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Die neue Welt · 1935-11-29 · Heft 517 (29.11.1935) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 517 (29.11.1935)
Date
1935-11-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 517 DIE NEUE WELT Seile 5 Bücher tomi d«r BUCHHANDLUNG SCHNEIDER * CO., WIEN I, Franz-Josefs-Kai 7 Reichsie Auswahl neuer Bücher bester Autoren zu billigsten Preisen Katalog graiis // vom Z&nfang an" Die Fälschungen des „Stürmer" In einem Land, wo die berüchtigten ,.Protokolle der Weisen von Zion" zum Ausgangspunkt geschichtlicher Betrachtung und Gesetzgebung gemacht werden, kann die Perfidie eines Julius Streicher und seines „Stürmer", des Leibblatts Adolf Hitlers, nicht überraschen. Sich mit diesen Produkten gemeinster Gesinnung ernstlich auseinanderzusetzen, wäre völlig zwecklos. Die Kulturwelt schweigt zwar größtenteils zu den Ereignissen im heutigen Deutschj land, aber weiß sie richtig einzuschätzen. | Die „BasIerNachrichte n", eines der wenigen ' deutschsprachigen Organe, die das Hitler-Regime in seiner ganzen Brutalität enthüllen, bespricht die jüngsten Fälschungen des „Stürmer", dessen Sondernummer zum Nürnberger Parteitag bekanntlich mit dem Motto ,.M e nschenmörder von Anfang an" versehen war, Indem es schreibt: Das antijüdischc Hetzblatt, „Der Stürmer", dessen intensive Propaganda soeben ihren sichtbaren Niederschlag in den Auanahmegesetzen für die Juden gefunden hat, benutzt bekanntlich jedes, auch das schamloseste Mittel, um den Abscheu der Bevölkerung gegen die jüdische Minderheit zu erregen. So ist dem „Stürmer", der sich sonst nicht eben ehrfurchtsvoll vor dem Buche der Christenheit verneigt, auch die Bibel gerade recht, um daraus „Material" gegen die vermaledeite Rasse Judas zu entnehmen. Mit welch gewöhnlichen und heuchlerischen Fälschungen von Bibelworten dabei gearbeitet wird, das verdient doch einmal öffentlich an den Pranger geheftet zu werden. Könnte der „Stürmer" dabei nicht mit Recht auf die Bibelunkenntnis oder die Trägheit der breiten Masse spekulieren, so müßte sich im ganzen Land ein Sturm der Entrüstung erheben darüber, daß in einem amtlich überall empfohlenen Organ ein derart niederträchtiger Mißbrauch mit dem Buche getrieben werden darf, das von zahllosen Deutschen in der Tat immer noch als die Heilige Schrift verehrt wird. Wer in diesen Tagen durch Deutschland reiste, der sah in allen .Städten bis in das kleinste Dorf hinein das riesige Werbeplakat für die „Stürmer-Sondernummer" zum Reichsparteitag, die unter dem Motto erschienen ist ,.Menschenmörder von Anfang, an". Das Wort soll, wie man auf Seite' 2 dieser''Sondernummer erfährt, Christus nach Joh. 8, 44 zu den Juden gesprochen haben. Es ist aber wohlweislich ohne Anführungsstriche zitiert!! Schlägt nun jemand seine Bibel auf und liest die bewerfende Stelle nach, so wird er zu seiner Ueberraschung feststellen, daß es dort nicht, wie der „Stürmer" seinen Lesern vorlügt, heißt: „Ihr seid" Menschenmörder", sondern: der Teufel, „d e r ist ein Menschenmörder von Anfang an", heißt die genaue Stolle. Ein anderes Beispiel: Im ersten Buche Moses, Kapitel 39, haben wir die Erzählung von Joseph, der im Hause des Potiphar Sklavendienste leistet. Als die Frau des Potiphar, die „ihre Augen auf Joseph geworfen hatte", ihn zu dem Entsprechenden veranlassen will, sagte er zu ihr: „Wie sollte ich ein solch groß Uebel tun und wider Gott sündigen?" (39,9). Joseph weiß sich also