Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 520 (10.12.1935)
- Date
- 1935-12-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 520 vom 10. Dezember 1935 »IE NEUE WELT fielt« 8 l/l/a wollte TMetdet Hml kyufa* sein? Zur Frage der Ucberführung nach Palästina Der Wunsch Theodor HerzJs, dereinst in Palästinas Erde zu ruhen, ist bis heute nicht erfüllt. Der 14. Zionistenkongreß in Wien im Jahre 1925 hatte beschlossen, die Ucberführung der Gebeine sobald als möglich zu veranlassen. Es ergaben sich gewisse Schwierigkeiten, auch solche bei Erlangung der Zustimmung seitens der Erben. Aber auf dem 16. Kongreß im Jahre 1929 in Zürich konnte verkündet werden, daß die Hindernisse beseitigt seien und daß nunmehr die Ueberführung sobald als möglich durchgeführt würde. Nun sind sechs Jahre verstrichen und so gut wie nichts ist geschehen. Doch nein! Es geschieht etwas. Es wird darüber gestritten, w o Herzl in Palästina liegen wollte. Man streitet und tut nichts. Es wird sich noch Gelegenheit ergeben, gegen diese Art der Behandlung einer heiligen Sache Stellung zu nehmen. Heute sollen die Aussagen und Briefe veröffentlicht werden, aus denen hervorgeht, daß der Streit um den Ort müßig ist und der Wunach Herzls, auf dem Karmel zu ruhen, eindeutig bewiesen erscheint. Die Aussagen und Briefe rühren von nahen Freunden und lang- Jährigen Mitarbeitern Herzls her. Das Material wurde uns von Herzls intimstem Freunde und von ihm zum Testamentsvollstrecker eingesetzten Direktor M. Reichenfeld freundlich zur Verfügung gestellt. Direktor Reichenfeld ist Vorsitzender des Herzl-Archivs in Wien und in aufopferungsvoller Weise bemüht, die Erfüllung des letzten Willens Theodor Herzls zu fördern. Im Oktober 1933 kam der damalige Präsident der Zionistischen Organisation, N. S o k o l o w, nach Wien und erklärte auf das bestimmteste, daß es Herzls Wunsch war, auf dem Karmel bestattet zu werden. Sokolow empfahl dem Herzl-Komitee, diesbezüglich Recherchen anzustellen. Das Wiener Komitee setzte sich mit einer Reihe von Zeitgenossen Herzls in Verbindung. Das Resultat war, daß Erklärungen und Aeußemngen Herzls bekannt wurden, die hier folgen: Brie f des Herrn Heinrich York-Steiner an Herrn Dr. Pe'lley vom 20. Mai 1932: „Die Frage der Ueberführung des sterblichen Teiles von Theodor Herzl nach dem Karmel scheint sich günstig zu entwickeln; es wird von selten der Familie kein Einspruch erhoben werden, auch bestätigt Herr Kremenezky, daß Dr. Herzl wiederholt den Wunsch geäußert Itftt — auf dem Karmel zu ruhen. Die Konkurrenz von Tel-Aviv, besonders von Jerusalem, müssen wir bekämpfen — denn beide bewerben sich ..." Brief des Herrn Johann Kremenezky an Herrn Dr. Itzkovich vom 30. November 19S2: ,JDer Zweck meines heutigen Briefes ist, Sie zu bitten, genaue Informationen über entsprechende Terrains, die für die Schaffung eines würdigen Ruheplatzes für unseren Führer Herzl auf dem Karmel in Betracht kämen, ganz diskret einzuholen. — Der betreffende Boden müßte entsprechend groß sein, um auch die Familie Herzls aufzunehmen und die Möglichkeit der Errichtung eines Haines zu bieten ..." Brief des Herrn J o h. Kremenezky an Herrn Herrn. Struck vom 26. April 1933: „Wie Ihnen seitem des Herrn Dr. Itzkovich bekannt sein dürfte, hat sich in Wien ein Komitee gebildet, das sich gleichfalls mit der Ueberführung der Gebeine Herzls nach Erez Israel befaßt. Ueber die verschiedenen Besprechungen in dieser