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Die neue Welt · 1935-12-24 · Heft 524 (24.12.1935) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 524 (24.12.1935)
Date
1935-12-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE NEUE WELl Seite 5 RUNDSCHAU Aus England Was eine Trans'er-Enthusiastin schreibt Die Gegner des Transfers und der mit ihm vtrtmndencn GeseUschaft Haawarah, die in Palästina tätig ist, kamen bisher zum Schluß, daß die deutschen Juden, welche ihr Vermögen auf Grund des Transfers, das heißt in Form von deutschen Waren, nach Palästina bringen, mit einem großen Abzug rechnen müssen. Der Verlust beim Transfergeschäft stellt sich sehr hoch — abswsohen von der moralischen und politischen Einbuße — und die lange Dauer der Abwicklung bringt es mit sich, daß viele Juden, die bei ihrer Einwanderung nach Palästina ihre ganze Hoffnung auf den Transfer setzten, oft ihre Barmittel verzehren, bevor die Durchführung des Transfers erfolgt ist. Moderne MarKenempfönger f 2«5tl Wochenrattm SSr« II. KarmeliterDlatz 1 SüSZgb Festtage .. . I Radiolehrer Ueber die Angelegenheit des deutschen Transfers besteht bereits eine umfangreiche Literatur. Befürworter und Ablehner des Transfergeschäftes haben ihre Argumente in einer Reihe von Schriften und Aufsätzen niedergelegt. Nichtsdestoweniger geht die Polemik weiter. Die jüngste Betrachtung dieses Gegenstandes stammt aus der Feder der Frau Gerda Luft-Arlosoroff, der palästinensischen Korrespondentin der Weizmann-Blätter „Jüdische Rundschau" (Berlin) und „Selbstwehr" (Prag). Frau Gerda Luft beschuldigt in einem Bericht der „Selbstwehr" vom 13. Dezember die Gegner des Transfers dunkler politischer Motive, stellt aber gleichzeitig eine Rechnung des Transfers auf, die alles, was bisher gegen dieses schändliche Hitler-Geschäft gesagt wurde, bestätigt. Frau Gerda Luft will die Notwendigkeit und den praktischen Wert des Transfers erweisen, kommt aber unversehens zu einem Schluß, wie er niederschmetternder und grotesker nicht gedacht werden kann. Sie schreibt nämlich: „Es gehen von dem zu überführenden Kapital erst einmal 25 Prozent Reichsfluchtsteuer ab, aber es wird doch wohl auch der böseste Feind des Transfer» zugeben müssen, daß dieser Abzug nicht das geringste mit der Haawarah zu tun hat, sondern mit einer nicht zu umgehenden Verordnung der deutschen Regierung. Auf Spesenkosten der Haawarah gohen hei den ersten 1000 Pfund 26 Prozent ab (die Tabelle der Kostenabzüge ist gestaffelt; bei Einzahlern, die das zweite 1000 Pfund transferieren, beträgt der Abzug 86 Prozent), wobei nur ein kleiner Teil auf Rechnung der Haawarah, der Rest auf Bonifikationen einzurechnen ist, die an die palästinensischen Kaufleuto gezahlt werden müssen und ohne die ein Absatz der Waren nicht zu erreichen ist. Bei einem Transfer, der Obligationen vom Keren Kajemoth oder Nir in sich schließt, ist noch in Abzug zu bringen, daß die des K. K. L. mit 80 Prozent des Gestehungskurses notiert werden, so daß ein weiterer Verlust entsteht. Immerhin beläuft sich das Kapital, das am Seliluß in Palästina zur Verfügung steht, bei weitem nicht auf 12Prozent!" Eine trostlosere Bilanz haben nicht einmal die entschiedensten Gegner des Transfer-Geschäftes aufgestellt „Bei weitem nicht auf 12^ Prozent..." Vielleicht auf das — Doppelte? Also auf 25 Prozent? Wenn man der Rechnimg der Transfer-Befürworterin folgt, der linksorieutierten Frau Luft, der Anhängerin des Transfer- Enthusiasten Ben Gurion, dann büßen die deutschen „geretteten" Juden ungefähr 75 Prozent ihres Vermögens ein. Man kann in diesem Zusammenhang einen traurigen Scherz