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Die neue Welt · 1935-12-13 · Heft 521 (13.12.1935) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 521 (13.12.1935)
Date
1935-12-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE tVELl Nr. 521 vom 13. Dezember 1935 Cafe Weghuber (Hinter dem DculKhm Volktthtater) Kapelle Isy Geiger Jedift iamjtag, Sonn- und Ntirlatfi Konzert, Um und Stimmungsmusik Beginn %9 Unr abends .// Musiktchutz 60 Bf. teisüppchen an den Sorgen der Juden Deutschlands zu kochen". Die extremste Assimilationserscheinung, der Verband nationaldeutscher Juden unter Führung Dr. Naumanns, ist verschwunden. Aber es gibt noch Reste deutscher Juden, die sich weigern, die letzte Konsequenz aus ihrer in der nationalsozialistischen Umwelt labilen Lage zu ziehen. Diese Reste haben noch vor kurzer Zeit die Notwendigkeit jüdischer Emigration aus Deutschland bezweifelt und jetzt machen sie die Frage des Wohin zum Gegenstand innerjüdischer Auseinandersetzungen und Konflikte. Ueuskut BtksUik - SrntneeUtp Pensionspreis bei Mindestaufenthalt von 3 Tagen $10. inklusive Abgaben Diesen ,.Resten" gehört auch der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten an, der an die ..Reichsvertretung der Juden in Deutschland" mit dem Antrag herantrat, ein A u s w a n d e r u n g s a.m t zu schaffen, das die Auswanderung nach allen außerpalästinensischen Ländern behandeln und durchführen soll. Man kann diesen Antrag des R. J. F. zweifellos als Fortschritt gegenüber seiner bisherigen Haltung ansehen, aber er birgt in seinem Kern hoch immer etwas, . was verdächtig ist: ..... den Willen, sich von dem nach dem .jüdischen Palästina strebenden Auswandererstrom j,ü isolieren. ...... Es soll also nach dem Wunsch des" R. J. F. ein neues jüdisches Wanderungsamt, geschaffen werden; ein Wanderungsamt für Emigranten, die.nicht nach Palästina gehen wollen. Bisher war Palästina-das einzige Land, das die S e ß h a f t ni a 'c h u'n g der emigrierten deutschen Juden ermöglichte, während , die jüdischen Flüchtlinge in den anderen Ländern immer -noch ate Emigranten, als lästige Fremde leben, so daß tätsachlich nur ein Bruchteil der Juden, die Deutschland verlassen werden, sich außerhalb Palästinas niederlassen kann. Aber für Palästina sprechen nicht nür wirtschaftliche, sondern auch psychische '.Grunde,., denn es steht im Mittelpunkt des .Ju^schen _ Galuthlebens, der Hoffnungen und Sehnsüchte aller Juden; also auch' "des deutschen Juden, deh: bereits verwandtschaftliche Beziehungen, Bände "der Freundschaft" und Zukunftspläne mit dem Land der Väter verknüpfen. Die zwei letzten Jahre palästinensischer Berührung sind aus der Geschichte. des deutschen Judentums nicht mehr zu streichen; sie bedeuten — über den ewigen Wert des jüdischen Nationalheims hinaus — die Tatsache, daß Palästina gegenüber allen anderen, noch nicht gefundenen Einwanderungsländern real, psychisch und historisch den Vorrang beanspruchen darf. Der Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten wagt heute noch diese Tatsache zu verneinen. Als die Reichsvertretung der Juden Deutschlands alle jüdischen Verbände aufforderte, dem K e r e n Haje ss od beizutreten und damit dem Aufbau des jüdischen Palästinas zu dienen, berief sich der R. J. F. auf seine Verbindung mit der trennungsorthodoxen A g u d a, die ihn verpflichte, sich dem agudistischen Keren Hajischuw zu widmen, ,,der das Aufbauwerk auf unpolitischer Grundlage betreibt." Diese Vereinbarung hat keine allzu starke logische Grundlage. Mag die Agudas Jisroel, die jüdische Trennungsorthodoxie, kraft ihrer konservativ-religiösen Einstellung und religiöser Gewissensbedenken die Eingliederung in die mächtige nationale Aufbaufront ablehnen, so bestehen diese Motive für den R. J. F. keinesfalls. Der R. J. F. hat niemals die Einhaltung der religiösen Gebote als seine Aufgabe betrachtet; fast, alle Wortführer cßüdetide und Gesunde. bestätigen, daß .die denkbar beste Wirkung erzielt wird durch Diana Franzbranntwein. Anwehdung: Aeußerllch zu Einreibungen, Umschlägen, Abwaschungen; innerlich als Mund und Gurgel wasser; ferner zu verschiedenen anderen Zwecken. Bin Versuch überzeugt, _ kaufen Sie heute noch der jüdischen Frontkämpfer Deutschlands gehören