Angelegenheit ist Herr Dr. Itzkovich von mir informiert worden. — Sie werden auch erfahren haben, daß ich persönlich unbedingt, für eine Bestattung auf dem Karmel biri\.." Brief des Herrn Dr. Th. Zlocisti an Herrn H. Struck vom 26. März 1935: „Ich liabe zweimal aus Wolfsohns Mund, neben ihm siztend, klar und deutlich gehört, daß Herzl ihm wiederholt den Wunsch geäußert hat, auf dem Karmel beerdigt zu sein. — Ich habe die äußeren Umstände und die Situation klar vor mir, als Wolfsohn diese Aeußerung zu mir machte. Das einemal war ich mit ihm und «einer Frau zusammen in Köln in seiner Wohnung; das zweitemal war es in Berlin, in einem Restaurant des Kurfürstendummes in Gegenwart von Adolf Friedemann. Von der Konversation beim zweiten Male erinnere ich mich genau, daß sich das Gespräch auf Begraben und Friedhöfe und so auf Herzls Begräbnisplatz entwickelte ..." Erklärung des Präsidenten, Herrn N ahum So kolow, Londo n, 20, Juni 193S: „Während meines Aufenthaltes in Köln seit Frühjahr 1906 bis Ende Dezember 1909 habe ich mit dem seligen Präsidenten David Wolfsöhn nicht nur zionistisch eng zw summen gearbeitet, sondern auch gesellschaftlich viel verkehrt und wir haben während unserer Unterhaltungen sehr oft unsere Ennnerungen an unseren unvergeßlichen Führer Dr, Theodor Herzl ausgetaxischt. —■ Hiermit möohte ich nur wiederholen, was ich bereits vor dem in Wl9n im Jahre 1925 stattgefnndenen XIV. Zionistenkongreß erklärt habe, nämlich, daß mir der sei David Walfsöhn unzählige Male gesagt hat, daß es der Wunsch Dr. Herzls war, auf dem Karmel bestattet zu werden« Erklär nn g des He r r n Ab r a h a m A v a- £io, --2, &Hs *& vieiuer Eigenschaft als Geschäftsführer der Vereinigten Palästina-Gesellschaften im März 1910 für einige Tage nach Köln fuhr, um die Geschäfte des Herzl-Waldes (Verein Oelbaumspende) dem damaligen Kölner Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds zu übergebe», war ich G«-st des sei. David Wolf söhn in seiner Villa am Sachsenring 26. Ate wir uns in seinem ,,H erzl-Zi m m e r" befanden und er mir Verschiedenes aus dem Leben unseres unvergeßlichen Führers erzählte, berührten wir in unserer recht langen Unterhaltung auch die Frage der Ueberführung der Gebeine Theodor Herzls nach Erez- Israel. — ich kann mit alter Bestimmtheit erklären, daß bei dieser Gelegenheit der Karmel als letzte Ruhestätte für unseren toten Führer ausdrücklich envähnt wurde/' Erklärung des Herrn A. H. Reich, Wien, vom 19. Juli 1935: „Ich war Sekretär des 2. und 6. Kongresses, Sekretär des Büros des ZvonlMischen Kongresses in Wien und Sekretär Dr. Herzls und erinnere mich an folgende Begebenheiten mit aller Deutlichkeit: 1. Einen Tag vor Eröffnung des 4. Kongresses in London fühlte sich Herzl, der aus Paris gekommen uxir, sehr unwohl und ersuchte mich, ihm einen Arzt — womöglich einen Wiener Arzt — zu verschaffen. Ich brachte ihm Dr. Liebster, der in Wien in der Kadimah war, und er verschrieb Herzl — soweit ich mich erinnere — ein Herzmittel. Am nächsten Tage war ich frühzeitig bei Dr. Herzl, der sich unterdes ganz erholt hatte und er sagte mir wörtlich: Ich habe geglaubt, mit mir ist es zu Ende; wenn es aus sein wird, d a n n will ich .am Karmel begraben werden. 