Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 524 (24.12.1935)
- Date
- 1935-12-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE NEUE VVEL1 hatte, daß sie, solange die Ghetto-Verordnungen bestehen werden, die Vorlesungen nicht besuchen werden, wurde eine Disziplinaruntersuchung eingeleitet. Eine Abordnung der nationaldemokratischen Studenten am Warschauer Polytechnikum forderte, vom Rektor Prof. Maechlcwski die Einrichtung von Sonderbänken und Sondersälen für die jüdischen Studierenden auch in Warschau; die Abordnung wies dabei auf die Ghetto-Verordnungen am Lemberger Polytechnikum hin. Prof. Maechlcwski erteilte keine Antwort. IMutige 1'nruheu Bei den antijüdischen Unruhen am Sonntag in Lemberg wurden viele Juden erheblich verletzt. Sämtliche jüdische Parteien entsandten Vertreter zu einer Beratung über Maßnahmen zur Abwehr der blutrünstigen Hetze. In Ozeehow bei Warschau haben Nationaldemokraten in den Laden des Juden L e w k o w i c z eine B ombe geschleudert, die explodierte und den- Laden vollständig verwüstete. Lewko^-icz' Tochter wurde e i n Bein weggerissen. Frau Lewkowicz erlitt einen Nervenzusammenbruch und schwebt in Lebensgefahr. Gassenzimmer freundlich und sehr rein, VIII, Skodagasse bei Alserstraße S 2b.— monailicb. zu veimieten Zuschriften unter .,Nur seriöse Mieter" an die Redaktion dieses Blattes Palästina-Film vor dem Präsidenten der Republik Auf dem königlichen Schloß zu Warschau wurde dem Präsidenten der polnischen Republik Prof. Moscicki und seiner Gattin, auf deren Wunsch, sowie den übrigen Bewohnern des Schlosses der vom Keren Hajessod hergestellte Palästina-Film „Land der Verheißung" vorgeführt. Gegenüber dem Direktor des Keren Hajessod Leib Jaffe, der der Vorführung beiwohnte, sprachen Präsident Moscicki und seine Frau ihren warmen Beifall für den Film aus, der das neue jüdische Leben in Palästina so eindrucksvoll schildert. Anm. d. Red.: Man sollte dem Herrn Präsidenten auch Filme aus Lemberg und Ozechow vorführen. Ein Experiment Im Warschauer Stadtrat wurde der Antrag gestellt, das jüdisch-rituelle Schächten zu verbieten, weil es Tierquälerei bedeutet. Die vom Warschauer Stadtrat eingesetzte Komission. zum Stucüum der Frage, hat durch Experimente im städtischen Schlachthaus an zwei gleich starken Ochsen festgestellt, daß bei einem geschächteten Ochsen der Tod zwei Mi nu t e n früher als bei einem durch liolzenschuß Getöteten eintritt. Dadurch ist das Argument der Schächtgegner, daß das Schächten tierquälerisch sei, widerlegt. Jüdische Abgeordnete gegen den polnisch-deutschen Handelsverkehr Im polnischen Parlament stand das neue polnisch-deutsche Handelsabkommen zur Behandlung. Der zionistische Deputierte Dr. Emil S o m na 9 r 51 e i n wies darauf hin, daß die wirtschaftlichen Aspekte Polens in diesem Abkommen stark verringert worden sind; man müsse darum annehmen, daß für die Zustimmung zum Abkommen seitens Polens nicht wirtschaftliche, sondern politische Motive ausschlaggebend waren, Ich frage, sagte Abg. Sommerstein, den Außenminister, ob er von den feindlichen Verordnungen der deutschen Regierung gegen die in Deutschland v/ohnenden polnischen Bürger jüdischer Abstammung Kenntnis habe. Im Namen der jüdischen Bevölkerung Polens protestiere ich gegen dieses Abkommen, indem ich auf die moralischen Schäden, die durch den Nationalsozialismus Deutschland und d 3 r ganzen Welt erwachsen, hinweise. Auch der agudistische Deputierte Minzberg sprach sich kategorisch gegen das Abkommen aus und sagte: „Die ethische und moralische Atmosphäre unseres Vertragskontrahenten ist 'Ue denkbar ungünstigste für den Abschluß eines Abkommens." Das Abkommen wurde schließlich mit allen gegen die Stimmen der Juden angenommen. Nr. 524vom 24. Dezember 1935 Filme der