Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 521 (13.12.1935)
- Date
- 1935-12-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 521 vom 13. Dezember 1935 DIE NEUE WEL1 •Seite 3 Kasinos in Oesterreich Rouletfe / Baccara — Chemin de fer / Trente et Quaranfe Kur-Katino Baden semmering Eröffnung bei Wien TOezemlieiOT Ganzjährig geöffnet! KITZBÜHEL führende Wintersportorte imotkettsfüegel Aul Palästina konzentriert Wenn wir annehmen, daß etwa drei Viertel der Juden, die Deutschland verlassen werden, nach P alästina und nur ein Viertel von ihnen in andere Länder wandern werden, so dürfte dieses ProzentverMltnis allen bisher gemachten Erfahrungen und Untersuchungen am ehesten entsprechen. Das bedeutet, daß die objektiv gegebenen Umstände dazu zwingen, den weitaus überwiegenden Teil der in Deutschland verfügbaren jüdischen Energien auf Palästina zu honzentrieren. „Israelitisches Familienblatt" (Berlin) 1935. Naziredi£ lädierlidi Die internationale Juristenkonferenz erklärt, daß die ideologisclie Anschauung, auf der das nationalsozialistisclw Recht beruht, einer Widerlegung unwürdig ist, daß seine wissemchaftliclien Ansprüche den Stempel der Lächerlichkeit tragen und daß seine Anwendung den universeilen Abschen hervorrufen muß. Eine derartige Gesetzgebung hat nicht den Anspruch darauf, als Rechtsdoktrin bezeichnet zu werden. Resolution der Internationalen Juristenkonferenz (Paris) Dezember 1935. Zionisten von Geburt Die nationaljüdische Bewegung in Jugoslawien ist 8ö stark, daß man kaum von einer anders gerichteten jüdischen Bewegung sprechen kann. „Wir sind Zionisten von Geburt", sagen die Septordim. Sie sagen es mit großem Stolz. Ich 1w.be keine Loge, keine Gemeinde, keine Organisation gefunden, die nicht in ihren Räumen Kerzl- Bilder und Dokumente von Hainen und Keren-Kajemeth- Spenden hätten. Zion und Zionismus gehören zum Leben der Juden. Dr. Joachim Prinz, Europäische Reise, 1935. Die faule Ausrede Es wäre ganz verfehlt, den Rückgang des deutschen Filmßxpqrts nur auf die natürliche Antipathie des jüdischen Publikums gegen diese getarnten Nazi-Propaganda filme in Form alberner Operetten und Possen zurückzuführen. Und doch darf diese Abszen» des jüdi- IN ÄtiLNrt seilen Publikums nicht unterschätzt werden..- Die faule Ausrede gewisser „jüdischer" Publikumskreise, die deutsche Filme besuchen, „weil ja die Absenz doch wirkungslos ist", muß also in diesem Zusammenhang gebrandmarkt werden: als Mangel an Ehrgefühl, aber auch als Defaitismus in unserem berechtigten und durchaus wirkungsvollem Abwehrkampf gegen die Infiltrierung nationalsozialistischer Gifte über den Weg scheinbar „harmloser" Unterhaltungsfilme. „Selbstwehr" (Prag), Dezember 1935. Was „Mein Kampf' enthüllt Man gibt vor, zu glauben, daß der Mann von „Mein Kampf sich geändert haben muß und nicht mehr so wild sein kann. Welche Verblendung! In diesem Buclie sind alle Verbrechen enthalten, die Hitler begangen liat und noch begehen wird. Sie sind darinnen, er kündigt sie an und er rühmt sich ihrer mehr als er sie eingesteht. Ausdrücklich sagt er, daß man an den Reichstag Feuer legen muß — und er hat es getan ...Er verbirgt auch nicht, daß der Mord ein politisches Mittel ist, und zwar eines der gesündesten; daß alles gut ist für den, der sich seines Feindes entledigen will, handle es sich nun um ein Individuum oder ein Volk. Was braucht man mehr als dieses Buch? Es gibt offen seine Absichten zu... Es wäre gut, wenn alle Franzosen es kennen würden, aber man hindert sie, es zu lesen... Der katholische Schriftsteller Andre Surr6s (Paris), 1935. Achtung! Unserer heutigen Auflage liegt eine Preisliste der bekannt billigen Veo-lagsbuohhandlung Josef Belf, Wien, I., Rabensteig 8, Tel. tN20-8-47, bei, jüdisches Ferienheim»Atid« 14 ('age Wintersport In den Schladminger Ta ern (1200 m) Rltiialla Verpflegung, ärztliche und pädagogische Anflicht Veroflegskosten Inkl. gemeinsamer Htn- und Rückfahrt S IS.- für 1*1 Tos« mtm: Sekretariat. IX, MwarajaiiM. 