Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 519 (6.12.1935)
- Date
- 1935-12-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr, 519 vom 6. Dezember 1935 DIE NEUE WELT Seite 3 lieble Saat geht auf Der Fall Kareski Als die Abspaltung der Zionisten-Revisionisten von der Zionistischen Weltorganisation erfolgte, zeigte sich bei der heutigen zionistischen Majorität die Geneigtheit, die Sache zu bagatellisieren, ja, als Erleichterung hinzustellen. Die Minderheit hat davor gewarnt und vorausgesagt, daß ein häßlicher Kampf einsetzen wird, in welche/n Elemente auf beiden Seilen bemüht sein werden, sich bei der nichtjüdischen Ceffentlichkeit anzuklagen und zu verdächtigen. Ein giftiger Kampf ohne jede Rücksicht auf die Ehre des andern. Diese Voraussage hat sich leider allzubald erfüllt. Es hat bereits Verdächtigungen gegeben, so in der Frage der Haltung gewisser zionistischer Gruppen im englisch-italienischen Konflikt, in der arabischen Frage usw. Besonders typisch ist aber der Fall, der jetzt um die Person des früheren zionistischen Präsidenten der Berliner Judengemeinde, Direktor Georg K a r e s k i, entstanden ist. Vor einigen Wochen hat die Londoner Polizei einen Mann aufgegriffen, welcher beschuldigt wurde, im Dienste der Deutschen Geheimen Staatspolizei (Gestapo) Spionage und Bespitzelung deutscher Emigranten zu betreiben. Der Mann nannte sich Dr. Harry Beneber und gab vor, politischer Gründe wegen aus Deutschland geflüchtet zu sein. Ins Kreuzverhör genommen, gab er schließlich zu, im Dienste der Gestapo zu stehen. Um sein elendes Handwerk zu beschönigen, erzählte er, daß auch viele andere' deutsche Juden für die Gestapo arbeiten. Unter anderen, nannte er auch den Namen des in Berlin lebenden Direktors Georg Kareski. Wer ist Kareski? Jahrzehnte hindurch arbeitete dieser Mann selbstlos und aufopferungsvoll im Dienste des deutschen Zionismus. Er war Führer im großen Kampf um die von Liberalen und Reformjuden in antizionistischen und antinationalem Geiste geführte Großgemeinde und ihm war der Sturz dieses gewaltigsten Bollwerks des Antizionismus zu danken. Er wurde erster nationaler Gemeindepräsident und baute das Gemeindewerk in großzügigster Weise aus. Wer ist Beneber? Zuzeiten des Spartakus-Aufstandes tauchte er als „Staatssekretär" der kommunistischen Regierung in Braunschweig auf. Dann betätigte er sich als „Syndikus" des Verbandes der Ratenhändler in Essen und Gelsenkirchen. Wegen unsauberer Geldgebarung mußte er verschwinden. Dann gelang es ihm, eine Stelle als Spitzel für „jüdische Angelegenheiten" bei der preußischen Polizei zu erlangen. Als die Hakenkreuzler zur Macht gelangten, warfen sie ihn mit allen anderen Juden hinaus. Dann erinnerten sie sich, daß man für schmutzige Zwecke jüdische Spitzel auch gut brauchen kann, und Beneber wurde wieder in „Ehren" als Spion angestellt. Beneber als Zeuge gegen Kareski! Beneber kann reden, denn er steht unter dem Schutz der Gestapo. Kareski lebt in Berlin, also ist er den Hitler-Leuten auf Gnade und Ungnade preisgegeben und sie machen ihn stumm. Da geschieht das Unglaubliche: Nichtjüdische und jüdische, ja auch zionistische Zeitungen schenken dem jüdischen Gestapo-Spitzel Glauben und stellen Kareski an den Pranger. Es ist unschön, daß linksorientierte Zeitungen gerade jetzt mit ihrem wehrlosen Gegner Kareski abrechnen wollen. Aber es ist unerhört, daß zionistische Zeitungen auch in dieses Horn blasen, und offensichtlich darum, weil Kareski in scharfe Opposition gegen die zionistische Majorität gegangen ist. Kareski hat sich von der Zionistischen Weltorganisation losgesagt und ist zur „Neuen zionistischen Organisation" gegangen. Er hat damit einen Schritt getan, den wir vom zionistischen Standpunkt aus verurteilen. Er hat damit zionistische Schuld auf sich geladen, wie jene, welche die Spaltung gewünscht und gefordert, und wie jene, v/elche die Spaltung vollzogen haben. Aber ist er deswegen vogelfrei? Soll der jüdische Hitler-Mann, der sprechen und lügen darf und lügen muß, weil er dafür bezahlt ward, Recht