Wodie (Nach den Herstellungsländern zusammengestellt.) Oesterreich: Hoheit tanzt Walzer — Csardas — Tagebuch der Geliebten. Palästina: Land der Verheißung. Amerika: Lady für einen Tag — Im Zeichen des Vampirs — Sequoia — Micky spielt auf — Mord im Grand Hotel — Ein Herz zu verschenken — Lachende Augen — Feminine appeal — Oberst Shirley — Gangster — Sturm über Gran Chaco — Land des Lächelns - Intimitäten -- Jungen der Paulstraße. Filme unter Avierparagraph Henker, Frauen und Soldaten — Mazurka — Im Heißen Rössel — Familie Schünek — Herbfttmanöver — Tanzmusik — Mädchen vom Moorhof — Die blonde Carmen — Unsterbliche Melodien — Ich liebe alle Fraxien — Zirkus Saran — Frauen um den Sonnenkönig. Im Theater der Komiker wird das mit großem Erfolg aufgenommene Eröffnungsprogramm, das allabendlich zur Aufführung gelangt, am 25. und 26. Dezember mit Frymann, Glinger, Horowitz und Koltscher in den Schwänken „Pendel pendelt", „Mit einem Fuß" und „Er rechts - - sie links" In den Hauptrollen nachmittags Und abends wiederholt Wiener Jüdische Kultursfelle Ihr neues Heim Die Eröffnung des neuen Heimes der Jüdischen Kulturstclle wurde am 11. Dezember im Rahmen einer eindrucksvollen Feier vor Vertretern der Behörden und jüdischer Korporationen festlich begangen. Einleitend sang Kantor Feuer den Psalm: ..Mismor schir chanukkath habajith", neu vertont von Josef Millct, der auch die Klavierbegleitung besorg Tna Marc sprach den von Dr. Alfred W e r n e r verfaßten, formschönen und gedankentiefen Prolog: Ein meisterhafter Cellovortrag Prof. Joachim S t u t s c h e wakys, bgleitet von Gideon May, bildete den Abschluß der künstlerischen Darbietungen. Der Vorsitzende David Nebenzahl begrüßte in seiner Ansprache die Ehrengäste und dankte zunächst allen, die rix der Schaffung des neuen Heimes mitgearbeitet haben, in erster Reihe dem Architekten Ernst Schwadron, Ing. Heinrich G o 1 d b e r g und Baumeister Tng. Eugen Buchbinder. Sodann umriß er Ziele und Tendenz der Jüdischen Kulturstclle, welche fern von Politik und weitab von Parteihader eine Stätte für Jüdische Kulturarbeit auf allen Gebieten geistigen und künstlerischen Schaffens sein wolle. Es gelte, den jüdischen Menschen die Kenntnis jüdischer Kulturwerte zu vermitteln, um ihnen den inneren Halt zu geben, dessen sie heute mehr denn je bedürfen. Der Welt, die uns lieht und achtet, aber auch der Welt, die uns bekämpft, soll der kämpfende, um die höchsten Werte der. Menschheit ringende, der aufbauende, schöpferische Geist des jüdischen Volkes gezeigt werden. Nach Ansprachen der Herren Oberrabbiner Dr. Feuchtwang, Obermagistratsrat Bezirksvorsteher Dr. Sicgmeth, Prof. Dr. M. Papo, Präsident der Kultusgemeinde, Staatsrat Dr. Desider Friedmann, Referent für jüdische Volksbildung, Rabbiner Prof. Dr. K. Kupfer, Dr. M. S t i g- 1 i t z, Dr. Paul Berger, Prof. M. Rath dankte der Vorsitzende für das bewiesene Wohlwollen, das einen neuen Ansporn bildet, auc dem begonnenen Wege tatkräftig und arbeitswillig fortzufahren. Grand Cafe Centaal Wien II, Taborstraße 8 Tel. R-47-5-80, B-47-5-81 Aufliegen sämtlicher jüdischer Zeitungen (deutsch , ndd'sch / hebrä sch) Porträtausstellung des Malers Bojko Ich gehe von Porträt zu Porträt und bin erstaunt über die Fülle von Eindrücken, die ich hier gewinne. Ich frage den Maler: ..Warum wandten Sie sich gerade der Porträtmalerei zu?" Bojko erwidert: „Ich liebe die Bewegung, das Widerspiegeln des rastlosen Erlebens unserer Zeit. Wohl ist die Nachbildung der Harmonie und Größe der Natur auch eine jedem Künstler überaus verlockende Aufgabe. Aber mich reizt gerade das übermaterielle geistige und seelische Erleben, das sich in jedem Menschenantlitz ausdrückt." Ich: „Ist die Natur nicht schöner als der Mensch?" Er: „So denkt nur derjenige, der