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Die neue Welt · 1935-12-03 · Heft 518 (3.12.1935) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 518 (3.12.1935)
Date
1935-12-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. fm DIE NEUE WELT Seite 8 Wohin soll das führen? Die Berliner „Jüdische Rundschau" bringt folgende Nachricht aus Palästina: „Wie uns die Hitnchdiith Cfle Germania (Vereinigung der Einwanderer aus Deutschland) in Tel-Aviv mitteilt, hat sie sieh entschlossen, bei den "Wahlen zur Stadtgemeinde Tel-Aviv, die am 15. Dezember stattfinden, mit einer e i g e neu Liste in den Wahl- Iiampf einzutreten. Listenfiihrer ist Rechtsanwalt Felix Kosenblüth." Das Berliner Zionistenblatt findet es begreiflich, daß die deutsche Gruppe, welche, gleiche Interessen hat, bei der Wahl einer „Verwaltung, die in unzählige Angelegenheiten des täglichen Lebens tief eingreift", trotz verschiedener parteimäßiger Einstellung als s e 1 b- & t ä n d i g e Gruppe auftritt und hofft, daß bei „den E i n- Wanderern aus Deutschland" die von einem ehemaligen Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland geführte Liste großes Interesse finden wird. Gute Zionisten müssen — im Gegensatz zur „Jüdischen Rundschau" — hoffen, daß diese Liste nur A b- 1 e h n u n g finden und so bald als möglich verschwinden wird, denn sie ist geeignet, auf die palästinensische Judenheit zersetzend zu wirken. Wohin soll es führen, wenn morgen die polnischen, dann die russischen und die persischen und tschechischen Juden daraufkommen werden, daß sie eigene und andere Interessen haben als ihre zionistischen Mitbürger? Dann wird es wohl nie zu einer nationalen Gemeinschaft, zu einem Judenstaat kommen, sondern zu einer Zusammenballung widerstreitender Ghettomenschen ohne jedes nationale Ziel, die sich um „spezielle" Interessen herumschlagen, wie zu Hause, wo der „Deutsche" den „Polnischen" und der „Magyarische" den „Galizischcn' und „Mährischen" bekämpft hat. Viele deutsche Einwanderer beklagen sich darüber, und vielleicht nicht ganz unberechtigt, daß man ihnen von mancher Seite in Palästina nicht mit voraussetzungsloser, brüderlicher Freundschaft entgegenkommt, weil sie aus Deutschland kommen. Wenn sie aber „deutsche" Listen aufstellen und in dieser Richtung weitergehen, dann werden sie das Recht, sich zu beklagen, verlieren. illilil IN w^f^^^m^ s$££lN saasä „Bei uns" Tu der Behandlung den Fidlen der ..nulionuldeulscheu" Juden in Berlin, .schreibt das „Neue Wiener Tagblati" unter dem Titel „Tragödie und Satyrspiel": „...Man täte jedoch unrecht, wollte man in diesem Verhalten der national-deutschen Juden nur das erheiternde S a / y r s pi e l erblicken oder es n u r <i/s Mangel persönlicher Würde und männlichen Selbstbewußtseins verurteilen. Vielmehr ist in diesem Schicksal dieses ..Nationalverbandes deutscher Juden" auch ein gut Stück T ragik enthalten. Nicht daß der Verband in diesen Tagen dem Schicksal der Auflösung verfallen und Herr Doktor Naumann verhaftet worden ist — nicht darin liegt das Traurige des Geschehnisses, vielmehr könnten diese Vorfidle nur das Komische der Situation verstärken. Erschütternd aber ist, was den ge Sinti u n. g s rn ä ß i ge n II interg r u n d des Vorfalles bildet. Dieser National oerband deutscher Juden war ja nur ein Fj x t rakl jener Denkweise, die tatsächlich so ziemlich das ganze deutsche Judentum erfüllt hat" „Diese Juden in Deutschland, zumal jene der gehobenen sozialen Schichten und