variieren. Der Transfer-Arzt sagt zum deutsch-jüdischen Patienten: „Ich muß Sie nach Palästina bringen, selbst wenn es mich Ihr ganze» Vermögen kosten sollte .. Jüdische Musik im jüdischen ^Heim, uank der Rührigkeit einer jüdischen Firma, die mit vielem Fleiß bestrebt ist, das Beste zu bieten, was auf diesem Gebiete möglich ist. Neue Volkslieder, Potpourris mit den schönsten Liedern. Acht Schlager auf einer Platte usw. bringt Grammophonhaus Excelsior, Wien, I., Franz- Josefs-Kai 15. Verlangen Sie Kataloge. E r Flieger-Kino, IX, Liechtensteinstr. 27 Die neue Tonfilmreportage und der gewaltige Palastina-Tonfilm An beiden Welhnach»sfe'erlagen 25. und 36. Dezember vormittags Vkll und %12 Uhr Karten bei M e J s t r I k, Wollzeile 6, Tel R.25-4-53 Lanyi, Kämtnerslraße 44, Tel. B-2Ö-3-33, Jüd Kultursielle, Franz Josefs-Kai 3. Tel. R-28-3 36, Zion Landeskomitee, Marc-Aurelstraße 5. Tei U-?2*2- H, be sämtlichen Mitgliedern des Makkabl Hazalr und an der Kinokasse, Tel. A 18-1-52 Heize gegen England und den Zionismus Auf eine Anfrage des Abgeordneten Colonel Wedgwood über die in Palästina getroffenen Gegenmaßnahmen gegen die zu zu Gewalttaten gegen Juden und Engländer aufreizende arahische Pressehetze und die von Italien ausgehende antienglische Propaganda erklärte der Minister für die Kolonien, J. H. Thomas, im Unterhaus: „Ich kann dem geehrten Mitglied des Hauses versichern, daß die palästinensische Presse unter strenger Ueberwachung steht. Eine arabische Tageszeitung ist vor kurzem wegen eines zu Gewalttat aufreizenden Artikels zeitweilig verboten worden. Was den zweiten Teil der Anfrage betrifft, so hat. die Regierung bei mehreren Gelegenheiten Vorstellungen bei der italienischen Regierung über die von dem Sender in Bari in arabischer Sprache verbreitete antienglische Propaganda veranlaßt. In letzter Zeit war eine Besserung im Tone dieser Sendungen festzustellen." Das Pro-PalHstina-Komitee im englischen Parlament in Anwesenheit von 40 Parlamentariern allerParteien fand am 17. Dezember im Unterhaus unter dem Vorsitz des Abgeordneten Colonel Josuah Wedgwood die Konstituierung des Pro-Palästina-Komitees im englischen Parlament statt. Zum Vorsitzenden wurde der Abgeordnete Josiah Wedgwood gewählt. Lord Hartington und Sir Archibald Sinclair sind stellvertretende Vorsitzende. Als Schriftführer wurden Lord Hartington und der frühere Abgeordnete Barnett J a n n e r eingesetzt. Es wurde ein Arbeltskomitee von 20 Mitgliedern gebildet. Lord Strabolgi über Palästina. Bei der Eröffnung der ersten höheren jüdischen Schule für Mädchen in London hielt der bekannte Zionistenfreund Lord Strabolgi früher Commander Kenworthy) eine Ansprache, in der er darauf aufmerksam machte, daß England es dem Jüdischen Nationalheim in Palästina zu verdanken habe, wenn es heute in Haifa einen sicheren Stützpunkt für seine Flotte besitze. Der Redner wies auf die Angriffe hin, die in früherer Zeit von sehr einflußreicher Seite gegen das Palästina-Mandat gerichtet worden waren. Diese Angriffe, erklärte er, wurden abgewehrt und das Aufbauwerk in Palästina ging ununterbrochen weiter. Jeder Jude kann angesichts der dort vollbrächten großartigen Leistung stolz sein Haupt erheben. Lord Strabolgi wies sodann auf die kritische Situation im Mittelmeer hin. Wenn auch keiner seiner Freunde von der Flotte beunruhigt sei über einen etwaigen italienischen Angriff, so könnte doch Malta bei einem solchen Angriff gefährdet werden. Die Hauptkräftc der englischen Kriegsflotte seien nach dem östlichen Mittelmeer abgegangen. Aegypten sei in Aufruhr. So sei Haifa die wichtigste Flottenbasis im Mittelmeer geworden, geschützt