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Die neue Welt · 1935-12-10 · Heft 520 (10.12.1935) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 520 (10.12.1935)
Date
1935-12-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite f DIE NEUE WELT Nr. 520 vom 10. Dezember 1935 JUNG-WIZO „MIRJAM" j Samstag, den 14 Dezember 1935 ABEND JÜDISCHER KUNST anschließend Tanz Runstspiele I, Riemergasse tl f) Kirtan bei der Jüdischen Kultunielte, Wien I, Franz-Jo<efs-Kal 3, Telephon R-2S-2-38, sowie bei allen Bunde««chwestern der schwer gefährdeten jüdischen Studenten, Polizeiß c h u 12 herbeizuholen, abgelehnt, obwohl dieses Ersuchen dem Universitätsstatut entspricht. Noch ein Todesopfer — Die Juden sind schuld Aua Warschau (J. T. A.): In Lodz ist der 46jährige Schneider Mordechai M j o d e k i den in der vorigen Woche bei antisemitischen Exzessen erlittenen Verletzungen erlegen. Er wurde auf Kosten der Gemeinde bestattet. — Aus Anlaß der Wiedereröffnung der Warschauer Hochschulen gab der Hilfsverein der polnischen Studenten einen Aufruf zur „Beruhigung" der Studentenschaft heraus, in welchem die Schuld an den Unruhen den jüdischen Studenten zugeschoben wird. Der Aufruf ist vom Universitätsprofessor Radszyszewski unterzeichnet. Der kompromittierte Antisemitismus „Von vielem weiß läng3t alle Welt...", schreibt Äe Wiener katholische „Reichspost" (5. Dezember) im Zusammenhang mit einer Besprechung des kürzlich erschienenen Buches „Der gelbe Fleck", das die Ausrottung von 500.000 deutschen Juden behandelt. Wie leicht begreiflich, enthält dieses von Lion Feuchtwang e r eingeleitete Buch ein Material, das jeder Prüfung auf Echtheit standhält — es wäre geradezu unsinnig, zweifelhaftes Material zu verwenden, wo doch die deutsche Wirklichkeit durch keinerlei Erfindungen übertroffen werden kann. Aber die „Reichspost", in deren Herzen doch ein Funken Sympathie für ihre braunen Brüder im Dritten Reich schlummert, versucht in ihrer Besprechung des „Gelben Fleck", den Wert dieses Buches dadurch herabzusetzen, daß sie schreibt: „Es besteht keine Möglichkeit, alle Einzelheiten des im Buch Mitgeteilten und Erzählten auf ihre Richtigkeil und die vielen Belege und Photographien auf ihre Echtheit zu prüfen.. Der Versuch, durch derlei Zweifel das Buch zu entwerten, wird natürlich nicht gelingen. Denn alle Welt weiß, also auch die „Reichpost", welcher Methoden sich das Dritte Reich gegenüber den Juden und denjenigen bedient, welche keine hundertprozentigen Hakenkreuzanbeter sindr Uns interessiert hier aber weniger die Skepsis der „Reichspost" in bezug auf den Wahrheitsgehalt des „Gelben Fleck", als die Sorge der „Reichspost" um den guten deutschen Namen und um den giiten alten Namen des „Antisemitismus" in der Welt. Denn die „Reichspost" schließt ihre Ausführungen mit dem tränenumfiorten Satz: „Ueberflüssig, zu erwähnen, daß ein Antisemitismus, der seinen Gegnern so wirksame Propagandawaffen liefert wie die Jünger Streichers dem Lion Feuehtwanger, seinen Namen ablegen sollte.. So und nicht anders sieht und beurteilt ein katholischen Hauptorgan den Antisemitismus des Dritten Reiches, den antijüdischen Feldzug des Hakenkreuzes. Der „Antisemitismus", wie er heute in Deutschland gehandhabt wird, hat nach Meinung der „Reichspost" das Recht verwirkt, sich Antisemitismus zu nennen. Antisemitismus, wie ihn die „Reichpost" und ihre Kreise praktisch gehandhabt sehen wollen, muß anders geartet sein. Er muß vornehm, still, gesittet auftreten. Er muß nobel sein. Ein paar Jahrzehnte christlichsozialen