Schönheit mit Regelmäßigkeit und Harmonie identifiziert. Jede? Menschenantlitz, das einen geistigen und seelischen Inhalt hat, ist schön zu nennen, ganz gleichgültig, ob die Nase größer oder kleiner, der Mund voller oder schmäler ist." Ich: „Bietet nicht die Natur mehr Freude als ein Gesicht, in das doch schließlich auch traurige oder böse Erlebnisse eingezeichnet sind?" „Er: „Wenn ich Freude ausdrücken will, so male ich einen meiner kleinen Freunde unter den Kindern." Ich; „Verzeihen Sie, eine indiskrete Frage. Geben die Leute heute wirklich noch Geld aus, um sich malen zu lassen? Begnügen sie sich nicht mit einer Photographie?" Er: „Glr.uben Sie wirklich, daß die Kunst die Konkurrens der Technik zu fürchten hat? Die beste Photographie gibt nur den Augenblick des Antlitzes wieder, während das Bild das Zeitlose, kurz den Charakter erfaßt. Es gibt für manche Mutter kein schöneres Geschenk als das Porträt ihres Kindes. Viele Ehegatten wünschen sich als schönste Gabe ein Bild ihres Lebenskameraden." — Robit. Achtung, Achtung! Die geehrten Leser werden auf unsere heutige Kundmachung auf der Titelseite, rechte oberste Ecke, aufmerksam gemacht. Der Redaktion unseres Blattes ist es gelungen, mit der Firma Bandagen-Mikolasch eine für unsere Leser äußerst günstige Abmachung zu treffen, und können wir unseren Lesern nur wärmstens empfehlen, von dem uns seitens der Firma zugesicherten Entgegenkommen recht ausgiebig Gebrauch zu machen. Die Firma ist ja allgemein als äußerst solid und leitsungsfähig bekannt und besteht seit fast 35 Jahren. KINO'PROGRAMME KREUZ-KINO 1, Wollzeile 17 Tefephon R-24 - 2-16 Vorstellungen: U, Va8, 'A10 Vom 27. bis 30. Dezember Im Zeichen des Vampirs ROTENTURM I, Fleischmarkt 1 Telephon R-29-1-59 beginn: VtU, 5, V%7, 8. ValO HtidtystUeUauf Sensationen, Gioteslcen, Musik. Poesie, herrliche Naturbilder SCHXFFER VI, Mariahilferstraße 37 Telephon B-20-203 beginn: %*, Vjd, «A10 STAFA, VIT Mariahilferstraße 120 Telephon B-33-0-68 Wochentags: S, 7, 9 Ulir Neues Programm! Vom 27. bis 30 Dezember Im Zeichen des Vampirs VOTIVPARK IX, Währingerstraße 12 Telephon A-18-3-96 Beginn: k, '/*•, %t0 DAS HILM-EREIGNIS! SEQUOIA Mit Jean Parker Sie werden begeistert sein! ' i^^Ä^ft^ '(£S$$&4&Ml4$^$t4&&n "haus EXCELSBOR Wien \ Franx-iosefs-Kal1S Ruf R-21-4-46 Alleinvertrieb der suivn j ii d I s c!) <• n ukiaplionscliallpiattm Das EMSK-Lied aus dem Tonllm „Das Land der Verneinung , der größte Erfolg! Noch nie dagewesene moderne Tarsgplatten mit hebraischem Gesang. falüsfincnslMrnc HOHR As und neuhebiaische KIndtrplaitcn. Schaliplattcn zur Erlernung dprheV>f;ii> chen Sprache ütik joset Rosenblatt von S4.30 | uhk. Sfröta vo- * 1T6Ö Acußcrst gut sortiertes Lager aller gangbaren Scn&Mpla ten, hadioapparare und Grammophone, auch auf bequeme Tcil/.ahluni; ö Von den Juden im Jemen 2300 Jahre der Verfolgung Ucber Veranlassung des Delegierten der Judenschaf I; in Jemen (Südarabien), Herrn J. M. Abraham Lcvi, hat sich unter Pntronanz der sephardischen Juden gemeinde in Wien (IL, Zirku.sgaF.se 22) ein Komitee gebildet, welcbea Mittel aufbringen und beisteuern will, um durch Ueber« führung nach Palästina den ältesten und überaus wert« vollen Teil des jüdischen Volkes aus der Hölle grausamster Verfolgung zu retten. Nun hat das Komitee eine Werbe* schrift „Rettung für die Juden in Jemen" herausgegeben, welche folgenden Brief eines jemenitischen Rabbi enthält; Wir leben in einem wilden Lande, wo Kultur und Bildung unbekannt sind, dessen abergläubische Bevölkerung uns mit blindem Haß verfolgt. Harte Arbeit und, elende Nahrung erzeugen eine verkrüppelte, von. schweren Krankheiten heimgesuchte Jugeu d. Jeder Er» werbszweig wird uns von der heimischen Bevölkerung aus den Händen gerissen. Während früher