behalten gegenüber dem alten jüdischen Kämpfer, der Jahrzehnte treuester Aufopferung hinter sich hat und schweigen muß? Zionistische Gegner Kareskis! Achtet sein Schweigen! Sonst seid i h r der Achtung nicht wert! r. st. Anspruchsvolle Starkbärtige, Empfindlich«, Eilige nehmen nur die sanft-scharfe „Ha§ muß anders werden" Die Vereinigung der deutschen Einwanderer in Palästina (Hitachduth Ole Germania) wird, wie wir bereits gemeldet haben, bei den bevorstehenden Gemeinderatswahlen in Tel - Aviv mit einer eigenen Liste kandidieren. Sic motiviert die Notwendigkeit dieses Wahlkampfes damit, daß die Stadtverwaltung Menschen mit sozialem Verständnis und modernem Empfinden für die Wchnungspolitik einer wachsenden Stadt brauche, und diese Männer fänden sich nur in den Kreisen der deutschen Einwanderer. Viele dieser erst kurze Zeit in Tel-Aviv lebenden Juden aus Hitler-Deutschland haben das, was sie in ihrer deutschen Umwelt bis zur Meisterschaft übten, nämlich die Assimilation, in Palästina leider vernachlässigt. Tel-Aviv wurde unter großen Mühen und Opfern aufgebaut. Das Tempo war so rasend, daß man bei vielen Aufgaben, die eine Stadtverwaltung zu erfüllen hat, nicht Schritt halten konnte, und infolgedessen sind tatsächlich gewisse Gebiete, wie soziale Fürsorge und Hygiene, vernachlässigt worden. Auch andere Disziplinen, beispielsweise Schulwesen, Straßenbau und vornehmlich ein den rapiden Zustrom dirigierendes Amt, lassen zu wünschen übrig. Aber diese Mängel berechtigen keinesfalls gewisse jüdische Emi- JLEtxyerdeji n.^aag. ßfeißert n möchte jeder. So schwierig es scheint, es ist dennoch leicht erreichbar durch ständige, sorgsame Körperpflege. Ein hervorragendes (Mittel für Massagen (Einreibungen), die mit verjüngender Kraft erfüllen, ebenso I wertvoll zur Mund- und Haarpflege ist .TOßtCRpA..,.....- ^iWV&^.W'/V, 'ivV. ,-. ■; V .; -j l/IANA FRANZBRANNTWEIN mifMENTHo ' ''^^ ■ >8ßßfffiWi\r? ■ rsiw^^^;>J granten aus Deutschland (die Palästina zu Lasten zurückgewiesener jüdischer Emigranten aus anderen Ländern bevorzugt aufgenommen und großzügig installiert hat) aus ihren Wünschen sozusagen einen Wahlschlager zu machen und der bisherigen Stadtverwaltung und dem verdienstvollen Bürgermeister Meir Dizengoff eine Art Mißtrauensvotum vor der jüdischen Oeffentlichkeit auszusprechen. Die Hitachduth Ole Germania verlangt nicht mehr und nicht weniger, als daß die Bürger von Tel-Aviv sich ihrer Hegemonie unterwerfen und eine Verwaltung installieren, die den Wünschen gewisser deutscher Neueinwanderer entspricht. Sie verlangt also, daß sich 120.000 jüdische Bewohner Tel-Avivs einer Gruppe deutscher Juden assimilieren, die noch kaum den Staub Berlins oder Münchens oder Breslaus von den Schuhen geschüttelt haben. Ja, die Hitachduth Ole Germania geht so weit, dem Tel- Aviver Stadtrat moralische Vorhalte zu machen, ihn an seine zionistische Pflicht gegenüber der Jewish Agency und der Knesseth Israel (Jüdische Gemeinschaft Palästinas) zu erinnern und sich selbst als die geeignete Gruppe zu bezeichnen, die jene obenerwähnten Aufgaben durchzuführen vermag. „Daamuß anders werden!" heißt es in einem Artikel der Hitachduth Ole Germania, worin sie die Aufstellung einer eigenen Kandidatur motiviert. Es ist notwendig, heute schon die Separationsbestrebungen einer gewissen deutschen Emigrantenclique abzuwehren — zumal sie nicht wünscht, sondern fordert! „Wir fordern" und immer wieder „Wir fordern" heißt es in ihren Aufrufen. Palästina ist ihnen nicht modern genug, aus Tel-Aviv möchten sie im Handumdrehen Berlin machen. Das darf nicht sein. Das, ja, das muß a n d e rs werden! Alierdings kann zur Beruhigung der erregten Tel-Aviver Bürgerschaft gesagt werden, daß es sich hier j bloß um eine bestimmte Gruppe deutscher Juden handelt, die sich eine Position in der Stadt Tel-Aviv usurpieren will; um eine Gruppe, mit der nicht alle Mitglieder der Hitachduth Ole Germania zusammengehen; mit einer Gruppe, die gerade das vernachlässigt, was vom zionistischen Standpunkt gefordert werden muß: Einordnung und