Wirkens waren notwendig, um den Antisemitismus salonfähig zu machen, und nun kommt so eine rüde und barbarische Judenausrottung und nennt sich Antisemitismus. Ein Antisemitismus, meint die „Reichspost", der sich so offen betätigt, daß man ihm das was er ist, schon von ferne ansieht — solch ein Antisemitismus ist nicht der richtige. Wenn beispielsweise Juden von Kliniken, Krankenkassen, Universitäten und sonstigen akademischen und nichtakademischen Berufen entfernt werden, muß es so geschehen, daß man es nicht merkt: nobel, mit Glacehandschuhen, der alten Tradition würdig! Nur kein Aufsehen, nur alles mit Kultur verbrämt! Das wäre schön, daß dieser feine, salonfähige Antisemitismus von den Judenvertilgern des Dritten Reiches geschändet würde! Nein, so geht das nicht. Die Herren in Hitler- Deutschland haben nach Ansicht der „Wiener Reichspost" nicht das Recht, ihren Judenpogrom Antisemitismus zu nennen. Ihr Antisemitismus ist verpflichtet, seinen Namen abzulegen, denn ihr Antisemitismus kompromittiert den wahren Antisemitismus, den feinen, noblen, auf äußere Kulturformen bedachten, wie die „Reichspost" ihn, um dea geheiligten Namens „Antisemitismus" willen, angewendet sehen will. Der durch Streicher und Genossen kompromittierte Antisemitismus muß seinen Ehrenschild blankhalten ... o. r. Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreich«, Bezirksgruppe Landstraße, III., Landstraßer Hauptstraße ö, Mittwoch, 8.15 Uhr abends, Vortrag des Herrn Redakteur «^.«ä^ T^*:ii^ <^a. RUNDSCHAU Eine Legende ehtergreifung daß er es, er" geben e brutalste ei eigentlich er Saphe unter 'chweizer Konrad 'f Hitler-Das Zeit nc Biographie" die en Hitler. Im Kapitel achsenden Einfluß nicht blksmassen, denn die be Ines Erfolges ist: er sagt wirklich am Herzen Noch unmittelbar vor Hitlers herrschte in vielen Kreisen die Meinu zur Regierung gelangt, In der Judenf, werde. Als dann unter seiner R Judenverfolgung einsetzte, sagte nicht damit einverstanden und st dem Zwange seiner Umgebun Heiden zerstreut in seinem Buc alter der Verantwortungslos^ Legende vom gemäßigten Ant „Die beiden Hitler" schreibt „Streicher verdankt sei etwa seiner Beliebtheit bei de, sitzt er nicht. Das Geheimnis als einziger das, was H i 11 e liegt. Als die Franzosen schwarze Soldaten ins besetzte Rheinland legten, erklärte Hitler das so: ,Der Jude will schänden, darum wirft er am Rhein das deutsche Weib dem Neger hin.' In .Mein Hampf, sagte er, er glaube an die Echtheit der sogenannten »Protokolle der Weisen von Zion', also an eine auf der Hand liegende, längst nach gewiesene Fälschung. Im Frühjahr 1933 hat sich Hitler persönlich den Judenboykott ausgedacht; Goeb bels bezeugt es in seinem .Tagebuch': ,In der Nacht fahre ich nach Berchtesgaden, wohin der Führer mich gerufen hat. Er hat sich oben in der Einsamkeit der Berge die ganze Situation reiflich überlegt und ist nun zum Ent schluß gekommen. Wir müssen zu einem groß angelegten Boykott aller jüdischen Geschäfte in Deutschland schreiten. Pg. Streicher wird zum Leiter der Aktion ernannt.' Als Hitler Kanzler wurde und aus Rück sieht auf das Ausland das Gröbste für sich behalten mußte, wurde Streicher sein Sprecher.'" kislUL Der Lippenstift wie er sein soll kußfest — dauerhaft Der Jieden§tfaat war das Ziel In einem Vortrage vor der „Jewish Historical Society" in London berichtete Sir Herbert Samuel, welcher während des Krieges englischer Minister und dann erster Gouverneur von Palästina war, über die Entstehung des englischen Planes, Palästina den Juden zu geben. Herbert