der religiös-liberalen Richtung im Judentum . an. Wenn er also die Mitarbeit am Keren Häjessod, am jüdischen Aufbaufonds ablehnt, so waren hiefür andere als religiöse Erwägungen maßgebend, nämlich die Betonung: ..Auf unpolitischer Grundlage..." Damit wollen die jüdischen Frontsoldaten Deutschläncls deklarieren, daß sie nach wie vor die politischen Grundlinien und Aspirationen der zionistischen Bewegung ablehnen und daß sie immer noch an dem absurden und widersinnigen Gedankenkomplex ..Palästina-Aufbau ohne Zionismus" festhalten. Der R. J. F. vergißt hiebei an die Tatsache, daß Palästina ohne die politischen Ideen und Methoden des Zionismus gar nicht in die Lage gekommen wäre, so viele deutsche Jaden aufzunehmen. Eine Palästina-Kolonisation Grundlage", also in charitativem, prinzipienlosem Stil, wäre längst gebrochen oder auf den Status Chaluka-Fürsorge gesunken, wie die mit den gigantischen Mitteln betriebene Kolonisation des Baron Hirsch in Südamerika, wie das humanitäre Hilfswerk für die deutschen Flüchtlinge des Oberkommissärs James MacDonald, wie alle zufälligen und „unpolitischen" jüdischen Aktionen in der Welt. Der R. J. F. will mit seinem Antrag auf ein eigenes Aus- „auf unpolitischer philanthropischem, schon zusammeneiner armseligen vvanderungsamt und mit seinem Wunsch, die Jugend, die für außerpalästinensische Länder umgeschichtet werden soll, von den Hachschara-Lagern der zionistischen Jugend in Deutschland zu isolieren, nichts anderes, als die Femhaltniig der jüdischen Emigrationskandidaten vom nationalen Judentum, vom zionistischen Gedankengut. Er scheut sich nicht, unter den gegenwärtigen Verhältnissen einen Konflikt im jüdischen Lager hcrbelwiführen. Wir hoffen, daß die Reichsvertretung der Juden Deutschlands die Gefahr solch eines Konflikts sehen und sich nicht auf den Weg des R. J. F. begeben' wird. Wir haben schon genug schlimme Erfahrungen mit Aktionen ,,auf unpolitischer Grundlage" gehabt All diese Aktionen liefen auf eine Stärkung der assimilantischen Gruppen und auf eine Minderung des zionistischen Prestiges hinaus. Die zionistische Exekutive selbst, unter Leitung Chaim Weizmanris, beging im August lß29 den verhängnisvollen Fehler, sogenannte Nichtzionisten in die Leitung der Zionistischen Organisation hineinzunehmen, also Menschen, welche bezüglich der Lösung der Judenfrage dem Prinzip ,,Auf unpolitischer Grundlage" die Tore in den Zionismus öffneten und damit Herzls großzionistische politische Konzeption des Zionismus beiseite schoben. „Auf unpolitischer Grundlage" — das ist das Dogma jener, die immer noch glauben, der Judenheit (und auch der deutschen) könne mit philanthropischen Mitteln geholfen werden. Vor dem Forum des Völkerbundes in Genf sind zahlreiche jüdische Experten, Vorsteher jüdischer Hilfsorganisationen, Mitglieder der Zionistischen Organisation erschienen. Man spricht von einem großzügigen Hilfsplan, von einer großen Transferbank ... All diese Aktionen sind zum Scheitern verurteilt, wenn sie — „auf unpolitischer Grundlage",, durchgeführt werden sollen. o. r. Ein beispielloser Erfolg Das Land der Verheißung Der schönste Palästina-Tonfilm Nächste Auffährunsen; Sonntag, 15. Dez., 11 Uhr vormittags Park-Kino, Hietzing Restliche Karten bei: Roth, Lainzerstraße 84, Tel, R-37-3-90. Pasternak, ttisselgasse 8, Tel; R\31-8-12. Prager. Opernring 33. ^el; B-j22-Ö>3l. . Buchhändler Pollak, Mariahil'fersträße' 140, Telephon Nr. R-35-0-34V ' ■ Donnerstag, 19. Dez., 9 Uhr abends Amalien-Kino, X., Laxenburgerstraße 8 Karten bei: Cafe Drill, Laxenburgerstr. 16; Steigmann, Quellenstr. 142; Freilich, Favorttenstr. 83; Perlmutter, Uhlandstr. % Wiedner Hauptstr. 73; Eisinger, Favoritenstraße 6; Jellinek, Margaretenstr. 