Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 523 (20.12.1935)
- Date
- 1935-12-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 523 vom 20. Dezember 1935 Radi®lalirern'-n"M-ar,,Memp''in9er Kulantester Tauseh! 'ür $ 2*50 Woehenraten ü, KarrneiiferpSatz 1 £ÄS:cÄ7 Bewegung I HHWI Win, MMIIIIII ■llJEWklW nicht mehr zum Stillstand zu entfachte bringen. Masaryk erreicht es. daß der Wiener Oberste Gerichts- und Ivissationshof das Urteil von Kuttenberg aufhebt und die Sache zu neuerlicher Verhandlung an d0 3 Kreisgericht in P i 0 e k verweist. Die Atmosphäre in Pisck ist antisemitisch noch mehr verseucht als die in Kuttenberg'. Piseker Bürger und Geschworne bekommen in Deutschland hergestellte R i t u a 1 m 0 r ibrosciiiircn zugeschickt, und für sie gilt der Ritualmovd als erwiesen. Hilsners Verteidiger Dr. Aurednicek und M asar y k bekommen taglich Droh- und S'chmähb;i;:e zugeschickt. Während der Gerichtsverhandlung gieü't das Publikum durch antisemitische Terrorrme ein, der Versitzende läßt es geschehen. Die Geschwornen sprechen Hilsr.er des zweifachen Mordes schuldig, der Gerichtshof vorurteilt ihr. zum Tode. Das Todesurteil wurdeim Gnadenwege in lebenslängliches Zuchthaus umgewandelt. Alle weiteren Revisionsbemühungen Musaryks blieben erfolglos. Erst im Frühjahr 1?18 wurde Leopold Kilsner begnadigt. Er lebte noch zehn Jahre ein Schnorrer-Wanderleben. Dann starb er. Aber Masaryks Kampf war nicht vergebens. Durch sein Beispiel erzog er immer weitere Kreise zum Kampf für Wahrheit und Gerechtigkeit. Die luden um Masaryk Als Masaryk während des Krieges aus dem Habsburgerstaat entwieh, um im Auslände für die Gründung des tschechoslowakischen Staates zu wirken, fand er hilfreiche Freunde unter den Juden in verschiedenen Ländern, so in Holland, der Schweiz, England und Amerika. In seinen Erinnerungsbüchern gedenkt er der unschätzbaren Hilfe, die ihm seitens prominenter amerikanischer Juden in Amerika zuteil geworden ist. Masaryk erzählt, wie bekannte amerikanische Juden ihn beim Staatssekretär Leasing, beim Freunde des Präsidenten Wilson, Oberst House, einführten und wie der Jude Louis Brandeis, Mitglied des Obersten Gerichtshofes, ihm Gelegenheit verschaffte, vor dem Präsidenten Wilson persönlich die Sache der Tschechoslowakei zu verfechten. Es endete damit, daß Präsident Wilson im Namen der Vereinigten Staaten die Unabhängigkeitserklärung der Tschechoslowakei akzeptierte. Am 14. November 1913 wurde in Prag die Republik ausgerufen und MasaryK zum Präsidenten der neuen Republik proklamiert. g Wien II, Tabotstraßs 8 STCll Tel. R-47-5-80, R-47-5-81 Aufliegen sämtlicher »üdischer Zeitungen rde:ir=ch ' üdd'sch / hebrä sch) ia 1. Bezirk: Donnerstag, den 26. Dezember, halb 9 Uhr, Zentralheim, Wien, I., Werdertorgasse 14, Festrede Doktor Salomon Wolf. Es wirken mit: Jeliuda Ehrenkranz, Oberkantor Wahrmami, Ernst Friedländer u. a. II. Bezirk: Sonntag, den 22. Dezember, 8 Uhr abends, Judenstaatsheim, n., Taborstraßc 21 a, Festred? Aron Schwartfinger. Es wirken mit: Kantor Josef Feuer, IiosI Saphir 11. a. Anschließend Tanz. Prater: Mittwoch, den 25. Dezember, 1 Uhr nachmittags, große Kinderchanr.kaf eier der Frauengiuppe der Jndanstaatspartel „Deborah" im Heime, II., Kleine Zufahrtstraße 1ÖG. Programm: J. Die lebende Menorah, 2. Chanuka Babajid, g. Der Mukkabäersieg. Regiebeitrag 50 Groschen. Samstag, den 28. Dezember, halb 9 Uhr. Programm: Festrede Max Lichtegg (Theater an der Wien), Eugen Hoff mann (Simpl), N. Lazar (Jüdisches Kulturtheater, Dolly