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Die neue Welt · 1935-12-24 · Heft 524 (24.12.1935) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 524 (24.12.1935)
Date
1935-12-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 524 vom 24. Dezember 1935 diu; NEUE WELT Seite 3 IST* BESTE QUALmCTEN! ANTHRACIT KOHLE KOKS BÄSCH IV, ARQBNTINIIMTR. 22 TEL. SERIE U'47'5'40 Späte Erkenntnis In einem rcichsdeutschcn Judenblattc, welches bis zur Machtergreifung durch Hitler in liberal-assimilatorischem Sinne wirkte, findet sich jetzt eine Absage an die alte Methode der Abwehr des Antisemitismus, wie sie vom liberalen Judentume seit der Emanzipation betrieben wurde. Bei Besprechungeines nationalsozialistischen Buches über die Judenfrage, welches auf eine Zusammenfassung schlechter Eigenschaften und Verbrechen der Juden hinausgeht, schreibt das Berliner „Isr. Familicnblatt": „... und nun erhebt sich in unseren Keinen gewiß die Frage: sollt« man dieser in so vielem kompromittierenden Zusammenstellung nicht eine andere ent- Kfetne Tube S -.90 Große Tube S 1.40 gegetüialtcn, mit jüdischen Menschen unanfechtbarer politischer Ziele, menschlicher Eigenschaften, künst- , lerischer Qualitäten? Gab es nicht, unter den Persönlichkeiten jüdischen Blutes, einen..., und noch eineu...? Sollte man nicht, wie in früheren Jahrzehnten so oft, solchermaßen die Gegenrichtung aufmachen?" „Man sollte es nicht! Denn wenn uns diese Zeit eines gelehrt hat, so die absolute Sinnlosigkeit, das Würdelose und Zwecklose jener Abwehr alten Stiles, die die Judenl'rage „gelöst" und die Judenfeindschaft „überwunden" glaubte, wenn es ihr gelang, gegen einen jüdischen Schelmen anderthalb jüdische Geistesheroen zu setzen. Es war prinzipiell verfehlt, unsere Beziehungen zur Umwelt solchermaßen nach den Grundsätzen des Konto- ' korrentverkehrs verbessern und sichern zu wollen. Ebenso, wie uns der Hinweis auf den oder jenen jüdischen Tunichtgut, auf jüdische Hochstapler oder Asphaltliteraten in unserem Wissen um die Werte Wahrer jüdischer Ueberiieferung und Gemeinschaft nicht wankend macht, wurde die Phalanx der antisemitischen Bewegung durch noch so verlockende Zusammenstellungen jüdischer Persönlichkeiten und Leistungen noch niemals aufgelockert." „Wenn uns Juden in Deutschland die grundstürzende Wandlung, die sich an uns und mit uns heute vollzieht, eines lehrte, so die Tatsache, daß jedes Gramm Gehirnsubstanz, das „zur Abwehr des Antisemitismus" jahrzehntelang bemüht wurde, daß jeder der zahllosen Pfennige und Markstücke, die für diesen Zweck ausgegeben worden sind — .verlorene Liebesmüh' waren. Was haben denn die .Vereine zur Abwehr des Antisemitismus' und jüdische Organisationen mit noch so bedeutenden Apparaten, mit noch so klugen und gutmeinenden Persönlichkeiten an ihrer Spitze, so weit es um eben diese .Abwehr' ging, bewirtet? Was haben sie ... verhindert?" Späte Erkenntnis, die jetzt unter dem Drucke des grausamsten Schicksals gekommen ist. Als Abgeordneter im Österreichischen Parlament hat Robert Stricker im Jahre 1919, also vor 17 Jahren, eine Schrift „Wirksame Abwehr gegen den Antisemitismus" verfaßt, in welcher er die von ihm im Paria» ment vertretene Politik begründete. In einem Kapitel, welches das vom „Israelitischen Familienblatt" jetzt aufgeworfene Problem behandelt, schrieb er: „Was ist zu tun, wie kann dem in der Kriegs¬ und Revolutionszeit riesenhaft gewachsenen Antisemitismus wirksam begegnet werden? Die liberalen Judentührer haben das alte Rezept schnell bei der Hand. Man muß eben die Haltlosigkeit der gegen die Juden gerichteten Anklagen und Verleumdungen augenfällig darlegen. Man muß alle Daten und Ziffern erbringen, aus welchen zu ersehen ist, daß die von den Juden begangenen Verbrechen weder zahlreicher noch schwerer sind als die Verbrechen der Nichtjuden. Man muß alles festhalten, was für die opferbereite Vaterlandsliebe der Juden spricht, alle von ihnen erworbenen Auszeichnungen, alle an Gut und Blut geleisteten