrechteten lange genug getragen hat und heute noch trägt, und darum wissen wir die Wohltat unangetasteter Rechtssicherheit ganz besonders zu schätzen. Die katholischen Rechte werden bleiben, ob es in Palästina 400.000 oder 4 Millionen Juden gibt. Nicht heute und nicht morgen ist der katholische Bereich in Palästina gefährdet. Der Alarmruf der „Reichspost", der gegen die Juden gerichtet ist, muß als grundlos bezeichnet werden — es sei denn, daß die „Reichspost" fürchtet, eine streng geschlossene, starke jüdische Gemeinschaft und eine ebensolche arabische würden missionarischen Bestrebungen Widerstand leisten. Gerade in der Zeit, wo Hitler-Deutschland das abschreckendste Beispiel für die Roheit der Religionsverfolgung und Katholikenerniedrigung gibt, wagt es die ,,R.eichspost", die katholischen' Belange Palästinas als von den Juden bedroht hinzustellen. Welch widersinniges Unterfangen! Eine Zeitlang schien es, daß verantwortliche katholische Kreise in Oesterreich für eine V e rs ö h n u n g gestimmt waren — auf Grundlage einer Aussprache von Volk zu Volk und im Sinne der Richtung, welche die Führung in der Weltjudenheit besitzt, im Sinne der nationaljüdischen, zionistischen Richtung. Heute vermag man sich des Eindrucks nicht zu erwehren, daß gewisse Vertreter des deutsch-christlichen Staatsgedankens, im Judenpunkt derzeit einer Tendenz zuneigen, die von den nationalen Interessen des Judentums sehr weit entfernt ist und daher keine Plattform für eine Verständigung bilden kann. Es wäre erforderlich, hier klare Worte zu sprechen und der Ungewißheit in bezug auf die Haltung der offiziellen Kreise zur Judenfrage ein Ende zu machen. Nach außenhin wird das jüdische Volk dahinarbeiten müssen, daß überall die Erkenntnis wächst, die Rückkehr in unser Land sei notwendig und vollziehe sich vor aller Welt kraft unseres historischen Rechts, kraft des völkerrechtlich beglaubigten Mandats, kraft der unermeßlichen Judennot, die den Repatriierungsproßeß zu einem unwiderstehlichen, durch keinerlei Verdächtigungen aufhaltbaren macht. Im Licht unvoreingenommener Betrachtung erscheint der Alarmruf der , .Reichspost" als das, was er ist: als Ausfluß von Mißgunst, als Versuch, die Kulturwelt irrezuführen, indem man ihr eine Gefahr für den religiösen Frieden in Palästina vormacht, die nur in der Phantasie verbissener Friedensstörer existiert. o. r. Anklage gegen Hitlerdeutsdiland und Völkerbund Der vom Völkerbund für das Fliichtling3wesen eingesetzte Oberkommis.sär James G. MacDonald ist kürzlich von seinem Amt zurückgetreten. Sein Rücktritt besagte, daß das Fliichtlingsproblem nicht auf Grund philanthropischer Maßnahmen gelöst werden könne, daß vielmehr andere, nämlich politische Aktionen notwendig seien. Wir gaben dieser Ansicht in einem Aufsatz „Gefährliche Illusionen" (,,Die Neue Welt" vom 3. Dezember 1935) Ausdruck und heute erfährt die Welt durch einen Brief des zurückgetretenen MacDonald an den Generalsekretär des Völkerbundes, wie es um die Angelegenheit der Flüchtlinge aus Deutschland bestellt ist MacDonalds Brief ist eine fürchterliche Anklage gegen Deutschland, gleichzeitig aber auch eine fürchterlich« Mahnung an den Völkerbund. Zunächst stellt MacDo nald fest: Die verstärkten Verfolgungen in Deutschland müssen die vollständige Vernichtung und da s Exil hiiinh'rttiuispiidcr Deutscher z u r Folge haben — Männer, Frauen und Rinder — und nicht nur Juden, sondern auch nichtnrische Christen, die als Juden behandelt werden, von Protestanten und Katholiken, die, ihrem Glauben und ihrem Gewissen treu, es wagen, dem absoluten Willen des nationalsozialistischen Staates Widerstand zu leisten. GROSSER EHRBARSAAL IV, Mühlgaua 30 (3 Haltestellen mit der Linie 63 von der Oper) Mittwoch, den 8. Jänner 1930, um 8 Uhr abends ABSCHIEDSABEND Einziger jiddischer Abend Neues Programm: Asch, Chejn, Hasas, Lussin, Nadir, Opatoschn, Scholem Alejchem, Stahl Karten von S 1 bis 1 bei R. Lanyi, Kiirnlnerstralie 44; Jüdische Kulturstclle, Franz -Josefs-Kai a;M. Rath, Taborstr. 3; K.