insbesondere der intellektuellen Kreise, waren tatsächlich nationaldeutsch bis in das Mark der Knochen. Wer immer (ielegenheit hatte, mit ihnen in Berührung zu kommen, mußte diese Beobachtung machen: derselbe Stolz auf die Vergangenheit und auf die Leistungen, der deutschen Nation, derselbe unerschütterliche Glaube an deren Zukunft, nicht selten auch dieselbe U e b c r h. e b I i c Ii keil gegenüber andern I ölkem. vor allem aber gegenüber den Deutschen, die außerhalb der Grenzen des Meiches leben; namentlich, für uns Oeslerreichcr hatten sie jene leutselige He r n blas s u n g. die den hartgesottenen Iir-Preußen seit jeher kennzeichnet. Mit einem. Borte, diese Menschen, waren so national-deutsch, gesinnt wie nur irgendeiner, und selbst die schrecklichen Erlebnisse der letzten zwei Jahre haben nicht t viel, daran geändert. Besucher Palästinas erzählen, welch ergreifenden Anblick es bietet, wenn in Tel-Aviv aus dem Radio plötzlich Berlin oder ein anderer deutscher Sender vernommen ivird, und wie dann den jüdischen Emigranten aus Deutschland die stummen Tränen über }lie Wangen rollen. Die handfesten russisch-jüdischen und polnisch-jüdischen Proletarier, die im Schweiße ihres Angesichtes palästinensischen Boden bearbeiten, die sogenannten „Chaluzim", blicken denn auch auf diese jüdischen Emigranten aus Deutschland geringschätzig herab und halten ihnen bei jedem Anlaß vor: Ihr seid nur gekommen, weil euch derzeit das Leben in Deutschland unerträglich, geworden ist, und. ihr werdet mit Begeisterung wieder zu euern Deutschen zurückkehren, sobald die jetzige Zeil der Heimsuchung vorbei! ist. Und in V a ris hat man für die deutschen Emigranten den Spitznamen „Messieurs bei uns" erfunden, weil diese aus der Heimat hinausgepeitschten armen Teufel doch hei allem, ivas sie in der Fremde sehen. Vergleiche anstellen, die in dem Schlußreim gipfeln: Bei uns ist das und das hesser. ..Bei uns": Der Stolz auj Deutschland, der Stolz auf deutsches können, das Bewußtsein untrennbarer Zugehörigkeil zum dvuischen Kulturkreis ist diesen schiner gedemütigten Menschen trotz allem nicht aus der Seele zu reißen. Das fst die wahre Tragik, die. hinter dem tragikomischen Schicksal des AnumnnnA'erbunde* aufscheint..." Was die Araber «vollen Aus Jerusalem wird gemeldet: Eine Delegation der fünf arabischen Parteien Palästinas, der u. a. auch Exbürgermeister Nashashibi und Großmufti Husscini angehörten, besuchte den High Commissioncr Sir Arthur Wauchopc. Die Konferenz dauerte zwei Stunden. Die Delegation überreichte dem High Commissioncr ein Memorandum mit folgenden Forderungen: 1. Einführung eiaos demokratischen Regimes in Palästina; 2. Verbot des Boden Verkaufes an Juden; 8. Einstellung der j ü disc h e n Ein- - Wanderung; \. Beschlagnahme aller in jüdischem Besitz befindlichen Waffen. Die arabische Presse teilt mit, daß Sir Wauchopc der Delegation die Antwort erteilte, er werde das ihm überreichte Memorandum dem Kolonialamt in London übermitteln. Im übrigen sei er bereit, noch im Verlauf dieses Winters den Legislative Council (Parlament) zu schaffen. Wie die arabische Presse weiter meldet, ist die Delegation von der Antwort des High Commissioncr nicht befriedigt, da sie nicht der von den Arabern geforderten Aenderung entspricht. Es sei deswegen für den 3. Dezember eine Zusammenkunft der' Führer der arabischen Parteien einberufen worden, welche über die in Zukunft zu ergreifenden Maßregeln beraten soll. Von anderer Seite wird mitgeteilt, daß