Opfer muß man sorgfältig aufschreiben, addieren und vergleichen. Das Ganze ist sauber in ein Buch zu binden. Dieses Buch muß allen Regierenden und Politikern auf den Schreibtisch gelegt, allen Parlamenten unterbreitet und den breitesten Volksschichten bekannt gemacht werden. Kurz, unter jede erreichbare Nase muß man dieses Zauberbuch stecken. Dann, Israel, magst ruhig sein! Die Methode ist ebenso alt wie schlecht. Sie ist ungefähr so ersprießlich, wie der Versuch, den Ozean mit einem Likörglas auszuschöpfen. Mit gleicher Aussicht auf Erfolg kann man sich einem rasenden Stier in den Weg stellen, um ihn durch gütliche Einsprache und sachliche Darlegungen zum Stehen zu bringen. Seit zweitausend Jahren werden solche Abwehrbüchlein geschrieben, von einigen jüdischen Gönnern teuer bezahlt, von den wenigsten Juden gelesen und von den Nichtjuden überhaupt nicht beachtet. Auszunehmen sind einige Berufsantisemiten, welche aus geschäftlichem Interesse diese Schriften lesen und kritisieren. Aber Namen von Antisemiten, welche nach dieser Lektüre ihren Judenhaß abgeschworen und in Sack und Asche "bereut haben, sind bis jetzt nicht bekannt. Auch in jüdischen Kreisen reißt man sich nicht um diese Abwehrschriften und das spricht nur für den gesunden Verstand des Durchschnittsjuden, welcher sich von ihnen kein Heil erhofft. In den Bibliotheken der Kultusgemeinden, auf den Schreibtischen der Rezensenten und im Makulaturwinkel jüdischer Buchhandlungen führen diese Büchlein und Broschüren eine unaufgeschnittene und verstaubte Existenz. Der Antisemitismus aber grünt und sproßt weiter. Diese Methode ist nicht nur schlecht, sie ist e n tehrend, schmählich. Sie bedeutet ein G u ti heißen derabsc heulichsten Art der Juden« bekämpfung. Wer sich ihrer bedient, anerkennt damit die Berechtigung der Kampfesweise jener Antisemiten, welche das jüdische Volk nach seinen Verbrechern beurteilen wollen. An welches andere Volk derWeltwagt man sich mit solchem Maßstabe heran? Wenn ein Deutscher betrügt, dann stellt man ihn vors Strafgericht, niemand wagt, um seinetwillen das deutsche Volk vors Weltgericht zu schleppen und an den Pranger zu stellen. Wir Judenaber sollen unsineineHaf- LSstiae | Gesichtshaare Warzen, entfernen garant. bleiband, mirbenfrei, schmerzlos, Radiostümc, Kostenlose Beratung! „HEMA" I, Fleischmarkt Nr. 7 tung für alle jüdischen Zuchthäusler hineindrängen lassen. Wir sollen täglich zähneklappernd die Gerichtssaalrubrik in den Zeitungen studieren, ob nicht, Gott behüte, ein jüdischer Name drin zu finden ist. Wir sollen wie unter Peitschenhieben zucken müssen, wenn in irgend einem Winkel der Stadt, bei irgend einem Juden ein versteckter Sack Mehl oder ein falsches Dokument gefunden wird. Wir sollen mit einem Abwehrbüchel in Händen über Hals und Kopf hinrennen und schreien: „Um Gotteswillen, werte Herren, verallgemeinert nicht! Brecht nicht den Stab über das ganze Judentum! Das sind nur vereinzelte Ausnahmen. Wir werden es statistisch beweisen und die Auswürflinge feierlich aus dem Judentum stoßen. Heilige Statistik, steh uns armen geplagten Israeliten bei!" Wir sollen beständig die eigenen Lumpen verkleinern und reinwaschen und die gesellschaftlichen Senkgruben der anderen Völker durchschnüffeln, ob da nicht mehr und noch schmutzigere Zuchthauspflanzen zu finden sind als bei uns. Von dem Ertrag dieser appetitlichen Ernte soll unser Volk sein moralisches Dasein fristen. Wahrlich, ein schönes Leben, wert, gelebt zu werden! Nein! Wir alle können und müssen doch nicht mit goldenen Tapferkeitsmedaillen und abgeschossenen Beinen herumlaufen oder unterm kühlen Rasen den Heldenschlaf schlafen, alles wegen der Judentstatistik. Begeht ein Jude ein Verbrechen, mag der Richter sprechen. Wir aber sind es niemandem schuldig, ihn mit großer Fluchgebärde aus der jüdischen Gemeinschaft zu stoßen. Wir sind auch nicht verpflichtet, für jeden jüdischen Gauner zwanzig arische Schwerverbrecher zur Stelle zu schaffen, für jedes jüdische Lümpchen ein Dutzend christlicher Erzlumpen, weil sonst die Abwehrstatistik ins Wanken gerät. Wir sind verpflichtet und gewillt, das sittliche und geistige Niveau unseres Volkes zu heben, uns ^^^/ip^Ä ÄS|*Rr jm mm *H TROCKEN ■>l MIT SCHICK DRY SHAVER Verkauf, Vorführung und Prospekte durch J. A. Henckclt, I, Kärntnerstraße 24; M. E. Mayer, 1, Graben 17, F.Lobkowitzplatz 1; Parfümeric Ritx, 1, Kärntnerstr. 