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Die neue Welt · 1935-12-06 · Heft 519 (6.12.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 519 (6.12.1935)
Date
1935-12-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Jahrgang 9 Freitag, den 6* De Nr« 519 V« b. »♦ Zeitung vom Verleger versendet .Journal expedie par l'ßditeur" V u BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig ö 4.—. ganzjährig S 16.—; Polen monaUtch Zloty 1.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion n. Verwaltung: IX, Universitä'sstr. 8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Diens'ag u. Freitag Wohin mit den Flüchtlingen? Aus Genf: Der Referent der Zionistischen Exekutive, Dr. Arthur R u p p i n, der nach einer Studienreise durch Südamerika nach Genf gekommen ist, um der Expertenkommission des Völkerbundes seine Pläne in bezug auf Seßhaftmachung von Juden aus Deutschland vorzulegen, erklärte einem Vertreter der J. T. A.: Ich habe die wirtschaftlichen und kolonisatorischen Probleme in Argentinien, Brasilien und Chile studiert. Diese Länder sind reich an Naturschätzen, die bisher erst in geringem Ausmaß erschlossen sind. Vielversprechend sind auch die Aussichten in der Landwirtschaft. * Wenn auch diese Länder zurzeit faktisch für die Einwanderung verschlossen sind, so besteht doch Grund zu der Annahme, daß die Beschränkungen allmählich mit fortschreitender wirtschaftlicher Gesundung werden aufgehoben werden. Die Juden aus Deutschland, von denen einige tausend sich bereits in diesen Ländern niedergelassen haben, passen sich den Lebensverhältnissen ziemlich leicht an. Die in den südamerikanischen Ländern lebenden Juden polnischer und anderer Herkunft sind ebenfalls mit ihrem gegenwärtigen Schicksal z u f r i c d cn,. Aus Genf: Der Generalsekretär des Nansen- Amtes, Major T. F. Johnson, teilte der Expertenkommission mit, daß das Nansen-Amt jüdischen Flüchtlingen aus,dem Saarland dazu verhilft, sich in Bra.sil'ien und Paraguay seßhaft'zu machen;, zu diesem Zweck« habe das Nansen-Amt einen: besonderen Kommissär nach den südamerikanischen Ländern delegiert. Etwa. 8000 Saar-Flüchtlinge, Juden und Nichtjuden, wurden bereits mit Nansen-Pässen versehen. Aus Genf: Am Freitag, den 29. November, wurden von der Expertenkommission des Völkerbundes zum Studium der FYage der deutschen Flüchtlinge die Vertreter der „Arbeitsgemeinschaft der deutschen Emigration in Frankreich" vernommen, unter ihnen der Dichter Heinrich Mann und der bekannte Politiker und Gelehrte Professor Dr. Georg Bernhard, früher Chefredakteur der „Vossischen Zeitung" in Berlin, jetzt Chefredakteur des „Pariser Tageblatt". Prof. Dr. Georg Bernhard formulierte zum Schluß die folgenden Forderungen: 1. Der Völkerbund möge unverzüglich das Paß problcm der Flüchtlinge' in der Weise erledigen, daß unter seiner Aegide den Flüchtlingen international anzuerkennende Dokumente ausgefolgt werden. 2. Der Völkerbund sichere allen Flüchtlingen in den verschiedenen Ländern ein Asylrecht. 3. Bei Ausweisungen von Emigranten soll diesen Rechtshilfe gewährt werden, und zwar im Wege eines ordentlichen Verfahrens, das Berufung und Verteidigung vorsieht. 4. Der Völkerbund sichere in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Arbeitsamt den Flüchtlingen das Recht auf Arbeit in jenen Ländern, in denen sie sich jetzt aufhalten. 