76; Klein, Schellinggasse 7; Rest. Hacke, PernerBtorfergasse 25; Mejstrik, Wollzeile ß, Lanyi,, Kärtaerstraß'e. 44 .. beim Zionistischen Landeskomitee, Marc Aurelstraße 5, und an den 'Kinokassen ana FRANZBRANNTWEIN miiMENTHOl £u% Meinte Beaten fein pcaßett feuec Die Szegediner Kultus gemeinde •— ihre Tugend in allen Ehren — hat Mäher in der Welt nicht viel von $ich reden gemacht. Das ist auch nicht notwendig. Wenn sie ihre Pflichten gegenüber ihren Mitgliedern und gegenüber dem Staate erfüllt . hat, so hat sie genug getan. Man braucht keinen Ruhm, um bestehen zu können. Auch Bescheidenheit hat seinen Reiz. Das Schicksal wollte es aber anders. Die Szegediner Kultus gemeinde tritt aus dem Kreise ihrer Befugnisse hinaus, sie veranstaltet .eine Kulturvortragsserie tmd ihr Präsident namens Dr. Samuel Biedl eröffnet den Zyklus mit einer Rede ßber die „wieder aufflackernde antisemitische Bewegung«. Mm weiß, was vorgeht. Von Hitler-Deutschland braucht gar nicht erst gesprochen zu werden. Aber auch über Polen geht eine Welle schändlichen und verzehrenden Judenhasses, in Rumänien bekommen die Antisemiten Oberwasser und in Ungarn.. „ in Ungarn hatte man erst kürzlich vneder antijüdisclie Exzesse an den Hochschulen. Herr Dr.. Biedl ist trotz deser Tatsachen zuversichtlich. Die ungarische Gesellschaft als solche, sagt er, sei nicht antisemitisch, nur eine ganz dünne Schicht von Abenteurern wolle aus der labilen wirtschaftlichen und politischen Lage Nutzen ziehen und sicli^„bei diesem großen Feuer ihren kleinen Braten zubereiten". Der Präsident der Szegediner Kultus gemeinde sieht die Dinge — sagen wir — ein wenig provinziell. Er will nicht zur Kenntnis nehmen, was rings um ihn und Spegc-, din geschieht, er malt salbungsvoll die Menschen so, als würden s\e einen Oelzweig im Munde tragen und nur hie und da von ein paar aus der Art Geschlagenen irritiert werden. Der kleine Braten? 500.000 deutsche Juden sind kein kleiner Braten und 600.000 ungarische Juden auch nicht. Aber Herr Dr. Biedl, der optimistische kultusvorsteher, will noch ein zweites: er beabsichtigt, die echten Ungarn, die nie Antisemiten waren, zu den Kulturvorträgen heranzuziehen und ihnen zu, übermitteln) was die echte ungarische Kultur hervorgebracht hat. Die christliche ungarische Gesllsohaft soll Schulter an Schulte?; „mit dem patriotischen ungarischen Judentum" die kleine ScMcht der antisemitischen Desperados isoHeren tmd der Verachtung preisgeben. Daß die ungarischen Juden sich immer patriotisch betragen und für Ungarn Blutopfer gebracht haben, ist begannt mti braucht nicht besonders, hervorgehoben zu werden, wie es der Szegediner Kultusvorstand im Schluß' passus seiner Rede tat. Aber, daß. solch eine Haltung die Mitbürger zum Wohlwollen gegenüber den Juden ver~ pflichtet hätte, davon weiß die Erfahrung nichts. Um die Hoffnung, daß die „echte ungarische Gesellscluift" zu den Kulturyorträgen der Szegediner Kultusgemeinde ströme» werde, wird Dr. Biedl zweifellos betrogen werden. Der „echte ungarische Patriot" wird ihnen bestimmt fern bleiben, wird die Juden von Szegedin unter sich lassen. Der gute Dr. Biedl wird seufzend erkennen müssen: #9 einfach ist die Sache doch nicht. ',BaPOLEH..CIERHOin fahrten nniiiHMaaMMHi ä" IRÜT (S. Rosenkranz) am 19. und 22. Dezember und 2. Jänner Rückfahrt : 5. Janner und freibleibend I. Karlsplatz 1 . Telephon U-44-5-79 Deutsdiland ohne Kosdierfleisdi Aus Berlin: Nach der Machtergreifung durch Hitler wurde ein generelles S ch ä c h t v er b01 für ganz Deutschland erlassen. Den gesetzestreuen Juden wurde aber erlaubt, Koscherfleisch aus benachbarten Ländern einzuführen, die erforderlichen Devisen wurden hiefür zur Verfügung gestellt. Nunmehr hat die Regierung ein Verbot der Koscherfleischeinfuhr am 8. Dezember erlassen und mit. der Notwendigkeit von Devisenersparnis begründet. Die rituell lebenden deutschen Juden können sich seit dem 9. Dezember kein Stückchen Fleisch mehr beschaffen — auch die Schächtung von Geflügel ist in Deutschland verboten — und ernähren sich nur vegetarisch. Hilfe kann ihnen nur in der Form gebracht werden, daß jüdische Kreise des Auslands Koscherfleisch-Spenden an die Gemeinden und an Einzelpersonen in Deutschland senden. Durch das Einfuhrverbot für Koscherfleisch werden auch hunderte jüdische Fleischgeschäfte, Wurstfabriken und Restaurants ruiniert. Das Verbot bedeutet direkt eine Mißachtung der jüdischen religiösen Interessen, die zu schützen die Nationalsozialisten immer wieder vorgeben. Fahren Sie mit „Francopol" nach Polen und Czernowita — zu Weibnachten und Neujahr — im D-Zug (Piatakarten, geheizter Wagen). Unter bewährter Führung, bequem und billig: Francopol, III., Rennweg 1, Telephon IM6-4.90.

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