Samuel ist ein Gegner der Judenstaatsidee, aber aus seinen Mitteilungen geht hervor, daß von allem Anfang nur der Judenstaat als Lösung des jüdischen Problems in Betracht gezogen wurde. Nur der von Theodor Herzl ausgegebenen Parole ist es. zu danken, daß die Engländer die große Idee aufge griffen haben. Die historischen Ausführungen Herbert Samuels beweisen neuerlich, daß ohne Theodor Herzl und den von ihm geschaffenen Judenstaats- Zionismus es nie dazu gekommen wäre, das Palästina-Problem in Verbindung mit der Judenfrage überhaupt aufzurollen. Die Balfour-Deklaration und das Völkerbundmandat für Palästina wären ohne die Herzische Idee nie ans Licht der Welt gekommen. Weizmann, Sokolow und Usischkin, jetzt Führer der Zionistischen Organisation, haben seinerzeit die Forderung des jüdischen Volkes vor der Konferenz der Weltmächte erfolgreich vertreten. Sie sind heute von der Herzischen Judenstaatsidee abgerückt. Hätten sie damals nicht als Judenstaatler gesprochen, ihre Worte wären wirkungslos verronnen. * Auf Grund von Tagebuchaufzeichnungen berichtete Herbert Samuel in seinem Vortrage über eine Unterredung mit dem Außenminister Sir Edward Grey am 9. November 1914. Nach Beendigung des Krieges, sagte Samuel zu Grey, werde sich vielleicht die Möglichkeit einer Befriedigung der alten Ansprüche des jüdischen Volkes auf Palästina und der Wiederherstellung eines Judenstaates in diesem Lande ergeben. Samuel wies dabei auf das Interesse hin, welches das damals verbündete zaristische Rußland mit seiner starken jüdischen Bevölkerung an dieser Lö3ung haben könnte, und sprach die Erwartung aus," daß ein schöpferisches geistiges Zentrum in Palästina einen starken Einfluß auch auf jene Millionen des jüdischen Volkes haben werde, die, da Palästina zu klein sei, um alle zu fassen, weiterhin in der Zerstreuung leben würden. Diese Menschen seien intelligent und tatkräftig, ihre geistige Inspiration entstamme aber einer zu weit zui'ückliegenden Vergangenheit, nicht der Gegenwart und Zukunft. Dies sei zu wenig, um ein Volk zu erhalten. Wenn diese Menschen sehen würden, daß Leute ihrer Art Großes vollbringen, dann würde dadurch ihr Selbstvertrauen und damit ihr Wert für die Völker, unter denen 3ie leben, wachsen. Für die Ablösung privater Interessen, Bewässerung, Straßen, Elsenbahnen und die Anlage eines Hafens würden sicher die erforderlichen Mittel aufgebracht werden, wenn geeignete Menschen ins Land kämen und die Entstehung einer Bevölkerung aus Kleinhändlern verhindert würde. Sir Edward Grey antwortete, dieser Gedanke habe für ihn stets eine starke, gefühlsmäßige Anziehung gehabt. Er stimme dem Vorschlag zu und sei bereit, für seine Verwirklichung zu arbeiten, sobald die Gelegenheit dazu sich bieten würde. Man werde keinem Plan Frankreichs oder einer anderen Macht in bezug auf Syrien zu- , stimmen dürfen, falls ein solcher Plan unvereinbar wäre mit der Schaffung eines Judenstaates in Palästina. Die Frage, ob es notwendig sein werde, Syrien mit Palästina zu vereinigen, verneinte Herbert Samuel und fügte hinzu, dies wäre sogar unratsam, da Städte wie Beirut und Damaskus eine großa nichtjüdische Bevölkerung hätten, die nicht assimiliert werden könnte. Als wesentlich bezeichnete Herbert Samuel in seinem Gespräch mti Grey die Neutralisier u n g Palästinas sowie die Sicheiomg freien Zutritt« zu den heiligen Stätten für christliche Pilger. Er fügte hinzu, daß es sehr vorteilhaft wäre, wenn der übrige Teil Syriens an Frankreich fiele, damit der neus Staat an das Gebiet einer europäischen