5. Die schon bestehenden .Wohlfahrtseinrichtungen für Flüchtlinge, namentlich diejenigen für Kinder und Jugendliche, sollen weiter ausgebaut werden, 6. Erschließung neuer Einwanderungsmöglichkeiten in Ländern, die den Flüchtlingen jetzt noch verschlossen sind. Aus Berlin: Im „Schild", der Zeitschrift dea Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, wird über einen Antrag berichtet, den der Bundesvorsitzende des R. j. F. am 1. November an die Reichsvertretung der Juden in Deutschland gestellt hat. In ihm wird dafür eingetreten, daß mit tunlichster Beschleunigung ein zentrales Auswanderungsamt geschaffen werde, das in gleicher Weise wie das Palästina-Amt für Palästina die Auswanderung nach anderen Ländern bearbeitet und als von den Behörden autorisierte und von jüdischer Seite mit entsprechender Vollmacht ausgerüstete Stelle alle mit einer solchen Auswanderung zusammenhängenden Fragen regeln soll. Bei dieser Organisation müsse dem „Hilfsverein" eine wichtige Stellung eingeräumt werden. Diese Auswanderungsstelle müßte, ähnlich wie das Palästina-Amt für die deutsche Palästina- Auswanderung, in weit stärkerem Maße als bisher die Sorge für die Auswanderung für das übrige Ausland Übernehmen. 50 Projekte Aus Genf; Die Vernehmung der Vertreter j ü <H" scher Organisationen durch die Expertenkommission des VöiHerbundes für die Regelung der Auswandererfürsorge wurde am 2. Dezember mit den Darlegungen des Generaldirektors der J. C. A., Louis Oungre, abge-r schlössen.1 Vqt Kommission, die ihre Arbeiten am 5. Dezember abzuschließen gedenkt und bis dahin noch eine Reihe niohtjüdlscher Fachleute anhören will, liegen aunmebr <S 0 F r o j e k t e zur Bearbeitung vor. Katholischer Protest Gegen die Berliner Olympiade Wir haben über die Haltung des Präsidenten des all-amerikanischen Olympischen Komitees, Avery Brundaye, berichtet welcher in ungemein heftiger Weise gegen die Bestrebungen nach Verlegung der Olympiade 1936 von Berlin Stellung nimmt und sie als Resultat einer von jüdischen Geschäft emachern und Kommunisten arrangierten Hetze bezeichnet. Der Herausgeber der großen katholischen Zeitung „Common wealth", George N. Shuster, bezeichnet das Vorgehen Brundayes als Verleumdung im Dienste Hitlers und schreibt: „Katholiken, welche zür Olympiade nach Berlin gehen, helfen nur Hitler in seinem Kampfe gegen das Christentum. Kein guter Christ darf seinen Namen und seine sportlichen Talente für die Olympischen Spiele hingeben, wenn die Spiele in B e r- %\& 2öcin n t di t £ ü it [t Ii cfi c 2'ß äffe r. fonbern ffireblauer SaucrBtunn Iin abgehalten'werden. Im Gegenteil. Er ist verpflichtet, mit all seinen Kräften dahin zu wirken, daß die Olympiade von Berlin verlegt wird. Spiele in Deutschland sind keine rein sportlichen Darbietungen. Sie werden sicher in eine D e.m onstration für den Nationalsozialismus und Verherrlichung Adolf Hitlers verwandelt werden. Hier handelt es sich nicht nur um den schrecklichen und sadistischen Haß Hitlers gegen die katholische Kirche im besonderen und gegen das Christentum im allgemeinen. Hier handelt es sich nicht nur um die vielen Katholiken, welche in die Konzentrationslager verschleppt oder ins Exil gejagt wurden, nicht um die vielen kaltblütig erschlagenen Opfer. Hier geht es um mehr. Wenn die amerikanischen Katholiken nicht gegen die Abhaltung der Olympiade in Deutschland kämpfen werden, dann wird man sie überall beschuldigen, daß sie Hitlers antichristliches Programm und die Erziehung der deutschen Jugend im Sinne dieses Programmes fördern." Makkabi. und Oüympiade Aus Jerusalem: Die Landeskonferenz des palästinensischen Makkabi sprach sich einmütig und entschieden gegen eine Teilnahme jüdischer Sportler an der Berliner Olympiade 1936 aus und forderte die Weltexekutive des Makkabi auf, an die Regierungen aller Länder zu appellieren, daß keinerlei Druck auf jüdische Sportler für eine Beteiligung an der Olympiade in Nazi- Deutschland ausgeübt werde. . Olympiade-Direktor gegen die Berliner