Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 519 (6.12.1935)
- Date
- 1935-12-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2711613-2712049-2712143--5475-2719098- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 519 vom 6. Dezember 1935 Geheimnis um den Tod einer jüdischen Familie Aus Prag- (,T. T. Ä.): Die Berliner ,, Jüdische Rund- Schau" bringt folgende Traueranzeige, hinter der sich eine Tragödie verbirgt, über die man offenbar nicht belichten darf: ..Durch ein tragisches Geschick wurden uns plötzlich unsere lieben Verwandten. Herr Siegfried D e f r i e s, Frau Paula D ef ries geb. Chnen, und Margot D e f r i e s. durch den Tod entrissen. In tiefer Trauer. Die Anverwandten. Duisburg-Laar, den 23. November 1935 " — Siegfried Defries war zweiter Vorsitzender der Jüdischen G e m e i n d e Duisburg- Ruhrort. Nach Amerika l'li!!!!:1!!!!!!!!!!::!!!:!!!!:!!!!'!!!:!!!;^!!!!;;;!!!!^ mit Koscher-Küche § auf den Dampfern 1 ________ WÄ« _ | „QUEEN MARY" . . . 1. Abfahrt 27. MAI 1936 1 S „GEORG!«".................11. Dezember 1935 I .,MAJESTIC"...............17. Dezenvei 1935 „FRANCONIA"..............27. Dezember 1935 H „BERENGARIA"................l. Jänner I9i6 | | CUNARO WHITE STAR LTD. | VVIENI KÄRNTNERRlNO4,TFL.U-42-0-43.U-46-2-4S j f!il,!!!i!!i;:N!|!i!:il;!!lii!i;!!^!!n^ Juden, Zigeuner und Neger Aus Berlin: In der ..Deutschen Juristen-Zeitung" gibt auch Reichsinnenminister Dr. F r i c k einen Kommentar zu den Judengesetzen und erklärt, es werde in Deutschland drei Arten von Bürgern geben: 1. Vollgültige Reichsbürger, 2. Mischlinge mit einem oder zwei jüdischen Großelternteilen als Reichsbürger minderen Rechts, 3. ..Staatsangehörige", die sich aus „Angehörigen anderer Rassen, deren Blut dem deutschen Blut nicht artverwandt ist, z. B. Juden, Zigeuner und Neger", zusammensetzen. Dem deutschen Blut, sagte Dr. Frick weiter, könne unbedenklich auch das Blut derjenigen Völker gleichgestellt werden, deren rassische Zusammensetzung dem deutschen verwandt ist. Das sei durchwegs beid en geschlossen in Europa siedelnden- Völkern der Fall. Reichsbürger können daher auch die Angehörigen der in Deutschland wohnenden Minderheiten, z. B. Polen, Dänen usw., werden. Ue&sian tsksiein - Srnntemp Pensionspreis bei Mindestaufenthalt von 3 Tagen S 10. inklusive Abgaben Aushungern! Aus Paris meldet der Korrespondent des Wiener „Telegraf": „Hier liegen Meldungen vor, wonach die J u d e n in Berlin vom Bezug jener Lebensmittel, in denen Knappheit herrscht, immer mehr a u s g eschlogüen werden. Auch das rechtsstehende „Echo de Paris", welches bisher auf die deutsche Juden frage kaum eingegangen ist, gibt von dieser Tatsache Kenntnis. In Berlin besteht ein System privater Butterkarten, welches in der Weise gehandhabt wird, daß die Kaufleute eigene Kundenlisten anlegen und nur an jene Personen Butter oder Margarine verkaufen, die sich in der Kunden- Iiste befinden. In den letzten Wochen hat eine SA. - Agitation eingesetzt, welche die Kaufleute nötigte, beim Butterverkauf z uerst d i e Arier zu berücksichtigen. Da die meisten Kaufleute nicht in der Lage sind, auch nur alle arischen Kunden zu berücksichtigen, so ist in der letzten Zeit Butter an