Macht und nicht an die Türkei grenze. Damals, drei Monate nach Kriegsausbruch, war die Idee eines Völkerbundes noetj nicht entstanden und die Schaffung eines Mandatssystems noch nicht in Betracht gezogen worden. Samuels Aufzeichnungen enden mit der Erwähnung einer Unterredung mit Lloyd George über denselben Gegenstand. Lloyd George hatte im Ministerrat über das künftige Palästina gesprochen und sagte zu Herbert Samuel, er wünsche sehr, daß in Palästina ein Judenstaat entstehe. Gegen Englands Teilnahme an der Berliner Olympiade Aus London: Das führende englische Blatt „Manchester Guardian" fordert Enlands Nichtteilnahme an der Berliner Olympiade, weil das Prinzip, daß alle Einwohner des Landes im sportlichen Wettbewerb gleichberechtigt sein sollen, von der deutschen Regierung in gröbster Weise verletzt worden ist. Die deutschen Juden haben gar keine Gelegenheit, mit anderen Sportlern in Wettbewerb zu treten. Alle Versprechungen der deutschen Repräsentanten beim International Olympic Committee, daß die jüdischen Olympia-Anwärter unbehindert trainieren können, haben sich als wertlos erwiesen, die jüdischen Sportler wurden aus den Sport-, Schwimm- und Ruderklubs ausgeschlossen. Wer nicht ins Exil gegangen ist, lebt ein Leben der Armut und der ständigen Angst vor Verfolgung, so daß für Sport weder Gelegenheit noch Neigung bestehen könne. Die öffentlichen Sportplätze und Bäder sind den jüdischen Sportlern verschlossen. Die Einladungen an die Weltmeisterin im Florett Helene Mayer und die Hochsprungmeisterin Fräulein Bergmann (Anm. d. Red.: Zwei ausgetretene Jüdinnen.), Deutschland auf der Olympiade mit zu vertreten, ergingen nur, um die amerikanische öffentliche Meinung zu täuschen. Außer diesen beiden ist kein Jude eingeladen worden. Ja man hat Tennisspiele aus dem Programm der Olympiade gestrichen; denn der beste Lawntennisspieler Deutschlands, Daniel Prenn, ist Jude und lebt als Emigrant in England. Gegen die Berliner Olympiade Aus Paris: Auf Veranlassung des Aktionskomitees gegen die Abhaltung der Olympischen Spiele in Berlin wurde einmSchreiben an das französische Olympia-Komitee gerichtet, das die Unterschrift des ehemaligen Ministers Senator Justin Godart trägt und in dem verlangt wird, daß die Olympischen Spiele 1936 nicht in Berlin stattfinden und daß keine französischen Sportler nach Garmisch und Berlin entsandt werden. Das Schreiben trägt weiters die Unterschriften folgender Persönlichkeiten: Exminister Pierre Cot, Abgeordneter Henry Torres, Radiologe Andre" Fery, Ex-Olympiamelster Blanchonnet und Cadine, P. Chayrlgues und A. Pizanti, Teilnehmer an den Olympia-Ausscheidungskämpfen. Am 7. und 8. Dezember findet in Paris eine Internationale Konferenz gegen die Abhaltung der Olympischen Spiele in Berlin statt. An dieser Konferenz nehmen Vertreter aller Länder teil, in denen ein „Fair-play"-Komitee besteht: Amerika, England, Schweiz, Belgien, Holland, Schweden, Frankreich usw. KINO*PROGRAMME KREUZ-KINO . I, Wollzeile 17 Telephon K-24-2-1Ö Vorstellungen: «, %«. 'At, ttIO GANGSTER Loretta Young * Ricardo Cortez * Franchot Tone ROTENTURM I, Fleischmarkt 1 Telephon R-29-1-59 Beginn: 4, V«t %10 Weit ohne Geld Du prelsgekiDnte KIIIG VIQOB-FILH SCHXFFER vi, MariahwmtraBe 37 Neues Programm Telephon B-20-203 ° Besinn: %», »«, »I, WO STAFA, VII Marlahllferatraflo 120 Telephon B-38-0-68 Wochentags: t, V, » Uhi VOTIVPARK IX, Währingerstraße 12 Telephon A-18-3-96 Beelnn: 4, %«, Vtt. V*10 Sturm Ober Gran (Mo Jack Holt Mona Pary

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