Olympiade Aus; New York (J. T. A.): Der Direktor der Olympiade in Los Angeles 1932, Zack Farmer, erklärte Vertretern der Presse, er sei gegen die Abhaltung der nächsten Olympiade in Berlin, weil „die Hitler- Regierung die wahre olympische Doktrin verletzt hat". „Ich selbst", sagte Zack Farmer, „werde den Berliner Spielen, falls sie stattfinden, nicht beiwohnen, weil ich der Meinung bin, daß die Spiele in einer un-olympischen Atmosphäre und unter un-olympischen Bedingungen vor sich gehen werden." Vierzig Präsidenten amerikanischer Colleges und .Universitäten aus 27 Staaten forderten in einem gemeinsamen Schreiben an die American Athletic Amateur Union und an das American Olympic Committee das Fern- .bleiben der Vereinigten Staaten von den internationalen Olympischen Spielen 1936, falls diese in Berlin stattfinden sollten. fik {eden leftjätM&u£&i vm feößi&s l»ittdi#kit! Um wirklich weniß üeld sind jetzt uie schönsten u. prachtvollsten echten Perserteppiche (gesunde, ausgesuci t< Qualitätsware) bei uus zu haben. Behann reelle Bedienung, Gelegenheitskäufe u-ZahuingserleichterunRen türjedermann PERSER- U. ORIENTTEPPiCNE 3. CailSa, I« Parkring 12 Eingang Woihburggasse, Üartenbau-Obj. REISEN nach POLIN und PALÄSTINA Auskünfte bei Dr. S. TOCKER, IX Liechtensteinslraße Nr. 2, Telephon A-14-504 (Reisebüro „In die Welt", W. M. Renner) t> Hakenkreiizfahne in TebAvw „Man muß sich beherrschen" Aus Tel-Aviv wird gemeldet: Der-Tel-Aviver Bürgermeister Dizengoff hat in der hebräipehen Presse einen Aufruf veröffentlicht, der lautet: ^Dringende Warnung!" Am ß. November, als die Frauen des deutschen Generalkonsuls von Jerusalem und des deutschen Konsuls von «lall'a, in einem Auto neben dem Kasino „Gaü Aviv" spazierenfuhren, haben einige jüdische Chauffeure, welche hier gerade anwesend waren, die rcichsdeutsche Fahne vom Auto des Konsuls heruntergerissen und den Chauffeur des Autos beleidigt. Ich verstehe die Gefühle dieser Menschen, aber ich muß das Publikum darauf aufmerksam machen, daß wir durch dergleichen Handlungen den Eindruck erwecken, uns nicht beherrschen zu können. Die Ehre der Stadt T e 1- A v i v erfordert, daß sich jeder, der herkommt, vor jedem Ueberfall auch ohne polizeiliche Bewachung geschützt fühle. Ich ersuche das ganze Publikum, es möge seine Gefühle beherrschen und sich nicht die geringsten Angriffe gegen irgendwen, insbesondere gegen Fremde, Gäste und Touristen erlauben, weil solche Handlungen geeignet sind, unseren guten Namen in der Welt herabzusetzen." Es est gelungen Aus Berlin: Vor der Vertreterversannw.ung der Deutschen Presse in Köln erklärte der Leiter des Reichsverbandes der Deutschen Presse, Hauptmann Weiß: „Mindestens 1300 jüdische Journalisten sind räch der nationalsozialistischen Revolution ausgeschalte', worden. Da das Schriftleitergesetz und das Berufsbuumtengesotz unter bestimmten Voraussetzungen auch n i c h t a r is c h e Journalisten, vor allem solche, die Kriegsteilnehmer waren, noch zuließ, so wurden in einigen Zeitungsbetrieben da und dort in beschränktem Umfang auch noch jüdische Journalisten und Mitarbeiter für die Uebergangszeit beschäftigt. Es war Aufgabe des vergangenen Jahres, dafür zu sorgen, daß die Beschäftigung von nichtarischen Schriftleitern mit der Zeit ganz aufhört. Das ist gelungen. Heute sind in der deutschen Presse Juden überhaupt nicht mehr a?s Schriftleiter tätig." Keine neue Buchhaltung anlegen vor Kenntnis unserer interessanten letzten Neuerungen! / Vollständige Ein; * gn n RUF- BUCHHALTUNG S 50.— an WIEN I, SCHOTTINOASSE 10, TELEPHON A«17»3»77, A-17-W7 Vertretungen in allen giÖUeren Städ'en

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