der High Commissioner gegenüber den arabischen Führern die arabische Taktik der immer erneuten Aufwühlung der Massen, welche das wirtschaftliche Gleichgewicht im Lande stört und auch die arabischen Interessen schädigt, scharf getadelt hat. Nashashibi hat zum Protest mitten im Gespräch den Raum verlassen. \Diesec Tita* id eift SdefaUs! DAS LAND DER UERHEISSUNG det sMkste •* Nächste Aufführungen: Sonntag, den 8. Dezember, vorm. Vall und s/*12 Uhr Reiches Beiprogramm Ansprachen: Dr. Josef Löwenherz Samy Gronemann, Berlin Vorverkaufsstellen: Zionistische Bezirksseklion Leopoldstadt, 11, Praterstraße 1. Tel. R-42-407 ab 5 Uhr nachmittags; K. Z. am Graben iGroner, I, Graben 28, Tel. K-22-4-45; Ä. Mejstrik, 1, Wollzeile 6, Tel. R-25-4-53; Bücherstube Ra1h, II, Taborslraße 20, Tel. R-45-305; Jüd. Kulturstelle, I. Franz-Josefs-Kai 3, Tel. R-26-2-36; Buchhand- Richard Lanyi, I, Kärntnerstraße 41, Tel. B-25-6-75, -26-3-33; Kartenbüro Bazar, II, Rothg. G.Tel.U- 24-404 Jung Arabische Terroristen mit Hakenkreuz Aus Jerusalem nird gemeldet: Bei der Nachforschung nach der Terroristenorgunisatlon in Beirut CSyrlen) kam mau zum Kesultat, daß die syrischen Terroristen Exposifcuren in Palästina und in Transjordanien hatten. Diese Expositureu sollen Ihren Sitz in Jaffa, Ttilkarm und Aman haben. Die Zahl der Mitglieder der Tcrrorlstenorgnnlsation in Syrien, Palästina, und Transjordanien soll 4000 betragen. Ihr Emblem ist das H a k eukr e u z. VVio weiter aus Beirut mitgeteilt wird, hat diese Terroristeilorganisation Subventionen seitens eines f v e md e n S t a a. t © s erhalten, welcher sieh in der lety.len Zeit bemüht, die Sympathien der Araber Palästinas zu gewinnen. Unter den gegebenen Verhältnissen kann dieser fremde Staat nur H i 11 e r - D e u t s e h 1 a n d sein. Gegen Kaution enthaftet Aus Jaffa wird gemeldet: Die 80 jüdischen Arbeiter von Rennah, welche vor einigen Tagen verhaftet wurden, weil sie angeblich den Pardcß des Dr. Litwak umzingelten, wurden vom englischen Richter Bodilly gegen Erlag einer Kaution von je 10 Pfund freigelassen. Diese Kaution verfällt, wenn sich die genannten im Verlauf eines Jahres irgend eines Vergehens schuldig machen. ..TAJMfaW^Wt«»« WJimWWWP» * §M 'Xaffe* STINA Juden im Regseffung^iensd Aus J e r u r. a 1 e. m wird gemeldet: Die Zahl der Arbeiter, welche seitens der Palästina-Regierung in (Jen verschiedenen Zweigen beschäftigt werden, beträgt 20.000. Davon sind bei den Bahnen rund 4500, bei Post, Telegraph und Telephon 1500, bei den Hafenarbeiten 3000, der Rest bei den verschiedenen öffentlichen Arbeiten beschäftigt. Die Zahl der jüdischen Arbeiter bei den Regierungsarbeiten ist ganz unbedeutend, ungefähr 300 sind bei den Bahnen, 500 bis 600 bei den öffentlichen Arbeiten und eine unbedeutende Zahl bei Post, Telegraph und Telephon, inagesamt rund 1000, beschäftigt. Palästina-Einwanderung im Oktober Aus Jerusalem: Die Zahl der im Oktober 1935 nach Palästina eingewanderten Juden wird amtlich mit 5631 angegeben. Von den Einwanderern gehörten 399 der Kategorie A, für die ein Vorzeigcgeld von 1000 Pfund vorgeschrieben ist, an. Die palästinensische Sudensdiaft fordert staatledien Zuschuß für Schulen Aus Tel-Aviv (J. T. A.): Vertreter des Waad Leumi, der Stadtverwaltung von Tel-Aviv und einer Reihe großer jüdischer Verbände haben eine gemeinsame Konferenz abgehalten, in der eine scharfe Entschließung gegen die ungenügende. Berücksichtigung der Erfordernisse des jüdischen Schulwerks in