Nachbar (Jüdische Künstlerspiele). VI. VIL VIII.: Samstag, den 28. Dezember, halb 5) Uhr, Biaiikh'im, VII., Kaiserstraße 30. Programm: Festrede, reichhaltige Darbietungen. XII., XIII., XIV., XV.; Mittwoch, den 25. Dezember, C Uhr abends, im Judenstaatsheim, XIII., Schanzstraße 32: Programm: Festrede Rabbiner Dr. Murmolstein, Lichteizünden Oberkantor I. Wahrmann, Klnviervortrag Liily Halpern, Violine Karl Schönberg, Gesang: Paul Thiemann, anschließend Tanz. XX. Bezirk: Samstag, 28. Dezember, 8 Uhr abends, Toynb^ehallc XX,, Denisgasse 33. Programm: Festrede, Oberkantor I. Müller, Prof. Zimbler, Frau Anny Gold, Kinderchor u. a. * Sonntag, den 22. Dezember 1935, 9 Uhr abends, veranstaltet die Judenstaatspartei im Jüdischen Kulturtheater, I., Franz-Josefs-Kai 3, eine Sondervorstellung von „Höre Israel", festliche Karten an der Abendkasse. Außerordentliche Generalversammlung der Judenstaatspartei Oesterreichs. Sonntag, am 22. Dezember .1935, 11 Uhr vormittag:-*, im Heime, L, Werdertorgasse 14. Statutenänderung. Hta Madia $t&SHmafdt6H\ MU,,R. |XCI haus Wien I, Frani-Josefs-Kal 15 Ruf K-21-4-46 Ail»»nvartri<»t» Uer anren i » d 1 s c in» n ukr.>ph»insi:nallp'atini Das EMEK-uitd aus dem Tonilm „oas land Her Verheißung"* der gröote erfolg f Noch nie dagewesene moderne Tanzplatten mit hebräischem aesano. l^ilitstinensiache HORRÄ» und neuhehiaiaclie KincUrplatten. Schdl.platten zur Erlernuni; cterhebidischen Sprach».- ()h<< [o.--ci Ro9*'nhIafrt von ci 4.50 i <>bu S>rota v<>" > 1-60 Aeußers' yut gort'ent.-, L;i!{er alii-r li.-mv.b.iren Scnallpln im, waüioippara e und Grammophone, auch aui bequeme Teilzahlung 0 Moifimi das PaHästinasPawiamentf Auf der Konferenz der jüdischen Pflanzer in Palästina hat Präsident VV e i z m a n n erklärt, daß die Zionistische Organisation jetzt zwei Aufgaben zu bewältigen hat, hinter welche alle anderen zurückzutreten haben: Juden von Deutschland naeii Palästina scharfen und Hebung der nationalen G e l d s a m m l u n g c n. Von politischen Aufgaben hat er. seiner Tradition folgend, nicht gesprochen und getan, aln gäbe es keine Wolken auf dem politischen Himmel. Er hat des für den nationalen Aufbau Palästinas lebensgefährlichen Planes der Palästina-Regierung, ein Parlament mit arabischenglischer Majorität (Legislative Council) einzurichten, keine Erwähnung getan, als wäre dieses die Bestimmungen des Volkerbr.ndmandats verletzende Projekt fallen gelassen. Und doch steht es in g c f ä h r l i c h e. r c r Nähe als je. Das beweist ein Artikel im offiziösen Organ des britischen Kolonialministeriums „Great Britain and the East", in welchem in bezug auf die Z i o n i s t e n und dem Parlamentsplan folgendes gesagt wird: „Dem geplanten Legislative Council zum Beispiel haben sie in letzter Zeit aufs neue e'nc feindselige Aufmerksamkeit geschenkt und erklärt, daß die Verwirklichung dieses Planes verhängnisvoll wäre für die zionistisch e S a c h e; sie haben gedroht, sich an ihm nicht zu beteiligen und ihn damit (nach ihrer Ansicht) zunichte zu machen. Ein derartiges nou possumus läßt jedoch die Tatsache vollständig außer Acht, r*~ß es seit längerer Zeit der ausgesprochene Wi 11 e und Wunsch der Mandatarmacht war, einen Legislative Council ins Leben zu rufen, und daß die Schaffiuig eines solchen Council nicht auf unbegrenzte Zeit hinaus g e schöbe n werden kann. Würde dies geschehen, so würde der gesamt? Standpunkt der Regierung — der ihrer Unparteilichkeit gegenüber Arabern und Jud«n — zusammenbrechen. Und dies wäre in der