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Die neue Welt · 1935-12-31 · Heft 525 (31.12.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 525 (31.12.1935)
Date
1935-12-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen Jahrgang $ Dienstag/ den 3-1«. Del8ß Nr. 525 V« b* b. vom Verleger versendet "4 par rfedlteur'» BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich 8 1.40, vierteljährig 8 4,~, ganzjährig 8 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—. vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—. vierteliiihrig Dinar 40.-; Enmänlen monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.-; Deutschland monatlich Marie 1.—. vierteljährig Mark 3.-: Bnlgarien monatlich Lewa 80—, vierteljährig Lewa 80.—: Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—3 Schwel« und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca LGO. vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlieb. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, UniversiWsstr. 8, Tel. A-20-2-78 - Ersdteint Diensiag u. Freitag REVUE KUNDMACHUNG Wir empfehlen unseren geschätzten Lesern wärmstens die Firma Bandagen-Mikalasch Wien II, Taborstr. 22, Tel. 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Scheinbar will sie sich bloß auf Modifikationen ihres Entwurfs einlassen, und zwar auf Grund etwaiger Einwendungen der beiden Bevölkerungsteile,, im großen und ganzen aber an ihrem Plan festhalten. Denn die arabische Nachricht, der Kolonienminister Thomas habe nach einem Gespräch mit dem politischen Vertreter der Zionistischen Exekutive dem Oberkommissär telegraphisch die Weisung zum Abbruch der Verhandlungen bezüglich des Parlaments gegeben, widerspricht dem logischen Ablauf der Dinge. \ Der Standpunkt der Araber ist unklar. Man weiß nur, daß die Palästina-Regierung den arabischen Führern schon seit langem die Schaffung des Legislative Council versprochen hat und nun endlich entschlossen ist, ihr Versprechen zu erfüllen. Hingegen ist der jüdische Standpunkt in dieser Frage eindeutig. Der Jischuw und mit ihm die ganze am Aufbau des Nationalheims interessierte Judenheit lehnt den Council ab. Zum erstenmal nach langer Zeit zeigt die zionistische Organisation Einmütigkeit und Geschlossenheit. Die Ankündigung des Council erfolgte wie ein Ueberfall. Mit Recht führt die hebräische Tageszeitung „Doav Hajom" Klage darüber, daß die zionistischen verantwortlichen Führer die Wahrheit vor dem jüdischen Volk verborgen und den Council als ein Hirngespinst der zionistischen Opposition bezeichnet hätten. Nichtsdestoweniger hat das jüdische Palästina instinktmäßig richtig reagiert. In Tel-Aviv kam es zu spontanen Demonstrationen. Unzählige stürmische Versammlungen unter freiem Himmel wurden abgehalten, wobei die Redner jeden Juden, der Bich ins Parlament nominieren lasse, als Verrate r ex- Jdärtcn. Die Entschlossenheit der Juden, das Parlament abzulehnen, ist vorhanden. Jetzt kommt es auf die Führer an, ob man durchhalten wird oder ob sich nicht sogenannte „Realpolitiker" finden werden, Kompromißler, die dio Boykottfront durchbrechen und Herzls politische Konzeption einer „Korrektur" unterziehen werden. Die Vorgänge rings um das Projekt des Legislative Council veröffentlichen wir im Innern des Blattes. Wegen Baummaiiffcls erscheinen der Schluß des Aufsatzes u k o b — a 11 o i n" von Dr. A. K aminka und „Woltpolitlk der Woche" in der nächsten Froitagmiramer. Sie malen Kreuze an die Tür ♦ ♦ ♦ Wenn sich der Troß der Kreuzfahrer einer Stadt näherte, wußte man, daß es nunmehr zu einer Judenhetze kommt, und die Christen malten Kreuze an ihre Tür und stellten Kreuze in die Fenster. Teils war es Bitte um Schonung, teils Hinweis, wo man sich austoben soll. Viele hundert Jahre später übte man in Rußland, in der Ukraine, in Rumänien und an anderen Orten den gleichen Brauch. Vor Pogromen machten die Nichtjuden Kreuze an ihre Tür. Den Juden schnitten diese Zeichen tief ins Herz und die gezeichneten Häuser waren ihnen ein Greuel und sie mieden sie. Nach der Hetze kamen die Eigentümer der gezeichneten Häuser zu den Juden und sagten entschuldigend und einladend, sie hätten es nicht so gemeint. Aber den Juden blieben die gezeichneten Häuser ein Greuel. Wer darf sich darob wundern? * Wieder flutet eine Welle des Hasses gegen die Juden. Aber heute malt man nicht Kreuze an die Tür. Wozu? Man hat ja moderne und ebenso wirksame Behelfe, wie Druckerei, Post usw., und man verfaßt Billig nnd bequem nach Polen und Czernowitz Abfahrten: 5. und 81. Janner 1936 Rückfahrten: 6. Jännar und IS. Februar 1936 „F R A N C 0 P 0 L", Wien lll, Rennweg 1, Tel. U-16-4-90 Listen nichtjüdischer Kaufleute, Gewerbetreibender, Aerzte, Advokaten usw. und sendet sie allen ins Haus. Eine Bitte um Schonung vor dem Boykott, der zeitgemäßen und nicht weniger grausamen Art des Pogroms, und ein Hinweis, wo man boykottieren darf und soll, ein Hinweis auf den jüdischen Berufskollegen. Auch in Oesterreich zirkuliert