12/3. A-26-3-73 Das Hakenkreuz im 0§len Was geht in toten vor! Während die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf das Unglück der 500.000 Juden in Hitler-Deutschland gerichtet ist, spielt sich in einem großen Lande im Osten eine Tragödie ab, die das Schicksal von Sy, Millionen Juden betrifft. Hitlers Lehre hat in Polen gelehrige Schüler gefunden. Auf dem Gebiete der Judenfrage ist der traditionell gewordene Haß zwischen Polen und Deutschen überwunden und das in neuester Zeit geschlossene Trutzbündnis Deutschland-Polen ebnet den Agitatoren des Dritten Reiches die Wegr\ Aus Warschau wird gemeldet: Die tiefe Besorgnis über die von den Universitäten ausgehende und in Stadt und Land um sich greifende antijüdische Hetze fand ihren Ausdruck in einer Reihe Interpellationen der jüdischen Parlamentarier im Sejm der polnischen Republik. Der zionistische Abgeordnete Dr. Emil Sommerstein verlas eine Interpellation an den Ministerpräsidenten, in der er u. a. ausführte: Kleine Tube S —.90 Große Tube S 1.40 Seit einer Reihe von Monaten führt die Organisation der Nationaldemokraten eine Aktion gegen die jüdische Bevölkerung Polens durch. Unter Ausnützung der schweren Wirtachaftskrisis appelliert sie an die niedrigsten Instinkte und erklärt die Juden als verantwortlich für alle Leiden und Schwierigkeiten des polnischen Volkes und Staates. Die Schwarzhundert-Methode des russischen Zarismus und die Methoden des heutigen nazistischen Deutsch- 1 a n d werden von ihr nachgeahmt. In besonderen Zentren ■wird die Aktion vorbereitet und kontrolliert; von dort werden Losungen, Befehle und „Kriegsmaterial" ausgeteilt. Alle diese Aktionen tragen terroristischen und pogromistischen Charakter. Die große nationaldemokratische Presse bringt täglich Alarmnachrichten über „jüdische U'eberflutung" Polens und fordert zum Boykott der Juden und zur Entrechtung der jüdischen Bevölkerung auf. Der „Warszawsky Dziennyk Narodowy" fordert sogar die Vertreibung der Juden aus Warschau und dann aus ganz Polen. Diese Propaganda wird durch massenhaft vertriebene Flugblätter verstärkt. Boulevard-Zeitungen, wie z. B. „Szabbes-Kurier" (ein Blatt von der Art des Nürnberger „Stürmer"), „Haslo Podwawelslde" „Samoobrana Ludu", erklären, die Juden gehören nicht zur menschlichen Gemeinschaft, sondern seien Abkömmlinge des Teufels, die man durch physische Pogrome und wirtschaftliche Isolierung vernichten dürfe. Der gleichen Hetze dienen in Hunderttausenden vou Exemplaren verbreitete Volkskalender. Die Schuljugend, auch die der unteren Klassen, wird durch solche Propaganda geistig vergiftet. Alle diese Aktionen werden durch die Behörden nicht im geringsten gestört. Der Zensor, der jeden geringsten Angriff gegen öffentliche Funktionäre unterdrückt, greift niemals ein, um die jüdische Bevölkerung gegen Verunglimpfung und Morddrohung zu schützen. Gruppen von Automobilen ziehen durch die Städte, bescriunleren die Schilder jüdischer Geschäfte mit Teer, demolieren die Schaufenster, überschütten die Waren mit Lysol oder Salzsäure. Gruppen von Schulkindern blockieren die Eingänge zu den jüdischen Geschäften, um Käufer am Betreten derselben zu verhindern. Jüdische Passanten werden überfallen und mit eisernen Stöcken geschlagen. In einer großen Reihe von Städten zählt man zahlreiche schwerverletzte Juden, in einigen Städten auch Tote. In Truskolasl, Klobuck und My&lowioe gibt es in den jüdischen Häusern keine einzige ganze Fensterscheibe. Jüdische Händler dürfen die Dörfer nicht betreten, jüdische Hausierer werden an Leben und Eigentum bedroht. Auf den offenen Marktplätzen in den Städten werden die Warenstände der Juden zerstört. Stinkbomben und Petarden werden in jüdische Geschäfte und Restaurants geschleudert. Fast niemals gelingt es, die Schuldigen einer Strafe zuzuführen. Im Zentrum von Lemberg wurde die große Synagoge in einer einzigen Woche zweimal durch Bomben schwer beschädigt. In die Synagoge von öosnowioe. wurde