Tat verhängnisvoll für die zionistische Sache." „Ein altes und nicht ganz richtiges Wort behauptet, daß ein Orientale, wenn er Gerechtigkeit verlaugt, in Wirklichkeit Bevorzugung meint; nnt ihrer gegenwärtigen Haltung tragen die Zionisten kaum dazu bei, dieses Wort zu widerlegen." Bei Arterienverkalkung des Gehirns und des Herzens läßt sich durch täglichen Gebrauch einer kleinen Menge natürlichen „Franz-Josef-Bitterwassers die Absetzung des Stuhles ohne starkes Pressen erreichen. Aerztlich bestens empfohlen! „Zu Ende des vorigen Monates haben Vertreter der verschiedenen arabischen Parteien in Palästina heim High Conuui.ssioner vorgesprochen. Sie verlangten des Privilegs einer demokratischen Ii e g i e r u n g teilhaftig zu werden. Sofort wurden Proteste gegen die Verwirklichung eines solchen Council in zionistischen Kreisen laut. Soll die Erfüllung eines Versprechens nur von politischen Z w e c k m ä ß i g k e i t s e r w iL g u n g e n abhängen? Offensichtlich ist es die Pflicht der Regierung, die genaue Zeit für die Gewährung von Privilegien zu wählen. Aber zu behaupten, daß Paliistina für ein weiteres Maß der Selbstverwaltung erst dann reif sein wird, wenn nie Z i o n i s t e n die Mehrheit im Land bilden, ist von allen die am wenigsten staatsmännische Haltung; und anzunehmen, daß die englisch«! Regierung sich nach einem solchen interessendiktierenden Vorschlag richten werde, winde in der Tat einem Verzweifeln an ihrem guten Glauben gleichkommen. Es kann kaum erwartet werden, daß die Androhung der Non-cooperiition seitens einer (jüdischen) Minderheit Eindruck auf eine, Verwaltung machen wird, deren Grundnrinzin fair play und nicht Diskriminierung ist. Zugegeben: Der Philosoph mag erhebliehe Zweifel darüber hegen, oh die Einführung eines demokratischen Apparates* i m O r i c 11 t klug sei; aber Politiker und Verwalter kün- Neu erschienen! Uqu epschüenonl I, JOSEF TRUMPm EIN JÜDISCHER HELD Hier wird dem Arbeiter von Daganiah, dem Löwen Judas, in objektiver Weise ein neuzeitliches Monumentalwerk geschaffen. 250 Seiten, 13 Bilder, farbiger Umschlag, Leinen S In jeder Buchhandlung erhältlich! Verlas Josef Belf, Wien I, Ra&enstef Standardwerk der jüdischen Litera wmmmmmmmmBrmmmamwßmmmmmmmmmmmmmm* tur neu in ihren öffentlichen Handlungen selten w.'e Philosophen vorgehen. Hinauszuzögern und Ausflüchte zu gebrauchen, wäre nicht nur Wahnsinn, sondern auch a V s ie h 11 i c h e Täuschung." Das ist eine deutliche Sprache. Noch nie wurde in so dezidiertcr Form für das Parlament und gegen die zionistischen Foidcrungcn gesprochen. Die zionistische Leitung, Weidmann voran, glaubt die Sache bagatellisieren ■/M können. Sie rechnet, offenbar damit, daß die englische Regierung angesichts der Wirren im Orient jetzt größere Sorgen" hat, als ein Parlament in Palästina, aber es kann anders kommen. Die englische, dem Zionismus wenig freundliche Kolonialbiirokratie kann auch gerade die Verwirrung benützen, um „ihr" Parlament einzuschieben. Beispiele für eine solche Politik gibt es in Hülle und Fülle. Die Parlaments-Gefahr ist akuter als je und es ist unverantwortlich, über sie hinwegsehen zu wollen. //Hagar den" eingestellt Aus Tcl-Aviv meldet die J. T. A. vom 17. Dezember: Die revisionistische Tageszeitung „Hajardeii" hat wegen finanzieller Schwierigkeiten aufgehört zu erscheinen. Naxipropagand«! an Jugoslawien Aus Beograd (J. T. A): Die Staatspolizei in Velika Kikinda, Jugoslawien, hat die Räumlichkeiten des Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes, welcher