Nichtarier fast gar nicht verabreicht worden. Die gleiche Praxis beginnt auch beim FI ei sch¬ und Fettverkauf einzureißen, wo ebenfalls Mangel herrscht. Da die Mehrzahl der Berliner Juden wirtschaftlich vollkommen verelendet ist, sind sie nicht in der Lage, sich Butter, Fleisch oder Fett im S c h 1 e i c tili an.de 1 zu verschaffen, der seit Wochen eine immer größere Ausdehnung erlangt hat. Nachdem der nationalsozialistische Terror die Juden in den deutschen Dörfern und kleinen Städten durch Lebensmittelverweigerung und Bedrohung ihrer persönlichen Sicherheit zur Abwanderung in die großen Städte gezwungen hat, wird jetzt auch dort ihre Lage zu einer unvorstellbaren Pein. Ein grundsätzliches Urteil Aus Warschau: Ein Warschauer Gericht hatte über die Klage einer reichsdeutschen Verlagsbuchhandlung gegen den Warschauer jüdischen Arzt Dr. Lastman.n zu entscheiden, der folgendes zugrunde lag: Dr. Lastmann bestellte vor Jahren bei der Buchhandlung das 20bändige Brockhaus-Lexikon und bezahlte die ausbedungenen Monatsraten zu je fiO Zloty regelmäßig. Als nach dem Machtantritt Hitlers die Nationalsozialisten Cafe Weghuber (Hinter dem Deutschen Volkstheater) Beginn Va9 Uhr abends Kapelle Isy Geiger Jeden Samstag, Sonn- und Feiertag: Konzert, Tanz und Stimmungsmusik Musikschutz 60 Or. dazu übergingen, auch die wissenschaftlichen Ausgaben zu kontrollieren und die neueren Brockhaus-Bände eine nationalsozialistische Färbung anzunehmen begannen, verbat sich Lastmann die weiteren Sendungen und stellte die monatlichen Zahlungen ein. Vor Gericht motivierte Lastmann sein Vorgehen damit, daß jetzt alle unvoreingenommenen deutschen Gelehrten entweder vertrieben oder nach den Konzentrationslagern verschleppt wurden, das Lexikon habe daher für ihn jeden wissenschaftlichen Wert verloren. Das Gericht schloß sich der Auffassung Dr. Lastmanns an und wies die Klage der deutschen Buchhandlung a b. Streicher zu Ehren ♦ ♦ ♦ Totgepriigelt Der ,,Manchester Guardian" bringt Berichte über die entsetzlichen Folterungen politischer Gefangener in Hitler-Deutschland. Darunter folgenden: „In Bremen war der Terror in den ersten zwei Jahren der Hitler-Herrschaft noch vehältnismäßig mild, aber in diesem Herbst ist es dort ebenso schlimm Wie anderswo geworden. Im September wurde ein H a f e na r b e i t e r belauscht, als er sagte, Streicher würde die Juden nicht so hassen, wenn er nicht selbst Jude wäre. Der Mann wurde verhaftet und bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen. Man mußte ihn ins Krankenhaus schaffen, wo er nach drei Tagen star b." Erguß eines deutschen Jungen In der letzten Nummer bringt der „Stürmer" ein Gedicht eines 13jährigen Schuljungen, welches dieser in der Geschichtsstunde in höchster Begeisterung geschrieben und eingesendet hat. Es ist dem Judenvernichter, Gauleiter von Franken und „Stürmer"-Herausgeber Julius Streicher gewidmet. Es lautet: Der Jud Der Jude ist ein übles G'schlecht, Er kämpfte gegen Deutschlands Recht. Durch Schiebung machte er sich gleich Zum Millionär und furchtbar reich. . Den Arbeiter hat er .betrogen,- Dem Deutschen Reich, das. Geld entzogen, Er wollte Deutschland niederringen, Ihm den Kommunismus auferzwingen. Doch