22; M. Walloce, VII. Westbahnstrafoe26, und in sämtlichenFilialen: A. Antonowich, l, Stock-im-Eisen-Platz 2; Josef Heitier, VII, Neubaugasse 26. und in einschlägigen Geschäften. Europäische Generalvertretung der Schick Dry Shaver Inc., Wien VI, Dreihufeisengasse 11, Tel. A-33-3-3'*. Generalvertretung für Palästina: J. Sealtie!, Tel-Aviv, P. B. 950 schweben aber dabei nicht nur drei oder vier Prozent der vergleichenden Verbrecherstatistik vor. Wir tun es zum Heile unseres Volkes und im Dienste der* Menschheit, nicht unter der Fuchtel der Antisemiten. Wenn wir die großen Leistungen von Juden verzeichnen, welche sie im Dienste der Menschheit vollbracht haben, und die Opfer zählen und ehren, welche die Judenschaft in Verteidigung des Vaterlandes hingegeben hat, so ist das eine Rechnung, die wir uns ablegen, eine innere jüdische Angelegenheit. Es ist Verblendung und Torheit, diese Rechnung den Antisemiten demütig zu präsentieren und für „Höchstleistungen" und „besondere Bravheit" zu verlangen, was uns als Menschen gebührt. Sie werden die Rechnung nie anerkennen und uns erniedrigt sie. Aus der iudeins^afssSewegung Aus Tel-Aviv: Das Exekutivkomitee teilt mit: Das Exekutivmitglied, Herr B. Weinstein, ist auf seiner Tournee durch die in unserem vorigen Bulletin bereits angegebenen Länder abgereist. Unterwegs wird er für eine kurze Zeit in Bukarest, Czernowitz und Galatz bleiben. Von dort fährt er nach Warschau, wo er an einer Reihe von Beratungen des Zentralkomitees, des Hechaluz- Kamdinati und des Barak teilnehmen wird. Gleichzeitig wird die Propaganda- und Organisationstournee des Vorsitzenden des E. K., Herrn M. Großraan n, über die Vereinigten Staaken und Kanada vorbereitet. Diese Tournee beginnt am 2. Jänner 1936, an welchem Tage Herr Großmann Palästina verlassen wird. Es wird seine Aufgabe sein, eine große Propagandakampagne für unsere Juden unter dem amerikanischen Judentum durchzuführen. Es erübrigt sich hinzuzufügen, daß es sich hier um eine überaus verantwortungsvolle Aufgabe handeln wird, die darin besteht, das amerikanische Judentum zu aktivisieren und es mit den Gedankengängen der Judenstaatsopposition vertraut zu machen. Herr Großmann wird seine diesbezügliche Reise dazu ausnützen, um eine Aktion für den „O z a r Hanoar" in den Vereinigten Staaten in großem Stile einzuleiten. Im Laufe der letzten Wochen wurden Verhandlungen mit dem Direktorium des K. K. L. in Jerusalem bezüglich der Zuweisung einer Landfläche zur Gründung* einer neuen judenstaatlerischen Pluga gepflogen. Der K. K. L. hat eine Bodenfläche, die sich neben dem Kischon befindet, zur Verfügung gestellt. Das Exekutivkomitee hofft, dieselbe in seinem Besitze für Kolnisationszwecke demnächst, übernehmen zu können. E n g 1 a n d. Im Zusammenhang mit den stattgefundenen Parlamentswahlen versuchte das Parteikomitee, in London eine Kommission, bestehend aus allen zionistischen Parteien, ins Leben zu rufen, die unserem Plane gemäß Briefe an jeden Kandidaten versenden sollte, mit der Antrage, ob dieser die zionistische Politik im Unter hau sc stützen würde, wobei jene Kandi- Dio großen, vorzüglichen Salonschii'te ,.tialilt'u", „(ierusulcinme" und „I'alcstiua" der direkten Eillinie TRIEST—JAFFA — HAIFA des LLOYD TRIESTINO verkehren jeden Mittwoch und jeden zweiten Freilas ' Fahrpreis in der ausgezeichneten Touristenklasse samt vier vorzüglichen Mahlzeiten täglich bloß ca. o. S 250.— Certifikat- Inhaber genießen weitestgehende Ermäßigungen / Auskünfte; Generalagentur Wien I, Kärntnerring- G und alle Reisebüros

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