-Z. Cuonner, Graben 28 Abgesehen von allen Fragen der Prinzipien und der Religionsverfolgung, ergeben sieh für die Gemeinschaft der Staaten Tatsachen von großer Bedeutung. Mehr als eine halbe Million Menschen, denen nichts anderes vorgeworfen werden kann, als daß sie das nicht sind, was der Nationalsozialismus als „nordisch" zu bezeichnen beliebt, werden zugrunde gerichtet. Sie können ilu-ern Schicksal durch keinerlei Aktionen ihres eigenen freien Willens entgehen, denn das, was „Mitgliedschaft zur nichtarischen Kasse" genannt wird, kann weder geändert noch aufgehoben werden. Zehntausende suchen heute mit aller Mühe eine Möglichkeit, in das Ausland zu fliehen. Aber auch für jene, die bereit sind, ihr ganzes oder den größeren Teil ihres Vermögens zu opfern, verbarrikadieren die offiziellen Beschränkungen des kapitalsexport« <i«m Weg zur i^iuciit. Die Tore der meisten Länder sind den verarmten Flüchtlingen verschlossen. Ueber die Folgen der Nürnberger Gesetze sagt MacDonald: Den Höhepunkt der Attacken auf Juden und „Nichtarier" sowie politisch und religiös Andersdenkende bildet die neue Gesetzgebung, die auf dem Parteitag in Nürnberg im vergangenen Jahre verkündet wurde. Mit der „czernowitzer Allgemeinen Zeltung" nach IT~ 'tfctfPJäaitaBxa u. am 5. Jänner 1936, letzter Anmeldetag: 2. Jänner 1936 Oes«. Verkehrsbüro B-27-500, U-29-0-35, Poln. Reisebüro .Orbis' R-21-5-78 u. Reisebüro .Marienbrücke' R-24-2-86 87 Als unmittelbares Resultat dieser Enunziationen verloren in Deutschland nicht nur die Juden, deren Zahl gegenwärtig 435.000 beträgt, sondern auch Zehntausende christlicher Nichtarier, die gleichfalls als Juden qualifiziert werden, ihre Bürgerrechte, wurden disqualifiziert und unfähig erklärt, Staatsstellungen zu bekleiden. In vielen Teilen des Landes bemüht man sich, systematisch die jüdische Bevölke ung auszuhungern; auf keinem Gebiete der wirtschaftlichen Betätigung gibt es für sie irgend eine Sicherheit. Die Opfer des Terrorismus werden zur Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit getrieben. Die Entwicklung seit 1933, sehreibt er, insbesondere jene, die den Gesetzen von Nürnberg: folgte, rufen zu neuen kollektiven Maßnahmen gegen das Problem, das durch die jüdischen Verfolgungeil geschaffen wurde, auf. Die moralische Autorität des Völkerbundes und seiner Mitgliedsstauten muß zu einem entschlossenen Appell an die deutsehe Regierung verwendet werden, im Namen der Menschlichkeit und um des Prinzips der Menschenrechte willen in Europa. Man muß eine Acnderung dieser Politik verlangen, weil sie eine ständige Quelle der Unruhe und der Erschütterung der Welt darstellt, eine Herausforder u n g der gesittete n M cnschc n durch eine ständige Bedrohung der legitimen Interessen der Staaten, die durch die Einwanderung der deutschen Flüchtlinge betroffen werden. Die wachsenden Leiden der verfolgten Minorität hl Deutschland und die Gefahr der steigenden Auswanderung verlangt eine freundschaftliche, aber entschlossene Intervention bei der deutschen R og i e r u n g sowohl von Seiten des Völkerbundes als auch Jüdisches Kuiturtheater^JjJFranz-Josefs-Kai 3, Tel. ft-28-2-36 AUTORENABEND Donnerstag, 2 Jänner 1936, 1A8 Uhr abends „C. Schofmanns zeitloser Genius" Einleitende Worte: Martin Rathsprecher Aus den Werken des Dichtern liest Joachim L a a t z Karten erhältlich in der Jüdischen Kulturstell«, I, Franz-Josefs-Kai 3, Tel. R-28-2-36 _ von Seiten der M i t g I i e d s s 1 a utr-n und anderer Mitglieder der Gemeinschaft der Nationen. Mitleid und Vernunft in gleicher Weise müssen die Hoffnung erwecken, daß die Interventionen von Erfolg begleitet sein werden. Ohne solche Erfolge werden die Probleme, die durch die Verfolgung der Juden und Nichtarier entstehen, nicht durch philanthropische Aktionen gelöst werden können, sondern sie werden weiter eine Gefahr für den internationalen Frieden darstellen und eine Quelle der Verletzung der legitimen Interessen von anderen Staaten bilden. Der Schlußpassus des Briefes zeichnet die Linie, welche bei der Behandlung der deutschen Flüchtlingsfrage eingehalten werden muß, damit nicht die internationale Sicherheit gefährdet werde: Das Problem muß bei der Quelle behandelt