an die höchste sittliche Instanz, das Gebot Gottes, gebunden, das ihm den Ehebruch strikte verbietet. Als Frau Potiphar ZW %ule> thaßfniedec - u. deck nickt ieucec! Wien '. Plankoni. ß^lrtu^riasfasse 21 AHNA ZWÖLFER eines Tages wieder nicht zum Ziele kommt, nimmt sie eine echt weibliche Rache an Joseph, sie reißt ihm ein Kleidungsstück vom Leibe und beschuldigt ihn dann vor ihrem Manne des versuchten, aber mißlungenen Ehebruches. Was macht daraus der „Stürmer"? Er stellt sich (gegen den gesamten Wortlaut und die Absicht der biblischen Erzählung, die eben die letzte gläubige Verpflichtung dieses Joseph vor Gott dartun will) auf die Seite der Frau Potiphar und erklärt mit frecher Stirn: alle Juden machen es wie „der Jud' Joseph": sie schänden wehrlose Frauen und. behaupten dreist, das Weib habe sie verführen wollen! Und dann erzählt der „Stürmer" Beispiele... und wie! Ein ganz besonderes Aergernis für den „Stürmer" sind natürlich die im orientalischen Stil gehaltenen göttlichen Verheißungen an das Volk Israel, die sich so zahlreich in der Bibel finden. Der „Stürmer" zitiert: „Bleibe immer ein Fremdling in dem Lande der Nichtjuden. So will ich dich segnen und dir die Länder geben, darinnen du wohnst" (angeblich 1. Mose 26,3). In Wirklichkeit Jautet diese Verheißung Gottes an Isaak folgendermaßen: „Sei ein Fremdling in diese m Lande (der Philister) und ich will mit dir sein und dich segnen. Denn dir und deinem Samen will ich alle diese Länder geben." Wobei der „Stürmer" geflissentlich das Entscheidende verschweigt, daß nämlich dem Volke Israel einzig und allein deswegen solche Verheißungen gegeben sind, weil es nach dem eindeutigen Zeugnis der ganzen Schrift, wie naoh den ausdrücklichen Worten Jesu, Gott nun einmal gefallen hat, Uns Heil der ganzen Welt ausgerechnet von den Juden kommen zu lassen. Die „Basler Nachrichten" schließen: „Die Beispiele mögen genügen. Der verborgene Kampf aller anständigen Deutschen um eine saubere und ehrliche Sprache mit dem politischen Gegner sowie der offene Kampf der Bekennenden Kirche, der wesentlich ein Kampf um die Autorität der Bibel ist, gewinnen durch dieses Zeltdokument eine neue und vielleicht bisher au j Sirenig beachtete Bedeutung," \ Eine einfache Rechnung Von Molr Großmann (Tel-Aviv) Eine Menge Dinge, welche noch vor kurzer Zeit unglaublich-absurd geklungen haben, erhalten durch die letzten Geschehnisse ihre Bestätigung. Wenn man zu sagen pflegte, daß die ökonomische Struktur des jüdischen Palästina ungesund sei, und als Beispiel darauf hinwies, daß die Juden das Geld verlören, das sie' von auswärts mit sich bringen, verhielt man sich zu dieser Behauptung skeptisch. Ich erinnere mich, daß in Bukarest und Warschau, wo ich heuer bei Jahresbeginn Vorträge hielt, Zionisten unzufrieden waren und mich der Uebertreibung bezichtigten —- wie ich denn behaupten könnte, daß trotz der Prosperity der Jischuw, die jüdische Gemeinschaft, immer ärmer werde, weil das Geld durch verschiedene Kanäle und fremde Taschen gehe. Ich habe bloß die wirkliche Lage geschildert. Nämlich: Die Juden bringen eine Menge Kapital und Energie nach Palästina. Sie entwickeln Industrie und Landwirtschaft. Alles richtig. Aber das Uebel besteht darin, daß die jüdischen Geldmittel, das Bargeld, gleichzeitig von uns wegfließt und wir mit der Zeit bei den schweren Investitionen bleiben — den Plantagen, Häusern, Boden und Fabriken und ... daß man von der kleinen armen Bevölkerung, hauptsächlich