seit Hitlers Machtübernahme eine unentwegte Nazipropaganda betreibt, versiegelt und die Auflösung des „Kulturbundes" angeordnet. Nachgewiesen wurde u. a., daß die Mitglieder des „Kulturbundes" gemäß Weisungen aus Deutschland auf die Hakenkreuzfahne den Eid ablegen mußten, mit Jugoslawen, Magyaren und Juden keine Ehe zu schließen und keinen gesellschaftlichen Verkehr zu pflegen und keiner nicht rein arischen Vereinigung als Mitglieder beizutreten. Die polnische Bauernpartei zur Judenfrage Aus Warschau: Die in Warschau unter der Führung des ehemaligen Ministerpräsidenten Vi tos abgehaltene Reichskonferenz der polnischen Bauernpartei (Volkspartei) nahm eine Resolution an, die sich gegen den Antisemitismus und für die Gleichberechtigung der Juden ausspricht. Gleichzeitig wird in der Resolution darauf hingewiesen, daß die Bauernpartei die Lösung der Judenfrage in der jüdischen Auswanderung nach Palästina und in der Ent- Wicklung der Genossenschaftsbewegung erblickt. Ausgewiesen — verhaftet Aus Berlin: Die Geheime Staatspolizei hat Schalem A d I e r - Ii u d e I, einem Führer der jüdischen sozialen Fürsorge und der Auswandererfürsorgo in Deutschland, einen Ausweisungsbefehl zugestellt; er muß i 11 u e r h a 1 b zwei e r W o c h e n Deutschland verlassen. Ein Grund für den Ausweisungsbefehl wurde nicht angegeben. S. Adler-Rudel ist österreichischer Staatsangehöriger und war viele Jahre Direktor der Arbcitsnachweisämter der Berliner Jüdischen Gemein d e. Nach dem Machtantritt durch Hitler wurde S. Adler-Rudel eine der leitenden Persönlichkeiten der; Auswandern ngsbewegung. * Am In. Dezember wurden in Berlin sieben jungo Juden, die eine Ausbildung als Chaluzim zwecks späterer Auswanderung nach Paliistina durchmachen, von der Gestapo verhaftet. Ein Grund für die Verhaftung; wurde nicht angegeben. Man befürchtet, daß diese Maßnahme einen Feldzug gegen die H o c h » I u z - B e w cg u n g in Deutschland signalisieren soll. Später wurden sechs der Verhafteten freigelassen, der siebente — Bert E is e nsta d t, ein Führer der Clialuz-Bewegung in Danzig, der zuletzt in Berlin mit der Ausbildung junger Juden für Palästina befaßt war — befindet sich noch in Haft. Großes Aufsehen erregte vor etwa einer Wocho die Verhaftung des hervorragenden Banklers Dr. Siegmund VV a h s e r m a n n, einer auch im jüdischen Leben führenden Persönlichkeit. Die Verhaftung steht offenbar in Zusammenhang mit dem Feldzug zur Liquidierung der jüdischen Privatbanken, der vom „Angriff" vor kurzem mit drohenden Worten an die Adresse der jüdischen Privatbankiers signalisiert worden war. Rabbiner Dr. Ignaz May bäum, Frankfurt uro Main, der bekannte jüdische religiöse Führer und Verfasser einer Keihe, wissenschaftlich-religiöser Schriften« ist — wie aus Frankfurt am Main mitgeteilt wird — wegen einer in einer jüdischen Versammlung gehaltenen Hede von der Gestapo in Haft genommen worden. Erpresser Aus Berlin: In Magdeburg wurden, wie ,JJer Mitteldeutsch e" meldet, zahlreiche wohlhabende jüdische Einwohner und vor allem die leitenden Angestellten des Warenhauses Gebrüder Barasch in Haft genommen. Dieses Warenhaus, das sich noch in jüdischen Händen befindet, stand mit einein arischen Unternehmen in Verkaufsverhandlungen. Den arischen Kontrahenten erschien die geforderte Kauf summe von (>14 Millionen Mark zu hoch. Man kann nun dem Warenhaus auf „andere Weise". Es wurde polizeilich geschlossen. In der amtlichen Begründung dieser Maßnahme heißt es, daß die verhafteten Personen