noch manche Arbeiten den jemenitischen Juden zugänglich waren, hauptsächlich Strickerei und Webearbeit. gibt es jetzt beinahe keine Arbeit, mehr, die einem Juden überlassen wird. Viele fristen ihr Dasein als Hausierer, wandern von Dorf zu Dorf, verkaufen dort ihre armselige Ware, oder tauschen sie gegen etwas Getreide aus. Einige tragen mit sich ihr Werkzeug zum Ausbessern und Flicken von Hausgeräten und erhalten als Entgelt für ihre Arbeit ein Stück Brot oder einen Schiuck Wasser. Die Hilflosigkeit und Rechtlosigkeit der jemenitischen Juden und der grau;ame Haß der herrschenden Klassen ist am besten gekennzeichnet durch die barbarische Gepflogenheit, den Juden ihre Waisenkinder zu entreißen und sie zu zwingen, zum Isla m überzugehen. So wurden zuletzt im Laufe eines Halbjahres gegen zwanzig jüdische Waisenkinder geraubt und der jüdischen Gemeinschaft entfremdet. Auf diese Art versuchen die Araber, dem jemenitischen Judentum, das treu zu seinem Glauben hält, den Todesstoß zu verwetzen. Die geraubten Kinder werden mit allen Mittein, mit guten und bösen Worten gezwungen, ihren Glauben abzuschwören. Tag und Nach*; wird ihnen gepredigt, daß die Zeit des Judentums vorüber sei und das allgemeine. Heil der Menschheit im islamitischen Bekenntnis liege. Die Kinder kämpfen lange einen aussichtslosen physischen und seelischen Kampf gegen ihre Peiniger. Doch schließlich unterliegen sie und gehen für das Judentum verloren. Dia Behörden lassen nichts ungeschehen, um das Ansehen und die Ehre der jemenitischen Juden zu erniedrigen. Ein probates Mittel zur Verunglimpfung der jemenitischen Juden ist der Zwang, die Latrinen zu reinigen und die Straßen von Tierkadavern zu säubern. Wer sich dem Auftrage der Behörden widersetzt, wird schwer bestraft und eingekerkert. Tch habe alten Aufzeichnungen entnommen, daß diese schändliche Verordnung 130 Jahre alt und auf folgende Begebenheit zurückzuführen ist: Zwei Araber stritten miteinander. Da sagte der eine zum andern: „Geh' fort, du bist ja nur ein Diener der Juden. Du säuberst ihren Abort." De? beleidigte Araber lud seinen Gegner vor seinen Amtshcrrn und Richter, namens Scheich Jechiah Asachuli unseligen Angedenkens, der über diesen einem Araber zugefügten Schimpf in Wut geriet und sofort eine Versammlung der Notabein einberief und ihnen folgendes sagte: „Wie könnt ihr es dulden, daß ein Bekenner des Islam erniedrigende Arbeiten bei Juden verrichtet, da doch die Juden unsere Feinde sind und. unseren Glauben verspotten? Von heute an wollen wir ihnen diese Arbeiten aufbürden und unsere Schande auf die Ungläubigen überwälzen." Alle billigten diesen Beschluß, unterfertigten ihn und ließen ihn vom Imam bestätigen. Dann wurden die Aeltesten der Juden versammelt und dieser Beschluß ihnen zur Kenntnis gebracht. Da sie diesen Beschluß nicht annehmen wollten, wurden sie in den Kerker geworfen und solange mißhandelt und gefoltert, bis sie sich entschlossen, selbst diese Arbeiten zu verrichten. Ais jedoch die Aeltesten mit ihren Werkzeugen Öffentlich erschienen, wurden ihnen die Werkzeuge von anderen Juden aus der Menge abgenommen und diese verrichteten statt ihrer die Arbeit. Suither wird diese Verordnung streng beobachtet und die Juden worden gezwungen, diese schändliche Behandlung zu erdulden. Das Joch der jemenitischen Judenschalt ist grausamer und drückender als das Joch Aegyptens. In Aegypten wurden unsere Vorfahren gezwungen, aus Lehm Ziegel zu kneten, in Jemen werden wjr gezwungen, Mist, und Menschenabfall zu säubern. In Aegypten wurde jeder neugeborene Sohn mit. dem Tode bedroht, hier sind alle Söhne und Töchter, alt und jung, täglich von Gefahren umstellt. Die ägyptische Gefangenschaft dauerte 210 Jährt, in Jemen tragen wir das Joch der Gefangenschaft bereit*