der jüdischen, sechs Millionen Pfund Sterling herausgepreßt hat, die man jetzt in die Kassa gesperrt hält. Das Geld fehlt dem Land — hauptsächlich den Juden. Bis jetzt gibt es keine Statistik über die Summen, welche die Juden den Arabern für Boden bezahlt haben. Schade! Es stünde dafür, sich mit dieser Frage zu beschäftigen. Die Zahlen würden der Welt, die Augen aufreißen. Ohne zu Ubertreiben, kann man annehmen, daß Im Verlaufe der letzten drei Jahre' die Juden (private Personen wie Institutionen) den Arabern für Böden nicht weniger als drei bis vier Millionen Pfund Sterling gezahlt haben. Dieses jüdische Geld ist in den arabischen Taschen geblieben. Es ist sicher nicht zu uns zurückgekommen. Di« wirtschaftlichen Kanäle, die uns mit der arabischen Bevölkerung verbinden, sind eigenartig. Jüdisches Geld fließt in breitem Strom zu den Arabern für Böden, Arbeit, Nahrungsmittel. Es kommt tropfenweise etwas zurück: Die Araber kaufen bei den Juden verhältnismäßig wenig. Ubier Mundgeruch wirkt abstoßend; mißfarbige Zähne entstellen das schönste Antlitz. 'Beide Schönheitsfehler werden oft schon durch einmaliges Putzen mit der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont-Zahnpaste beseitigt. Chlorodont gibt den Zähnen schimmernden Elfenbeinglanz/ ohne den Zahnschmelz zu beschädigen. Tube S.-.90. österr. Erzeugnis. Wer eine schäumende Zahnpaste liebt, verlange ausdrücklich Chlorodont schäumend. Der größte Teil der Gelder wird sich in den Händen anderer befinden. Dieses wirtschaftliche Phänomen habe ich .mit verschiedenen Umständen politischer und wirtschaftlicher Natur erklärt, was zu schicksalsschweren Folgen führen muß, wenn nicht grundlegende Aenderungen kommen sollten. * Als der Kampf gegen den Bericht der Shaw- Kommission (Darstellung der Ursachen der Araberrevolte im August 1929) geführt wurde, haben zionistische wirtschaftliche Autoritäten mit Erklärungen und Beweisen operiert, wonach die Juden nach Palästina rund 45 Millionen Pfund gebracht haben. Seit dem Jahre 1930 hat sich der jüdische Jischuw um mindestens 180.000 Seelen vermehrt. Man kann sicher annehmen, daß im Verlauf der Prosperity-Epoche, innerhalb welcher nach Palä- Kisliü Der Lippenstift wie er sein soll kußfest — dauerhaft stina nicht nur Arbeiter, sondern auch Kapitalisten und Angehörige des Mittelstandes, besonders aus Deutschland, und in Form von Geld Dutzende Millionen Pfund gekommen sind. Dieser Strom hat noch immer nicht zu fließen aufgehört. Wohin nun ist das jüdische Geld geflossen? Die Antwort ist einfach: Zu der palästinensischen Regierung, zu den Arabern und ins Ausland. Die Regierung hat Geld in Form von Steuern herausgepreßt, die Araber haben es für Boden bekommen; ins Ausland haben wir es für die kolossalen Importe geschickt. Hiezu kamen noch andere Anlässe: Massenreisen ins Ausland und Unterstützung von Verwandten in Osteuropa. * Machen wir eine einfache Rechnung. Wenn man das palästinensische Bß* gierungsbudget gründlich analysieren würde, könnte man unschwer nachweisen, daß die Haupteinnahmen von Juden (Zoll, Steuern, Post) und die Hauptausgaben entweder in der Deckung der direkten Bedürfnisse der Araber (Schulen, öffentliche Arbelten) oder in solchen Zweigen des Budgets bestanden, deren Nutznießer direkt oder indirekt gleichfalls die Araber sind. Das jüdische Geld, das ständig in die Regierungskasse fließt, kommt zur jüdischen Bevölkerung nur in sehr kleinem Maß zurück. Eine ganz