der Jud, er. kam nicht;-.weit, Obwohl er brachte sehr viel Leid, Denn als der Deutsche ihn erkannt, Hat er sich vno ihm angewandt. Da erstand im Volk ein Held, Dieser erkannte, den-Feind der Welt, Es. war der G.a u 1 e:i t er. de r Franken. Wir müssen ihm herzlich danken. :Er verfolgte den feigen. Jud. 1 Mit seinem fremden Teufelsblut, Er warf ihn hinaus aus Deutschlands Gauen, Weil er g e s c h ä n "d e"f d e u t s c h e F r.a u e n... Hit der „Czernowitzer Allgemeinen Zeitung" äSw PolenuCzernowitz am 22. Dezember und 2. Jänner. Rückfahrt 5. Jänner. Auskünfte: Oest. Verkehrsbüro, Reisebüro Orbis und Reisebüro Marienbrücke WatUekSfUefd Für die Wiener „Itavag" Am 23. November hielt Leib Jaffe, Direktor des Keren Hajessod (Jerusalem), im polnischen Rundfunk eine hebräische Ansprache über Palästina, die vom Leiter des. polnischen Keren Hajessod ins Polnische übersetzt wurde. DU: Rede wurde auf alle polnischen Stationen übertragen. In Warschau stellten die Radiogeschäfte auf den Straßen Lautsprecher auf. In den Kaffeehäusern und Restaurants — auch außerhalb der judischen Stadtviertel — waren ebenfalls Lautsprecher aufnesteln. Meldung aus Warschau, 1935. * Der italienische Sender in Bari sandte in den letzten Tagen eine Rede in hebräischer Spruche, in der die Annehmlichkeiten der Touristik in Sizilien, die Vorzüge den Hafens von Triest und die Bequemlichkeit der italienischen Schiffe gerühmt wurden. Der Redner sprach ein sehr reines und gutes Hebräisch. Nein und la ../■„Ist der Engländer antisemitisch? Diese E'mge ist mit nein und mit ja zu beantworten. Mit H<? i '»> wenn man an den ralnaten kontinentalen Radauantisemiten denkt und mit ja, wenn man darunter eine ge- JU OENSTA ATSJUC EN D Samstag, den 7. Dezember 1935, in den Festsälen des Hotel Coniinental, II, Taborstraße 4 Jazz: Max und isi Geiger , Mitternachts ak ad e m i e: Sevilla Pastor, Max Lichtegg, Viktor Claudius, die jugendliche Pianistin Lilly Halpain und Heini Goldan auf 2 Klavieren). Cäcilie Frey u. lolan Krauß. Beginn: xjS Uhr abends. Karten ä S 2.— in allen Sektionsheimen der Judenstaatspartei erhaltlich Ge§ell§chaftsabend wisse instinktive oder unbewußte Ablehnung des Jüdischen als etwas Fremden verstehen ivill. Der Engländer ist von der Supcriorität seiner Nation vollkommen über' zeugt. Das sind nun viele andere Völker auch, aber wällrend der Franzose oder Italiener auf die besonderen Vorzüge seines Volkes offen und mit einer gewissen, Beredsamkeit hinweisen wird, ist der Engländer nicht nur von seiner Supcriorität, sondern merkwürdigeriveise auch davon felsenfest überzeugt, daß auch die ganze übrige Welt diese Ucberlegenhcit des englischen Volkes blind anerkennt." Dr. Wilhelm Ebenstein (London), Nov. 1935. Emigranten m Paris „Kennt ihr das Asyl in der Ruc Lamarck, wo jüdische Freigebigkeit, ohne nach Rasse oder Staatsangehörigkeit der Hungernden zu fragen, Tag für Tag sechshundert Mahlzeiten verabreicht und auch Unterkunft bietet denen, die keine haben?'' Madeleinc Paz, „Land der Zuflucht", 1935. Hebräisch in Amerika „Die Zahl der hebräischen Schulen in Amerika ist ungeachtet der schweren finanziellen Lage in den letzten Jahren nicht geringer geworden, im Gegenteil, sie