von einer von Zionisten aufgebauten großen Stadt. Palästina sei nunmehr der Schlüssel des Mittclmeeres, und wenn es zu Wirren käme, würden es die Erbauer Haifas sein, die treu an der Seite Englands ständen. Diejenigen, die einst blind genug waren, das Mandat anzugreifen, dürften jetzt anders denken. „Jene englischen Antisemit e n", erklärte der Redner, „die dagegen protestiert haben, daß wir die Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina ermöglichten, müssen jetzt die Juden um Entschuldigung bitten. Ich hoffe, daß dies nicht lange auf sich warten lassen wird." Im großen Londoner katholischen Wochenblatt „Universe" hebt der bekannte englisch-katholische Schriftsteller Hilaire Bell«« die Leistungen des Zionismus in Paliistina hervor. Die Juden sind die Ursache, daß die englische Verwaltung in Palästina finanziell so außerordentlich gut steht. Dieser kleine Staat hat einen Ueberschuß, der pro Kopf der Bevölkerung ungefähr 5 Pfund Sterling oder mehr beträgt. Der ununterbrochene Strom jüdischen Geldes hat es England z. B. möglich gemacht, den schönen neuen Haien von Haifa zu bauen, den einzigen moderuen und sicheren Hafen an der ganzen levantinisohen Küste, von der Grenze der Türkei bis Alexandrien; den einzigen großen und gut ausgestatteten Hafen im ganzen östlichen Mittehncer, mit Ausnahme von Alexandrien, der befestigt und von modernen Kriegssehl ff on benutzt werden kann. Aus all diesen Gründen, heißt es in diesem Artikel, ist nicht nur die Anwesenheit des jüdischen Einwanderungselements in Palästina, sondern auch seine zahlenmäßige Vergrößerung für England unentbehrlich. Demgegenüber steht die Tatsache, daß die ganze j Position unstabil ist. Ursache für diese Situation ist die Haltung des gesamten Islam gegenüber dem zionistischen Experiment. Die Grenze zwischen Palästina und dem französischen Mandatsgebiet Syrien ist r e i u willkttrlloh. Weder im Süden und noch weniger Im i Osten gegen die Wüste gibt es eine natürliche Grenze. Hunderte von Meilen nach Jeder Richtung hin erstreckt [ sich eine mohammedanische Welt, die das zionistische , Experiment als vorübergehend ansieht und entschlossen ist, es zu vernichten. Dieser Streit, schreibt Belloc zum Schluß, ist ein dauernder. Darum wird das zionistische Experiment mit seinem weiteren Fortschritt ein Gegenj stand wachsender Sorge für England sein. j Betrachten Sie dlo Reihe der edlen Weine — die unsere Fest* taRsl'si- Ihnen präsentiert. — Sie alle stammen aus den gesegnetsten WelnbauRebicten _ itnd werden in der Tieic unserer Kellerei — mit Liehe und Verständnis gepflcHt und aulbcwahrt. — Haus Zellinser Festweine haben den unschätzbaren Vorzug, — daß Sie damit überall Ehre einlegcnt FESTWEINE 'litt Fl, 1 Liter 193-1 Haiigsdorfcr, «uter Tischwein . . * 1935 Markersdorfer, saftiger heuriger Wein . . . Ir;,13 Poysdo.fer, angenehmer milder Tafelwein .? 1*>35 Dümstciner, grasgrün stahllgcr Wein .... l'/33 Badner Spczialmarkc, iclner, eleganter Wein . . 1934 Riesling Nuiifoerg-Auslcse, Genre Sautcrnc . . 1930 Steinwein Im Uocksbcutcl _ rassiger Herrenwein . 1929 Rheinriesling, leiner alter Diätwein .... \<<te Runkelstcincr, vornehmer Wein, seltenes Bukett. herrliche Natursürtc ,...«. 1931 Gumpoldsklrchner. edelstes Spitzengewachs . . 192| Badacsonycr. ieincr alter Ungarwcin . . . . 1921 Tokayer. feurig, süß — voll und edel 'Ii Liter 1931 Roter Tiroler, angenehmer milder Rotwein . 1932 Kaltercr-See, kräftiger dunkl. Rotwein, hohe Quol. 1929 Marzcmlno, feuriger Dessertwein, ticfdunkel, s«ß e/io Fl. 1928 Muskat, hochfeiner süß. Dessertwein, edel, goldgelb 1930 Vino Vcrmouth, leiner Dessertwein, dunkel . 