einseitige Prozedur; im Verlauf von Jahren bedeutet sie für die Juden ein Defizit von Millionen Pfund! Bedeutend wichtiger ist ein anderer Umstand. Der sparsamen Palästina-Regierung ist e» gelungen, große Reserven anzusammeln. Sie machen jetzt eine Summe vor* nahezu sechs Millionen Pfund Sterling au». Daa Geld stammt aus der Bevölkerung, hauptsächlich aus der Jüdischen. Es liegt schon seit Jahren ohne Bewegung da, Ka ist unfruchtbar. Es geht nicht in die Kanäle der Wirtschaft zurück. Ob Palästina diese Reserve benötigt oder ob die Regierung richtig handelt, ist eine andere Frage, Ich glaube, daß die finanzielle Bedachtsamkeit der Engländer in Palästina übertrieben ist. Eines ist klar: Der geniale Charakter dieser. Politik besteht vor allem darin, Die Gelder, die sie in den Tel-Aviver, Haifaer, Jerusalemer Caf6s und Geschäften ausgeben, sind unbedeutend. Wieder einmal die alte Erscheinung: Jüdisches Bargeld, das Millionen ausmacht, wird einem jungen wirtschaftlichen Organismus abgezapft; es kommt nicht wieder zurück; wir werden ärmer an flüssigem Kapital. * Ueberau aber bemüht man sich, ein gewisses Gleichgewicht zwischen Import und Export zu erzielen. Wenn ein Land sich in einer Krise befindet und sein Auslandshandel fällt, wird das Verhältnis zwischen Einfuhr und Ausfuhr streng gewahrt, auf daß das finanzielle Gleichgewicht erhalten werde. Dem tragen die „quota" (Kontingente), die Vorzugszölle und die sonstigen Handelsverträge Rechnung. Palästina befindet sich in einer außerordentlichen Lage. Die Tore des Landes sind weit offen. Alles darf herein. Der Einfuhrzoll ist verhältnismäßig klein. Die eigene Industrie ist nur wenig geschützt. Es gibt keinerlei Abkommen. Der Export ist vorläufig klein. Er hat im letzten Jahr etwas über drei Millionen Pfund betragen, während man Waren im Werte von 16 Millionen Pfund einführte. Die Differenz, das heißt der Verlust, ist erschreckend groß. In einem Jahr haben wir ans Ausland rund 13 Millionen Pfund bezahlt. Nicht besser war es in den vorangegangenen zwei Jahren. Wenn man ganz vorsichtig rechnet und in Betracht zieht, daß eine Menge als Kapital der Einwanderer ins Land gekommen ist, kann man mit großer Sicherheit behaupten, daß Palästina, hauptsächlich die jüdische Einwohnerschaft, im Verlauf der drei letzten Jahre ans Ausland die Barsumme von 20 Millionen Pfund gezahlt hat. Wieder dasselbe Bild: das flüssige Bargeld, das die Juden nach Palästina gebracht haben, fließt ins Ausland zurück. Diese Erscheinung muß sich schließlich negativ auswirken, weil die Quellen des Kapitals im Land allmählich versiegen. Die jüdische Einwohnerschaft wird blutarm. Gewiß, für das Gold haben wir ein Aequivalent. Aber erstens ist ein Teil des Geldes für Maschinen und sonstige Investitionen verwendet worden, zweitens werden die eingeführten, zu produktiver Arbeit geeigneten Gegenstände noch jahrelang als totes Kapital liegen. Das lebendige Arbeits- und Umsatzkapital ist vorläufig weg Ein beispielloser Erfolg das £and äet UeeUeiflwtp IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIII Du schönste PxMtetiHaJilh* Nächste Aufführungen: Sonntag, 1, Pczcmfcer 1935, vorm. J/3U u. »/«t? Uhr FLIEQERKINO ,Die Neue Welt* schreib! Uber diesen Film: .. In atemloser Spannung laßt das Publikum die Bilder d«r Arbeit, der Freude und der jlid'schen Schöpfeikiaf» vorüberziehen. Unvergeßliche Szenen... ein Film, der überwältigt.

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