eine solche Liste, sie nennt sich „Deutsch-arisches Adreßbuch für Oesterreich". In früheren Jahren enthielt es neben den Firmenadressen Beschimpfungen der jüdischen Gewerbetreibenden. Da hat die Zensur eingegriffen und jetzt heißt es nur, daß man „Bindeglied zwischen arischem Käufer und Verkäufer" sein will, Daß man ein Strick um den Hals des Juden sein will, sagt man nicht. Wozu Selbstverständlichkeiten sagen, wenn sie den Herrn Staatsanwalt nervös machen! « Und nun kommen die „deutsch-arischen" Firmen,' deren Namen im famosen Adreßbuch prangen, und berichtigen und erklären, daß ihnen jüdische Kunden, welche bei ihnen Geld lassen wollen, sehr willkommen sind. Möglich! Höchstwahrscheinlich! Aber den Juden sind die Häuser mit den bemalten Türen nun einmal ein Greuel. Damit müssen sich die Herrschäften, welche auf die Auszeichnung „deutsch-arisch" im famosen Adreßkalender großen und bezahlten Wert legen, abfinden. (Die Berichtigungen bringen wir unter dem Titel „Deutscharisches Adreßbuch" auf Seite 2.% Wer bedroht „katholische Rechte" in Palästina? // Vierundzwanzig Stunden vor der Friedensenunziation des österreichischen Bundeskanzlers Dr. Schuschnigg und der Weihnachtsbotschaft des Papstes stößt das katholische Hauptorgan Oesterreichs, „Reichspost", einen Alarmruf aus. Tatsächlich macht sich in gewissen Ländern eine Einschnürung des katholischen Einflusses geltend und unmittelbar in Oesterreichs Nähe, im benachbarten Dritten Reich, wird mit allen Mitteln der Gesetzgebung, des Terrors, der Verhetzung, dem christlichen Gedanken ein germanisch-heidnischer Kult entgegengestellt. Da wäre wohl seitens eines Blattes, das sich für die Macht und Glorie der katholischen Kirche verpflichtet fühlt, ein passender Anlaß, besorgt zu sein und diese Besorgnis in die Welt zu rufen. Aber die „Reichspost" nimmt die Stunden vor dem christlichen Weihnachts- und Friedensfest (22. Dezember) wahr, um — diesmal wirklich ein Blitz aus heiterem Himmel — ohne die Spur eines aktuellen Anlasses die katholische Sache in Palästina als von den Juden bedroht hinzustellen und zur Abwendung dieser „Gefahr" die Welt zu alarmieren. Die Gefahr leitet die „Reichspost" zunächst von der zunehmenden jüdischen Einwanderung und von der gleichbleibenden Zahl der Katholiken in Palästina ab. „Die palästinensischen Christen aller Riten", schreibt die „Reichspost", ganz unbekümmert um die Erbringung eines Beweises, „vor allem die Katholiken, sehen mit großer Sorge der weiteren Entwicklung entgegen, da sie infolge jener Einwanderung und infolge der starken Zunahme auch der arabisch- Heute Dienstag Lustiger Abend *> Cafe Weghuber Charles Jirka Stimmuogs'Kdnone mit Programme inla gen und Sängern, u. a.: Mimi Kirchberg Beginn 9 Uhr Leo III mar Lieder'Sängerin Jaxz-SSnger Tanz-Kapelle: Isy Geiger Konzert- und Stimmungskapelle Rechtzeitige Tischbesteillingen erbeten B Besucherkarte S 1.S0 mohammedanischen Einwohnerschaft zu einem immer, kleineren und einflußloseren Bestandteil der Bevölkerung werden. Ihre Stellung und ihr Einfluß im Heiligen Lande werden von Jahr zu Jahr; schwächer ..." Was ist geschehen, daß die „Reichspost" so erregt ist? Haben in Palästina die Juden die den Christen heiligen Stätten geschändet, die Grabeskirche gestürmt und gar Christenverfolgungen inszeniert? Was will die „Reichspost''?. Palästina ist uraltes jüdisches Land. Niemals in den 2000 Jahren der Zerstreuung hat das jüdische Volk den Zusammenhang mit dem ihm verheißenen Land verloren. In Liedern, Gedichten, Gebeten gab sich die Zionsverbundenheit kund. Wenn man in Palästina nicht leben durfte, dann wanderte man hin, um dort zu sterben. Der Zusammenhang des Christentums mit Palästina ist ein transzendentaler, gegründet auf die Tatsache, daß der christliche Religionsstifter dort gelebt und gewirkt hat. Diese seelische Verbundenheit bekam erst im Mittelalter einen substantiellen Unter«* bau, als kraft der siegreichen Kreuzzüge christliche Kultstätten in Palästina errichtet und bis zum heutigen Tage bewahrt wurden. Einen Machtanspruch konnte die katholische Kirche auf das von Mohammedanern okkupierte, dem jüdischen Volk zugehörige Gebiet nie erheben. „Beschützer des heiligen Grabes" war stets nur ein repräsentativer Titel, zumal das „Heüige Grab" niemals von Juden bedroht war und sogar die Auseinandersetzung Halbmond und Kreuz dieses nie in Gefahr brachte. Wie einst, ist es auch heute. Kein Jude, kein Palästinenser denkt daran, die traditionellen Rechte der katholischen Kirche anzutasten. Damm widerspricht es der Vernunft und vor allem dem Tatsachenbestand, wenn die „Reichspost" diese Rechte als bedroht und schutzbedürftig hinstellt, indem sie schreibt: „Angesichts des Zusammenschlusses der arabischen Bevölkerungsmehrheit und der Aufstellung eines politischen Programms für diese, angesichts der Entschlossenheit des Judentums, seine Absicht auf Palästina mit rücksichtsloser Energie zu Ende au

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