1929 Vermouth Bianco, pikanter Dessertwein, hell . I9f>5 Maiaga, (einer alter Dessertwein, tleldunkel. vollsuß 1926 Marsala. sehr letner gezohrter Dessertwein . 1920 Portwein, alt. ausgerollt, schwer und edel . . 1922 Sherry, selten lein, goldgelb, schwor und gezehrt . Diese Preise verstehen sich ohne Flasche — Einsatz per Flasche 20 Gr. Wir s'nd Ihnen gerne — bei der Auswahl Ih-cs Weines behilflich — kommen Sie unverb'ndllcli In eins unserer Wclnhäuser — ond probieren Sie kostenlos alle diese herrrchen Weine . . .1 Der Name Zclllngcr Ist die Bürgschaft liir Echtheit und hervorragende Qualität . _ ZEILINGER landstrauer Hauptstraße 17 Hart«tillfe»,gü>el 27 Wallensffnstraße 46 Winek«lmannstraOe 22 JohnstraOe 39 Bestellbare» Tel. B-35-0-10 lor-v-cs-Ah*«>n«n(r: XIX H«!llaenst»«*t«»r*tr. *3.T*I. B-11>0>07 _ 1.20 _ Ufl I.20 1.60 _ 1.60 uo 2_- 1.80 2.40 1.80 _ — 2.— 2.80 2.40 3.20 3— 4^. 2— 4.— _ \M 1.50 2_- 2_ 2.40 2.70 3.60 1.80 2.40 2.40 3.20 3.— 4,_ 3.— 4.— fi— 8— 6— 8— Aus Ungarn Eine hiesige Textil-Großunternehmp- > kurz vor den jüngsten antisemitischen Studem ..aen von einem der größten amerikanischen Waren« k ä u s e r, das 1400 Angestellte beschäftigt, eine Bestellung erhalten, die geeignet gewesen wäre, die ungarische Teppichbranche für längere Zeit mit Arbeit zu versorgen, und zugleich die ungarischen Teppiche in den Vereinigten Staaten als neuen Artikel einzuführen. Die 100 Arbeiterinnen, zum überwiegenden Teile christlicher Konfession, waren überglücklich, durch Mehrarbeit eine Lohnaufbesserung erzielen zu können. Plötzlich kam jedoch ein telegraphischer Widerruf der Order, mit der Begründung, daß Ungarn ein Naziland sei. Vergebens depeschierte die Direktion, daß es sich hier um einen verhängnisvollen Irrtum handeln müsse, da die uugarischen Juden ihre Berufe ungehindert ausüben können und hierzulande die Maßnahmen Hitler-Deutschlands nicht kopiert werden, denn tags darauf brachten schon die amerikanischen Zeitungen Einzelheiten über die turbulenten Ausschreitungen an den Budapester Hochschulen. * Die Zeitung „Bajtars". Organ des ungarischen. Studentenverbandes „Turul" schreibt: „Das Problem der Arbeitsbeschaffung für die ungarische Jugend ist nur durch eine grundlegende Neuregelung der Judenfrage zu lösen. Das Judentum als rassefremdes Element muß durch Gesetzesverordnungen derjenigen Vorteile beraubt werden, die es sich durch seine niedrige moralische Auffassung in Ungarn zu verschaffen gewußt hat." Au§ Polen Hochsehul-Ghetto in Lemberg Die antisemitische Professorenschaft des Lemberger Polytechnikums hat verordnet, daß die jüdischen Studenten des vierten und fünften Studienjahres nicht nur gesonderte Plätze einnehmen, sondern in einem besonderen Saal arbeiten sollen. Einer Abordnung der jüdischen Studenten, die gegen diese neue Degradierung Protest einlegte, antwortete der Dekan; „Tut, was ihr wollt!" Beim Rektor des Polytechnikums erschien eine Abordnung der Jüdischen Gemeinde. Der Rektor erklärte, die Absonderung der Juden geschehe eben zum Zwecke der Sicherung des ruhigen Verlaufes der Studien. Gegen eine Gruppe jüdischer Studenten des Polytechnikums, die dem Professor Brzozowski erklärt £usisjdeUfte&lee, Utatet Sonntag, den 29. Dez., vorm. 11 Uhr Das Land der Verheißung und die neue Tonfilmreportage Der Z onistenfcongieß in Luzern Diese Filme gehen jeden Juden an Zwei Dokumente des Zionismus, wie Sie sie noch nicht erlebt haben Karten bei: Zionistische Sektion, lungstraße 8 (ab 6 Uhr); Optiker Karl Seidner, Fianz^Josef:- Kai 33, Tel. U*2&9*66 und an der Kinokass.

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