2. Am 9. Juni 1902 ist Herzls Vater in Wien ge storben. Herzl, der gerade in London weilte, gab mir telegraphisch den Auftrag, die Totenmaske abnehmen zu lassen, und für die Bestattung in einem provisorischen Grabe auf dem Döblinger Friedhof Sorge zu tragen, was auch geschah. Im Jahre 1903 hatte Herzl selbst einen Platz für die stündige Ruhestätte seines Vaters ausgesucht und mich beauftragt, die Exhumierung durchzuführen, i-esp. bei derselben zugegen zu sein. Bei der Exhumierung selbst war Herzl nicht anwesend, da ich ihn — mit Hinweis auf sein Herz — darum ge beten habe. Er gab mir recht. Als der Sarg aber in die Gruft hinabgelassen wurde, Jcam Her& doch. Nach seiner Angabe hat es ihn nicht ruh-en lassen. Er war tief bewegt -und schwankte einigemale, als er in die Gruft hinabsah. Dann sagte er mir plötzlich: JSald, bald werde ich auch d<i unten liegen, mich wird aber mein Volk nach Palästina bringen und ich werde am Karmel be graben sei n.' Nach der Bestattung machte ich mit Herzl einen längeren Spaziergang, um ihn von seinen trüben Gedanken abzulenken, und da wiederholte er nochmals, daß er am Karmel begraben sein wolle. S. Im Jahre 1902 und 1903 war die Frau Doktor Herzls erkrankt und Herzl mit ihr deshalb in Edlach; zu derselben Zeit sollte Mr. Greenberg a%is London, der, in Kairo im Auftrage Herzls wegen El-Arisch unterhandelte, nach Wien zur Berichterstattung kommen. Ich luttte den Auftrag, Mr. Greenberg in Gloggnitz aus dem Zuge zu holen und nach Edlach zu bringen. — Damals hat Herzl, als wir im Kurhaus einen Imbiß nahmen, in Gegenwart Mr. Greenb&rgs eine Aeußerung gemacht, an deren Wortlaut ich mich wohl nicht 7)iehr erinnere, die aber seinen. Wunsch — am Karmel begraben zu sein — zum Gegenstand hatte. — Ueber -Ersuchen Dr. Emil Krasnys habe ich diese meine Erinnerungen vorstehend festgelegt und bekräftige auf das Be* stimmteste, daß meine Angaben vollständig und richtig sind." Brief des Herrn Josef Kremenezky (Sohn von Johann Kremenezky), Wien, an Herrn Avadio, London, 20. Juli 1935: „In höfl. Erledigung Ihres «>. Schreibens vom 15. d. möchte ich Ihnen, in Angelegenheit der endgültigen Ruhestätte Herzls in Palästina, folgendes mitteilen: Es ist mir in bester Erinnerung, daß mein Vater anläßlich der Anwesenheit verschiedener Gäste in unserem Hause mit großem Stolv die Photographien von Herzls Palästina-Reise mit ErUlnte* rungen zu zeigen pflegte. Bei einer Aufnahme, die Haifa mit dem Karmel von der Seeseite wiedergab, pflegte mein Vater immer die Bemerkung hinzuzufügen: J)a wird einmal Herzls letzte Ruhestätte sein.' Es erscheint mir undenkbar, daß mein Vater in Anbetracht seineig freundschaftlichen),, ja intimen Verhältnisses zu Herzl etwas geäußert hätte, was einem Wunsohe oder auoh nur einem Gedanken Herzls wider* sprochen liaben würde. — Ich muß daher aus dieser Be~ merkung meines Vater die Folgerung ziehen, daß zwischen Herzl und meinem Vater auch darüber gesprochen wurde." Der UnterstützuugsvereU» für arme Bräute „Ziporuh" veranstaltet am Mittwoch, den 11. Dezember, in den Jüdischen Künstlerspielen eine Sondervorstellung unter Mitwirkung von Sevilla Pastor in einer üirer Glanzrollen. — In Anbetracht des humanitären Zweckes bittet die Vereinsleitung um regen Besuch. Karten bei allen Ausschußmitgliedern, an der Abendkassa uikI r!e© vereinsmitgüedein. Bisher jede Vorstellung ausverkauft! Dos Land der Unludfiuni Der schonst« Paläftino-Wm Nächste Aufführung: Sonntag, den 15. Dezember 1935, 11 Ohr vormittags Hfetzinger Park-Kino Wien xiil, Hiettlfiger Nauptstrafle 27 Ansprache: Dr. Ludwig Naumann Mitwirkend Maria Cutlmann (Deutsches Volkstheater) Sagal-Rosenbach: Palästinensische Volkslieder Wenige restliche Karten zu S 1.S0 bis 2.50 bei: Kola, XIIL, Lainzerstraße 84, Tel. R-37-3-90; B. Pasternak, XIJL, Nisselgasse 8, Tel. R-31-8-12; E. Prager, I., Opernring 13. Toi. B-22-0-31; Buchhandlung J. L. Pollak, XIV., Mariahilferstraße 140, Tel. B-35-0-34; Zioo. Landesverband für Oesterreich, I., Marc-Aurel-Straße 5, und an der Kino-Kassa iudemtaatspartei Oesterreich« Veranstaltungskalender Sektion XIII/XV, Schanzstraße 32. Dienstag, den 10. ds., halb 9 Uhr abends, Vortrag Prof. A. Schwertfinger: Zur Spaltung in der Z. O. Sektion XX. Dienstag, den 10. dB., halb 9 Uhr abends, im provisorischen Hein;, II., Untere Augartenstraße 38, Vortrag Josef Frankel: Geistes-, Religionsun«S Geld ju den. Sektion VI/V II. Mittwoch, den 11. ds., Vortragsabend im Hotel Kummer, VT., Mariahilferstraße 71. Thema: Die Lage in Palästina. Referenten: Oberbaurat Robert Stricker und Dr. Salomon Wolf. Mittwoch, den 11. ds., halb 9 Uhr abends, im Heim, I., Werdertorgasae 14, Vortrag Dr. Sem Wolf: Die junge hebrä:3Che Dichtung. Sektion Prater, II., Kleine Zufahrtsstraße 166. Donnerstag, den 12. ds., halb 9 Uhr abends, Vortrag Pro» fessor Dr. K. Kupfer: Gegenwartsfragen.' Sektion Leopoldstadt, II., Taborstr. 21 a. Donnerstag, den 12. ds., halb 9 Uhr abends, Theodor Grubner: Aktuelle Tagesfragen. Die Judenstaatspartei und Judenstaatsjugend gratuliert ihrem Leitungsmitglied, Herrn Moritz Abend, tu seiner Vermählung mit Eräulein Roal Rosenstrauß aufa herzlichste. iRYlLPÜDER IN äiiss Wedgewood interpelliert wegen der Poliristenmorde in Palästina Aus London: Abg. Colonel Josiah Wedgewood hat im Unterhaus die Anfrage an den Kolonien« minister gerichtet, ob ihm bekannt sei, daß englische und jüdische Polizisten in Palästina von zwei bewaffneten Araberbanden ermordet wurden und ob er bereit sei, eine Untersuchung darüber einzuleiten, wie die Bandenmitglleder zu ihren Gewehren gekommen sind, (Bekannt* lieh wurden bei den Banden viele Waffen und Munition aus Deutschland gefunden. Auch in Japan Aus Paris: Die Schriftstellerin und Japan« reisende Lili Koerber berichtet im „Pariser Tage« blatt" aus Japan, daß die antisemitische Auslandspro« paganda Dr. Goebbels auch dort Wurzel faßt. In den herrschenden Schichten Japans besteht eine starke Furcht vor dem Bolschewismus. Jeder einreisende Ausländer wird einem scharfen Kreuzverhör unterzogen. Heut« sind die Behörden infolge der Goebbels-Propaganda schon so weit, daß sie brave großbürgerlich* Handelsjuden und rote Revolutionäre als politisch« Genossen ansehen. Die Durchführung des Arierpara* g r a p h e n für die deutschen Lehrer an den japanischen Unterrichtsanstalten ist im Gang und wird wahrscheinlich nicht auf die Deutschen beschränkt bleiben. Die japanischen Bibliotheken sind durchsetzt mit aus Deutsch« land stammendem antisemitischem Material. Es existieren bereits 40 antisemitische Broschü« ren in japanischer Sprache. Neueröffnung! bad und Winterkurort mit praefa Hofgasteln Am 22. Dezember wird In dem weltberühmten Thermalbad und Wiuterkurort mit pracbvoJlem Mngelana« (Oesterreich) ein« streng rituelle iv> —_ Pension unt«t Aufsicht derwienerwAdas8-Jlsroel-Gemeindew Sihiffoebti!) im Kurhot«) »Alt« Post« eröffnet. Wiener Wehe, schöneZimmer Zentralleizung.Tberma bÖderituWause Fahrpreisermäßigung I An ragen an Frau H. Wo ff. Hofgastein, »Alle Post", oder G WoJff, Wien l, Freyune 6 6. Stieee. Tel. U-?3 9-55 ' ' B