Palästina im Budget der Palästina-Regierung gefaßt wurde. In der Entschließung wird gefordert, daß der Beitrag der Regierung dem Anteil der jüdischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung angepaßt werde, wobei betont wird, daß das Budget Palästinas zum größten Teil von den im Lande wohnenden Juden gedeckt wird. Die weiteren Beratungen der Konferenz, die sich auf den arabischen Terror in der letzten Zeit bezogen, gingen unter Ausschluß der Oeffentlichkeit vor sich. ludenstaatspartei der Bukowina Aus Czernowitz wird berichtet: Am 24. November wurde hier im „Jüdischen Hause" die 2. Landeskonferenz der Judenstaatspartei der Bukowina abgehalten. Die Tagung, von Cernowitz und der Provinz zahlreich beschickt, nahm einen würdigen und anregenden Verlauf. Gegen Ende der Konferenz ersuchtem die als Gäste erschienenen Vertreter zweier großer Organisationen, und zwar des Arbeiter- und Angestelltenverbandes „Haowed H e r z 1" und des Jugendverbande3 „Chasith. Herzl", um das Wort und erklärten im Auftrage der von ihnen vertretenen Verbände deren Beitritt zur Judenstaatspartei. FIüdatHngsfrase und Völkerbund Aus Genf, 29. November (J. T. A.): Am 28. November wurde in Genf die Tagung der von der Völkerbundversammlung eingesetzten Sachverständigenkommission zur Behandlung der Flüchtlingsfragen eröffnet. Die Kommission setzt sich aus dem ehemaligen englischen Botschafter in Berlin, Sir Horace Rumbold, dem Franzosen Marcel Holland, dem Italiener Senator D. Michaelis, dem tschechoslowakischen Gesandten in Paris, Dr. Stephan Osusky, und dem Norweger Michael Hansen zusammen. Den Vorsitz führt Gesandter Dr. Osusky. Die Kommission wurde auf Grund eines Antrages Nor wo gens gebildet, durch Schaffung einer Z e ntralstelle für A u s w a n d e r e r f ü r s o r g e sämtliche Kategorien Ausgewanderter der unmittelbaren Kontrolle des Völkerbundes zu untersteilen. Das Hakoah-SfhiyimmsiVäeeging Das zweitägige. Schwimmfest der H a k o a h im Dianabad hat bei glänzendem Besuch insgesamt neun neue, zumeist ausgezeichnete Rekorde gebracht. Die wichtigsten Ereignisse beider Tage, vor allem die Rekorde, waren: Samstag: 100 Meter Kraul: Csik (Budapest) 58,4; 400 Meter für Damen: 1. Schramek (Brünn) 5:58,4 (tschechischer Rekord), 2. Deutsch (Hakoah) 5:58,8 (österreichischer Rekord); 400 Meter Kraul: Lcngycl (Budapest) 4:59,2 (ungarischer Rekord); 3 mal 100 Meter Lagen: B. E. A. C. 3:29 (ungarischer Rekord). — Sonntag: 100 Meter Kraul für Damen: 1. Schramek (Brünn) 1:11,4 (tschechischer Rekord), 2. Wagner (E.W. A.S.K.) 1:15, 3. Deutsch (Hakoah) 1:16,2; 200 Meter Kraul; Grof (Budapest) 2:19; 100 Meter Brust: C«ik (Budapest) 1:14 (ungarischer Rekord); 4 mal 100 Meter Kraul für Damen: Hakoah 5:16,2 (österreichischer Rekord); 4 mal 200 Meter Kraul: 1. B. E. A. C. 9:38,9 (ungarischer Rekord), 2. E. W. A. S. K. 9:51 (österreichischer Rekord eingestellt); 200 Meter Kraul: 1. Grof (Ungarn) 2:19, 2. Lengyel (Ungarn) 2:20, 3. Hnatek (E.W. A.S.K.) 2:23,9 (österreichischer Rekord). JU DENSTA ATSJUG EN D Ge§el Samstag, den 7. Dezember 1935, in den Festsälen des Hotel Coniinenlal, U, Taborstiaßc 4 Jazz: Max und I s i G e i g e r Mitternachtsakademie: Sevilla Pastor, Max Lichtegg, Viktor Claudius, die jugendliche Pianistin Lilly Haipein und Heini Goldan (auf 2 Klavieren). Cäcilie Frey u. Jolan Krauß. Beginn: y39 Uhr abends. Karten ä S 2.— in allen Sektionsheimen der Judenstaatsparlei erhältlich

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