wuchs in jedem Jahr. Zurzeit werden etwa 200.000 jüdische Kinder in rein hebräischen Schulen erzogen, wobei die Opferwilligkeit und Hingabe der hebräischen Lehrer hcrcorc*>hoben iverden muß." Dr. S. Kaleko, Nov. 1935. Wir werden es überdauern! „Leider gibt es auch heute alte Parteigenossen, die glaubten, die Ju den frage sei bereits gelöst. Dies hat vor kurzem ein stellvertretender Gauleiter im Westen des Reiches gesagt. Diesen Leuten, die die Entwicklung immer noch nicht ganz begriffen hätten, muß man zurufen, daß der Jude seine Hoffnung noch nicht aufgegeben hat, das Reich Adolf Hitlers zu. überdauern." Julius Streicher, Rede, 1935. Kommunismus und Judentum „Uns scheint es wichtig, diese Tatsache hier besonders hervorzuheben, da bezüglich der Lage des nationalen Judentums in der Sowjetunion mir zu oft in den vichtkommunistischen Ländern falsche Vorstellungen bestehen. Aus der Tatsache, daß zu den führenden Kommunisten in Moskau verhältnismäßig viele Elemente Sic Der Lippenstift wie er sein soll kußfest — dauerhaft jüdischer Abstammung gehören: Litwinow, Sokolnikoff, Kaganoioitsch und andere mehr, loird die Schlußfolgerung gezogen, daß auch das religiöse und nationale Judenttim sich in diesem Lande in einer besonders günstigen Lage befinde. Hier liegt ein Verkennen der wahren Lage vor. Die jüdischen Kommunisten stehen grundsätzlich auf dem Standpunkt t daß alle Acußerungcn des jüdischen Volkstums und des jüdischen Glaubens, somit alles, was der großen Anzahl der nationalen Juden in der Ukraine, in Weißrußland usw. heilig ist, bekämpft und ausgemerzt werden muß." Ewald Amende in „Nation und Staat", Wien, 1935. Arabische Gruppen und Parlament „Die Gruppe des Mufti, des Nashashibi, des Chaldi, sind die arabischen Hauptgruppen in Pulästina. Eine weitere sehr wichtige Erscheinung sind die arabischen Terrorgruppen. Eine ganze Reihe von Terroraktionen wurde von diesen Gruppen durchgeführt. Allerdings ist hier noch nicht die Kraft erwähnt', die letzten Endes die englische Kraft ist. Man kann es ruhig aussprecJien, daß der eigentliche Führer dieser Gruppen kein anderer als der High CommAssioner Sir Arthur Wanchope ist. Er könnte alle diese Gruppen ohne Zweifel nötigen, er bestimmt das Tempo, die Schlagkraft, die Intensität ihrer Auseinanderseztung. Und es ist nicht ausgeschlossen, daß jetzt einer der Beweggründe zur Schaffung des Gesetzgebenden Rates darin zu suchen i*t, daß man keine selbständigen Vertreter der Araber Palästinas aufkommen lassen, sondern eine solche Vertretern in einem staatlichen Organ schaffen will, in dem alle arabischen Führer zusammen mit den Juden unter dem Vorsitz des High Commissioner sitzen werden und darnit endgültig die Voraussetzung dafür gegeben ist, daß die Leitung der arabischen Politik entscheidend in der Hand des britischen High Commissioner liegt." J. Ben Aharon, Z. V. f. D. Blätter, 1935. Soziale Schidituug Palästina „Heute arbeiten vom gesamten Jischuw noch nicht ganze 20 Prozent in der L and ioir t s o h a f t. Um aber eine gesunde Proportion zu erreichen und %insere Ernährung durch eigene Agrarpodukle auch in Krisenzeiten z% sichern, müßten es mindestens 3.1 Prozent .sein/' Dr. J. Adler (Tel-Aviv).