palästinensische Solidarität. Her M \:}-/ zur Schönheit! wmmmmmmmmmmmmm FLATSKIN-ELEKTRO-VIBRATIONSMASSAGE verleiht zarten, rosigen Teint, Jugendlichkeit und Formenschönheit des Körpers, Wenige Minuten täglich FLATSKIN-VIBRATIONS- MASSAGE spenden Lebensfreude, geistige und körperliche Leistungsfähigkeit. Beste Heilwirkung bei Funktionsstörungen. FLATSKIN macht juris, schlank und gesund Verlangen Sie den ausführlichen illustrierten Prospekt über die vielen AnwendungsmöglichkeHen dieses kleinen technischen Wunders und Bezugsquellennachweis kostenlos durch Generalvertretung August Vi'nciquerra & Co«/ Oes» m* h. H» Wien VI, Dreihufeisengasse Nr. 11, leiephon A-33-3-34 Ceneralve rtretung für Palästina * I. Sealtiel,Tel-Aviii, P.B»950 Vohryzek und Klima Bedingte Liebe In der Prager Zeitung „Die Brücke" wirft der tschechischnationale Jude Leo Vohryzek die Frage aur, ob es einen tschechischen Antisemitismus gibt. Er kommt zur Antwort: Nein. Er schreibt: .....wohl gibt es auch einzelne Individuen unter den Tschechen, welchen Streichers Lorbeeren erstrebenswert erscheinen, aber das sind Ausnahmen, welcho die Regel bestätigen. Aber diese Ausnahmen würden verschwinden, wenn die Juden sich einigermaßen dem Staatsvolk anpassen, weniger durch laute deutsche Konversation provozieren, bei Wahlen ihre Stimmen weder den chauvinistischen deutschen Parteien, noch denjenigen, die ein neues jüdisches Ghetto freiwillig schaffen wollen (Aura, der Red.: Gemeint sind die Zionisten!), sondern der oder jener tschechischen freiheitlichen und fortschrittlichen Partei geben würden. Einen solennen Beweis der tschechischen religiösen Toleranz lieferte das Begräbnis des vor kurzem verstorbenen großen Baßbuffo des Nationaltheaters Emil Poliert. Drei Stunden defilierte das christliche Publikum am Katafalk dieses jüdischen Künstlers im Vestibül des Nationaltheaters vorüber, und das dichtgedrängte Publikum im Krematorium schluchzte im Chor, als Mirko Storck seinem besten Freunde ein biblisches Lied von Dvorak zum Abschied sang." „Ein Unterschied zwischen Jud und Christ wird nirgends gemacht. Wieviel Regierungen haben wir seit dem Umsturz gehabt, in denen nicht ein oder sogar zwei Juden Minister gewesen wären? Auch die höchsten Beamtenstellen sind Juden zugänglich. (Minister Friedmann, der verstorbene Chef der Presseabteilung des Ministerpräsidiums Bloch, Generalkonsul in Paris Dr. Butter, Präsident der Sozialversicherungsanstalt Prof. Schoenbaum u. v. a.)- »liii IN sffiENlö Bei der am 28. Oktober stattgefundenen Festversammlung des Nationaltheaters hielt Präsident Professor Nemec einen Nachruf allen verstorbenen Mitgliedern desselben. Alle Namen las er ohne Sonderbemerkung vor, nur beim Namen Dr. Jindrich Kohn sagte er: „der weise, feinfühlige Philosoph Dr. Kohn". Eine Kleinigkeit, aber charakteristisch. Viele sind in den Redaktionen tschechischer Blätter tätig." Also alles dürfen die Juden sein, deutschfreiheitlich, deutschsozialistisch, tschechischsozialistisch und kommunistisch, nur nicht zionistisch. Dann gibt es einen jüdischen Himmel auf tschechischer Erde. Herr Leo Vohryzek ist von schönster Zuversicht erfüllt und stellt nur eine Bedingung: Weg mit dem Zionismus! . . . Wie noch erinnerlich, haben die nationaldeutschen Juden und die vom Zentralverein der Deutschen mosaischen Glaubens in Deutschland 'vor Hitler die gleiche Bedingung gestellt und waren von schönster Zuversicht erfüllt, wie Herr Leo Vohryzek. Der Zufall wollte es, daß in derselben Woche auch von tschechischer Seite über Antisemitismus geschrieben und für die Liebe zu den Juden auch eine Bedingung erstellt wurde. Ein sehr, sehr maßgebender Mann hat es getan, der Chefredakteur des Blattes des gegenwärtigen Außenministers und künftigen Präsidenten Dr. Benesch, Herr K. Klima vom „Ceske slovo". Er sagt in einem Artikel: „In Zelten eines Hitler und eines Streicher schreibt man nicht gerne über jüdische Themen. . . . Wür sind diejenigen Juden lieb, bei denen mir nicht bewußt wird, daS si« Juden s i u d oder fliehe» fr^ deue« ich schotl