werden, wenn eine Katastrophe vermieden werden soll. Hier liegt die Aufgabe des Völkerbundes! Das Völkcrhundstatut gibt dem Kate und der Vollversammlung die Gewalt, sich mit allen Dingen, die in der Sphäre des Völkerbundes liegen «der den Frieden der Welt bedrohen, zu befassen. II, Taborstr 12 Tel. M6-5-57 Theater der Komiker DREI STUNDEN STÜRMISCHES GELÄCHTER Deutsdhffarisdies Adreßbuch Wir erhalten unter Berufung auf das Preßgesetz folgende „Berichtigungen": Tuch haus Vindobona, I., Tuchlauben Nr. 7. „Sie schreiben in der Zeitung ,Die Neue Welt' vom Dienstag, dem 17. Dezember 1935, Nr. 522, Jahrgang 9, auf Seite 3 unter dem Titel .Tribüne' und dem Untertitel ,Deutscharischcs Adreßbuch für Oesterreich', daß dem Vorwort dieses Adreßbuches zu entnehmen ist, daß die im Verzeichnis enthaltene Firma Tuchhaus Vindobona, I., Tuchlauben, den Besuch jüdischer Kunden nicht wünscht. Diese Behauptung ist unwahr. — Wahr ist vielmehr, daß dem Vorwort nicht zu entnehmen ist, daß die im Verzeichnis enthaltene Firma Tuchhaus Vindobona, I., Tuchlauben, den Besuch jüdischer Kunden nicht wünscht." * Eduard Hauser, Steinmetz, IX., Spitalgasse 19, „Sie schreiben in der Zeitung ,Die Neue Welt' vom Dienstag, dem 17. Dezember 1935, Nr. 522, Jahrgang 9, auf Seite 3 unter dem Titel .Tribüne' und dem Untertitel .Deutscharisches Adreßbuch für Oesterreich', daß dem, Vorwort dieses Adreßbuches zu entnehmen ist, daß die im Verzeichnis enthaltene Firma Eduard Hauser, IX., Spitalßfasse, Steinmetz, den Besuch jüdischer Kunden nicht wünscht. Diese Behauptung ist unwahr. — Wahr ist vielmehr, daß dem Vorwort nicht zu entnehmen ist, daß die im Verzeichnis enthaltene Firma Eduard Häuser* IX., Spitalgasse, Steinmetz, den Besuch jüdischer Kunden nicht wünscht." * Hugo Hinze, Eisen- und Metallwaren, IV., Hauptstraße 42. „Sie schreiben in der Zeitung ,Die Neue Welt' vom Dienstag, dem 17. Dezember 1935, Nr. 522, Jahrgang 9, auf Seite 3 unter dem Titel .Tribüne' und dem Untertitel .Deutscharisches Adreßbuch für Oesterreich', daß dem Vorwort dieses Adreßbuches zu entnehmen ist, daß die im Verzeichnis enthaltene Firma Hugo Hinze, IV., Eisenwaren, Gartengerätc, den Besuch, jüdischer Kunden nicht wünscht. Diese Behauptung ist unwahr. — Wahr ist vielmehr, daß dem Vorwort nicht zu entnehmen ist, daß die im Verzeichnis enthaltene Firma Hugo Hinze, IV., Eisenwaren, Gartengeräte, den Besuch jüdischer Kunden nicht wünscht." Indanthren-Haus, VI., Mariahilferstraße 71. ,Sic schreiben in der Zeitung „Die neue Welt" vom Dienstag, den 17. Dezember 1935, Nr. 522, Jahrgang 9 auf Seite 3, unter dem Titel „Tribüne" und dem Untertitel „Deutscharisches Adreßbuch für Oesterreich", daß dem Vorwort dieses Adreßbuches zu entnehmen ist, daß die im Verzeichnis enthaltene Firma Indanthrenhausi, VI., Mariahilferstraße, den Besuch jüdischer Kunden nicht wünscht. Diese Behauptung ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß dem Vorwort nicht zu entnehmen, ist, daß die im Verzeichnis enthaltene Firma Indanthrenhaus, VI., Mariahilferstraße, den Besuch jüdischer Kunden nicht wünscht." Die //Neue Zionistische Organisation" fordert Zertifikate Aus London (J. T. A.): Der Präsident der Neuen Zionistischen Organisation, Wladimir J a b otinsky, wurde in Begleitung der Herren S. Y. Jacobt und S. Landman von der N. Z. O.-Exekutive am 20. Dezember von dem Kolonienminister J. H. T h c m a s im Colonial Office empfangen. * Wie uns von informierter Seite mitgeteilt wird, bildete die Forderung der N. Z. O. nach d irckter Zuteilung von palästinensischen Einwände r n g s- Zertifikaten einen Hauptgegenstand dieser Intervention. Bisher sind alle Zertifikate der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation zur Verfügung gestellt und von dieser nach eigenem Ermessen verteilt worden, mit der vor zwei Jahren erfolgten Einschränkung, daß der Agudah (Trennungs-Orthodoxie) eine bestimmte Zahl, aber auch nach Prüfung der Petenten durch die Organe der Zionistischen Exekutive, zuzuteilen ist. Nunmehr fordert die N, Z. O. separate, direkte Zuweisung.

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