eine Bombe, geschleudert, durch die das Bethaus zerstört und der zwölfjährige Rosenblum, der nach seiner verstorbenen Mutter das Kaddischgebet sprach, mitten im Gebet in Stücke gerissen wurde. Jüdische Friedhöfe werden geschändet, Tote werden aus den Gräbern geworfen. Hit der „Czernowftzer Allgemeinen Zeitung" SÄ-««. PolennCzernowitz am 22. Dezember und 2. Jänner. Rückfahrt 5. Jänner. Auskünfte: Oest. Verkehrsbüro B-27-500, U-29-0-35. Reisebüro Orbis R-21-5-78 u. Reisebüro Marienbrücke R-24-2-86, R-24-2-87 Die jüdische Hörerschaft an den Hochschulen erleidet Furchtbares. Auch Studentinnen werden nicht geschont. Mehrere jüdische Studenten erlitten durch die erhaltenen Schläge Gehirnerschütterungen, andere Schädelverletzungen. An der Posener Universität, wo unter 5258 Studierenden nur 84 Juden sind, wurden nicht weniger als 2 5 jüdische Studenten schwer verletzt. Der Rektor erklärte den jüdischen Studenten, er habe nicht die Macht, sie zu schützen. In Lemberg wurden mit schweren Wunden am Boden liegende jüdische Studenten nochmals geschlagen und mit Füßen getreten. Die akademischen Behörden haben nicht interveniert, obwohl ihnen die Namen der Arrangeure und Hetzer bekanntgegeben morden. Dann hielt der frühere Senator und jetzige Sejmdeputierte Rabbiner Rubinstein (Wilna) eine große Rede, in der er die traurige Lage der Juden Polens au Hand von Tatsachen schilderte und den Nachweis erbrachte, daß die Juden Polens, die ein Zehntel der Gesamtbevölkerung des polnischen Staates bilden, nicht weniger als ein volles Drittel der Lasten des Staatsbudgets zu tragen haben. Durch diese Ueberbelastung sind Handel und Handwerk der Juden an den Rand des Abgrunds gebracht worden. Alles, was auf wirtschaftlichem Gebiet bis jetzt vom Staat unternommen wurde, richtet sich gegen den jüdischen Bevölkerungsteil. Das Industriegesetz ruiniert das jüdische Handwerk, der Etatismus beraubte viele tausende Juden der Arbeit und des Erwerbs. Als man die Tabak-, Zündhölzchen- und Alkoholindustrien, in denen in der Hauptsache Juden als, Unternehmer und Arbeiter tätig waren, verstaatlichte, wurden die jüdischen Arbeiter einfach auf die Straße geworfen, an ihre Stelle kamen Nichtjuden, obwohl diese Industrien durch Juden, durch jüdische Energie, Initiative und Arbeit geschaffen wurden. Man findet in allen diesen Industrien heute keinen einzigen jüdischen Arbeiter und Angestellten. Was aber soll mit der jüdischen Jugend geschehen, heute, wo alle Länder gegen Neueinwanderung versperrt sind? Die Auswanderung nach Palästina ist eine sehr beschränkte. Die Regierung, die die Auswanderung polnischer Menschen mit großen Summen finanziert, unterstützt mit keinem Groschen die jüdische Wanderung nach Palästina. Die Regierung hat für die Bedürfnisse der jüdischen Religion in ihr Milliardenbudget 180.000 Zloty eingestellt; dies ist eine Erniedrigung und Beleidigung für die drei Millionen Juden. Die jüdische Bevölkerung verfällt angesichts der Verstopfung all ihrer Erwerbsquellen in Verzweiflung, und Verzweiflung ist ein sohlechter Ratgeber, besonders für die Jugend. Den Juden sind alle Tore zu öffentlichen Diensten und Aemtern hermetisch verschlossen. Was in den Zeitungen über die antijüdischen Exzesse berichtet wird, ist nichts, denn die Z e u s u r erlaubt nicht, die Wahrheit zu schreiben. Aber was man liest, ist genug: Es werden den Juden die Köpfe eingeschlagen, Hände und Füße gebrochen, Fälle von Mord an Juden häufen sich. Ich weiß, das will die Regierung nicht. Aber warum duldet sie es? Diese schändlichen Taten sollen einer gewissen Partei die Brücke zur Die großen, vorzüglichen Salona.chiffe „GaUlea", „Gerusalemme" und „Palestipa" der direkten Eillinie TRIEST—JAFFA—HAIFA des LLOYD TRIESTINO verkehren jeden Mittwoch und jeden zweiten Freitag ' Fahr, preis in der ausgezeichneten Touristenklasse samt vier vor. züglichen Mahlzeiten täglich bloß ca. ö. S 2c0.— Certtfikat. 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